Was Träume bewirken können – Eine starke Geschichte

Rainer Wälde erzählt die starke Geschichte der Waldeck-Brüder, die Apple zum iPhone, iPad … inspirierten. Wunderschön wird deutlich, welches Potential in uns steckt, wenn wir einem Traum Raum geben, guten Werten folgen, fleißig dran bleiben und mutig handeln.

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Bei Carsten Waldeck geschieht dieses Wunder: 15 Jahre, bevor Apple sein erstes Smartphone auf den Markt bringt, träumt er vom iPhone und läutet damit einen Quantensprung in der Kommunikationsbranche ein. Heute baut er mit seinem Bruder Samuel das SHIFT-Phone und will damit einen nachhaltigen Wechsel bei der werteorientierten Produktion initiieren.

Die technologische Entwicklung der nächsten Jahre

Capernwray Hall ist ein Ort zum Träumen: Das Herrenhaus in der englischen Grafschaft Lancaster wirbt damit, ein Platz zu sein, „an dem Gott Leben verändert.“ Doch der 21-jährige Carsten Waldeck hat keine Ahnung davon, dass genau dies geschehen wird.

Während im Mondlicht die Schafe rund um das Herrenhaus grasen, träumt Carsten. Es sind sehr realistische Träume, die der junge Mann schwer nachvollziehen kann, weil es 1991 noch kein Internet für die breite Bevölkerung gibt. In diesen Träumen sieht er das iPhone und das iPad, aber auch viele andere technologische Entwicklungen der nächsten 40 bis 50 Jahre. Damit die Bilder nicht verloren gehen, malt er Skizzen in ein kleines, schwarzes Büchlein.

Zurück in Deutschland berichtet er seinem neun Jahre jüngeren Bruder Samuel ausführlich von seinen Träumen. Die beiden teilen sich ein Zimmer und fangen in vielen Gesprächen an, gemeinsam zu spinnen, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Sie entdecken, wie ähnlich ihre Gedanken sind, und entwickeln eine intensive Einheit als Brüder. Samuel fühlt sich nicht als der kleine, dumme Bruder, sondern von Carsten wertgeschätzt.

Dieser startet als Design-Student an der Hochschule in Darmstadt. Parallel studiert er noch Informatik, Philosophie und Theologie in Marburg. In seiner Diplomarbeit mit dem Titel „iWorld – eine Studie zur multimedialen Organisation der Weltinformation“ bringt er einen Teil seiner weitreichenden Träume zu Papier: mobiles Internet, Social Networks und smarte Touch-Geräte, die er „iPhone“ und „iPad“ nennt. Aber auch einen „Geospace“ stellt er vor, eine interaktive Weltkugel mit „Streetview“, wie wir sie heute als Google Earth kennen.

Apple wird auf den jungen Visionär aufmerksam

Carsten Waldeck wird Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut. Ein Jahr, nachdem seine Diplomarbeit veröffentlicht wurde, wird Apple auf den jungen Visionär aufmerksam und lädt ihn zur Entwicklerkonferenz nach San Francisco ein, um seine Projekte vorzustellen.

Dort trifft er auf Steve Jobs, Bas Ording und viele andere Apple-Größen. Doch ein Mensch, der ihn besonders beeindruckt, ist John Geleynse, der Leiter der Konferenz und seines Zeichens „User-Experience- Evangelist“ bei Apple. Trotz vieler Bemühungen, John persönlich zu sprechen, wird daraus leider nichts: John ist meist umringt von Menschen und sehr beschäftigt.

Die Konferenz geht zu Ende und Carsten ist enttäuscht: Es gibt zwar viele spannende Begegnungen, aber ein echter Durchbruch kommt nicht wirklich zustande. Am darauffolgenden Sonntag geht Carsten in die Kirche. Als nach dem Gottesdienst im Kinosaal das Licht angeht, traut Carsten seinen Augen nicht: Ist das nicht John Geleynse, der sich da eine Reihe vor ihm von seinem Platz erhebt?

John schafft es, Carsten einen Termin auf dem Apple-Campus zu organisieren, um seine Visionen in der „Mobile-Group“ vorzustellen. Neben „iWorld“ präsentiert er auch sein „Liquid Browsing“. Die Mitarbeiter sind fasziniert. Überraschend ablehnend ist dagegen die Reaktion auf seine Vision vom iPhone.

Apple hat 1998 den tragbaren „Newton“-Computer eingestellt und glaubt zu dieser Zeit nicht mehr wirklich an den großen Durchbruch von Handheld-Geräten. „Die meisten Mitarbeiter haben mich diesbezüglich daher eher etwas belächelt. Doch im Prinzip hatte ich die Antwort, die in den nächsten Jahren den Durchbruch ermöglichen würde“, so Waldeck heute.

2007 präsentiert Steve Jobs der staunenden Weltpresse das erste iPhone. „Es war Gottes Geschenk an die Menschheit“, betont Carsten und man spürt, dass er keinen Groll gegenüber dem Weltkonzern hegt: „Ich wollte unbedingt, dass es Apple gut geht, und habe ihnen auch kein fertiges Produkt gegeben, sondern nur eine detaillierte und gut gestaltete Vision.“ Während Apple seinen Siegeszug mit dem Smartphone antritt, erfindet Waldeck weiter.

