
Hinweis: Der Text und das Video/Audio ergänzen sich, haben viele Schnittmengen, sind aber nicht ganz identisch. 😉
Eine geistliche Frage!
Wenn die wichtige Frage für Führungsleute die ist, wie sie zu einem stabilen, integren und guten Charakter kommen, werden sie eine spirituelle Dimension betreten müssen. Wie das?
Grundüberlegungen
Die Frage nach der Moral und Werten braucht ein Grundlage, die nicht wissenschaftlich, sozial oder pragmatisch ist. Um die Frage nach den eigenen Werten, dem Sinn und der Moral zu klären, müssen wir eine metaphysische, philosophische, theologische Dimension betreten. Wir begeben uns auf die Suche nach Axiomen, also noch Grundsätzen der Wahrheit, die nicht mehr begründet werden können (und müssen).
Die Frage nach dem Führungsanspruch, nach der Macht und der Idee, mein Recht durchsetzen zu können, auch wenn andere deutliche Nachteile davon haben, hat z.B. damit zu tun. Die erste Welt lebt auf Kosten der dritten Welt. Wer das so o.k. findet, hat für sich eine Lebensanschauung gewählt, die das moralisch, ethisch und von seinen Werten aus betrachtet legitimiert.
Führungskräfte in der Wirtschaft finden es zum Beispiel o.k, dass das Interesse der Aktionäre vor das Interesse der Beschäftigen gesetzt wird. Manche Kirchen finden es (zumindest praktisch betrachtet) o.k., dass Kleriker für ihre Vergehen nicht so zur Rechenschaft gezogen werden, wie das sonst der Fäll wäre.
Die gelebte Überzeugung, die gelebten Werte weichen hier von den „gepredigten“ Werten ab. Das ist kein rein religiöses Problem! Wir kennen das aus der Politik, dem Sport, der Unterhaltungsindustrie … Genau genommen hat das mit unserem Sein und Herzenszustand als Mensch zu tun.
Die christliche Perspektive
Mein Charakter ist der »Dreh- und Angelpunkt«! Und der Charakter ist in großer Not bei Führungskräften rund um den Globus. Howard Hendricks, Prof. für Leadership sagt:
„Die größte Krise in der Welt ist die Krise der Leitung. Die größte Krise der Leitung ist die Krise des Charakters.“
Es gibt eine bedenkliche Wirklichkeit, die Steve Scaccone so beschreibt:
„Unglücklicherweise ist Charakter nicht erforderlich für effektive Führung.“
Das gibt uns Fragen auf: wie ist das mit dem Charakter?
Und hier kommt die Verbindung zwischen der Führungsrolle, dem Glauben und dem Charakter ins Spiel. Andy Stanley, ein Pastor eine großen Kirche in den USA hat das sehr selbstkritisch als Mahnung in den Raum gestellt:
»In ihrem Talent und ihrer Begabung zur Führung steckt das Potential sie weiter zu bringen, als ihr Charakter sie trägt. Das sollte sie beunruhigen.«
Und deshalb sagten wir in der letzten Episode:
»Es ist entscheidender, wer ich bin und werde als das, was ich leiste!«
Es geht um Personen, nicht um Methoden, Techniken, Wissen …!
Wer soll ich werden? Welche Werte sollen mich prägen? Welcher Ethik folge ich? Was ist richtig, falsch, wahr, unwahr? Diese Fragen sind eng mit uns als Personen verknüpft. Mit dem, wer wir sind. Tief im Herzen. Diese Gedanken des Herzens steuern unser Leben. Ob wir Leute sind, die auf der Basis des christlichen Glaubens das Leben sehen, oder ob wir eine andere Glaubensgrundlage (jeder Mensch (!) hat sie! Nicht nur die religiösen Leute) gewählt haben.
Weil das so ist …
… spielt unser Thema heute so eine zentrale Rolle! Vielleicht magst du jetzt dran bleiben, auch wenn du keine Verbindung zum christlichen Glauben hast. Es lohnt sich, versprochen! Hier die These:
»Gute Führungspersonen sind Jünger!«
Machet zu Jüngern!
