
Noch mehr, erschütternde News …
Gestern brachte die Tageszeitung aus Kansas City einen Bericht, der bisherige Anschuldigungen untermauert und der mich sehr betroffen macht. Er wirft bei mir Fragen auf, mit denen ich schon länger ringe. Sie haben mit meiner geprägten Frömmigkeit zu tun. Mit meinen Erfahrungen, die ich mit dem Heiligen Geist gesammelt habe und meinem Verständnis geistlicher Dinge, in denen ich unterrichtet wurde. Hier erst einmal aus der Meldung:
»Eine Frau aus Michigan beschuldigt den Gründer des International House of Prayer, Mike Bickle, sie vor 43 Jahren sexuell missbraucht zu haben, als sie 14 Jahre alt war und Bickle Pastor einer Kirche in St. Louis war, berichtet der Kansas City Star.
Die Frau, Tammy Woods, sagte dem Star, dass Bickle in den frühen 1980er Jahren begann, sie zu missbrauchen, als er Pastor der South County Christian Fellowship war, die ihre Familie besuchte, und Woods war Bickles Babysitterin.«
Ich könnte jetzt zur Tagesordnung übergehen und mir sagen, naja, so war das zu erwarten. Schau zur Katholischen Kirche, den letzten Berichten aus der evangelischen Welt und – wer weiß – was wir aus den Freikirchen dazu noch auf den Tisch bekommen werden.
Dass das Mädel 14 war, als das losging, dass das alles schon vor Jahrzehnten begann und Tammy Woods eine persönliche Verbindung zur Familie Bickle hatte, wie Julie Roys schildert, ja, das kommt so vor. So ist das wohl. Die Täter kommen zumeist aus dem engsten, oft sogar familiären Umfeld. Also, hast Du etwas anderes erwartet, nachdem die Dinge sich immer mehr so herauskristallisierten? Der Ablauf scheint sich zu ähneln. Man ist das in der Zwischenzeit gewohnt. Von der Anschuldigung, über die Leugnung, den empörten Stimmen der Fanboys und Girls, bis zum Eingeständnis dessen, was nicht mehr geleugnet werden kann. Oder zu einem hartnäckigen Schweigen des Täters, der sich nun als Opfer einer Kampagne sieht.
Jetzt könnte man sagen: Es sind ja alles auch nur Menschen. Auch die Helden der Bibel waren nicht ohne Schatten. Was erwartet man …? Wir sind doch alle Sünder …! Das sind schwierige Argumente, die aber hier und da schon gut kommentiert und reflektiert wurden. Ich lass das an dieser Stelle alles einfach mal offen. Ja, es ist schmerzhaft, aber nun will ich den Fokus auf das richten, was mich plagt:
Was mich beschäftigt, mir viel Mühe macht …
… ist der Sachverhalt, dass ein Muster über Jahrzehnte besteht (das ist noch nicht der Punkt) und diese Person einen Rückenwind hat, der ihr eine internationale Plattform gibt (jetzt geht es los, was mich beschäftigt).
Sie hat Erfolg, wird zum Vorbild, baut eine große Sache auf und inspiriert andere zu einer großen Sache. Gott scheint es zu segnen, zumindest würde man das so deuten. Und dann die „Kultur der Ehre!“: sie wird gefeiert, wertgeschätzt und als ein Mann Gottes (hier Bickle) bezeichnet. Jemand, den Gott besonders segnet und für seine Generation bemerkenswert gebraucht. In den persönlichen Begegnungen (ich hatte nur eine mit Mike) ist sie sehr angenehm, bescheiden, dienend … Ich nähere mich jetzt meinen tieferen Schmerzpunkten.
Die Person ist eingebunden in eine internationale Community die aus Leuten besteht, die sehr prominent sind, die „nah am Herzen Gottes“ dienen, gesalbt, bestätigt, bekannt und bewundert. Sie beten intensiv, fasten, suchen den Herrn, leben im Wort … (und wie die frommen Vokabeln noch lauten). Der Heilige Geist erfüllt sie und die Gaben des Heiligen Geistes im Bereich von Offenbarungsgaben, Wundergaben, Kraftgaben … offenbaren sich. Erstaunliche Berichte machen die Runde, eine wachsende Community entsteht, die ganz intensiv mit dem Herrn unterwegs ist. Ein Aufbruch, ein Erwachen. Ist es nicht das, wovon man als leidenschaftlicher Jesusnachfolger träumt? Das, was man sich wünscht, wenn man alles auf eine Karte setzt und mit ungeteiltem Herzen als Christ leben will?