Die größte Veränderungen der Menschheitsgeschichte

Die Schnittmengen mit Carsten werden immer größer: Als Visionär sieht er eine große Veränderung: „Wir befinden uns im Übergang zu einer nahezu völlig digital vernetzten Welt.“ Dabei meint er nicht einfach Digitalisierung und künstliche Intelligenz: „Künftig wird das Wissen in seine Atome zerlegt und einer neuen universellen Logic-Architektur verfügbar.”

Aktuell seien weniger als ein Prozent vernetzt, das Internet als „digitales Dokumentennetzwerk eigentlich überholt und noch weit von dem entfernt, was notwendig ist. Den anstehenden Shift nennt Waldeck „eine der größten Veränderungen der Menschheitsgeschichte“. Sein größter Traum ist es, daß diese Veränderung zu einer echten “Fair-Änderung” wird.

Carsten wünscht sich, dass dieser Shift nicht einfach nur von Geschäftsmodellen getrieben wird und lediglich ein paar Unternehmen mächtiger und einige Einzelpersonen reicher macht: „Sonst haben wir diese große Möglichkeit zur Veränderung leider vertan.“ Nach seiner Ansicht muss es ein echtes Umdenken geben: “Vom Kapitalismus, der nur auf Macht und Geld fokussiert ist, hin zu einem echtem Valuismus, der das ganze Wertespektrum in Betracht zieht.“ Er will diesen Wandel aktiv mitgestalten und gründet mit Bruder Samuel und Vater Rolf Ende 2014 die Firma SHIFT.

“Ressourcen schonen“ ist bei ihrer Firma SHIFT das oberste Gebot. Während die großen Konzerne darauf setzen, dass die Kunden möglichst jährlich ihr Smartphone gegen ein neues Gerät tauschen, wollen die Waldecks genau das verhindern: „Ein schönes iPhone auf dem Müll“, sagt Samuel, „ist ein hässliches Problem für den Planeten.“

Die Treue der vielen kleinen Schritte

2014 bringen die Waldeck-Brüder ihr „erstes Volks-Phablet“ auf den Markt, ein großes Smartphone mit einem 7-Zoll-Display. „Es hat uns gestört, dass man gezwungen ist, ein neues Gerät zu kaufen, wenn nur ein Bauteil davon kaputt ist“, erzählt Samuel. Entwickelt wird es eigentlich als Monitor für ei- nen Kamerakran, um bessere Filme zu drehen. Doch aus dem „Versehen“ gestalten sie eine Serie von nachhaltigen Smartphones.

Mit Crowdfunding sammeln die Waldecks innerhalb von drei Monaten über 100.000 Euro ein und können damit das SHIFT7 selbst produzieren. Die Augen von Carsten fangen an zu strahlen: „Normalerweise kann man erst ab einer Stückzahl von 100.000 Geräten ein Modell im eigenen Design herstellen.“ Dass er als Designer nun sein selbst gestaltetes Produkt launchen kann, empfindet er „als ein richtiges Wunder“.

Die Geräte werden in China fair gefertigt. Ein kleines Team baut sie nach seinen Plänen in einer kleinen Manufaktur und zu Arbeitsbedingungen wie in Deutschland. Doch das Besondere ist das modulare Konzept: Jeder Nutzer kann sein eigenes SHIFT-Phone zu Hause selbst öffnen, um die Kamera, den Speicher oder die Batterie jederzeit auszutauschen.

„Egal, ob das Display zerkratzt ist, der Akku nachlässt oder eine technisch ausgereiftere Kamera auf den Markt gekommen ist – die Komponenten lassen sich einzeln nachbestellen, was letztlich die Ressourcen schont und die Langlebigkeit der Geräte erhöht“, erläutert Samuel. Im Gegensatz zu den neuen iPhones ist das nachhaltige SHIFT-Phone kein Luxusprodukt. Bereits ab 444 Euro bekommt der Nutzer ein innovatives Smartphone, dass seit vier Jahren mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wird.

Soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit

Der träumende Unternehmer, der bereits vor 27 Jahren das iPhone gesehen hat, glaubt, dass wir vor „einer der größten Veränderungen der Menschheitsgeschichte stehen“. Seinen Part formuliert der bescheidene Mann dennoch ziemlich groß: „Ich will mit meinem Bruder dazu beitragen, dass aus einem kapitalistischen System, das hauptsächlich von Macht und Geld getrieben wird, ein werteorientiertes System entsteht.“

www.shiftphones.com

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Der Beitrag Wie die Waldeck-Brüder Apple inspirierten erschien zuerst auf Ihre Nr. 1 der Berater für Unternehmer-Marken (KMU).

Foto von Samuel & Carsten Waldeck (Foto: Jonathan Linker)

Über Lothar Krauss

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Eine Antwort zu Was Träume bewirken können – Eine starke Geschichte

  1. Martin Hößl schreibt:

    Das ist eine tolle Geschichte.
    Werte-orientiertes Umdenken finde ich wichtig und absolut nötig.

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