Autor Philip Yancey gesteht Affäre und zieht sich aus dem öffentlichen Dienst zurück

Philip Yancey (screengrab via YouTube / @Christianity Today)

Der bekannte christliche Autor Philip Yancey hat eingeräumt, über acht Jahre hinweg eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt zu haben.

Seine Bücher waren auch in der deutschsprachigen christlichen Welt weit verbreitet und geschätzt. Was er über Gnade, Gemeinde und Gebet schrieb, fand große Resonanz. Weltweit erreichte er Millionen Leserinnen und Leser; insgesamt wurden seine Werke über 15 Millionen Mal verkauft. Inhaltlich setzte er sich auch immer wieder mit Glauben inmitten von Leid, Zweifel und Zerbruch auseinander.

Ich selbst habe ihn vor Jahren live in Bremen gehört – das war beeindruckend.

Sünde zerstört!

Das ist hier nicht zuerst moralisch gemeint, sondern beziehungsbezogen. Sünde zerstört Beziehungen – die Beziehung zu Gott und die Beziehungen zueinander. Die wertvollsten Verbindungen unseres Lebens können durch Sünde tief beschädigt oder sogar ruiniert werden. Nur Vergebung kann die zersetzende Kraft der Sünde aufhalten und einen Weg zu Heilung eröffnen.

So erlebt es nun auch der bekannte Autor Philip Yancey selbst. In einer E-Mail an Christianity Today erklärte der 76-Jährige, dass er sich angesichts der Affäre und ihrer Folgen vollständig vom Schreiben, vom öffentlichen Sprechen und von sozialen Medien zurückziehen werde.

Seit 55 Jahren ist Yancey mit seiner Frau Janet Yancey verheiratet. In seiner Erklärung an CT – die er nach eigenen Worten wegen seiner „langjährigen Beziehung zu CT“ verfasste – schrieb er:

„Zu meiner großen Schande gestehe ich, dass ich mich acht Jahre lang vorsätzlich auf eine sündige Affäre mit einer verheirateten Frau einlege.

Mein Verhalten widersetzte sich allem, was ich über die Ehe glaube. Es war auch völlig unvereinbar mit meinem Glauben und meinen Schriften und verursachte tiefen Schmerz für ihren Mann und unsere beiden Familien. Aus Respekt vor der anderen Familie werde ich keine weiteren Details mitteilen.

Ich habe meine Sünde vor Gott und meiner Frau gestanden und mich zu einem professionellen Beratungs- und Rechenschaftsprogramm verpflichtet. Ich habe moralisch und geistig versagt, und ich trauere über die Verwüstung, die ich verursacht habe. Mir ist bewusst, dass meine Handlungen Leser, die zuvor meinem Schreiben vertraut haben, desillusionieren werden. Das Schlimmste von allem ist, dass meine Sünde Gott Schande gebracht hat. Ich bin voller Reue und Reue, und ich habe nichts, worauf ich stehen kann, außer Gottes Barmherzigkeit und Gnade.

Ich konzentriere mich jetzt darauf, Vertrauen wieder aufzubauen und meine 55-jährige Ehe wiederherzustellen. Nachdem ich mich vom christlichen Dienst disqualifiziert habe, ziehe ich mich daher vom Schreiben, Sprechen und sozialen Medien zurück. Stattdessen muss ich meine verbleibenden Jahre damit verbringen, den Worten nachzuleben, die ich bereits geschrieben habe. Ich bete für Gottes Gnade und Vergebung – sowie für deine – und für die Heilung im Leben derer, die ich verletzt habe.“

Auch Janet Yancey veröffentlichte eine persönliche Stellungnahme:

„Ich, Janet Yancey, spreche von einem Ort des Traumas und der Verwüstung, den nur Menschen verstehen können, die Verrat erlebt haben. Dennoch habe ich vor 55½ Jahren ein heiliges und verbindliches Eheversprechen abgelegt, und ich werde dieses Versprechen nicht brechen. Ich akzeptiere und verstehe, dass Gott durch Jesus die Sünden der Welt, einschließlich der von Philipp, bezahlt und vergeben hat. Gott gewährt mir die Gnade, trotz meines unergründlichen Traumas auch zu vergeben. Bitte betet für uns.“

Der Rückzug markiert das vorläufige Ende eines öffentlichen Wirkens, das Generationen von Christen geprägt hat – und stellt zugleich die Frage nach Glaubwürdigkeit, Versagen und dem langen Weg von Umkehr und Wiederherstellung.

Yancey begann seine journalistische Laufbahn 1971 beim Magazin Campus Life, das wenige Jahre später Teil von Christianity Today wurde. Über Jahrzehnte prägte er CT als Reporter, Kolumnist und Redakteur.