Und hier nun meine Fragen …
Ich gebe zu, sie quälen mich. Sie sind auch nicht rhetorisch. Ich stelle sie als ein Kerl, der seit 1988 hauptamtlich am Start ist. Als ein Pastor, der andere anleiten soll, der viel erlebt hat und der die pfingstlich-charismatischen Welt als seine geistliche Heimat sieht (was es noch schmerzhafter macht!).
Fragen.
- Warum fällt diesen gesalbten, erfahrenen, prophetisch begabten Frauen und Männern Gottes im Umfeld des Täters nichts auf?
- Warum offenbart Gott in den intensiven Gebetstreffen, Fastenzeiten, Konferenzsettings nichts dazu was Einfluss gewinnt und das Unheil in der Community stoppt?
- Hier besonders: Gebetshäuser – sogar als Inspiration rund um die Welt! Tausende suchen Gott und da ist niemand mit Einfluss, Reputation … der Gott in der Sache „hört“? Niemand, der einen Auftrag im Gebet von Gott erhält, wie z.B. ein Nathan für den David? Echt jetzt?
- Warum „erlaubt“ Gott Menschen, die mit Mustern der Art über Jahrzehnte (!) unterwegs sind, so einen großen Einfluss zu entwickeln? Oder ist das gar nicht von Gott, dieser Segen, der Einfluss, der Erfolg?
- Warum läuft die „Maschine“ immer so weiter? Immer kommen neue Namen, neue Orte, neue geistliche Bewegungen … auf die christliche Bühne. Aber immer neu die gleichen alten, schwierigen Vorgänge … Bickle ist ja nicht der Erste in der Reihe.
- Und das, was bei Mike Bickle sichtbar wird, findet man auch in anderen Frömmigkeitsrichtungen. Ich denke z.B. an Jean Vanier, dem Gründer der Arche Bewegung, der sich auch Henry Nouwen angeschlossen hatte. (Arche = einer internationalen ökumenischen Organisation, welche Gemeinschaften gründet, in denen Menschen mit und ohne geistige Behinderung in christlicher Weise zusammenleben.)
- Wenn sich das alles also immer neu wiederholt, ist es dann überhaupt gut, sich für neue geistliche Bewegungen zu öffnen?
- Macht es Sinn, sich auf die Versprechen, dass es zu einem Aufbruch kommt, der Geist Gottes wach rütteln wird, eine Bewegung aufwächst … einzulassen?
- Ich bin müde, mich immer neu auf Bewegungen einzulassen, in der sich Tausende um wenige Botschafter, Verkündiger, Leiter sammeln, die dann mit toller Musik und schillernden Persönlichkeiten faszinieren, aber schließlich doch nur wertvolle Lebenskraft, Zeit, Geld … aufsaugen?
- Platzt das am Ende nicht alles wieder? Ist am Ende der Aufbruch dann doch ganz anders, als es anfänglich zu sein schien?
- Und was macht das mit mir, wenn ich solche Celebrities persönlich kenne, gute Erfahrungen mit ihnen als Personen oder mit ihren Gruppen habe? Manipuliert mich das, vernebelt mir das den Blick? Ich denke darüber nach was es mit mir gemacht hat, bei Bill Hybels mit ein paar Leuten in seinem Wohnzimmer gesessen zu sein. Oder mit John Ortberg einen Wein getrunken zu haben, oder, oder, oder …
- Wird denn so richtig geprüft, was im Namen vom Geist Gottes gesprochen wird? „Viel Spreu, wenig Weizen!“ – kommentierte einmal ein Bekannter zu vielen Prophetien, die wir hörten.
- Aber wir sind hier nicht mit der Hinterhofgemeinde verschrobener Heiligen unterwegs, sondern auf den Weltbühnen charismatischer Frömmigkeit! Müsste da die Qualität nicht anders sein?
- Warum hat das alles – trotz dieser Storys – so einen Erfolg? Ist am Ende Erfolg, Ruhm, Glanz, Bekanntheit … vielleicht sogar der Stolperstein für uns alle?
- Und wenn, was ist dann die Lehre, die wir daraus zu ziehen haben? Was müssten nicht nur Celebrities, sondern auch wir alle in unseren Communitys daraus lernen?
