Wie viel Macht darf eine Führungskraft haben? | 2

Raubtiere

„Macht ist ein grundlegendes Merkmal des Lebens. Wir sind umgeben von Macht und wenn sie richtig eingesetzt wird, bringt sie diese Welt zum blühen …“ schreibt Andy Crouch in seinem neuen Buch „Playing God – Redeeming The Gift Of Power“.

Macht: Gut oder schlecht?

Können wir die Frage nach der Macht so positiv sehen, oder mahnt uns die Geschichte zu Vorsicht und Zurückhaltung? „Eine ewige Erfahrung lehrt, dass jeder Mensch, der Macht hat, dazu getrieben wird, sie zu missbrauchen. …“ zitiert Dr. Markus Liebelt den französischen Philosophen und Staatstheoretiker der Aufklärung, Charles de Secondat, Baron de Montesquieu in Versuchungen der Macht.

Glaube und Macht – Kirche und Macht: Muss das dann nicht eine gefährliche Kreuzung sein die Unheil heraufbeschwört? Und überhaupt: ruft Jesus seine Leute nicht aus der Machtrolle heraus? Sollen sie nicht dienen, statt zu herrschen?

„Für die kommende Epoche geht es im Letzten nicht mehr um die Steigerung der Macht – obwohl  diese sich immer weiter und in immer rascherem Zeitmaß vollziehen wird – sondern um deren Bändigung.“ schreibt der Religionsphilosoph und katholische Theologe Romano Guardini 1951 in seinem kleinen Büchlein „Die Macht“. Sicher hat er den zweiten Weltkrieg noch lebendig vor Augen, wo auf europäischen Boden ein Machtmissbrauch ohne Vergleich stattgefunden hatte. Muss das Thema seither nicht ein Tabu sein?

Ein gesundes Bild

In dieser Serie des Blogs wollen wir etwas differenzierter und vertiefter der Frage nachgehen. Sie hat es „in sich“. Wir wollen mit dieser Reihe aber nicht in die Falle einer „Vermeidung aller Macht“ tappen, sondern mit voller Absicht und ohne ideologische Engführung versuchen ein gesundes Bild zeichnen. Verschaffen wir uns daher zuerst einmal mit diesem Beitrag ein Bild vom Wesen der Macht.

Das Wesen der Macht

„Hat ein Sturm, ein Tiger, eine Seuche … Macht?“ fragt Guardini. In der Wirkung schon, aber im weiteren Bestandteil der Macht, der Initiative, nicht. Wenn wir von Macht sprechen, dann haben wir diese beiden Elemente vor Augen:

  1. Initiative (Absicht, Wille, Entscheidung …)
  2. Wirkung (Hilfe, Klärung, Produkt, Veranstaltung …)

Wenn eine Energie vorhanden ist (wie in einem Sturm zum Beispiel) wird sie erst dann zur Macht, wenn „ein Bewusstsein sie erkennt, eine Entscheidungsfähigkeit über sie verfügt und sie auf bestimmte Ziele ausrichtet.“ Soweit die These von Guardini, die er dann seiner Schrift philosophisch weiter ausführt. Ich empfehle die Lektüre gern. Er kommt darin zur wichtigen Feststellung, dass „Macht die Fähigkeit ist, Realität zu bewegen.“ Ganz im Gegensatz zu Ideen, die zunächst nur begeistern. Um einer Idee den Einfluss zu verleihen, dass sie die Realität verändert, braucht es Macht. Und das leistet Macht.

Wirklichkeiten verändern!

Macht ist die reale Energie und der bewusste Wille verbunden mit dem Vermögen (Können …), diese Energie auf ein bestimmtes Ziel hin in Bewegung zu bringen, um Realitäten zu verändern.

Das ist ein schöne Definition die aber noch nicht beantwortet, ob diese Macht legitim eingesetzt wird. Ob die gemeinsamen Werte geachtet werden und ihr Einfluss die Realität zum erwünschten Guten verändert. Das besprechen wir später in der Reihe.

Diese Definition hilft uns aber nachzuvollziehen, dass der (legitime) Einsatz von Macht sinnvoll und wichtig ist. Wenn das Miteinander von Menschen gelingen soll (egal ob im Umfeld von Familie, Beruf, Verein, Kirche …), braucht es den Einsatz von Macht. Es liegt in der „Natur der Sache“, dass es einen sinnvollen und wichtigen Einsatz von legitimer Macht braucht, um Realitäten zu verändern. Das sagt uns unsere wache Wahrnehmung und ist unverfänglich, wenn wir das an positiven Beispielen durchdenken. Zum Beispiel an dem wertvollen Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen“.

Wie gut, dass Ärzte Macht haben …

Stellen wir uns eine Ärztin von „Ärzte ohne Grenzen“ vor, die sich in einem Krisengebiet befindet und Zugriff auf Medikamente, Mitarbeiter hat. Sie hat sich bewusst dazu entschieden dort zu sein, ist motiviert und durch ihre Ausbildung fähig, jetzt diesen Notleidenden kompetent und wirksam zu helfen. Sie nimmt Einfluss. Übt Macht aus. Kann Anweisungen geben, denen Folge geleistet wird. So verändert unsere Ärztin Realitäten im Leben der Notleidenden! Wie gut, dass sie mit diesem Bewusstsein auftritt, sie nicht über ihre Macht diskutieren muss, sondern sie selbstverständlich zum Vorteil der Notleidenden einsetzt und so Realitäten verändert. Dieser Kontext und der definierte Auftrag ihrer Organisation lässt sie gut über ihren Machtgebrauch fühlen. Vielleicht, aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sie ihren Einsatz und ihr Handeln nicht mit der Kategorie Macht verbinden, obwohl sie Macht hat und ausübt! Kann sie ihre Macht missbrauchen? Auf alle Fälle! Liegt der Missbrauch am Wesen der Macht? Nein! Worin dann? In der Person, ihren Motiven, ihrer „verborgenen Agenda“, ihrer defizitären Persönlichkeit usw.! Brauchen wir deshalb nicht Kontrolle für „Mächtige“? Mag sein. Aber nicht wegen der Macht selbst, sondern den Personen, die nicht angemessen mit ihr umgehen. Unsere Ärztin wäre ohne echte Macht in diesem Krisengebiet keine echte Hilfe. 

An diesem Beispiel wird deutlich, dass es nicht am Wesen der Macht selbst liegt, wenn mit ihr schwierigen Erfahrungen gesammelt werden. Wenn sie missbraucht wird. Es liegt an den Personen, die ihre Macht nicht angemessen gebrauchen.

Christ und Macht!

Christen sollten zu Menschen reifen, die gut mit Macht umgehen. In ihren Beziehungen, Familien, Berufen, Kirchen … Und wieder einmal landen wir beim Grundgedanken dieses Blogs: Die Entwicklung der Person des Leiters ist vorrangiger, als die Ausbildung der Fähigkeiten der Führung (die aber auch sehr wichtig sind!).

Woher kommt Macht?

Diese Frage wird uns im nächsten Teil beschäftigen.

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3 Antworten zu Wie viel Macht darf eine Führungskraft haben? | 2

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