WORAN GEMEINDEERNEUERUNG SCHEITERT | TEIL 8

Mutlosigkeit! Wenn einem der Mut sinkt, entgleitet die Sache! Das gilt auch für den Prozess der Gemeindeerneuerung, der (fast immer) einen langen Atem fordert. Dranbleiben wird man aber nur dann können, wenn der Mut nicht sinkt.

Ermutigt oder entmutigt, das ist hier die Frage!

Es braucht immer Mut!

Nur wenn wir ermutigt sind, sind wir handlungsfähig. Entmutigung zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Das darf nicht unterschätzt werden und gilt sowohl für die Verantwortlichen, als auch die Mitarbeiter.

Es braucht Mut. Immer. Mut dranzubleiben und durchzuziehen. Oder Mut die Reißleine zu ziehen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Als Leiter ist Mut gefragt, wenn Anfeindungen kommen (was in der Regel nicht ausbleibt) und Mut, wenn die Berge, die erklommen werden sollen, sehr hoch erscheinen. Ein Zitat fordert mich in diesen Tagen immer wieder heraus:

»Courage is about doing what you are afraid to do. There can be no courage unless you are scared.« | Oliver Wendell Holmes

Eine Übertragung des Zitates könnte so lauten: »Mut bedeutet, das zu tun, wovor man Angst hat. Es kann keinen Mut geben, wenn man keine Angst hat.« Krass, oder?

Ich erinnere mich immer wieder im Blick auf das FCG Projekt »Kirche im Brauhaus« daran. Aber auch bei der Pionieraufgabe »Leiterpodcast«. Und einmal mehr wird mir klar, dass Gemeindeerneuerung kein Sprint ist, sondern ein Ausdauerlauf!

Kein Sprint, sondern ein Ausdauerlauf!

Ich bin eher der Sprinter! Ausdauersport war nie ganz so meine Sache. Ergebnisse, sichtbare Resultate, Entwicklungen … spornen mich an. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat das Gleiche tun, ohne einen Entwicklung zu sehen, fordert mich sehr heraus. Aber genau diese Eigenschaft ist nötig, wenn man einen Prozess der Gemeindeerneuerung anleitet. 

Stumpf dranbleiben!

Konstant das Richtige richtig tun! ist die Einstellung, die der Verantwortliche für den Ausdauerlauf braucht. Besonders jüngere Führungskräfte müssen sich das bewusst machen. Immer neue Trends, Methoden, Styles und kirchliche Erfolgsmodelle … wollen sie von dieser Einstellung abbringen. Man war auf einer Konferenz und stellt dann alles um. Das ist nicht immer die schlauste Idee! 

Und manchmal aussteigen!

Auch dazu braucht man Mut! Ich bin immer wieder Kollegen begegnet, die sich in aussichtslosen Gemeinde-Situationen zu einem Ausdauerlauf entschlossen hatten, obwohl sie besser frühzeitig aus dem Prozess hätten aussteigen sollen! Sie haben die Lage falsch eingeschätzt oder waren aus persönlichen Gründen befangen, einen nüchternen Blick zu bekommen.

Besonders gewissenhafte und stetige Kollegen sind gefährdet. Und Pastoren, die ein Haus gebaut haben, deren Kinder in einer kritischen Schulphase sind, oder deren Ehepartner ihren Job nicht aufgeben und wechseln wollen. Sie greifen dann gerne auch zu »frommen« Argumenten, das nicht zu tun. »Gott hat geredet …; ich habe keinen Frieden … usw.« Schnell betrügt man sich selbst! Kompetente, ehrliche und wertschätzende Berater sind da Gold wert.

Wenn alles passt

Wenn alles passt muss man sicherstellen, dass genug Ermutigung nachkommt, um im Wind stehen zu bleiben, konstant das Richtige richtig zu tun und über Zeit die Früchte zu ernten.