- Ist unsere Sehnsucht nach Erfolg, Größe, Ruhm, Event, Erlebnisse … am Ende doch ein Gift, nur auf christlich?
- Ich dachte, dass mit Gebetshäusern usw. diese Dynamiken gedämpft wären. Ich wünschte es mir. Ich sehnte mich danach. Warum? Weil ich an einen Gott glaube, der sich offenbart. Der wirkt, in dieser Welt handelt. Der redet, durch sein Wort und durch seinen Geist. Ich bin aus tiefer Überzeugung und mit ganzem Herzen Teil der pfingstlich-charismatischen Christenheit.
- Am Ende die ganz große Frage: will ich überhaupt in diesen Welten bleiben? Ist es am Ende nicht so, dass vieles (nicht alles!!) doch nur einfach eine Art Geschäft ist? Auf dem Markt der Eitelkeiten und Wichtigkeiten? Und in meinem Falle alles einfach nur „auf geistlich“?
Mich quälen diese Fragen. Seit Jahren. Und wenn es nicht auch Leute wie Loren Cunningham (Jugend mit einer Mission), Tim Keller (Redeemer) oder George Verwer (OM) geben würde, wären Antworten einfach für mich.
Was heißt das für mich in der finalen Dienstphase meines Lebens? Wie kann ich selbst – auch im Blick auf eine nächste Generation – als ein aufrichtiger, hingegebener und Gott suchender Mensch leben und leiten? Wie kann ich – mit vielen anderen Leuten – den Glauben glaubwürdig leben und so ein guter Altvorderer werden? Das alles denke ich durch, auch und gerade im Gedanken an die dunklen Seiten meines eigenen Lebens?
Auf dem Blog berichtete ich zu Mike Bickle und den Vorwürfen im letzten Herbst.
Jörg Dechert, der Leiter vom ERF …
.. hat einen spannenden Kommentar dazu auf LinkedIn geschrieben, den ich gerne als Ergänzung hier mit einfüge. Weitere, richtig wertvolle und anregende Kommentare findet ihr auf der FB Seite des Blogs zu diesem Post.



Kommentare
21 Antworten zu „Das macht mir viel Mühe …”.
Danke, Herr Krauss, das sind Fragen, die mich auch bewegen, die gestellt werden müssen selbst dann, wenn mit keiner befriedigenden Antwort gerechnet werden kann!
Herzlichen Dank für Ihren Blog, denn ich mit viel Gewinn seit langem lese.
Carsten Perl, ECG Kandel
vor 43 Jharen.. oha… lange her.. wieso erst heute?
(Das ist nicht gegen da them das das nicht mal annähernd OK war! Das ist ien No Go!)
Es lohnt sich für dich ggf. etwas weiter in die Thematik einzusteigen wenn du verstehen möchtest, warum Opfer von Missbrauch oft ein ganzes Leben brauchen, bis sie darüber reden können.
lothar, ich weiss dass das mega tiefe wunden schlägt, es ist auch ein Trauriger Aspekt den ich hier anspreche 43 Jahre und es war für sie nicht möglich darüber zu sprechen, gearde in „unseren Kreisen“. 😦
Vielen Dank für die Fragen, die auch mich bewegen.
Ich möchte eine weiter Frage hinzufügen:
Mike Bickle wird anscheinend erst nach dem ersten vorgeworfenen Missbrauch zu einer Berühmtheit and Leiter einer Bewegung. Es scheint nicht so zu sein das er als Berühmtheit ‚fällt‘. Der Glanz kommt erst später.
Und das macht es für mich noch schwieriger – trotz seines Verhaltens wird er zu einem bekannten und prägenden Leiter
Lieber Lothar,
zu allererst danke für Deine Offenheit. Diese Fragen beschäftigen mich als Pastor einer kleinen Gemeinde schon lange. Was den Segen für z.B. den Dienst von Mike Bickle betrifft, so scheint es (meiner bescheidenen Meinung nach) so zu sein, dass Gott seine Berufung nicht zurücknimmt. Das kann man u.a. in dem Buch „Gottes Generäle“ lesen und nachvollziehen. Da entstehen große Bewegungen und die Leiter scheitern (meistens).
