TOBIAS TEICHEN: »WENN LEITER VERSAGEN«

»Wasser predigen und Wein trinken!« Das ICF München muss in diesen Tagen durch eine schwere Zeit als Kirche. Es ist schon sehr enttäuschend, wenn Leiter versagen. Wie aber Betroffene mit dem Versagen von Verantwortlichen, Vorbildern, … umgehen, kann noch enttäuschender sein. Der leitende ICF Pastor Tobias Teichen, seine Frau Frauke und das ganze Leitungsteam setzen nun einen bemerkenswerten Akzent! Man kann das nämlich alles auch ganz anders anpacken. Und viel besser! Ein starkes Beispiel, das das ICF und seine Leiter geben:

OFFEN | KLAR | EHRLICH | SELBSTKRITISCH | LIEBEVOLL

Diese fünf Begriffe kommen mir bei der Predigt von Tobi, während er auf das Scheitern der Ehen reagiert. Es sind die Ehen eines der Mitgründer vom ICF München und einer Mitarbeiterin, die beide in Vollzeit bis zu diesem Zeitpunkt beim ICF angestellt waren.

OFFEN & KLAR
Er spricht würdevoll und doch ganz ehrlich über das, was Fakt ist. Das ist ein Punkt, den Bill Hybels für einen seiner größten Fehler in der Anfangszeit von Willow hält. Ein Mitleiter war in Ehebruch gefallen und Hybels kommunizierte es nicht klar, weil er die Familie schützen wollte. In der Folge brauch eine Krise auf, die Willow fast zerstört hätte.

Der ICF Pastor hat sich bestimmt gut beraten und aus diesen Fehlern gelernt. Tobias Teichen spricht klar an, was vorgefallen ist. Aller Raum zur Spekulation wird damit genommen, was der ganzen Kirche sehr helfen wird.

EHRLICH
Beeindruckend zu sehen, wie Tobias und Frauke mit dem, was es für sie bedeutet, ringen. Kein schnelles »Schwamm drüber …«, auch kein hartes schnelles Urteil, gespickt mit Bibelstellen als Ausweg für ihre Enttäuschung! Sondern den harten Weg wählt das Ehepaar: leiden, ringen, Traurigkeit … Sehr hilfreich! Gut gemacht!

SELBSTKRITISCH
Eigentlich ist die Faktenlage klar. Die Anklage kann erhoben werden. Was wollen die Schuldigen zu ihrer Verteidigung vorbringen? Nein, auf diese Abkürzung lässt sich das ICF nicht ein. Sie lassen sich herausfordern: was haben wir falsch gemacht, was können wir lernen … Vorbildlich! Das steht der Kirche von Jesus gut zu Gesicht.

LIEBEVOLL
Die Liebe in Wahrheit. So kann es eine Gemeinde tun. Daran können wir uns orientieren. Das Ringen der Leitung um die Gnade Gottes, die an der Wahrheit nicht vorbeigeht sondern die Kraft des Kreuzes aus Ausweg nimmt. Das Kreuz im Mittelpunkt. Mit sinnvollen Konsequenzen.

Sehr wertvoll, dass wir im deutschen Kontext und in dieser Öffentlichkeit so eine wertvolle Lehrstunde miterleben können. Lehrreich, hilfreich, stilbildend. Gut gemacht ICF! Wir feiern euch!

 

Hier geht es zur Predigt vom 15. Oktober 2017

Bild: Screenshot ICF Video

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9 Antworten zu TOBIAS TEICHEN: »WENN LEITER VERSAGEN«

  1. ThoBu schreibt:

    sehr gut und herausfordernd. Ich bin ein wenig irritiert über die Konsequenz des „Sündige hinfort nicht mehr“.

    • Renate schreibt:

      Mir geht es genauso, Thobu.

      Keinem der „Drumherumstehenden“ steht es zu, „den Stein zu werfen“.

      Aber wie gehen die unmittelbar Betroffenen damit (geistlich) nach der Schock- und Wutphase um, die immer wieder wellenmäßig auftritt, je nachdem wie oft und heftig man mit den unmittelbaren Konsequenzen konfrontiert wird? Wie sieht es aus mit Schuld / Verantwortung? In diesem Fall sind 2 Familien zerstört, die scheinbar alle in der gleichen Gemeinde bleiben?
      Anklage – geäußert oder nur im Herzen- loslassen ohne Klärung? Vergebung? Ggf. sogar Versöhnung?
      – Sehr herausfordernd und für mich nicht abschließend beantwortet.

  2. Mondo schreibt:

    Vorneweg: Ich finde Tobi Teichen hat die tragische Situation auf eine sehr, sehr gute Weise kommuniziert. Da kann man auch für viele andere Gemeindesituationen draus lernen. Diese Offenheit und die klare und seelsorgerliche Verknüpfung der Situation mit Gottes Wort war extrem hilfreich! Als Leitungsteam haben sie in meinen Augen auch mit Sicherheit schmerzhafte, aber sehr weise Entscheidungen getroffen.

