Einen Veränderungsprozess gestalten: Wie? | Teil 1

Wandel

Seit 15. November bin ich Pastor in der FCG Gifhorn. Eine Gemeinde mit Geschichte, die sich aber nicht darauf ausruhen möchte sondern einen Veränderungsprozess anstrebt. Denn was sich nicht wandelt, verändert und auf eine gesunde Art wächst, stirbt! Das trifft auf jeden Menschen, jede Familie, Mannschaft, Team auf der Arbeit, Hauskreis, Verein, Pflanzen … und eben auch auf die Kirche zu! „Die Einzigen, die sich nicht verändern, liegen auf dem Friedhof!“

Wie packst du das an?

„Wie packt sie das jetzt konkret an?“, werde ich in diesen Tagen immer wieder gefragt. Gerade junge Kollegen wollen das von mir wissen, aber auch Führungskräfte, die sich ebenfalls immer wieder in dieser Herausforderung wiederfinden. Einen Veränderungsprozess anzuleiten gehört zu den Kernaufgaben einer Führungskraft. Zumindest in einer Welt, in der das einzig Beständige der Wandel ist. Sowohl im professionellen Bereich als auch im Ehrenamt. Ein Teamleiter bei den Royal Rangers (Pfadfinderarbeit) muss sein Team genauso durch den Wandel lotsen wie der CEO eines Konzerns. Und der Pfarrer kommt „aus der Nummer“ auch nicht raus, die Beharrungskräfte in der Kirchengemeinde scheinen aber noch stärker zu sein. Und der Schein trügt nicht! In der Theorie ist der Wandel gewünscht, in der Praxis trifft er auf Zurückhaltung bis Widerstand. „Wasch mich, mach mich aber nicht nass!“

Der Blick durchs Schlüsselloch …

Also habe ich mich entschieden, den Blick durchs Schlüsselloch in dieser neuen Reihe auf dem LEITERBLOG zu ermöglichen. Ich werde in loser Folge meine Überlegungen, Gedanken, Pläne, Strategien und Erfahrungen etwas reflektieren. Es ist das fünfte Mal, dass ich so einen Prozess in einer Gemeinde gehe. Die Prinzipien sind jeweils gleich, doch der Prozess ist jedes Mal anders. Ich bin selbst sehr gespannt …

Bevor es losging …

Bevor ich die Berufung als Pastor nach Gifhorn angenommen habe, begann die erste Phase des Diagnoseprozesses. An anderer Stelle könnte ich darüber noch ein paar Worte verlieren. Aber hier nur so viel: Als klar war, dass die Leitung der Gemeinde und die breite Mitarbeiterschaft die Segel auf Zukunft, Veränderung und Entwicklung setzen (obgleich uns allen nicht wirklich klar war und ist, was das bedeuten wird 🙂 ), habe ich die Berufung angenommen. Zugleich erlebte ich eine klare innere Berufung an den Ort und die Gemeinde. Wie geht es jetzt los?

Sieben Basisprozesse

Wir werden in den nächsten Monaten 7 Basisprozesse durchlaufen, die sich an den Arbeiten von Friedrich Glasl anlehnen. Heute stelle ich sie kurz vor. Wie sie dann im Gemeindealltag praktisch aussehen, wird in den nächsten Teilen zur Sprache kommen.

1. Diagnoseprozess

Analyse und Diagnose der Situation. Das erhellt für mich und die Mitarbeiter das Bewusstsein für die FCG: Wie sind wir? Wer sind wir? Wohin geht gerade die Reise? Haben wir grundsätzlich eine gemeinsame Route? Ist es der Weg der Berufung für uns?

2. Soll-Entwurfsprozess

Was ist die Berufung der Gemeinde, der Auftrag Gottes an die FCG? Überlegungen zur gewünschten Zukunft beschäftigen uns, denn der „Soll-Entwurfsprozess“ ist immer Willensbildung: Wohin wollen wir? Wozu? Wie? Warum? Das vertiefte Studium der Schrift und das Reden des Heiligen Geistes spielen eine große Rolle dabei!

3. Psycho-soziale Änderungsprozesse

Alte Beziehungen, Beziehungsgeflechte (Seilschaften, Klüngeleien, Strippen …?) und Rollen (Ansprüche durch Familienzugehörigkeit, Spenden, Mitarbeit in der Vergangenheit …) loslassen und neue Beziehungen eingehen. Diese Prozesse fördern die notwendige emotionale Veränderung!

4. Lernprozesse

Neues Verstehen, Wissen und Können muss erworben werden. Diese Lernprozesse vermitteln neue Fähigkeiten für den Einzelnen und die Organisation. Bei uns ist das die Gemeinde.

5. Informationsprozesse

Die beständige Information an die Betroffenen sorgt dafür, dass alle „im Bild“ sind und mitvollziehen können, wenn sie wollen. Der Informationsprozess begleitet parallel den ganzen Prozess.

6. Umsetzungsprozess

Geplante Veränderungen müssen nun sorgsam „implementiert“ (1) werden. Das geschieht idealerweise erst in Pilotphasen, die nach einer angemessenen Zeit ausgewertet und angepasst als feste Abläufe eingeführt werden.

7. Den gesamten Prozess steuern und gestalten

Planen, beschließen, lenken, koordinieren, evaluieren aller Veränderungsschritte hin zu einem stimmigen, sinnvollen Prozess in angemessener Zeit. Die geeigneten Personen an die richtigen Stellen bringen und die materiellen … Ressourcen entsprechend steuern.

Ausblick

Die sieben Prozessschritte wirken zusammen und sind grundlegend für den Prozess des Wandels, der auch in der FCG Gifhorn gewünscht ist. Getragen von Gebet und einem brennenden Herzen für Jesus Christus, seine Gemeinde und die Menschen der Region starten wir gerade durch. Mehr dazu im nächsten Teil …

PRAXIS Ergänzung

Zu dieser Reihe erscheinen auch „Praxis-Ergänzungen“, die den konkreten Gemeindeprozess in seiner „Architektur“ beschreiben und die Arbeitsblätter und Präsentationen zur Verfügung stellen. Die Ergänzungen zu den sechs Teilen sind hier nach und nach zu finden.

1. DER GENERELLE AUFTRAG

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Foto (c): Gerhard und Lucia Jung
(1) Die Implementierung (lateinisch implere „anfüllen, erfüllen“) ist die Umsetzung von festgelegten Strukturen und Prozessabläufen in einem System unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, Regeln und Zielvorgaben, also im Sinne einer Spezifikation. In der Managementlehre spricht man in diesem Zusammenhang von Umsetzungskompetenzals dem Vermögen, angestrebte Ziele in entsprechende Ergebnisse umzusetzen. Quelle: Wikipedia
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6 Antworten zu Einen Veränderungsprozess gestalten: Wie? | Teil 1

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