Das ist der Ruf und die Beauftragung von Jesus, die im Zentrum des christlichen Glaubens steht. Diese Idee stellt Jesus direkt an den Anfang seines Wirkens: »Folge mir nach!« Oder so: »Wer mir nachfolgen will …« Alles andere ist diesem Ruf in die Nachfolge nachgeordnet. Dietrich Bonhoeffer hat das sehr markant in seinem Buch Nachfolge auf den Punkt gebracht:
»Nachfolge ist Bindung an Christus; weil Christus ist, darum muß Nachfolge sein. (…) ein Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum ohne Jesus Christus.« (1)
»Nachfolgen heißt bestimmte Schritte tun. Bereits der erste Schritt, der auf den Ruf hin erfolgt, trennt den Nachfolgenden von seiner bisherigen Existenz. So schafft sich der Ruf in die Nachfolge sofort eine neue Situation. In der alten Situation bleiben und nachfolgen schließt sich aus.« (2)
(1) Bonhoeffer, D. (2015) Nachfolge. Sonderausgabe. Herausgegeben von M. Kuske und I. Tödt. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus (Dietrich Bonhoeffer Werke), S. 47.
(2) Bonhoeffer, D. (2015) Nachfolge. Sonderausgabe. Herausgegeben von M. Kuske und I. Tödt. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus (Dietrich Bonhoeffer Werke), S. 50.
Mit diesem Ruf in die Nachfolge von Jesus, in die Jüngerschaft beginnt der christliche Glaube. Wer auf diesen Ruf antwortet, wird Christ. Der Ruf selbst ist ein Ruf der Gnade, ein unverdientes Geschenk. Eine Kostbarkeit. Glauben und auf den Ruf eingehen kann ein Mensch nur, weil Gott es ihm schenkt. Gottes Herz ist, dass alle Menschen den Ruf hören und darauf eingehen. Gottes Liebe zu Menschen öffnet den Raum, zwingt aber niemanden in die Nachfolge. Soweit einige wenige Gedanken zur Jüngerschaft.
Leiter sind Jünger!
Bevor also ein Christ in seine konkrete Berufung einsteigt, ist er in die Grundberufung nachzufolgen eingestiegen. Und wie dann der individuelle Ruf auch aussieht, er ruht auf dem Fundament ein Nachfolger zu sein. Wer also in einer Rolle steht, aber nicht Nachfolger, Jünger ist, beschädigt die Kernwerte des christlichen Glaubens und der christlichen Lebenspraxis.
Beispiel: Ein geistlicher Leiter der lügt, sich bereichert, seine eigene Ehre sucht … beschädigt nicht nur seine Rolle als Leitungsperson, sondern auch Christus, den Glauben, die Gemeinschaft der Glaubenden … Ich denke, ihr habt den Punkt.
Jesus ist der Prototyp einer Leitungsperson
Jesus der Prototyp! Er ist Führungskraft in Bestform. Ihm nachzufolgen bringt uns auf den Weg, etwas von dieser Qualität als Leitungsperson zu spiegeln. Wie kann das gehen? Hier die Idee:
Wenn der Charakter Jesus Christus spiegelt, die Leiterin die Werte und das Wesen von Jesus in ihrer Leitungsrolle demonstriert, dann entsteht etwas starkes, kräftiges und machtvolles. Ich denke da z.B. an Mutter Teresa, die weltbekannt und weltweit anerkannt wurde, auf diesem Weg der Nachfolge als Leiterin mit einer Mission für die Armen.
Eigenschaften des Charakters von Jesus
Im Brief an die Galater schreibt der Apostel Paulus davon. Er unterscheidet die „Frucht des Geistes“ von den „Werken des Fleisches“. »Fleisch« = der Mensch, der in Eigenregie sein Leben gestaltet. Hier ist Galater 5,19-23
»18 Wenn ihr euch jedoch vom Geist ´Gottes` führen lasst, steht ihr nicht mehr unter ´der Herrschaft` des Gesetzes. 19 Im Übrigen ist klar ersichtlich, was die Auswirkungen sind, wenn man sich von der eigenen Natur beherrschen lässt: sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, okkulte Praktiken, Feindseligkeiten, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Rechthaberei, Zerwürfnisse, Spaltungen, 21 Neid, Trunkenheit, Fressgier und noch vieles andere, was genauso ´verwerflich` ist. 22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.«
NGÜ NT + PS, 3. Auflage (2013). Romanel-sur-Lausanne, Schweiz: Genfer Bibelgesellschaft; Deutsche Bibelgesellschaft, S. Gal 5,18–21.
