Leitung & Jüngerschaft

»Einfach leiten!« Zur Vertiefung …

Der springende Punkt!

Am Montag ist die Episode 10 von »Einfach leiten!« erschienen. Darin stellte ich die These auf, dass in jeder Leitungsperson im Kern ein Nachfolger von Jesus, ein Jünger, stecken muss. Das findet in meiner christlichen Community etlichen Zuspruch, was mich sehr freut.

Dennoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Jüngerschaft“ irgendwie ein „wunder Punkt“ in der christlichen Gemeinschaft ist, obwohl doch immer wieder darüber gesprochen, geschrieben und gepredigt wird. Haben wir da einen „Defekt“?

Der wunde Punkt?

„Zwischen Evangelisation und Jüngerschaft klafft eine große Kluft!“

So schreibt es John Mark Comer in seinem Buch „Leben vom Meister lernen | Practicing the way“. Hat er Recht?

Viele Methoden der Evangelisation, die in meiner „Bubble“ beliebt sind und deren Ergebnisse gefeiert werden, tragen den von Comer genannten Defekt von Beginn an „in sich“.

Echte Alternativen, die den Defekt ausmerzen, sind mir wenig begegnet. Obschon die Theorie in vielen Büchern, Aufsätzen oder Predigten gut geklärt wurde. In der Praxis stellt es sich oft deutlich anders da. Radikale „Jüngerschaftsansätze“ haben sich kaum durchhalten lassen, oder führten zu gesetzlicher Enge, manchmal sogar zu sektiererischen Tendenzen.

Trotzdem ist die Frage immer neu zu stellen, ob wir – in meiner „Bubble“ – um der Resultate willen am Ende doch eine „Lockvogeltaktik“ verwenden. Zahlen faszinieren. 😉 (500 Leute haben sich auf der Straße bekehrt, nach der Predigt haben 12 Leute sich beim Aufruf entschieden… usw.)

Comer blickt in die Geschichte zurück:

„Kurzer Ausflug in die Geschichte: Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Evangelium in vielen Kreisen so gepredigt, dass man Christ werden konnte, ohne in die Schule von Jesus einzutreten. Wie ich schon erwähnte, war Jüngerschaft im Sinn von »in die Lehre gehen« optional – etwas, das man später in Betracht ziehen konnte, wenn man sich dafür interessierte.

Viele »Bekehrte« hatten damals das Gefühl, bei der Evangelisation auf eine Art Lockvogeltaktik hereingefallen zu sein: Ursprünglich hatten sie nur das »freie Geschenk des ewigen Lebens« haben wollen. Also hatten sie ihre Hand gehoben und das Übergabegebet gesprochen. Und später wurde ihnen irgendwann gesagt: »Verleugne dich selbst, nimm dein Kreuz auf dich und folge Jesus nach.« Aber dafür hatten sie sich gar nicht gemeldet.“

Auszug aus Leben vom Meister lernen | Practicing the way, John Mark Comer

Ein starker Aufschlag!

Sein Buch Leben vom Meister lernen | Practicing the way ist ein starker Aufschlag zur Frage, wie Jüngerschaft nicht nur ein Predigtthema bleibt, ein Ideal oder ein Wunschbild. Comer schreibt praktisch, fundiert, klug und umfassend reflektiert. Nicht umsonst sind seine Bücher Bestseller. Ich empfehle den Titel allen, die tiefer in die Idee der Episode 10 von »Einfach leiten!« einsteigen wollen.

Weitere Lesetipps …

  • Jünger wird man unterwegs, Dallas Willard (Eines meiner Lieblingsbücher. Kurze Aufsätze, die schnell zu lesen sind, einfach zu verstehen aber herausfordernd umzusetzen. So inspirierend, was Willard hier bringt!)
  • Es ist nicht alles Gott was glänzt, Tim Keller (Gehört bei mir auch in die Kategorie „Lieblingsbücher“. Keller geht auf das Kernproblem der Nachfolge ein. Top!)
  • Jüngerschaft, David Watson (Das war das Buch, dass bei mir die Frage nach Jüngerschaft so richtig in den Fokus brachte. Toller Titel, leider vergriffen. Also antiquarisch suchen!)
  • Nachfolge, Dietrich Bonhoeffer (Der Klassiker zur Bergpredigt. Bis heute mega inspirierend, tief, anspruchsvoll. Wenige Seiten geben mir viel Denkstoff. Immer wieder!)
  • Ansteckende Jüngerschaft, David L. & Paul D. Watson (Nicht mit David Watson zu verwechseln.)

Sicher gibt es viele weitere gute Tipps. Denn wie gesagt: an Büchern zur Frage fehlt es nicht. Die Umsetzung auf der Langstrecke ist die Challenge.

Trauer!

Noch was. Ich kann mich nur schwer damit anfreunden, dass Christen sich darüber positiv äußern, wenn Leute vom Glauben abkommen. Schon zu Corona-Zeiten viel mir das schwer. Aussage wie: „Jetzt werden die wahren Glaubenden sichtbar …“ u.a. hat mich immer traurig gemacht. So auch hier bei dem Thema: wenn Evangelisation nicht zur Jüngerschaft führt, haben wir in unseren Kirchen, Freikirchen … Trauer zu tragen. Wir haben den Auftrag (Matt. 28,19f) nur unzureichend ausgeführt. Es müsste ins Gebet bringen, oder?!

Kleine Herde?

Wenn ich mir die absoluten Zahlen zur Bevölkerung in Deutschland anschaue (ca 84 Mio), dann an meine freikirchliche Familie denke (Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), KdöR, mind. 118.000 GD Besucher), dann ist das tatsächlich klein. Sehr klein!

Und wenn ich dann an die anderen Christen in Freikirchen, Kirchen und Gemeinschaften denke, ihnen viel mehr Wirkung als dem BFP zutraue, ihnen ganz viele Leute wünsche, zutraue … dann sind wir immer noch klein. Oder? Wir könnten doch noch ein paar mehr Schafe werden und würden immer noch unter „klein“ laufen!

Ich wünschte mir so viel mehr »Erfolge« in Evangelisation, die zur Jüngerschaft führt. Kleine Herde – ja, die Bestimmung nehm ich an. Aber soooo klein? Eine Gebetsbewegung könnte uns alle mal wieder so richtig erfassen, oder?!


Kommentare

Eine Antwort zu „Leitung & Jüngerschaft”.

  1. Avatar von Gerhard-Jung-Coaching
    Gerhard-Jung-Coaching

    Sehr guter – und herausfordernder Artikel Lothar. Danke 👍 😀