Menschen mit Format | 7 | Gottes Stimme hören!

140825-Briefkasten

Wie redet Gott zu uns? Hat er einen Plan? Teilt er sich uns mit? Kann man Gottes Stimme hören? Gibt es eine Berufung für jeden Menschen? Gibt es eine Berufung, die ICH erfüllen kann? Beruft Gott Menschen in die Aufgabe der Leitung? Wie finde ich meinen Platz, meine Bestimmung, meine Berufung? 

Berufung finden: Wie Gott redet und wir unsere Berufung entdecken

Swen Schönheit gibt konkrete Fragen im Teil 7 weiter, die bei der ersten Klärung helfen können. Kurz und knapp. Konkret. Während manche Christen die Erfahrung der Berufung ganz auf eine besondere Erfahrung zwischen Gott und Mensch reduzieren, weitet Swen Schönheit den Blick auf der Basis, dass Gott ein redender Gott ist. Auch heute noch:

Unseren Geist für Geist Gottes öffnen

Können wir tatsächlich so etwas wie eine innere Kooperation zwischen Heiligem Geist und Menschengeist entwickeln? Können wir empfänglich werden für Gottes gute Gedanken und sie unterscheiden lernen von unseren eigenen? Wie wird das Gebet des Paulus auch bei uns Wirklichkeit: „Er erleuchte die Augen eures Herzens!“? Im Neuen Testament wird immer wieder beschrieben, wie Gott auf ganz natürliche Weise unseren „inneren Menschen“ berührt und uns dabei übernatürlich leitet (Eph 1,18; 3,16 | EB).

Paulus: Prototyp der geistgeführten Führungskraft

Paulus hat darüber nicht nur gelehrt, sondern diese permanente Abhängigkeit vom Heiligen Geist konsequent gelebt. Nach seiner vorübergehenden Erblindung und Bekehrung wurde er „wieder sehend und mit heiligem Geist erfüllt“. Er wurde aufgrund prophetischer Worte „vom Heiligen Geist ausgesandt“. Doch er ging auch durch Phasen der inneren Unsicherheit. Die Reiseroute für seine Einsätze war nicht immer eindeutig. Nach einigen Umwegen „hatte Paulus in der Nacht eine Vision“ und änderte er seine Reisepläne: So kam der Apostel erstmals nach Europa! Auch spätere Weichenstellungen bei seiner internationalen Mission „nahm sich Paulus im Geist vor“. Sein Geist kooperierte willig mit dem Heiligen Geist (9,17; 13,4; 16,9; 19,21). So wurde der Apostel unter der Leitung des Geistes zum herausragenden Leiter seiner Zeit. Denn „ein Leiter ist jemand, der mehr als andere sieht, der weiter als andere sieht und der früher als andere sieht“ (Leroy Eims).[1]

Die Rolle des Verstandes

Die Bibel ist weder der Ansicht, dass der menschliche Verstand das Maß aller Dinge ist, wie es die Aufklärung lehrte, noch sieht sie ihn prinzipiell als verdorben an. Er ist das wichtigste Werkzeug, durch den Gottes Geist an unseren Geist anknüpft. Bill Johnson formuliert sogar, dass Gott „ihn zum Torhüter des Übernatürlichen gemacht“ hat! Allerdings braucht unser Verstand mit all seinen Vorprägungen, Vorlieben und Festlegungen eine Art Runderneuerung durch das Evangelium. Paulus spricht deutlich von der Notwendigkeit einer „Erneuerung des Sinnes“, denn von Haus aus sind wir „gleichförmig dieser Welt“, in vielen unserer Wertvorstellungen unreflektiert und angepasst (Röm 12,2). Von Natur aus können und wollen wir nicht denken, wie Gott denkt. Doch wenn Jesus Herr im gesamten Haus unseres Lebens wird, entwickelt sich in uns die „Denkweise des Christus“ (1.Kor 2,16)! Das griechische Wort nous meint den „Sinn“ und „Verstand“, die Fähigkeit und Art zu „Denken“. Diesen Innenraum unseres Lebens möchte Jesus zunehmend einnehmen. Johnson betont, dass „nur ein erneuertes Denken die Realität des Reiches Gottes auf die Erde bringen kann.“[2] Wir beginnen zu denken, wie Jesus denkt. Wir beginnen zu sehen, was Gott bereits sieht. Wir beginnen zu fühlen, wie Gottes Herz fühlt. Wir beginnen zu wollen, was Gott will …