Man stelle sich eine Führungskraft vor die …
… diese Eigenschaft lebt. Jeden Tag, mit dem Team, öffentlich, privat … Wow! Hier noch einmal die Aufzählung: »22 Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.«
Dieser Charakter wächst, wenn ein Christ sich vom Geist Gottes prägen lässt (Charakter = Gepräge!). Also engen Umgang mit Jesus pflegt, seinem Wort und seinem Geist Raum gibt und sich danach ausrichtet. Im Denken, Reden und Handeln. Die gegenteiligen Eigenschaften, die ab Vers 19 aufgelistet sind, denke mal über sie nach. Und dann an die Mächtigen unserer Zeit und in der Geschichte … So aktuell, relevant und lebensnah ist die christliche Botschaft. Das bringt uns zur nächsten Frage:
Wie werde ich ein guter Nachfolger?
So wird die Frage, wie man eine gute Führungsperson wird zur Frage, wie man ein guter Nachfolger, eine gute Nachfolgerin wird! Das ist das Fundament, von dem wir aus der Perspektive des christlichen Glaubens sich der Frage der Führung nähert.
Selbsterlösung, Selbstoptimierung vs. Nachfolge
Und das ist unwillkürlich eine Provokation für eine Kultur, die an Selbsterlösung und Selbstoptimierung glaubt. Sie glaubt, darauf möchte ich hinweisen. Das Fundament, auf dem jeder und jede am Ende steht, ist ein Fundament des Glaubens. Jeder glaubt! Nur was? Darin unterscheiden wir uns. Christen glauben nicht an Selbsterlösung. Auch nicht an Selbstoptimierung.
Christen glauben nicht, dass ein Mensch sich durch die eigene Anstrengung aus seinem Dilemma seines Herzens befreien kann. Er oder sie muss gerettet werden. Jemand muss ein Rettungsteam schicken, das einen aus der Notlage rettet, erlöst.
In den Bergen oder auf See ist diese Wirklichkeit anschaulich mit den Teams der Seenotrettung, der Bergwacht, realisiert. Jesus Christus ist der Retter, so wird er zu Weihnachten angekündigt. Nachfolge bedeutet, sich retten zu lassen. Beschenkt zu werden, um schenken zu können. Segen ist ein christliches Fachwort, zu dem der Geigenbauer von Weltrang, Martin Schleske, folgendes schreibt:
»Das Wesentliche, von dem die Seele lebt, kann man sich nicht verdienen, weder durch eindrucksvolle Leistungen noch durch großartige Taten, weder durch Aufopferung noch durch ein tadelloses Leben. Wir können Glück nur geschenkt bekommen. Das ist die Bedeutung des Segens: Man muss sich seiner nicht würdig erweisen, denn Segen ist keine Belohnung.« (3)
(3) Schleske, Martin, Werkzeuge, Bene! Verlag, S. 396
Bedeutung und Sicherheit
Diese beiden Grundbedürfnisse treiben uns Menschen an. Denk mal darüber nach! Die Psychologie schaut schon länger in diese Themen. Dallas Willard greift diese Dimensionen in seinem Klassiker „The Divine Conspiracy“ (deutsche Ausgabe: Gott …) auf:
“Jesus macht uns in Matthäus 6 auf die beiden wichtigsten Dinge, die uns in unserer Beziehung zu Gott und im gesunden Wachstum im Reich Gottes blockieren, aufmerksam. Dies ist der Wunsch die Zustimmung anderen Leute zu bekommen, vor allem für unser fromm sein, und der Wunsch, uns selbst durch materiellen Wohlstand abzusichern.”
Diese beiden Unterströmungen unseres Seins wirken auf unser Leiten ein. Ein Nachfolger von Jesus wird auf die Themen angesprochen, der Geist Gottes und das Wort Gottes wirken auf diesen Ebenen intensiv, wenn ein Mensch nachfolgt. Und wenn diese Ebenen klar werden, dann kommt so vieles in Ordnung.
Deshalb ist Jüngerschaft so grundlegend für eine gesunde, lebensfördernde Rolle als Leiter und als Leiterin.
Leiter sind Jünger!
Hier findest du ein Arbeitsblatt zur Selbstreflexion der Episode. Mit Fragen, die du für dich, aber auch für ein Feedback durch Leute, die dich kennen, nutzen kannst. Und wie immer: Reflektieren mit deinem Coach ist premium! Hier geht es zur PDF.
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Kommentare
Eine Antwort zu „10_Einfach leiten! | Gute Leitungspersonen sind Jünger! What???”.
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