10 Prinzipien wirksamer Leitung – Das Prinzip des Fokus (5)

Fokussiert zu leben ist das Geheimnis der Lebensfreude. Ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Und eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Hier kommen einige kurze Impulse zum fünften Prinzip meiner 10-Top-Prinzipien guter Leitung aus meinem TED-Talk beim Christival 22! Es ist das Prinzip, mit dem ich jeden Tag mega kämpfen muss. Täglich buhlen tausende Ablenkungen, Botschaften, Unwichtigkeiten, Werbungen und Reize um meine Aufmerksamkeit.

Ich will mit meinem Smartphone „nur mal eben“ das Wetter checken, noch einen Termin eintragen und dann passiert das, was das Magazin der Süddeutsche Zeitung neulich so schön illustrierte:

I’m lost!

Kennst DU das auch? Den Fokus verlieren? Die Fähigkeit »Fokus zu bilden«, ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für ein lebensfrohes und erfülltes Leben und Leiten!

Fokus, das ist der Begriff der häufig in der Optik verwendet wird und Brennpunkt bedeutet. Im Duden ist zu lesen, dass die Vokabel aus dem mittellateinischen focus = Feuerstätte, Herd stammt. Neben der Optik wird er aber auch in der Medizin für einen streuenden Krankheitsherd im Körper gebraucht.

Der tägliche Kampf um die Aufmerksamkeit

Täglich klopfen bei mir, fast unbemerkt, tausende Themen, Ideen, Impulse, Leute … an und wollen meine Aufmerksamkeit. Damit bin ich nicht allein! Viele kennen das. Wer jetzt nicht aufpasst, verliert SICH (!) darin, im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb ist die Fähigkeit, sich fokussieren zu können, eine Bedingung für Lebensfreude und Leitungswirksamkeit. Das betrifft auch alle weiteren Bereiche und Themen des Lebens. »Fokus« ist ein geniales Werkzeug des Lebens!  Grund genug anzuhalten und nachzudenken! Es beginnt damit, dass ich die Sache mit dem Fokus richtig verstehe.

Richtung ist wichtiger als Geschwindigkeit.

Fokus: Es gibt drei Arten

Sie haben jeweils verschiedene Funktionen, spielen aber alle bedeutende Rollen in unserem Leben. Wir unterscheiden zwischen dem „Brennglasfokus“, „Kursfokus“ und „Autofokus“. Und gibt es noch den „Bonusfokus“, der eine weitere superwichtige Funktion übernimmt. Schauen wir sie uns kurz an:

Der Brennglasfokus. Eine Führungskraft, die ein begeistertes und intensives Leben führt, kennt den Brennglasfokus sehr gut: Er ist eine Bündelung aller Energien auf den einen Punkt. Also die volle Konzentration auf die eine Aufgabe, den einen Augenblick, das ein Erlebnis. Das mag ein Projekt, ein Event oder ein Prozess sein.

Der Kursfokus. Dieser Fokus bestimmt unsere Ausrichtung. Kompass statt Tacho. Es geht nicht um Intensität, Geschwindigkeit und Energie. Sondern um Ausrichtung und Ausdauer: Richtung ist wichtiger als Geschwindigkeit. Der Kompass ist das Instrument eines Kapitäns. Er macht den Unterschied zwischen kurzzeitigem Glücksgefühl und anhaltender Lebensfreude und Wirksamkeit als Leitender aus.

Der Autofokus. Dieser Fokus ist ein bisschen „tricky“. Da er ein „Auto“-Fokus ist, läuft er automatisch ab. Für viele Menschen so automatisch, dass sie gar nicht bemerken, wohin sie dieser Fokus führt. Wir haben sie in den Beiträgen „Schattenbilder eines Leiters“ angeschaut.

Und hier noch der „Bonusfokus“:

Es ist der divergente Fokus. Er konzentriert sich nicht auf einen Punkt, sondern geht in die Weite. Deshalb ist dieser Fokus entspannend! Wir kennen ihn, wenn wir z. B. auf einem Berggipfel stehen oder am (auf dem) Meer sind, was ich liebe. Also in die „Weite“ schauen können.

  • Dieser Fokus „konzentriert“ sich auf die Weite (fast ein Widerspruch!)
  • Er entspannt und führt zu Gelassenheit
  • Er lässt einen das „Größere“ spüren
  • Er kann auch das Gefühl von Verbundenheit hervorrufen, weil er uns mit dem „Größeren“ verbindet
  • Er ist das Geheimnis, aktuelle Herausforderungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen und gelassen „um die Ecke“ zu schauen. Wir werden mit ihm zu Leitenden mit Weitblick!

