Was (Wer) steckt hinter dem Krieg in der Ukraine?

Es ist Putins Krieg! Das ist überall zu lesen. Hier ein Aufmacher des Handelsblatt. Stimmt das? Politiker wiederholen diese Formulierung beständig weil es ihnen wichtig ist, zwischen dem russischen Volk und ihrer Führung zu unterscheiden. Gut so. Wer sagt die Wahrheit über diesen Krieg? Schwer zu sagen, da ja die Wahrheit das erste Opfer jeder kriegerischen Auseinandersetzung ist.

Was rechtfertigt die Opfer, die Zerstörung und Vertreibung? Damit steht auch die Frage im Raum, was ein Mensch und seine Lebensleistung wert ist. Mich bewegen diese Gedanken und die damit verbundene Frage, die ich mal im „Management-Sprech“ formuliere: Wer steckt am Ende des Tages wirklich hinter diesem Krieg? Hier mein Statement, das ich als einen Zwischenruf in die Diskussion als Christ einbringe:

Zuerst: Der wichtige Rundblick

Um zu einer angemessenen Antwort zu kommen, braucht es einen Rundblick: Und ja, er hat psychologische, soziologische, historische, medizinische, politische … Aspekte, die alle eine wesentliche Rolle spielen. Und ja, Menschen sind in diesem schrecklichen Krieg die Hauptakteure und unschuldige Opfer. Bei der Frage nach den Tätern denkt man direkt an Herrn Putin. Er und seine politischen Eliten wollen etwas um jeden Preis:

»Der russische Präsident Wladimir Putin habe den Krieg so aufgeladen „mit Symbolik und Grundsätzlichkeiten“, dass ein Kompromiss nur noch schwer zu finden sei, …« kommentiert Stefan Kornelius. (SZ Plus)

Zwar treffen sich die Konfliktparteien, aber es wird weiter gebombt. Wie passt das zusammen? Gibt es eine Hoffnung zur Zeit? Auch zur ukrainischen Seite wird man Namen nennen müssen, die auf dem Weg zu diesem Krieg schuldig wurden und sind! Menschen sind die Akteure, immer! Auf allen Seiten, das wissen wir aus der Geschichte.

Und die Auswirkungen sind auf vielen Ebenen fernab des Kriegsgebietes zu erleben. Nicht nur an der Tanksäule oder auf der Gasrechnung. Angesichts des Leides ist es fast unanständig, darüber zu klagen. Uns geht es noch vergleichsweise gut, nicht nur im Vergleich mit denen, die alles verloren haben. Afrika leidet besonders, wenn man Hendrik Mahlkow hört:

„Handelswege sind gekappt, Infrastruktur zerstört und alle verbleibenden Produktionskräfte dürften auf eine Kriegswirtschaft ausgerichtet werden“, sagte Handelsforscher Hendrik Mahlkow vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Freitag. „Da das Land einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt ist, insbesondere für den afrikanischen Kontinent, wird dies die dortige Versorgungssituation spürbar verschlechtern.“

Alles komplexe, wichtige und genau zu beobachtende Punkte. Zweifellos. Beantwortet das unsere Frage? Ich meine, dass wir mit diesen natürlichen, menschlichen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Antworten noch nicht am Ausgangspunkt angelangt sind! Und das bringt mich zu meinen Überlegungen, die ich in die Diskussion einbringen möchte.

Tim Keller, der New Yorker Bestsellerautor, eröffnet den Gedanken:

„Es gibt übernatürliche, geistliche Probleme, für die es übernatürliche, geistliche Lösungen braucht.“ | Tim Keller

Die geistliche Ursache – die geistliche Lösung!