Gottes Stimme hören: Auf allen Kanälen empfangsbereit sein

  • Stelle Gott dein Innenleben genauso zur Verfügung wie deinen Körper, deinen Besitz, deine Beziehungen und deine Zeit! Bitte ihn, Herr über alle deine Sinne zu werden!
  • Bitte Gott, deine Fantasie und Vorstellungswelt von allen unsauberen, irritierenden und belastenden Bildern zu reinigen! Dies können traumatische Erinnerungen sein, Angstgefühle, aber auch der Einfluss von schlechten Filmen oder pornografische Bilder (vgl. Eph 4,17-18).
  • Erwarte Gottes Reden bei Tag und bei Nacht: Rechne mit klaren Gedanken, inneren Bildern und Worten! Bitte Gott auch, auch durch Träume zu dir zu sprechen! Und bedenke dabei: „Sind die Deutungen nicht Gottes Sache?“ (1.Mose 40,8)[3]
  • Lerne zu prüfen, „was dem Herrn wohlgefällig ist“ (Eph 5,10). Am Maßstab der Bibel, gereift durch Lebenserfahrungen und durch geschärftes „Unterscheidungsvermögen“ werden wir zur Klarheit kommen (Heb 5,14).
  • Handle nie irrational und lass dich nicht durch Bilder oder Eindrücke anderer Menschen unter Druck setzen! Gott gibt uns rechtzeitig die Klarheit, die wir brauchen, um verantwortlich handeln zu können. Er gibt uns seinen Frieden, „der allen Verstand (nous) übersteigt“ (Phil 4,7).
  • Notiere dir geistliche Eindrücke, die du durch Bibelstellen, Bilder, Träume, Worte und Gedanken empfangen hast! Halte auch wichtige Impulse fest aus Gesprächen, Predigten, Artikeln oder Büchern! Lege dir auf diese Weise ein „geistliche Schatzkästchen“ an!
  • Wenn du von Gott her klar siehst und hörst, halte daran fest – auch wenn die sichtbare Realität eine andere Sprache spricht, „da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare“ (2.Kor 4,18 | jeweils EB).

Weitere Überlegungen und praktische Schritte …

Grafik 3

In den 80er Jahren hatten wir an unserem Auto eine Teleskop-Antenne, die man ausziehen konnte. Wir haben sie beim Parken immer reingeschoben, weil solche Antennen manchmal abgebrochen wurden. Jedenfalls war es eindeutig: Erst wenn alle sechs Segmente ausgezogen waren, hatte man ordentlichen Empfang im Autoradio. Dieses Bild hilft mir, den lebenslangen Prozess zu begreifen, der zur Entfaltung unserer Berufung führt: Es ist immer noch mehr drin … Da sind im Innern noch Segmente, an die du bisher nicht gedacht hast … Das Hören und Entdecken lässt sich immer noch verfeinern … Wir können den „Empfang“ dadurch verbessern, dass wir unser geistliches Leben ausbauen und lernen, Gottes Stimme zu identifizieren. So betete Samuel aus einem kindlichen Herzen: „Rede, Herr, denn dein Diener hört!“ (1.Sam 3,10), und empfing einen einflussreichen Auftrag. Wir können aber das Hören auch präzisieren, indem wir die richtigen Fragen stellen:

  • Suche dazu immer wieder Zeiten der Stille: Stunden, Tage, Auszeiten …
  • Notiere dazu alles, was dir in den Sinn kommt … Lies es später wieder durch …
  • Suche darüber den Austausch mit einem Freund, Ratgeber, Mentor …

Nicht alles auf einmal!

Wichtig dabei ist Folgendes: Gott offenbart uns in der Regel nicht den „Masterplan“ für unser Leben am Stück – er führt uns Schritt für Schritt. Deshalb werden wir bestimmte Fragen zu bestimmten Zeiten stellen (müssen) – andere bleiben offen. Aber Gott verspricht uns seine Nähe und väterliche Leitung: „Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst. Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge.“ (Ps 32,8 | jeweils EÜ)

Wichtige Fragen, um der Berufung auf die Spur zu kommen

Meine Persönlichkeit / mein bisheriger Werdegang

  • Welche Stärken und Begabungen hat Gott mir sozusagen in die Wiege gelegt?
  • Welches Fundament haben Elternhaus, Schule und Ausbildung in mir gelegt?
  • Welche Aspekte meiner Persönlichkeit könnten andere Menschen bereichern?