Es ist für mich selbst oft sehr herausfordernd zu sehen, wie manche Bewegungen oder Großkirchen enormen Zulauf haben mit ihren perfekten (sorry für das Wort) Inszenierungen und dynamischen Gottesdiensten. So etwas kann eine kleine Gemeinde nicht bringen (will ich auch gar nicht). Das Kümmern um den Einzelnen, das Wachstum im Glauben, gesunde (nicht populistische) Lehre und Tiefgang … das vermisse ich oft. Der Kommentar „viel Spreu – wenig Weizen“ passt da evtl. manchmal.
Vielleicht kommt das echte – persönliche Leben mit Gott zu kurz, wenn wir immer wieder dem Hippen, Erfolgreichen hinterherhecheln.
Wieso ist eine der ersten Fragen, die sich Pastoren wenn sie einander zum ersten Mal begegnen eigentlich die: Wie groß ist deine Gemeinde? Welchem Leistungsdruck lassen wir uns da unbewusst auflegen … was wollen wir bei Gemeinden vergleichen? Wieviele Beamer benötigt ein guter Gottesdienst? Kommt rüber, was ich meine?
Vielleicht ist es Zeit, einfacher, echter zu werden … und uns nicht von „großen“ Namen beeindrucken zu lassen … ob wir diese Fragen je beantworten werden?
Was ich bei Dir super finde, dass Du Dich so ehrlich reflektierst und hinterfragst … und das auch noch mit uns teilst. Anregend und ermutigend! Danke!
Hallo Lothar,
danke für deinen offenen und ehrlichen Beitrag. Mich macht das alles sehr traurig, besonders im Blick auf die Opfer. Das ist unfassbar, was da alles zerstört wird. Ich hoffe, dass die Opfer nicht am Glauben Irre werden und Gott und Menschen wieder vertrauen können.
Vielleicht könnte man erforschen warum die von dir genannten „großen“ Leiter, die nicht fielen, treu ihren Weg gingen. Gab es da Gründe, Faktoren, …?“
Seit längerem versuche ich immer wieder neu meinen Wert und meine Zufriedenheit bei Gott festzumachen und nicht in meinem äusseren, sichtbaren Leben und Dienst. Das wird wohl bis zum letzten Atemzug ein Kampf bleiben.
LG Carsten
Zumindest Verwers Reflexionen sind hier als PDF auf Englisch und Deutsch zu lesen. Kostenfrei.
Klicke, um auf Messiology.pdf zuzugreifen
https://s3.site-om.org/www.om.org.de/s3fs-public/verwer_messiologie.pdf?001682324251631761396-keuW57cLmb
Danke schön, dass du immer dran bleibst! So schmerzlich dieses Thema auch ist, Missbrauch in jeglicher Form ist eine Katastrophe für die gesamte Kirche.
Die ersten Fragen bewegen mich auch immer mehr!
Gott spricht, das ist für mich klar. Aber wieso spricht er dann zu diesem Thema nicht? Kann das sein?
Nein, ich bin immer mehr davon überzeugt, dass er auch zu diesem Thema nicht stumm ist, nur seine Worte werden nicht ernst genommen, Ausreden werden gefunden:
– das ist nicht von Gott
– das muss ich falsch verstanden haben
– das kann nicht sein, die Person ist so gesegnet
Und dann wird die Stimme leiser. Irgendwann ist sie nicht mehr zu hören.
Mich bewegt dann auch, wie die Personen damit umgehen, die seine Stimme gehört und ernst genommen haben. Gibt es diese Personen? Haben sie die Gemeinde verlassen? Innere Kündigung?
Und nach all diesen Fällen denke ich immer mehr: Keine Person sollte zu viel Macht haben. Menschen können damit nicht umgehen. Wenn eine Gemeinde auf dem Weg ist, zu einer leiterorientierten Gemeinde zu werden, ist Vorsicht geboten.
Aber was ist dann mit erfolgreichen Leitern? Denen wünsche ich von ganzem Herzen, dass sie Vorbilder sein und auch bleiben dürfen.
Sie sollten beizeiten ein Team um sich haben. Aus Personen die bleiben, die Entwicklungen sehen und reinsprechen dürfen. Aber auch aus immer neuen Mitarbeitern, die einen neuen Blick auf Entwicklungen haben. Und wenn denen was „komisch“ vorkommt, sollte man hinhören.
Es hat einen großen Charme, lange dieselbe Leitung zu haben. Man kennt sich, man weiß, wie der andere tickt. Und gleichzeitig birgt es eine große Gefahr, eben deshalb: Man kennt sich, man weiß, wie der andere tickt.
