Eine Gemeinde – mehrere Gottesdienste: Was ist zu beachten?

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UPDATE: Am Ende des Post befindet sich jetzt eine wachsende Liste von Kirchen und Gemeinden in Deutschland, die zwei oder mehr Gottesdienste am Wochenende anbieten.

Immer mehr Gemeinden bieten mehr als einen Gottesdienst am Wochenende an. Manche sogar an unterschiedlichen Standorten, wie zum Beispiel die Christus Gemeinde Wuppertal oder die Elim Hamburg. Welche Modelle bewähren sich? Was ist zu bedenken? Immer mehr Gemeinden fragen sich das. Der LEITERBLOG hat eine Umfrage dazu gestartet und stellt in Stichworten erste Rückmeldungen vor.

Die Gemeinden wählen unterschiedliche Konzepte in der Umsetzung

  • Identische Gottesdienste: Gleicher Ablauf, gleiche Teams (Rhythmus: alle drei Wochen), gleiche Inhalte, gleiche Angebote … gleiche Mitarbeiter! Damit ist z.B. das Christliche Zentrum Reutlingen seit etlichen Jahren am Start. Immer mit einer Pause in der Ferienzeit. Sie haben die Gottesdienste direkt nacheinander, die Freie Christengemeinde Regensburg experimentiert seit 2012 mit dem Konzept eines Abendgottesdienstes als Ergänzung, allerdings abgespeckt zum Vormittag (keine Kinderangebote und Kaffee am Abend). Das gilt auch für andere Gemeinden, die diesen Weg wählen. Nicht immer können alle Angebote in allen Gottesdiensten aufrecht erhalten werden. Und nicht immer wäre das auch sinnvoll aufgrund der Zielgruppen, die im Schwerpunkt den Gottesdienst besuchen.
  • Identische Gottesdienste – mit leichten Anpassungen: Z.B. in der Länge, Lautstärke und Leidenschaft im Lobpreis. Oder einem zusätzlichen Segnungsangebot. Die Elim Hamburg macht gute Erfahrungen damit. Allerdings sind auch hier häufig nicht in allen Gottesdiensten alle Angebote aktiv! (z.B. Kinderangebote u.a.)
  • Identische Inhalte – unterschiedliche Formen: Gleiche Predigt mit leichten Anpassung auf die Zielgruppe (z.B. Auswahl der Beispiele, Länge der Predigt …), aber sehr variierenden Formen (Moderation, Musik, Ablauf, Stil …). Die Friedenskirche Braunschweig experimentiert erfolgreich mit diesem Ansatz. Das Gospelhouse in Baden-Baden geht einen Weg, den viele Gemeinden überlegen. 3 Gottesdienste am Sonntag, variabel in der Form: Klassisch, für Familien geeignet („leise“ & hell“) und dann Celebrations (Gottesdienste) im Stil „laut & dunkel“. Auch etliche ICF Gemeinden wählen den Weg, wenn sie immer mehr Familien erreichen.
  • Identische Formen – unterschiedliche Predigten: Einige Kirchen experimentieren mit diesem Ansatz. Mehrere Gottesdienste am Sonntag, ähnlich im Stil (variiert ggf. mit der Lautstärke, den Songs …) aber mit zwei unterschiedlichen Predigten. Besucher können 2x am Sonntag kommen und quasi „free refill“ haben, wie es auf einer Homepage zu lesen war.
  • Mehrere unterschiedliche Gottesdienste: Unterschiedlich in Form und Inhalt der Predigt. Verschiedene Zielgruppen werden bewusst angesprochen. Verbunden sind die Leute der Kirche durch die einheitliche Vision, die gemeinsame Leitung und die geteilten Werte. Jeder Gottesdienst braucht dann aber einen eigenen Visionär, Leiter, Verantwortlichen …, wenn er dauerhaft erfolgreich sein soll!
  • Wechselndes Konzept: Je nach Situation, Gastsprecher, Phase des Gemeindelebens … variieren die oben genannten Konzepte in einigen Gemeinden.
Weitere Konzepte? Gerne kann die Liste über die Kommentarfunktion ergänzt werden!

