WORAN GEMEINDEERNEUERUNG SCHEITERT | TEIL 3

Schmerzvermeidung. Mark Batterson trifft den Kern, wenn er in seinem Buch Nachfolge total schreibt: »Der geistliche Wendepunkt liegt dort, wo der Schmerz darüber, dass sich nichts tut, größer wird als der Schmerz, den Veränderung mit sich bringt.«

Schmerzen sind unvermeidbar auf dem Weg der Erneuerung und Veränderung. Wachstumsschmerzen ist für die Medizin nichts unbekanntes. Bis zu einem Drittel aller Kinder zwischen 2 und 12 Jahren leidet hin und wieder unter Wachstumsschmerzen. Und so geht es auch Kirchen und Organisationen, wenn sie auf den Weg zur Erneuerung und Veränderung aufbrechen. Das ist zwar nicht schön, aber unvermeidbar. Deshalb ist ein »kontrollierter Schmerz« die bessere Wahl.

SCHMERZVERMEIDUNG

Wer Schmerzen vermeiden möchte, niemanden weh tun will, wird auf dem Weg der Veränderung und Erneuerung scheitern! Es wäre dann nämlich so, wie es das nette Sprichwort auf den Punkt gebracht hat: »Wasch mich, mach mich aber nicht naß!« Das geht definitiv nicht! Obwohl es manche Führungskraft so anpackt. Kurzfristig mag es eine Entlastung geben, wenn man dem Schmerz aus dem Weg geht und einen »Kompromiss« sucht, wenn es in Wahrheit darum geht, den Schmerz der Veränderung zu vermeiden!

Welche Schmerzen lösen Veränderungsprozesse aus, die man nicht vermeiden kann, wenn man nicht scheitern will?

  • Dass man nicht alle mitnehmen kann!
  • Dass die Verantwortlichen nicht von allen unterstützt werden!
  • Dass nicht alles offen zur Sprache kommt!
  • Dass ungerechte Urteile über die Verantwortlichen, den Prozess, die Ergebnisse … gefällt werden.
  • Dass es Kritik gibt!
  • Dass schlechte Motive unterstellt werden!
  • Dass Leute die Gemeinde verlassen!
  • Dass ehemals sehr engagierte Mitarbeiter passiv werden!
  • Dass finanzielle Unterstützung gekürzt oder gestrichen wird!
  • Dass man missverstanden wird und es keine Chance gibt, das Missverständnis aufzuklären!
  • Dass Leute über einen reden und ihre Meinung haben, die sie einem aber nie ins Gesicht sagen würden!
  • Dass der Prozess scheitern könnte!
  • Angst: Versagensangst, Angst vor Konflikten, Angst vor Ablehnung. …

Diese und (viele) andere Schmerzen vermeiden zu wollen ist ein weiterer sicherer Weg, auf dem ein Erneuerungsprozess scheitern wird. (Gerne kann die Liste über die Kommentarfunktion erweitert werden!)

Schmerzen vermeiden durch Überheblichkeit!

Es gibt noch einen weiteren Ansatz, den Schmerzen aus dem Weg zu gehen: Überheblichkeit, oft gepaart mit Selbstgefälligkeit. Jürgen Klinsmann hat das Thema im Zusammenhang mit der Fußball Nationalmannschaft aktuell angesprochen:

„Nach dem Sieg bei der WM 2014 hat sich ein Gefühl der Überheblichkeit eingeschlichen“, sagte Klinsmann gestern der Bild am Sonntag. Andere Organisationen und Unternehmen sind schon in diese Falle getreten. Nokia oder Kodak werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Neuerdings hat sich Boing dazugesellt. Unter der Überschrift »Hybris, Gier, Absturz« geht Spiegel Online auf die 737-Max-Krise ein: »Der amerikanische Flugzeugbauer Boeing hielt sich für unverwundbar – und machte unglaubliche Fehler.« Hochmut, Überheblichkeit und Stolz sind immer schlechte Ratgeber. Auch für fromme Leute!

Die Bibel gibt ein klares Statement zu dieser Frage ab:

»Vor dem Verderben kommt Stolz, und Hochmut vor dem Fall.« | Sprüche 16,19

Dass Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit eine Strategie zur Schmerzvermeidung sein kann, überrascht. Aber was tut man nicht alles, um zumindest kurzfristig den Schmerz zu vermeiden?! Dennoch ist das bestenfalls immer nur Symptomkosmetik, keine Ursachenbehandlung. Der Schmerz wird kommen. Vielleicht mit etwas zeitlichem Aufschub, dann aber meist ohne die Chance auf eine hoffnungsvolle Perspektive.


THESE 3: Schmerzen sind unvermeidbar auf dem Weg der Gemeindeerneuerung. Wer sie versucht zu vermeiden, verschiebt sie in Wahrheit und begegnet ihnen in der Zukunft. Deshalb ist ein »kontrollierter Schmerz« die bessere Wahl!


NACHTRAG: »Kontrollierter Schmerz«

Auf der Facebookseite des LEITERBLOG’s ist die Frage gestellt worden, wie man Schmerz kontrollieren kann. Gerne poste ich hier als Nachtrag meine Gedanken:

1. Damit rechnen, dass es schmerzhaft werden kann
2. Den Umstand, dass es zu Schmerzen kommen kann, neu bewerten! (Ist kein Weltuntergang, nicht im eigentlichen Sinn »schlimm«, eher normal, nicht zwingend Folge von einem Fehler …)
3. Großzügig und liebevoll mit den Menschen, die Schmerzen verursachen, in Gedanken und auch konkret umgehen
4. Das »Körnchen« Wahrheit, das in jeder schmerzhaften Erfahrung liegt, herausfinden, würdigen und daraus lernen
5. Mit Begleitern den Schmerz reflektieren
6. Liebevoll u. gelassen dann den nächsten Schritt gehen
7. Die Haltung »Menschen lieben und um sie werben« beibehalten

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Hier geht es zur Seite »Veränderungsprozesse« auf dem Leiterblog.

BILD Jürgen Klinsmann: Wikipedia, Von IIJ Events – World Cup 2014: Brazil, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39195668

Über Lothar Krauss

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