Hallo Elke,
Bei ganz vielem was du schreibst bin ich bei dir. Nur dein zweiter Satz lässt mich innerlich schreien. Denn er zeigt ein Teil des Problems: Missbrauch ist eine Katastrophe für die missbrauchten Menschen! Der Blick auf den „Schaden“ den die Kirche dadurch davon trägt, ist ein Grund warum „wir“ es nicht besser hinkriegen mit Missbrauch umzugehen.
„Wenn das wirklich so wäre, schadet das dem Ansehen der Kirche, der Botschaft, dem Reich Gottes. Wenn das an die Öffentlichkeit kommt, verlieren wir ganz viel“.
Meine These: Unser Maßstab ist verdreht. Wir messen „Geistlichkeit“ daran, wie intensiv jemand betet, predigt, prophetische Eindrücke hat, Menschen zu „mehr Leidenschaft für Gott“ bewegt,… Und wir schaffen Systeme, die genau das fördern, die sich durch „Das ist die Wahrheit, alle anderen sind falsch!“ selbst einmauern und verstärken. Jesus bewertet „Geistlichkeit“ anders. Wo wir uns um die Kranken, die Ausgestoßenen, die Gefangenen gekümmert haben, wo wir für das Recht der Unterdrückten eingestanden sind, wo wir ganz praktisch und real geliebt haben – da liegt sein Blick drauf, da steckt er drin.
Deshalb: Wollen wir „Reich Gottes bauen“ müssen wir uns als aller erstes um die Menschen kümmern, die durch unsere Systeme Schaden erlitten haben. „Kirche“ ist als solches nicht Reich Gottes. Sondern da wo Liebe geübt wird. Wollen wir Reich Gottes leben, wird es Zeit dass jede (Frei)kirche tief erforscht, wo Menschen Missbrauch und Schaden erlitten haben, Schuld eingestehen, Anklage aushalten, Strukturen ändern. Und wenn dabei der ein oder andere weitere Prediger oder das ganze System sein Ansehen verliert, dann ist das der Preis, den das Reich Gottes fordert.
(Und wenn „liebe Üben“ der Fokus wird, dann braucht es auch keine „großen Leiter“ mehr. Dann braucht es keine „Prediger“, die „für die Wahrheit kämpfen“. Dann braucht es Weise Menschen, die uns helfen in Liebe zu wachsen.)
„Was heißt das für mich in der finalen Dienstphase meines Lebens?“ Das ist für mich die entscheidende Frage nach solchen Nachrichten. Sünde gibt es in unser aller Leben mit unterschiedlicher Tragweite. Traurig ist es und manchmal zum verzweifeln wenn wir das so mitbekommen. „Gott halte mich demütig“ ist mein Gebet immer wieder mal und es ist so wichtig! In diesem Zusammenhang fällt mir auch folgendes Bibelwort ein, dass ich ergreifen möchte:
„Desgleichen ermahne die jungen Männer, dass sie besonnen seien in allen Dingen. Dich selbst aber erweise als Vorbild guter Werke, ohne Falsch in der Lehre und ehrbar, mit heilsamem und untadeligem Wort, damit der Widersacher beschämt werde, weil er nichts Schlechtes über uns sagen kann.“ (Titus 2,6-8).
Dass es immer wieder dazu kommt, dass Menschen andere Menschen missbrauchen, ist schrecklich aber leider zu jeder Zeit und in allen Kreisen gegenwärtig. Ich frage mich vielmehr, warum es mich so schockt, wenn es von Menschen bekannt wird, die ich mir als geistliche Vorbilder genommen habe. Oder liegt vielleicht gerade da das Problem: Die Sehnsucht danach, Menschen zu entdecken, bei denen es „so richtig krass läuft“, damit ich mit der Mittelmäßigkeit besser klar komme, die die meisten von uns umgibt. Denn dann kann ich ja glauben: „Es gibt noch mehr, denn wir haben ja die krassen Vorbilder, bei denen es so richtig abgeht!“. Oder ist es vielleicht genau diese Mittelmäßigkeit, die das Leben als Christ ausmacht? Das „schon jetzt und noch nicht“ ist doch eigentlich wunderbar. Ich habe schon einige Leiter aus sogenannten Erweckungsbewegungen persönlich kennen gelernt – und damit meine ich, dass wir zusammen gegessen haben und einige Stunden im persönlichen Austausch waren. Bisher muss ich sagen, dass sie alle ein mittelmäßiges Leben führen und genau so im Alltag mit Schwächen zu kämpfen haben, wie wir alle. Ich frage mich, inwieweit ich selber einen Teil dazu beitrage, dass die „großen Männer und Frauen Gottes“ ins Straucheln geraten und tief fallen, weil ich sie so hoch gehoben habe. In diesem Sinne finde ich eine Ent-Täuschung heilsam, auch wenn sie schmerzt…
Danke, Lothar Krauss, dass Du Deinen Schmerz so offen teilst. Mich bewegt dieses Thema auch seit einiger Zeit, auch wenn ich als Mitglied einer kleinen und wenig Aufsehen erregenden evangelisch-lutherischen Gemeinde nicht direkt davon betroffen bin.
