
Die Jahreslosung 2026! Wie kraftvoll dieses Wort ist, wird besonders dann deutlich, wenn wir es in seinem kulturellen und sprachlichen Kontext lesen.
🔥 Christen unter Druck
Für die ersten Christen, die unter massivem Druck und heftiger Verfolgung lebten, war die Offenbarung kein Buch der Angst, sondern ein Buch des Trostes. Das eigene Leben konsequent vom Ziel her zu sehen, verändert den Blick: Es schenkt Gelassenheit, nährt Vertrauen und weckt Zuversicht.
🔥 Gelassenheit durch Perspektive
Genau das kann auch die Jahreslosung für uns tun. Für Heike und mich ist diese Perspektive in unserer aktuellen Situation besonders kostbar. Sie macht uns nicht passiv. Im Gegenteil: Wir gestalten, wir „schaffen Neues“ – im Wissen, dass alles Stückwerk bleibt, vorläufig und erneuerungsbedürftig.
Gott spricht von Schöpfung und erinnert uns damit daran, dass er die Welt als einen friedlichen Ort mit liebesfähigen und klugen Menschen geschaffen hat. Er vertraute ihnen seine Schöpfung an – es hätte so gut werden können. The rest is history, könnte man sagen.
Angesichts der aktuellen weltweiten Herausforderungen könnte man leicht verzweifeln. Doch die Jahreslosung öffnet eine andere Perspektive: Es gab nicht nur einen guten Anfang, es wird auch ein gutes Ende geben – eine neue Schöpfung, voller Hoffnung.
Diese Sicht bewahrt uns vor einem unrealistischen „Triumphalismus,“ aber ebenso vor einem „lähmenden Pessimismus“. Dass Gott zusagt, am Ende alles neu zu machen, entlastet enorm und setzt jeder Machbarkeit eine heilsame Grenze: Er ist der Handelnde. Auch im neuen Jahr.
Und zugleich wissen wir: „Gottes Methode sind Menschen.“ Er handelt durch uns in dieser Welt. Dieses Wissen aktiviert. Was für ein starkes Wechselspiel – mit ergänzenden, miteinander tanzenden Rollen. Stark, oder?!
🔥 Sprachlicher Horizont
Spannend ist, dass der biblische Text im Griechischen zwei verschiedene Wörter für „neu“ kennt:
νεός (neos) und καινός (kainos)
Neos meint etwas, das gerade erst entstanden ist – jung, frisch, zeitlich neu.
Kainos dagegen beschreibt etwas von neuer Qualität:
- neu im Wesen, nicht im Alter
- erneuert, verwandelt, veredelt
- voller Lebendigkeit, Schönheit und Kraft
👉 καινός fragt nicht: Wie alt ist etwas?
👉 καινός fragt: Wie lebendig ist es? Leuchtet es?
Was neu beginnt, wird oft schnell matt. Was stark startet, kann schwach werden. Kainos aber beschreibt nicht die Dauer, sondern die Qualität: Frische, Schönheit, Stärke – unabhängig vom Alter.
🔥 Das Neue der Jahreslosung
Und genau hier wird Offenbarung 21,5 revolutionär:
Bei Gott gibt es καινός ohne νεός.
Etwas kann wunderbar bleiben, ohne gerade erst entstanden zu sein. Das „Neue“ der Jahreslosung ist deshalb nicht einfach das Neue unserer gegenwärtigen Realität (νεός). Dieses Verständnis würde zu kurz greifen – auch wenn das καινός Gottes ganz konkret ein starkes νεός im Jahr 2026 hervorbringen wird. Durch dich. Durch mich. Durch uns.
Und zugleich schenkt uns diese Perspektive die Kraft, Dinge auszuhalten, die unabänderlich erscheinen. Sie scheinen nur so. Warum?
Weil der Schöpfer uns in der Offenbarung enthüllt, dass ein anderes Neu-Sein kommt – eines, das verwandelt, vertieft und trägt. Eines, das alle Tränen abwischt.
🔥 Gott wischt alle Tränen ab.
Was für eine Liebe. Was für eine Zuwendung.
Und aller Schmerz, alles Leid, alles Geschrei wird enden.
Denn: Siehe, ich mache alles neu! Wow.
Das ist genau die Hoffnung, die wir auch 2026 brauchen. Persönlich. Gemeindlich. Aber auch weltpolitisch! Denn wie auch immer sich die politischen Verhältnisse unserer Welt weiter entwickeln, wir bleiben zuversichtlich! Wie das?