    An dem Fall zeigt sich jedoch auch eine Schwäche des ICF-Modells. Soweit ich weiß, gibt es dort keine Gemeindemitgliedschaft. Wie sollte man also jemand aus der Gemeinde ausschließen können? (Was manche nun in den youtube-Kommentaren als eigentlich notwendigen Schritt sehen.) In meiner Gemeinde ist ein Ausschluss schon in Einzelfällen geschehen, das hat aber nie bedeutet, dass die betroffenen Mitglieder nicht weiterhin in den Gottesdienst kommen durften. Jemanden wie einen „Zöllner und Sünder“ zu behandeln heißt ja nicht, nichts mehr mit ihm zu tun haben zu wollen, im Gegenteil! (Und einige kamen weiterhin und haben über einen längeren Prozess zur Umkehr und zurück in die Gemeinde gefunden. Preis dem Herrn!)

    Dass die beiden ihr Amt verloren haben ist eine Form der Gemeindezucht. Und man darf hoffen, dass Gott dadurch für die ganze Gemeinde Gutes bewirkt. In einem Modell ohne Mitgliedschaft kann man diese Form der Ermahnung jedoch nur bei Mitarbeitern anwenden. Andere bringt man letztlich um den Segen zu erleben, dass ein Verharren in der Sünde Konsequenzen hat. Nach der Bibel stellen solche erzieherische Maßnahmen im Gemeindekontext als letztes Mittel ja keine Verurteilung dar, sondern sollen den Betroffenen dazu dienen, nicht in der Sünde zu verharren (da die Folgen eines unbußfertigen Herzens letztlich viel schlimmer sind als ein Gemeindeausschluss), sondern die Schuld zu erkennen, von Herzen zu bereuen und neu Gottes Gnade zu empfangen.

  3. Hanna schreibt:

    Ich sehe es auch krömisch, dass sie die beiden namentlich in aller Öffentlichkeit erwähnt wurden.
    Für die Gemeinde selber finde ich so eine Transparenz sehr wichtig und auch richtig aber dass das sich jetzt jeder anhören kann ist wiederum fast wie eine Bloßstellung in aller Öffentlichkeit.
    Was mir ehrlich gesagt fehlt ist, dass sie stellvertretend als Leiter vor Gott Buße tun für das, was da passiert ist.
    Sowas ist meiner Meinung nach wichtig, um Satan das legale Recht zu nehmen, da weiterhin wüten zu können.

    • Mondo schreibt:

      Ich glaube bei einer Gemeinde wie dem ICF ist dieses Öffentlichmachen unumgänglich. Die Podcasts werden ja deutschlandweit geschaut. Und zumindest der Pastor ist damit ganz bestimmt auch für Leute außerhalb Münchens zum Vorbild geworden. Die Transparanz wird also auch für diejenigen hilfreich sein, die aus der Ferne dabei sind.

      Grundsätzlich denke ich, dass man es immer besser machen könnte. Aber sie haben schon sehr viel richtig gemacht. Und wie sie den Prozess als Leitungsteam nun mit den Beteiligten angehen wissen wir ja im Detail gar nicht… Und es ist auch die Frage, ob das so clever ist, da jeden bis ins Tiefste hineinschauen zu lassen. Ich denke eher nicht. Vielleicht gibt es ja in einiger Zeit einen Part 2. Wie schön wäre es, wenn Gott den ganzen Prozess gebrauchen würde, um die Ehen wiederherzustellen?!

      • Hanna schreibt:

        Ich denke auch, dass Tobias versucht hat, das beste aus der Sache zu machen, was er machen konnte. Dennoch: Es sind viele Glieder, und doch ein Leib. Wenn ein Glied versagt, leiden alle anderen Glieder mit und wenn der Leib Buße tut, dann hat das Auswirkung auf alle Glieder. Das ist ein biblisches Prinzip und meiner Meinung nach das, was an aller erster Stelle steht. Vor Gott und der ganzen Gemeinde (und denen, die die Podcasts angehört haben) Buße tun und eine Konsequenz daraus tragen.
        Das was Tobias Teichen gemacht hat, war ja letztdendlich alle Zuhörer davor zu warnen Steine zu werfen (inklusive auf das ICF).
        Aber trotz alledem: Tobias Teichen trifft es am meisten von allem (neben den Ehepartnern mit Kinder) und es ist nicht auszumahlen, wie es ihm jetzt geht. Schließlich ist gleichzeitig eine langjährige und tiefgründige Freundschaft und Vertrauen zerstört worden und die Ehre und sein Ruhm leidet trotz allem auch darunter.
        Und Ja: Es ist eine Tragödie!

  4. Hanna schreibt:

    was mir aufgefallen ist ist, dass in den Podcasts oft andere Gemeinden „belächelt“ wurden. Ich finde sowas ist auch sehr gefährlich. Ich musste da oft daran denken, dass das zu einem Fallstrick werden kann…

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