Dachte ich zuerst. Denn der Umgang mit unserem Versagen hat auch bei uns keine Kultur. Sünden öffentlich zu bekennen (Siehe dazu Markus 1,5; Matth. 3,5; Apg. 19,18 oder Neh. 9,2) ist kein Bestandteil unserer Fehlerkultur. Sich gegenseitig ermahnen (im neuen Testament vielfach beschrieben) gehört ebenso nicht zu dem, was wir regelmäßig pflegen. Es wird allerdings ein Konzept zur Vermeidung sexuellem Missbrauchs ausgearbeitet. Immerhin.
Es ist in nur wenigen christlichen Gemeinden üblich, sich offen Sünden zu bekennen, dafür Vergebung zu erfahren oder sich gegenseitig zu ermahnen. (Natürlich bitte mit aller gebührender Diskretion bei heiklen Themen wie sexuellem Missbrauch.) Sünden zu bekennen ist extrem schambehaftet; einen Fehler zuzugeben und diesen dann angemessen aufzuarbeiten in unserer Gesellschaft allgemein wenig verbreitet. Im gemeindlichen Kontext habe ich selbst schon erlebt, wie Anklagen gegen mich gerichtet wurden, anstatt einen Prozess des gesunden Bekennens in Gang zu bringen, der Vergebung, Versöhnung und Heilung ermöglicht.
Wie können wir in unseren Gemeinden unsere Beziehungen so gestalten, dass wir gnadenvoll unsere Sünden miteinander aufdecken und zielführend aufarbeiten? Das würde verhindern, dass eine unbekannte Sünde einen Leiter oder Leiterin (oder auch jeden andere(n)) später zu Fall bringt. Es würde, was ich noch viel wichtiger finde, der von der Sünde betroffenen Person viel früher die Möglichkeit zur Heilung ihrer verletzten Seele geben.
Ich möchte hier auch bekennen, dass ich Sünder bin. Ich bin auf die Gnade Gottes existentiell angewiesen: Sowohl in meinem privaten Umfeld als auch in meiner kleinen leitenden Position in der Gemeinde. Es macht mir Hoffnung, dass ich unlängst von einem deutlich jüngeren Gemeindemitglied ermahnt worden bin. Das hat mir ein großes Stück Demut abverlangt. Und es hat zu einem längeren Austausch und nun noch offenerem Umgang miteinander mit meinem Bruder in Jesus geführt.
Alle meine sehr geschätzten Vor-kommentatoren gehen offensichtlich davon aus, dass die Anschuldigungen von Tammy Woods, die sie in dem Zeitungsartikel schildert, der Wahrheit entsprechen. Ich stelle mir die Frage: hat der Star ausreichend recherchiert, andere Zeugen gefunden oder womöglich Mike Bickle persönlich dazu befragt? Wie wir wissen, gibt es einen Feind, der lügt, raubt, zerstört und, wo möglich, tötet. Und dieser benutzt immer Menschen um gegen uns vorzugehen.
Die nächste Frage, die ich mir stelle, ist: sind weitere Vergehen gegen Bruder Bickle seit damals bekannt geworden? Falls nicht, war es dann womöglich eine „Jugend“sünde?
Nächste Frage: wer junge Mädchen in dem Alter kennt, weiß, dass sie manchmal nicht ganz unschuldig sind an so einem Geschehen und recht kokett und verführerisch auftreten können.
Naja, ihr seht, dass man so ein Problem versuchen soll, von allen Seiten zu betrachten.
Zu entschuldigen ist es, wenn es der Wahrheit entspricht, jedoch auf keinen Fall. Aber nicht wir sind bekanntlich die Richter sondern unser Herr. Nur Er weiß, wie es in diesem Fall – und in allen Fällen zuvor – wirklich ablief und bei wem Schuldzuweisungen dann ggf. berechtigt angebracht sind.