Wer da stehe …

So viele Leiter und Leiterinnen, aber vor allem Männer, sind in den letzten Jahren „gefallen“, haben also das, was sie predigten, irgendwann selbst nicht mehr gelebt. Der Fall von Philip Yancey – wie der vieler anderer Leiter vor ihm – ist kein Einzelfall, sondern Symptom tieferer Dynamiken im christlichen Leben und in unseren Strukturen.

Öffentlichkeit ist kein Gegensatz zu Gnade

Wenn Leiterinnen und Leiter eine öffentliche Plattform hatten, dann ist ihre Verantwortung ebenfalls öffentlich. Schweigen schützt nicht die Gemeinde, sondern oft nur Systeme, Images oder Macht. Schuld beim Namen zu nennen ist kein Voyeurismus und keine Härte, sondern Teil von Wahrheit. Und Wahrheit ist eine Voraussetzung für Heilung.

Gnade bedeutet nicht, Dinge zu verdecken oder zu beschleunigen. Gnade bedeutet, Menschen durch die Konsequenzen hindurch zu begleiten – nicht an ihnen vorbei.

Keine schnelle Restauration

Eine schnelle Wiederherstellung wegen Charisma, Begabung oder „Nützlichkeit fürs Reich Gottes“ ist keine Liebe. Sie ist gefährlich – für den Betroffenen, für die Gemeinde und für das Zeugnis des Glaubens.

Charakter lässt sich nicht überspringen.
Vertrauen wächst langsam – und wird nicht durch Bühnenzeit repariert.

Qualitative Aufarbeitung statt spiritueller Abkürzungen

Wirkliche Umkehr ist kein Event, sondern ein Prozess:

  • ehrlich,
  • schmerzhaft,
  • oft lang,
  • ohne Garantie auf Rückkehr in frühere Rollen.

Menschen, die ihre Schuld nicht kleinreden, nicht verdrängen und nicht „geistlich umdeuten“, zahlen einen hohen Preis – aber genau dort beginnt echte Wiederherstellung. Alles andere ist Selbstschutz.

Gnade und Barmherzigkeit – für alle Seiten

Gnade heißt:

  • den Gefallenen nicht aufzugeben,
  • die Verletzten ernst zu nehmen,
  • und die Wahrheit nicht zu relativieren.

Das ist kein Widerspruch. Das ist reife Nachfolge.

Eine Warnung an uns alle

Dein letzter Gedanke ist vielleicht der wichtigste:

Wer steht, sollte sich bewusst sein, dass auch er oder sie fallen könnte.

Nicht aus Angst – sondern aus Demut.

Welche Lebensmuster können bewahren?

Ein paar, die sich immer wieder als tragfähig erweisen:

  • Tiefe, ehrliche Rechenschaft (nicht nur funktional, sondern existenziell)
  • Beziehungen ohne Abhängigkeitsgefälle, in denen man nichts darstellt
  • Ein Rhythmus von Rückzug, Stille und Begrenzung, der nicht verhandelbar ist
  • Frühes Ernstnehmen innerer Warnsignale (Erschöpfung, Doppelleben, Rechtfertigungen)
  • Eine Theologie, die Schwäche zulässt, statt sie geistlich zu übertönen
  • Die Bereitschaft, Macht abzugeben, bevor sie uns formt

Vielleicht ist Yancey – bei allem Schmerz – tatsächlich eine Warnung.
Nicht im Sinne von: „So darfst du nicht enden“,
sondern: „Unterschätze nie deine eigene Gefährdung.“

Und zugleich eine Einladung:
zu mehr Wahrheit, mehr Langsamkeit, mehr gegenseitiger Verantwortung –
und zu einer Gnade, die tiefer geht als Imagepflege.


Kommentare

2 Antworten zu „Autor Philip Yancey gesteht Affäre und zieht sich aus dem öffentlichen Dienst zurück”.

  1. Wow…tolle Reflexion, die differenziert geschrieben ist ohne den Gefallenen „vor ein Erschiessungskommando zu stellen“ und andererseits das Geschehene auch nicht kleinredet. Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen:

    • Konsequenz von Philipp Yancey in dieser Situation
    • „Eine schnelle Wiederherstellung wegen Charisma, Begabung oder „Nützlichkeit fürs Reich Gottes“ ist keine Liebe“. Davon brauchen wir mehr – in Kirche und Gesellschaft.
  2. Avatar von starfishpleasantlyb9e28a969c
    starfishpleasantlyb9e28a969c

    Es gibt viele Beispiele für Menschen, die durch Macht zu Sünden verleitet werden. Im Umgang damit gibt es Unterschiede. Den Weg, den Philip Yancey nun gegangen ist, kann ich akzeptieren.

    Die Einordnung von Lothar Krauss unterstreicht für mich erneut seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten.

Hinterlasse eine Antwort zu Beni Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..