Meine Träume / meine Leidenschaft

  • Wofür schlägt mein Herz? Was motiviert mich im Tiefsten?
  • Wofür kann ich Leidenschaft entwickeln und wäre bereit Opfer dafür zu bringen?
  • Welche Vorbilder haben mich geprägt? Bei wem suche bzw. finde ich Orientierung?
  • In welcher Rolle würde ich mich gerne sehen? Was möchte ich gerne bewegen?

Bestätigung durch Gott / durch andere Menschen

  • Wofür wurde ich in der Vergangenheit ermutigt? Wofür bekam ich Bestätigung?
  • Wo/wann hatte ich das Gefühl: „Ich bin am richtigen Platz, was ich gerade tue, passt zu mir! Ich kann spüren, dass Gott mit mir ist!“?
  • Wo/wann steckte ich in Aufgaben bzw. Arbeitsbereichen, die mir völlig gegen den Strich gingen?

Erfahrungen mit Gottes Reden

  • Welche Aussagen der Bibel gaben mir bereits Antworten zu meinem Lebensweg?
  • Welche Klarheiten habe ich durch das persönliche Hören auf Gott gewonnen (Gedanken, Eindrücke, Bilder, Träume)?
  • Welchen Rat anderer Menschen habe ich als Gottes Reden empfunden?

Mein Weg mit Jesus

  • Wann/wo hat mich der Ruf in die Nachfolge getroffen – und wie habe ich darauf regiert?
  • Welche Schritte des Gehorsams hat Gott bisher von mir verlangt – und wie ging es mir damit?
  • Wie sieht mein Innenleben aus: mein Selbstbild, mein Vertrauen, meine Hörfähigkeit, meine Veränderungsbereitschaft?
  • Wer kennt mich am besten? Wessen Rat kann ich vertrauen? Wer könnte mich fördern, in angemessener Weise herausfordern, beraten und begleiten?

Ein nächster Schritt:

Drucke die Fragen aus und gehe sie selbst, mit einem Freund, einem Coach … durch. Denke nach, bete darüber, frage Leute dazu die Dich gut kennen! Man kann sie auch in einer kleinen Gruppe von Freunden diskutieren, auf einer Wanderung, am Strand, in der Mittagspause, im Hauskreis mit Bekannten … 

[1]        Zitiert bei: John C. Maxwell, Leadership – Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien, Gießen/Basel (42008), S. 50
[2]     Bil Johnson, Neues Denken – Neue Vollmacht, Vaihingen/Enz (2007), S. 41-43
[3]     Beachte die enorme Bedeutung von Träumen in der Bibel: Der Josef des Alten Testaments bekam schon als Jugendlicher Träume, die einen Generalplan zur Rettung von Nationen ankündigten. Die Josefs-Geschichte enthält drei Träume, die jeweils zweifach vorkommen (1.Mose 37,5-10; 40,5-8; 41,1-8.25). Ebenso hat der Josef des Neuen Testaments drei oder vier Träume, durch die Jesus als Kind gerettet wird (Mt 1,20; 2,13.19.22). – Ausführlicher zur Deutung von Träumen: Marianne Peuster, Gott spricht in meinen Tag hinein, Hannoversch Münden (2012), S. 65-90
Titelfoto: (c) Lothar Krauss
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Swen Schönheit
Swen Schönheit ist seit 1989 Pfarrer an der Apostel-Petrus-Gemeinde im Märkischen Viertel in Berlin. Als Gründungsmitglied des Netzwerks „Gemeinsam für Berlin“ engagiert er sich seit vielen Jahren für die Einheit der Christen in der Stadt und die Förderung jüngerer Leiter. Seit November 2012 ist Swen Schönheit mit einer viertel Pfarrstelle bei der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung Deutschland als theologischer Referent tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.
Buchcover
Menschen mit Format, Leiten lernen von Jesus, Swen Schönheit, Asaph-Verlag, 320 S., € 17,95 | eBook: € 14,95
Die Kurzrezi zu “Menschen mit Format” auf dem Leiterblog gibt es hier.

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