Vorbilder für mich: Nehemia und Esra

Ich finde Ermutigung in den Berichten von Nehemia und Esra. Nett, in Ermutigung steckt das Wort MUT! Nach 70 Jahren Exil ging es darum, dass das Volk Israel wieder im Land der Verheißung seiner Bestimmung nachgeht. Ein treffendes Bild, auch für den Zustand der christlichen Szene, finde ich. Und Gott beruft diese Männer unter anderen, damit sie mit dem Volk den Prozess durchziehen, was nicht selbstverständlich war. Viele wollten gerne im Exil bleiben, hatten es sich dort ja gut eingerichtet.

Nicht alle waren von der Idee begeistert. Nehemia und Esra hatten echt viele Feinde, deren Strategie Entmutigung war. Wieder stoßen wir auf das kleine Wörtchen MUT 🙂 Entmutigt oder ermutigt, das ist eine wesentliche Frage. Die Kapitel 1 – 6 nehmen einen lebhaft in die Herausforderungen mit. Dann erleben wir Nehemia, wie er aktiv dagegen aufsteht:

»Ich ließ ihm ausrichten: »Keine deiner Behauptungen ist wahr. Sie sind alle frei erfunden!« Unsere Feinde wollten uns Angst einjagen, um die Fertigstellung der Mauer zu verhindern. Doch ich betete: »Herr, gib uns Mut und Kraft!« | Nehemia 6:8-9 (HOF)

Wie fasse ich Mut?

  • Gebet – ich muss schauen, dass ich jede Woche einige Stunden im Gebet finde!
  • Wort Gottes – Gott redet primär durch sein Wort. Es ist Nahrung, Inspiration, Kraftquelle. Übernatürliches passiert in mir, wenn ich sein Wort aufnehme. Jeden Morgen, 2 Kapitel. Das ist meine Grundversorgung!
  • Beispiele – also Orte, an denen Gottes Wirken gut zu sehen ist. In meinem Kulturkreis, in meinem Kontext. Afrika, Asien, Amerika … alles immer wieder gut. Aber Deutschland, plattes Land, Kleinstadt, trockene Kirche … die erneuert und belebt wird. Da sitze ich in der ersten Reihe.
  • Freunde – ich brauche Leute, die mir das Wort Gottes zusprechen. Die mich ermutigen. Ich bitte sie darum. Peinlich? Fishing for Compliments? Vielleicht. Ich brauche das. Dietrich Bonhoeffer gibt mir recht:

»Darum braucht der Christ den Christen, der ihm Gottes Wort sagt, er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewiss und verzagt wird; denn aus sich selbst kann er sich nicht helfen, ohne sich um die Wahrheit zu betrügen. Er braucht den Bruder als Träger und Verkündiger des göttlichen Heilswortes. […] Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss. Damit ist zugleich das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft. Als solche lässt Gott sie zusammenkommen und schenkt ihnen Gemeinschaft. Allein durch Jesus Christus und die fremde Gerechtigkeit ist ihre Gemeinschaft begründet. Wir dürfen nur also sagen: aus der biblischen und reformatorischen Botschaft von der Rechtfertigung des Menschen aus Gnaden allein entspringt die Gemeinschaft der Christen, in ihr allein liegt das Verlangen der Christen nacheinander begründet.« | Quelle: Gemeinsames Leben, Dietrich Bonhoeffer, S. 11

Fragen zur Selbstreflexion

  • Bin ich am richtigen Platz?
  • Haben wir als Gemeinde die richtige Spur erwischt?
  • Ist der Prozess der Erneuerung auf gutem Kurs?
  • Gibt es in mir Zweifel, Sorgen, Unglauben … im Blick auf den Prozess, aber andere Faktoren (siehe im Text oben) nehmen mir den Mut, klare Entscheidungen zu treffen?
  • Bin ich mehr ermutigt, oder entmutigt?
  • Welche Quellen kann ich regelmäßig anzapfen, um ermutigt zu bleiben?

THESE 8: »Entmutigung« des/der Verantwortlichen lässt das Projekt Gemeindeerneuerung scheitern! Es braucht Mut, so oder so, um den Prozess auf die Länge durchzuhalten.


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Über Lothar Krauss

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Eine Antwort zu WORAN GEMEINDEERNEUERUNG SCHEITERT | TEIL 8

  1. ThoBu schreibt:

    „Ich bin berufen, ich zieh das durch…“

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