NEIN sagen! Zehn Tipps: So geht es. | 1

Jeder kennt das: Man ist mit Forderungen und Situationen konfrontiert, in denen man ein klares NEIN sagen müsste. Müsste! Denn man sagt es nicht. Und dann kommt das schlechte Gefühl. Man sieht sich wieder mal als Versager, verurteilt sich, ist wütend über sich selbst und die Umstände, niedergeschlagen … Fühlt sich unter Druck und denkt: „Hätte ich nur NEIN gesagt!“ Warum ist das so schwer? Was könnte man besser machen …?

Wie schafft man es ein gutes NEIN zu sagen?

Wie schafft man ein gutes NEIN zu sagen? Stimmige Entscheidungen zu treffen, die auch das Gegenüber akzeptieren kann. „Den Überredungsversuchen zu trotzen und Ihr Nein in der rhetorischen Schlacht durchzufechten?“ wie es Martin Wehrle in seinem Buch „Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen“.

10 Tipps zum NEIN sagen

Wehrle schlägt in seinem lesenswerten Buch zum Arbeitswahn in Deutschland 10 Strategien vor, die ich hier kurz vorstellen und skizzieren will. Von Seite 330 – 340 kann man sie bei ihm ausführlich und gut veranschaulicht nachlesen. Hier sollen sie nur als Impuls und Appetizer zum Buch aufgelistet werden. Und das in zwei Teilen, damit es überschaubar bleibt 😉

Tipp: Man kann als Leitungsteam diese zehn Tipps von Martin Wehrle gemeinsam lesen, sie auf die eigene Situation der Organisation übertragen und diese Fragen dazu diskutieren:

  • Wie erlebe ich es?
  • Wie erlebst Du mich?
  • Wie ist unsere Kultur an diesem Punkt?

1. Seine Sie klar, mental und verbal

Unser Zögern ermutigt den Frager! Unsere Unklarheit (eigentlich nicht; ich denke, besser nicht …) schwächt unsere Position. Klar, man will das Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen, freundlich bleiben, höflich sein. Das kann man, wenn man „mental“ klar ist, schreibt Wehrle. Wenn unser Gegenüber spürt, dass wir schwanken, wird uns ein NEIN schwerer fallen und unverständiger bleiben. Unser Gegenüber spürt, ob wir halbherzig sind, unentschlossen. Dass man uns „doch rumkriegen kann“. Klar NEIN zu sagen ist dann leichter, wenn man klar NEIN meint. Wieder einmal landen wir bei unserem Grundgedanken des Blogs: „Leiten geschieht von innen nach außen“!

2. Nehmen Sie sich Zeit, ehe Sie antworten

Man wird oft unvorbereitet angesprochen, auf dem „falschen Fuß“ erwischt. Jetzt ist Spontanität von einem erwartet, obwohl man blockiert oder von den vielen Gedanken verwirrt ist. Dann antwortet vielleicht auch aus Motiven, die weniger mit der Frage und dem Thema zu tun haben. Man möchte „der Gute“ sein, gibt Ängsten Raum, will kooperativ und teamfähig sein. Sich nicht vor der Mehrarbeit drücken oder die anderen hängen lassen. Vielleicht taucht ein Pflichtbewusstsein spontan auf, das man früh als Kind erlernt hat (nur ist man jetzt nicht mehr das Kind und der Frage die Eltern!) usw. Man sagt also JA, obwohl man NEIN sagen möchte. Und ärgert sich dann tagelang … Wehrle zitiert den griechischen Philosophen Pythagoras von Samos: „Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein, erfordern das meiste Nachdenken.“ Das einfache Gegenmittel dass der Autor vorschlägt: „Lassen Sie sich nicht überrumpeln.“ Man könne gut seinem Gegenüber sagen, dass man das Anliegen aufgenommen hat und in wenigen Augenblicken noch einmal auf den Frager zukommen wird.

3. Berufen Sie sich auf Prinzipien

Meine Prinzipien leiten sich aus meinen Werten ab. Sie klären mein Verhalten in Einzelfällen. Einzelfälle dürfen nicht meine Prinzipien „über den Haufen werfen“. Manchmal ist es klüger, bei seinem NEIN auf seine Prinzipien zu verweisen. Denn je mehr man sich auf einzelne Argumente beruft, warum man jetzt NEIN sagt, je mehr kann man in eine schwierige Argumentation geraten. Einzelne Argumente werden verwässert, man wird in seiner Position aufgeweicht. Prinzipien sind ein Schutzwall, den wir aufwerfen können. Seinen „Prinzipien treu zu bleiben“, ist eine Stärke!

4. Decken Sie Manipulationsversuche mit Humor auf

Manches Lob wird uns gesagt um uns zu etwas zu bringen, was wir nicht wollen. Wozu wir im Normalfall NEIN sagen. Das ist also gefährliches Terrain! Zuerst ist zu klären, wie man mich am ehesten manipulieren kann. Durch Lob, das schlechte Gewissen, die Schwierigkeiten, in die das Team kommt wenn …, Geld, Beförderung, Kündigung …? Diese Manipulation aufzudecken und zu konfrontieren führt zu einem Abwehrverhalten, sagt Wehrle. Schlagfertig mit Humor zu reagieren, entkräftet den Versuch. Wir schlagen den Feind mit seinen eigenen Waffen.

5. Hören Sie das Interesse, nicht die Position

Welches Interesse verfolgt der Fragende? Will er nur sicherstellen, dass die Veranstaltung gelingt und fragt mich daher? Ich könnte dabei behilflich sein, den Engpass zu lösen. So würde mein NEIN gut verkraftet werden können. Andernfalls geraten wir in einen Machtkampf, ein Duell. Wer hat Recht? Wer gewinnt? Ein Positionskampf ist eröffnet. Zu fragen, ob es ein berechtigtes Interesse hinter der Frage gibt bei dem ich helfen kann, hilft enorm!

Im zweiten Teil folgen die nächsten 5 Tipps.

Das Buch dreht sich eigentlich um den Arbeitswahn in unserem Land und zeigt das Problem sehr konkret und praktisch auf. Es kann hier bestellt werden.

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