🔥 Denn: »Die Herren dieser Welt gehen. Unser Herr kommt.« Gustav Heinemann, Bundespräsident (1969 – 1974)
Gott segne uns alle zum neuen Jahr!
Eure
Lothar & Heike

ICH MACHE ALLES NEU
Wie mächtig dieses Wort ist, zeigt sich erst im Licht
von Sprache, Kultur und Sinn, der tief im Texte spricht.
Für Christen unter Druck, verfolgt von Hass und Pein,
war Offenbarung Trost – kein Buch, um bang zu sein.
Wer lebt vom Ziele her, gewinnt den klaren Blick,
der schenkt Gelassenheit und trägt das Herz zurück.
So wirkt die Jahreslosung, still und doch so weit,
sie nährt in uns Vertrauen und Hoffnung für die Zeit.
Für Heike und für mich, in unsrer Lage nun,
ist diese Perspektiv ein kostbar tiefes Tun.
Sie macht uns nicht passiv, sie ruft uns vielmehr wach:
Wir schaffen Neues hier – und wissen um das Ach.
Denn alles bleibt nur Stückwerk, vorläufig, nie ganz rein,
doch Gott bleibt der, der wirkt, wird alles neu einst sein.
Er spricht von Schöpfung her, vom ersten guten Plan,
von Menschen, klug und lieb, die er der Welt gewann.
Ein Ort des Friedens war der Anfang, licht und klar –
es hätte gut sein können. Nun ja: Geschichte, wahr.
Die Welt von heut’ verführt zum Zweifeln und zum Grau,
doch öffnet Gott den Blick auf Hoffnung, tief und blau.
Es gab nicht nur Beginn, es gibt ein gutes End:
Die neue Schöpfung kommt, von Hoffnung hell durchbrennt.
Dies schützt vor dem Triumph, der blind sich selbst erhebt,
und vor dem Pessimismus, der lähmt und alles klebt.
Dass Gott am Ende wirkt und alles neu gestaltet,
entlastet uns zutiefst, setzt Grenzen, die er haltet.
Er ist der Handelnde, auch jetzt, auch nächstes Jahr,
doch wirkt er durch den Mensch – ein Wechselspiel so klar.
Denn Gottes Weg sind Menschen, durch dich und mich getan,
ein Tanz aus seinen Gaben und unserm kleinen Plan.
Wie stark das Wort auch sprachlich seinen Reichtum zeigt,
wenn Griechisch uns zwei Wege für „neu“ zugleich bezeugt:
Neos meint jung und frisch, erst eben erst gemacht,
Kaínos neue Qualität, die tief von innen lacht.
Nicht Alter wird gefragt, nicht Zeit, die flüchtig rinnt,
sondern ob etwas leuchtet, ob es lebendig spinnt.
Was neu beginnt, wird matt, was stark war, wird oft schwach,
doch kaínos bleibt in Kraft, hält Schönheit einfach wach.
So wird die Losung neu, ja revolutionär:
Bei Gott gibt’s kaínos pur – ganz ohne neos mehr.
Das Neue Gottes bleibt, auch ohne frisch zu sein,
doch bringt sein kaínos doch ein starkes neos ein.
Durch dich, durch mich, durch uns im Jahre, das nun geht,
und auch im neuen Jahr, das hoffnungsvoll entsteht.
Und dennoch schenkt der Blick die Kraft, auch das zu tragen,
was unabänderlich scheint in unsern schweren Tagen.
Es scheint nur so, denn Gott enthüllt uns still und sacht:
Ein tiefer Neu-Sein kommt, das Tränen sanft hinweg uns macht.
Er wischt sie alle ab – was für ein Liebeszug,
was für Zuwendung Gottes, so zart und doch so klug.
Kein Schmerz, kein Leid, kein Schrei wird bleiben, wie er war,
denn: Siehe, alles wird durch Gott ganz neu und klar.
Das ist die Hoffnung, die wir dringend brauchen hier,
persönlich, in der Kirche, weltpolitisch – wir und ihr.
Denn Herren dieser Welt vergehn im Lauf der Zeit,
doch unser Herr kommt nah – so Heinemann bezeugt.
So bleiben wir getrost, im neuen Jahr vereint:
Gott segne uns alle – der alles neu gemeint.
Torsten Schwanke, Oldenburg


Kommentare
Eine Antwort zu „Alles neu?“
Wow, danke für diesen genialen Blick auf die Jahreslosung 2026. Das macht Mut, ohne Angst nach vorne zu schauen und zu gehen.