Meine These: Im Kern hat (der) Krieg eine geistliche Ursache. Hier ist sie in einem Satz, den Jesus seinen Zuhören in einem speziellen Kontext zugemutet hat, der aber einen grundlegenden Sachverhalte klärt, von dem schon auf den ersten Seiten der Bibel zu lesen ist:

»Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.« | Johannes 8:44 (ELB85)

Der Diabolos, der Durcheinanderwerfer, der Böse, der Teufel … ER ist der Menschenmörder von Anfang an. Er führt von Beginn an einen skrupellosen Vernichtungskrieg gegen die Menschheit als Ganzes. Und dazu benutzt er Menschen. Erfüllt sie mit Begierden, Machtgelüsten und einer Selbstsucht, die ihren Blick vollständig vernebelt. Das ist in der gesamten Menschheitsgeschichte zu sehen, besonders auch in unseren Breiten im 20. Jahrhundert. Auf schrecklichste Art.

Erschreckend: Der Böse feiert seine Erfolge in allen Lagern! Mit Lüge, Betrug, Reichtum, Macht … verführt er. Schickt seine Dämonen aus, um Dämonisches mit und durch Menschen zu vollbringen. Auch und gerade jetzt. Waffen und Krieg zu segnen, ist schon immer eine teuflische Idee in christlichem Gewande gewesen. Waffen, die Leben beenden, Existenzen zerstören und Kindern ihre Zukunft nehmen: teuflisch!

»Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder, und ihr wißt, daß kein Menschenmörder ewiges Leben bleibend in sich hat.« | 1. Johannes 3:15 (ELB85)

Sein Gegenüber zu entmenschlichen, seine Gefühle und Gedanken zu entgrenzen und mit Haß zu erfüllen. Das ist diabolisch. Dahinter steckt der Menschenmörder. Und er will die, die unter seinem Einfluss stehen, auch zu Menschenmördern machen. Und er wird keine Ruhe geben, bis er sein Ziel erreicht. Aber dazu wird es final nicht kommen. Denn der, der der Schlange den Kopf zertreten wird (Gen. 3,15), ist am Werk. Noch ist sein Werk nicht vollendet, warum auch immer. Daran könnte man „irre“ werden, auch als Christ. Der Apostel Johannes setzt den Fokus:

»Lasst euch von niemand irreführen, meine Kinder! Wer das Rechte tut, kann wie Christus vor dem Urteil Gottes bestehen. Wer sündigt, stammt vom Teufel, denn der Teufel hat von Anfang an gesündigt. Der Sohn Gottes aber ist auf die Erde gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören.« | 1. Johannes 3:7-8 (GNB)

Licht und Finsternis: Gebet – der entscheidende Schachzug!

Licht und Finsternis stehen in diesem geistlichen Konflikt! Dieser geistliche Konflikt ist die eigentliche Ursache auch für den Krieg in der Ukraine. Und überall dort, wo Kriege sind. Deshalb ist das Gebet „ein entscheidendes Werkzeug“, mit dem Christen auf diese Kriege reagieren. Und es ist keinesfalls nur eine sozialpädagogische Übung, um mit den eigenen Gefühlen jetzt klar zu kommen.

Der Böse führt seinen Krieg und wir sind Teil dieses kosmischen Konfliktes! DASS IST DIE URSACHE! Im Neuen Testament werden wir mit diesem Sachverhalt vertraut gemacht. Hinter allem Bösen stehen Mächte und Gewalten.

»Nun noch ein Letztes: Lasst euch vom Herrn Kraft geben, lasst euch stärken durch seine gewaltige Macht! 11 Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten. 12 Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen ´Wesen von` Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen, gegen das Heer der Geister in der unsichtbaren Welt, die hinter allem Bösen stehen.« | Epheser 6:10-12 (NGÜ)

Mir ist klar, dass das eine ordentliche Provokation für ein rationalistisches Weltbild ist. Die Frage bleibt, wie wir zu diesem Axiom* kommen, dass es das nicht gibt oder auch umgekehrt. Keine kann es rational ergründen, wissen. Jeder glaubt. Entweder so oder so …

*Def. DUDEN: Axiom. Ein als absolut richtig erkannter Grundsatz; gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf.

Der Böse führt seinen Krieg und wir sind Teil dieses kosmischen Konfliktes!

Schon, aber auch noch nicht!