Was ist wichtig, wenn eine „Gemeinde mit Geschichte“ auf mehrere Gottesdienste umzustellen möchte. Stichworte der Umfrage:

  • Eine gemeinsame Vision in der Leitung der Gemeinde für diesen Ansatz
  • Klarheit, warum dieser Weg eingeschlagen werden soll
  • Klarheit zur Zielgruppe, die mit dem Angebot erreicht werden soll
  • Wahl des passenden „Modells“, das zum geistlichen Auftrag und zur Zielgruppe passt: Identisch, unterschiedlich, nur am So, nur an einem Ort …
  • Den Gottesdienstablauf straffen: Was muss im GD Platz finden, was kann kürzer werden, wegfallen … (Infos, Berichte, Länge des Lobpreises …)
  • Die Veränderungen, die damit kommen können, gut verstehen (Länge der Gottesdienste, nicht mehr „alle“ zu einer Zeit in einem Raum, Mehrarbeit, Mehrbelastung der Verantwortlichen, der Verkündiger, Musiker, Mitarbeiter …)
  • Was – wenn Szenarien durchdenken: „Wenn die jungen Leute nur noch Abends kommen und der Vormittag vergreist …“ „Wenn zu wenig Zeit zur Begegnung nach dem Gottesdienst bleibt …“ usw.
  • Die verantwortlichen Leiter im GD Umfeld frühzeitig mit einbeziehen (Kinder, Musik, Technik, Orga, Ordner, Kaffeeteam …) und mit ihnen die Detaillösungen reflektieren und entwickeln. 1 Jahr im Voraus hat das in einer befragten Gemeinde z.B. schon begonnen!!!
  • Ganze Gemeinde langsam an den Gedanken heranführen (Gemeindeabende, Gesprächsrunden, Fragemöglichkeiten)
  • Positive Perspektive (Vision) in den GD im Vorfeld aufzeigen
  • Praktische Fragen, die durch die anstehende Umstellung ausgelöst werden, seriös bearbeiten
  • Werbematerial erstellen: Flyer, Homepage anpassen, vielleicht kurzer Motivationsfilm produzieren und im Gottesdienst einsetzen
  • Pilotphase planen und durchführen (3 – 5 Monate!). Alle sollen miteinander erleben was es in Wirklichkeit bedeutet, eine Gemeinde mit mehreren Gottesdiensten zu sein
  • Erfahrungen der Pilotphase konstruktiv und ehrlich auswerten. Das Potential und die Engpässe bearbeiten.
  • Im erweiterten Leiterkreis dann eine definitive Entscheidung treffen, ob, wann, wie … der Ansatz weiter verfolgt und ausgebaut wird

Fragen, die nach etwas längerer Zeit aufbrechen können:

  • Wie halten wir die positive geistliche Spannung in den Gottesdiensten aufrecht?
  • Was tun wir gegen ein ungute Routine, die sich immer wieder einschleichen will?
  • Wie sorgen wir dafür, dass unsere Mitarbeiter dabei nicht ausbrennen?
  • Wie „erholen“ sich die Mitarbeiter zwischen den Gottesdiensten?
  • Wie schaffen wir es, dass genügend Mitarbeitende auf Dauer am Start sind?
  • Können wir alle Angebote dauerhaft „stemmen“?
  • Wie schaffen wir den „langen Weg“?

Eine Gemeinde, mit der ich immer wieder im Gespräch bin, hat sich lange gegen mehrere Gottesdienste gewehrt. Sie hatten einfach keine Unterstützung, die breit genug war. Dann stellten sich räumliche Veränderungen ein, die einen weiteren Gottesdienst nötig machten. Als der Raumengpass sich löste blieb die Gemeinde bei dem Ansatz mehrere Gottesdienste. Die „erzwungene Erfahrung“ hatte sie gewonnen!

Auswahl: Deutsche Gemeinden mit mehreren Gottesdiensten am Wochenende

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Auswahl: Eine Gemeinde mehrere Standorte (Multisite) in Deutschland

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Man könnte jetzt auch die Frage diskutieren, ob man nicht statt eines weiteren Gottesdienstes eine neue Gemeinde oder einen Ableger in die Welt setzen könnte. Sicher. Aber das ist wieder ein neues Thema.

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