Liebe Grüße aus dem gerade wieder verschneiten Schleswig-Holstein.
Lieber Werner Wegener, eine kurze Recherche wird dir den ganzen Umfang deutlich machen und die Fragen gut beantworten. Leider, leider vermutlich anders, als wir uns das alle gewünscht hätten.
Wenn Kinder und Teenager von einem Erwachsenen – noch dazu von einem geistlichen „Leiter“ – sexuell missbraucht werden, ist immer der Erwachsene schuldig und verantwortlich!!! Diese Täter-Opfer-Umkehr, die du hier betreibst, begünstigt sexuelle Übergriffe. Mann (!) kann sich ja dann immer schön herausreden, dass der Rock zu kurz oder die Bluse zu dünn war. Das macht mich sehr traurig und wütend, das hier zu lesen …
Ich stimme dir voll und ganz zu!
> Nächste Frage: wer junge Mädchen in dem Alter kennt, weiß,
> dass sie manchmal nicht ganz unschuldig sind an so einem Geschehen
> und recht kokett und verführerisch auftreten können.
autsch. Täter/Opfer-Umkehr vom feinsten.
Ich dachte, diese Art von Denken hätten wir hinter uns.
Lieber Herr Wegener,
Diese Ihre Worte machen mich traurig
„ Nächste Frage: wer junge Mädchen in dem Alter kennt, weiß, dass sie manchmal nicht ganz unschuldig sind an so einem Geschehen und recht kokett und verführerisch auftreten können.“
Und wenn ein Mädchen noch so „kokett“ auftritt, ist und bleibt ein Nein ein Nein und gibt niemanden das Recht, den anderen zu missbrauchen.
Genau solche Aussagen sind es, die die Opfer daran hindern, sich zu äußern.
Zu diesem Thema kann ich die Biographie von Billy Graham empfehlen. Schon ganz zu Beginn seines „Erfolgs“ hat er sich Gedanken gemacht, in welchen Felder „große Leiter“ geistlich „fallen“. Das Ganze gab es damals auch schon… aufgrund seiner Erkenntnis, hat er sich dann ein „Umfeld“ geschaffen, das diese „Versuchungen“ minimiert, nahezu eliminiert. Ein Segen für seinen Dienst und die weltweite Gemeinde.
Lieber Lothar, liebe Geschwister
Was Lothar beschreibt beobachte ich schon seid Jahren. Mit einem Anstieg der Popularität einer Person oder seines Dienstes minimiert sich die Kritik. Was einem einfachen Gemeindemitglied nicht nachgesehen wird, wird auf „höherer Ebene“ geduldet oder schlicht bewußt „übersehen“. Denn mit „tastet meinen Gesalbten nicht an“ wird jegliche, berechtigte, kritische Bemerkung niedergemacht. Wenn mir der Hinweis gestattet ist: bevor der Vorfall mit Todd Bentley publik wurde, den ich bereits in seiner aktiven Bühnenzeit mit Befremden wahrnahm, kam ich mit meinen Bedenken nicht durch. Und dies ist mir oft widerfahren. Wie ich auch die sogenannten Prophetien für Trump 2020 als falsch bezeichnet habe. Auch für meine prophetische Warnung vor Greta Thunberg wurde nicht ernstgenommen. Wofür mich Christen übel angegangen sind. Inzwischen habe ich mich zurückgezogen. Zu der Bemerkung Prophetien sind „viel Spreu, weniger Weizen“ gestatte ich mir zu sagen, dass ich mit zunehmender Besorgnis sehe, was im Bereich Prophetie geschieht. Die meisten, die von sich sagen, sie seien „prophetisch“ sind es nicht. Auch was oft „prophetisch geredet wird“ ist nicht prophetisch. Es würde den ganzen Rahmen meiner Zeilen sprengen würde ich ins Detail gehen worum handelt es sich denn und wieso kommt dies vor. Echte, wahre, glaubwürdige Propheten sind rar gesät.
Zum Abschluss zu Werner Wegener sein Kommentar: Einer 14 jährigen zu unterstellen, sie habe durch ihr Auftreten Mick Bickle evtl. zur Tat „gelockt“ ist abscheulich.
Danke für das Lesen meiner Zeilen und herzliche Segensgrüße
Armando Siewert
Für Interessierte meine Website: https://prophetischerdienst.de/