In den 40 Jahren meiner Führungstätigkeit ist mir klar geworden, dass mein größter Impact darin besteht, WEN ich voran bringen, nicht WAS ich voranbringe!

Mein Leiterfokus: andere!

In den 40 Jahren meiner Führungstätigkeit ist mir klar geworden, dass mein größter Impact darin besteht, wen ich voran bringen, nicht was ich voranbringe! Ich sehe mich heute vielmehr als ein „Diener mit Trainerlizenz“, denn als der Schlüsselspieler der Mannschaft.

Andy Stanley hat diesen Gedanken in diese wunderbaren Worte gekleidet:

“Your greatest contribution to the world may not be something you do but someone you raise.”

(Dein größter Beitrag zur Welt ist vielleicht nicht etwas, das du tust, sondern jemand, den du aufbaust.)

Das hat mein ganzes Denken mit der Zeit erfasst und bestimmt zunehmend meinen Fokus. Auch wenn ich in meiner aktuellen Aufgabe in Mannheim mehr vom „was“ gefordert bin, da es nicht zu viele Personen gibt, die Verantwortung übernehmen und so gefördert werden wollen.

Ein Bibeltext, der mir zum Schlüssel bei diesem Prinzip wurde, ist für mich im 1. Thessalonicher 5,15. Ein Brief des Apostel Paulus an Christen in der griechischen Stadt, der im Neuen Testament zu finden ist. In der Übertragung der Bibel, die Eugene Peterson angefertigt hat (The Message), ist er mich sehr inspirierend und packend wiedergegeben:

Look for the best in each other, and always do your best to bring it out.

Suchen das Beste im anderen und tue immer dein Bestes, um sein Bestes hervorzubringen.

Das ist mir zu der Definition für Führung schlechthin geworden. Peterson hat Worte gewählt die präzise beschreiben, was ich als Leiter machen soll. Und was dabei meine Gesinnung prägt und mich vom Herzen bewegt. Kurz: so soll mein Fokuspunkt als Führungskraft sein! Dieser Fokus richtet mich für meine Leitungsrolle immer neu aus und ist gleichzeitig Brennglasfokus, Kursfokus und Autofokus. Ausrichtung bei aller Ablenkung und Anforderung. Und übergreifend übernimmt er auch die Funktion des divergenten Fokus, also des Bonusfokus. Danach scanne ich den Horizont.

Leitende sind Dienende!

Als Führungskraft soll es mir um das DIENEN gehen! Den Anderen voranbringen, fördern, begleiten. Die Bühne bauen, auf der ANDERE auftreten. Meine Früchte wachsen letztlich auf den Bäumen anderer. Unterschiedliche Bilder – gleicher Fokus: Ich will andere groß machen und nicht zu den Hirten gehören, die der Prophet Hesekiel im 34 Kapitel anklagt: Hirten, die sich selbst weiden. Die ihr eigenes Wohl und das ihrer Buddy’s, Familien, engen Zirkel … mehr fokussieren, als das Wohl der Herde, in die sie der große Hirte eingesetzt hat.

Fokus: Mich selbst leiten – Andere leiten

Ich erlebe in diesem Prinzip eine zweifache Herausforderung:

  1. Wie steht es mit Ablenkungen in meinem Leben? Von innen und von außen! Wenn ich mich durch diesen Dschungel nicht selbst gut leiten kann, stehe ich am Ende mit leeren Händen da. Es hat sich vielleicht viel bewegt im Leben! Andere mögen sogar beeindruckt sein. Doch am unter dem Strich drehte sich alles doch nur im Kreis. Unter Umständen wäre vieles am im Rückblick eher vergeblich? Paulus reflektiert diese Möglichkeit im 1. Korintherbrief.
  2. Habe ich den richtigen Fokus für meine Leitungsaufgabe? Das ist meine zweite, recht herausfordernde Frage, mit der ich mich täglich beschäftige: „Bringe ich andere voran? Habe ich Leute gefunden, die die Voraussetzungen mitbringen, dass eine fokussiere Investition Sinn macht?“ (Eignungsprüfungen im Beruf, der Bildung und im Sport greifen den Punkt auf.) Neben einem grundsätzlichen Interesse an einem Thema kommen viele weitere Faktoren ins Spiel: Verfügbarkeit, Lernbereitschaft, Fleiß, Hingabe, Talent, Verzicht, Prioritäten – ach, da wären wir wieder beim Fokus! Der Fokus, der die Prioritäten bestimmt.

Die Serie

Über Lothar Krauss

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