#CoronaKirche – ein Praxisbericht

Jetzt wird es praktisch. Wie macht man das, eine #CoronaKirche zu sein? Gerade wenn man eine überschaubare Kirche mit begrenzten Mitteln ist? Christian Lunkenheimer, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Gevelsberg hat einen richtig guten Gastbeitrag für den LEITERBLOG geschrieben. Dankeschön! 😊 Hier ist er:

UPDATE: ZOOM


Aufgrund der vielen Anfragen, wie das mit ZOOM genau als virtuelles Gemeindehaus funktioniert, hat Christian ein Video dazu gemacht! Es ist hier auf YouTube zu sehen.

Und wie geht das mit dem Kirchencafé auf ZOOM? Christian hat noch ein paar Videos gemacht, die den Umgang weiter erläutern. Hier sind sie zu erreichen.


Und alles war anders – #CoronaKirche

Donnerstag, 12.3. – Ich auf Dienstreise, plötzlich die Frage im Chat des Ältestenkreises: Was machen wir Sonntag? Normal Gottesdienst feiern? Stühle weiter auseinander stellen, Kirchenkaffee ausfallen lassen? Komplett absagen? Eine kurze Zoom-Konferenz später ist klar: Mein pastorales Tätigkeitsprofil wird sich in den nächsten Wochen massiv verändern. Hashtag #CoronaKirche.

Was also macht die Freie evangelische Gemeinde als Freikirche mit ca. 100 Mitgliedern? Und was lässt sie?

Bei uns stellt sich als besondere Herausforderung die Tatsache, dass durch eine Fusion mit der EFG Gevelsberg zum Jahreswechsel aktuell zum einen die Identifikation als eine Gemeinde auf der Agenda steht, zum anderen einige der neuen Geschwister gar kein Internet haben.

Gottesdienste

Relativ schnell haben wir entschieden, dass wir keinen eigenen Gottesdienst-Livestream anbieten. Predigt wäre leicht zu bewerkstelligen, aber Musik ansprechend abmischen ist leichter gesagt als getan. Daher haben wir uns einige Streams angesehen und empfehlen unseren Gemeindegliedern nun (in klassisch bis jugendlich-moderner Reihenfolge):

Neben den Livestreams von außerhalb werden wir die ein oder andere Andacht unserer Pastoren verteilen (mal eine vertraute Stimme hören und so) – es stand eh ein eigener Podcast in der Pipeline, der wird jetzt beschleunigt.

Was wir uns aber nicht nehmen lassen: Jeden Sonntag um 11:30 gibt es virtuelles Kirchenkaffee via Zoom zum Austausch über die Livestreams, Kontakt halten etc.

Zoom: Digitales Gemeindehaus

Sowieso ist Zoom unser digitales Gemeindehaus. Für ca. 16€/Monat erhält man via Zoom einen virtuellen Meetingraum, der bei uns 24/7 offen steht (für visuell veranlagte Menschen ließe sich sogar der Gottesdienstraum als virtueller Hintergrund einrichten). Alle Gemeindeglieder können mit einem Permanentlink unkompliziert mit nur einem Klick den Raum betreten. Auf diese Weise können sich auch Hauskreise dort weiter treffen.

Als feste Termine im Wochenverlauf haben wir unser Kirchenkaffee am Sonntag morgen, ein Gebetstreffen Dienstagabend (hier werden auch wichtige Infos weitergegeben) sowie zwei digitale Hauskreise, die von uns Pastoren moderiert werden: Der eine ist ein Bibelgesprächskreis (Johannesevangelium), der andere ein theologischer Gesprächskreis. Dort lesen und diskutieren wir das Buch „Heiliges Leben“ von Sebastian Rink (auch als Hörbuch auf Spotify).

Für Besprechungen und kreativere Formate bietet Zoom Screensharing, Whiteboard, Umfragen und – besonders nützlich – Breakoutrooms: Damit kann man seine Teilnehmer in Kleingruppen schicken – Gamechanger!

Und das Beste: Man kann auch (zum Ortstarif) unkompliziert via Telefon teilnehmen. Auch hier hat man eine feste Telefonnummer mit festem Einwahlcode.

Kontakt halten

In Gevelsberg wurde uns Pastoren sogar von 1:1 Besuchen der Risikogruppe abgeraten. Daran halten wir uns. Besuche gibt es nur in Notfällen. Das bedeutet: Die Telefone laufen heiß.

Wir nutzen bei uns ChurchTools als Gemeindekartei. Dort kann man ein Follow-Up einstellen: Besuchsteam und Gemeindeleitung haben so eine immer aktuelle Liste mit Menschen, die in regelmäßigen Abständen kontaktiert werden. Kontakt läuft dann über Telefon oder auch mal eine Postkarte.

Empfehlungen aus der #digitaleKirche

Für die digital-affinen in unserer Gemeinde haben wir ein paar Angebote aus der digitalen Kirche empfohlen: Den ein oder anderen Podcast, das nun live gestreamte JesusHouse, Andachtsapps wie AndachtsApp oder XRCS etc.

