Gemeinschaft wirklich erleben … TEIL 4

room-540833_1280Muss man „best Friend“ mit jemanden werden, um wertvolle Gemeinschaft mit ihm oder ihr leben zu können?

Joseph R. Myers stellt auf der Grundlage der Arbeiten von Edward T. Hall in seinem Buch „The Search To Belong“ vier Räume vor, in denen sich unterschiedliche, aber doch wertvolle Gemeinschaft ereignen kann.

  1. Der öffentliche Raum
  2. Der soziale Raum
  3. Der persönliche Raum
  4. Der intime Raum

Heute schauen wir auf die ersten beiden Räume.

Ein Gedanke vorab: Immer wieder begegnen mir Christen die denken, dass wertvolle Gemeinschaft nur in sehr persönlichen Begegnungen stattfinden kann. Oder wenigstens sollte! Das wird als Forderung an die Gemeinde aufgestellt, der man sich anschließen will. Aber auch als Kritik an der konkrete Gemeinde geäußert, zu der man gehört: die Gemeinde lebt keine echte Gemeinschaft, in den Kleingruppen geht es nicht sehr tief, es geht nur um Programm, nicht um Beziehungen … usw. Im Hintergrund steht oft der Traum einer „idealen“ Gemeinschaft, die ganz vertraut, offen,  authentisch … miteinander unterwegs ist. Praktisch ist das aber in Gemeinden nur sehr begrenzt möglich: Mit wie vielen Leuten kann man so offen, nah und vertraut sein? Wie weit reicht unsere eigene Kapazität? Das eigene Ideal stößt an seine Grenze!

Ist Gemeinschaft nur dann wertvoll, wenn sie sehr persönlich, offen, vertraut … ist?

Die vier Räume …

Myers setzt an der Frage nach „wertvollen Beziehungen“ an und öffnet eine hilfreiche Sicht auf das Thema. Seine These: Es gibt vier Räume für Gemeinschaft und in allen vier Räumen können wir wertvolle Beziehungen bauen und erleben. Eine Gemeinde sollte alle vier Räume pflegen, wertschätzen und als Realität anerkennen. Sie sollte um die Konflikte wissen die entstehen, wenn Menschen z.B. den öffentlichen Raum für sich zur Zeit wählen, andere aber diese Grenze nicht akzeptieren und in ihren persönlichen Raum eindringen wollen. Eine Grundfrage kann also sein: „In welchem Raum sind wir gerade unterwegs? Für welchen Raum bin ich zur Zeit offen? In welchem Raum möchte ich mit einer bestimmten Person tatsächlich sein? …“

Der öffentliche Raum

  • Man hat ca. 3,60 m Abstand u. mehr, kommt sich also nicht so nahe!
  • Z.B. Fans eines Fußballvereins sind in diesem Raum …
  • Eine Clique von Motorrad Fahrern …
  • Apple User …
  • Camper …
  • usw. …
  • Im öffentlichen Raum erlebt Menschen wertvolle Begegnungen, Verbundenheit, Dynamik, Begeisterung …, ohne dass man über persönliche Dinge spricht.
  • Mancher denkt nun, dass das nicht wertvoll sein kann! Das ist aber nur die eigene Bewertung!
  • Wenn man z.B. Leute nach dem Campingurlaub fragt, wie sie die Begegnungen erlebt haben, kann man manche Überraschung erleben. Sie berichten von netten Begegnungen, die einfach gut tun und deshalb wertvoll wurden.
  • Erleben das Leute in unseren Gemeinden nicht auch immer wieder? Ich höre das immer wieder von Gästen und Leuten, die unsere Gemeinde beginnen zu besuchen. Gerade am letzten Sonntag wieder …
  • WICHTIG: Wir alle brauchen wertvolle Beziehungen und Begegnungen in allen vier Räumen!
  • Lassen wir Christen die Möglichkeit dazu, oder müssen unsere Beziehungen schnell in die anderen (nähere, intensivere) Räume wechseln?
  • Hier entstehen die meisten Beziehungen! Vom öffentlichen Raum aus können Beziehungen auch in die anderen Räume kommen, müssen es aber nicht um wertvoll zu sein!
  • Gab’ es Menschen, die wertvolle Begegnungen mit Jesus im öffentlichen Raum hatten?

Der soziale Raum

  • 1,20 – 3,60 m Abstand
  • Zum Beispiel unsere Nachbarn: Man kennt sich so, dass man um Hilfe fragen kann, gießt die Blumen, nimmt Post entgegen, kauft mal mit ein …
  • Man hat gute, kurze und meist nicht so persönliche aber doch wertvolle Gespräche.
  • Eine gute Nachbarschaft bewirkt Sicherheit, angenehme Umstände und Verbundenheit! Eine schlechte Nachbarschaft hat auch erhebliche Auswirkungen auf uns.
  • In diesem Raum finden wir langsam heraus, auf wen wir uns mehr einlassen wollen, mit wem wir persönlicher unterwegs sein wollen.
  • Wir werden hier auch so sichtbar, dass andere für sich klären können, ob sie mit uns tiefer in Kontakt treten wollen.
  • Wir entwickeln uns auch als Persönlichkeiten in dem Raum. Begegnen uns in Schwächen und Stärken, können uns verändern. (Kollegen, Verwandtschaft, Verein …)
  • Wir sind auf der Ebene von dem was wir tun, was unser Beruf, Hobby, Interesse ist.
  • Auch im „sozialen Raum“ wachsen Beziehungen!
  • In diesem Raum finden die meisten Beziehungen einer Gemeinde statt. Auch wenn wir sie – zumindest sprachlich – in den Raum „Persönliche Beziehungen“ verlagern, sind sie doch eher im Raum „sozialer Beziehungen“.
  • Gab es „soziale Beziehungen“ bei Jesus?

Mit den beiden letzten Räumen endet der 5. Teil diese Serie.

Direkt zu den Teilen der Serie:  Teil 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 

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4 Antworten zu Gemeinschaft wirklich erleben … TEIL 4

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