Nachbarschaftshilfe

Den Löwenanteil unserer Zeit nahm die Organisation der Nachbarschaftshilfe #Nachbarschaftschallenge ein. Wir wollten mehr als nur Zettel mit Hilfsangeboten in die Hausflure hängen, daher haben wir eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die die Nachbarschaftshilfe in Gevelsberg koordiniert. Mittlerweile hat sich auch die Stadtverwaltung unserem Projekt angeschlossen und leitet Hilfsgesuche aus dem Bürgertelefon an uns weiter.

Hilfsgesuche erreichen uns per E-Mail oder Telefon und werden dann in Trello eingetragen. Nur persönlich bekannte HelferInnen (in- und außerhalb der Gemeinde) erhalten Zugang zu diesem Trelloboard, dort können sie dann auswählen, welche Hilfe sie leisten möchten. Genauer ist das hier erklärt

Chance

Ansonsten sehe ich derzeit in erster Linie die Chancen: endlich mal die digitalen Tools ausprobieren, für die bislang die Akzeptanz gefehlt hat, durch Ausfall freigewordene Kapazitäten kreativ nutzen, sich endlich mal der Neugestaltung der Website widmen und und und…

In zwei kurzen Zoomkonferenzen mit KollegInnen aus der Twitterwelt sind ansonsten noch ein paar weitere Ideen zusammengekommen, diese könnt ihr euch hier anschauen (leider sind einige davon für uns schon nicht mehr durchführbar).

Fragen, Anmerkungen, Kommentare gerne hier unten (Kommentar), auf der Facebookseite des Leiterblog oder via Twitter @pastornebenan. Wir freuen uns von euch zu hören und zu erfahren, wie ihr #CoronaKirche gestaltet.

Christian Lunkenheimer, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Gevelsberg

NACHTRAG: Ein günstigerer Weg ZOOM für eure Kirche zu aktivieren, bietet „Stifter helfen“


Gerne könnt ihr auch via der-leiterblog@web.de einen kurzen Bericht einreichen, der von eurem Alltag erzählt. Vielleicht lesen ihn dann bald viele andere auf dem Blog?


 

Über Lothar Krauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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7 Antworten zu #CoronaKirche – ein Praxisbericht

  1. Pingback: Online Gottesdienste in deutscher Sprache … | DER LEITERBLOG

  2. Zoom über Stifter-helfen lohnt sich erst so richtig ab 2 ModeratorInnen (oder wenn man sowieso ein Jahresabo haben will), da man einmal 60€ an Stifter-helfen an Verwaltungsgebühr zahlt und damit für 50% Rabatt freigeschaltet wird.

  3. Michael schreibt:

    Cool, vielen Dank für den Praxisbericht. Zoom scheint genau das zu sein, wonach ich gesucht habe. Eine Rückfrage habe ich zum Kirchenkaffee via Zoom. Kann dort immer nur einer reden? Oder ist es möglich, dass verschiedene Gespräche parallel stattfinden? Wie handhabt ihr es, wenn z.B. 50 Leute gleichzeitig da sind?

    • Lothar Krauss schreibt:

      Christian hat geschrieben: Aufgrund der vielen Anfragen, wie das mit ZOOM genau als virtuelles Gemeindehaus funktioniert, hat Christian ein Video dazu gemacht. Den Link habe ich direkt im Beitrag ganz oben gesetzt.

      • Michael schreibt:

        Danke Lothar, den Link hatte ich tatsächlich übersehen. Vielen Dank für den Hinweis. Habe das Video angeschaut. So direkt wird die Frage nicht beantwortet. Aber wie ich es verstehe gäbe es nur die Möglichkeit falls es zu viele Personen sind, sie in die sogenannten Breakout Rooms zu schicken. Ansonsten ist man einfach „eine große Runde“. Aber vielleicht kann Christian selbst kurz Schreiben, wie sie das Kirchen Kaffee praktisch handhaben, wenn die Gruppe größer wird (z.B. über 15 Leute gleichzeitig beim Kirchenkaffee dabei sind). Liebe Grüße Michael

      • Lothar Krauss schreibt:

        Mir fehlt noch die Erfahrung, bin ja gerade krankgeschrieben 😉. Ich bitte Christian, eine Antwort hier zu schreiben. Lieben Gruß, Lothar

    • Hallo, man kann natürlich auch durcheinander reden, bringt dann aber nix :). Du schreibst, man kann die Leute „nur“ in Breakoutrooms schicken, das ist aber kein „nur“ sondern macht einen riesen Unterschied und funktioniert super. Wir sammeln grade Erfahrungen, am Sonntag (nach unserem ersten Kirchencafe) schreibe ich was, welche Methoden sich da anbieten.
      Am einfachsten (ohne große Moderationserfahrung) geht es so: Alle treffen sich im Zoom Raum und werden dann in Breakoutrooms auf. Wer fertig ist, geht zurück in den ZoomRaum und kann neu aufgeteilt werden.
      Am Sonntag schreibe ich mehr dazu 🙂

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