Aber aktuell leben wir in einer Zwischenzeit. Das Werk ist noch nicht vollendet, wie wir sagten. Es ist aber – geistliche betrachtet – nicht mehr so, wie es war. Doch ist es auch noch nicht so, wie es sein wird. Das ist eine Spannung, die zu einer großen Anfechtung werden kann. Dennoch: wir leben im Anbruch eines neuen Tages.

»Und die ´gottfeindlichen` Mächte und Gewalten hat er entwaffnet und ´ihre Ohnmacht` vor aller Welt zur Schau gestellt; durch Christus hat er einen triumphalen Sieg über sie errungen.« | Kolosser 2:15 (NGÜ)

Das tun Christen: nüchtern bleiben! Mitfühlen. Beten. Geben. Anpacken.

Deshalb müssen wir nüchtern sein, alle Aspekte einbeziehen und sowohl auf der geistlichen wie auf der natürlichen Ebene angemessene Antworten finden. Für Christen ist klar, dass sich alles von INNEN nach AUSSEN bewegt. Alles beginnt im Herzen eines Menschen (Sprüche 4,23). Und wenn ein Mensch zu Christus umkehrt, Vergebung erfährt und unter der Führung vom Heiligen Geist lebt, wird das an der Frucht des Geistes zu erkennen ist:

„Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“ | Galater 5:22-23 LU

Diese Frucht des Geistes bringen Christen jetzt an den Tisch. Für Geflüchtete. Für Verantwortliche. Für Menschen. Sieh fühlen mit. Sie beten, stehen im geistlichen Kampf und dienen mit allem, was ihnen als Haushalter anvertraut ist. Kurz: sie leben das Leben hier und jetzt, das der „Meister“ Jesus gelebt hat. Er lebt jetzt in ihnen und wirkt durch sie. Wo sie Einfluss nehmen durch IHN in der Kraft seines Geistes, breitet sich das Reich Gottes aus. Als Vorbote der Zukunft von Gott. Hier und jetzt in dieser Welt, dieser Zeit. Als Botschafter in der Fremde. Botschafter an Stelle von Jesus, „an Christi statt!“

So kommt diese Liebe von Gott, die Hilfe von ihm und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in unsere Welt! Christen werden zu seinen Händen, Füßen, Augen, Mund … Das ist der Auftrag, die Bestimmung. Oder um es in den Worten von Jesus zu sagen:

»Ihr seid das Licht der Welt. … So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.« | Matthäus 5:14 + 16 (NGÜ)

 

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Anmerkung zur Frage nach dem Bösen von N.T. Wright:

»Menschen, die zum Mord entschlossen sind, verleugnen, von dem wahren Gott abzustammen, und behaupten damit insgeheim, den Mächten der Finsternis anzugehören. Wie auch immer wir uns den Teufel vorstellen, es ist eindeutig, dass es eine Macht gibt, die Gott und seiner guten Schöpfung widersteht und Menschen dazu bringt, zerstörerisch zu handeln und zu morden. Diese Macht erfindet immer wieder Lügen – die „religiösen“ sind oft die wirkungsvollsten –, um solche Taten zu entschuldigen und sie sogar als ehrbar und richtig erscheinen zu lassen. Von diesen Menschen gibt es heutzutage viele, und leider gehören einige dazu, die sich Christen nennen. Wenn wir erkennen wollen, wo dieser Abschnitt am offensichtlichsten auf die heutige Welt anwendbar ist, sollten wir an diesem Punkt beginnen.«

Wright, N.T. (2017) Johannes für Heute: Das Evangelium, Kapitel 1–10. Übersetzt von F. Hönisch. Giessen: Brunnen Verlag GmbH (Das Neue Testament für heute), S. 154.

Anmerkung zur Frage nach dem Teufel von R. Schnackenburg:

„Jener“, der Teufel, war von Anfang an ein Mörder. Ἀπʼ ἀρχῆς spielt deutlich auf den Genesis-Bericht vom Paradies und Sündenfall an. Das bestätigt die nahverwandte, in der gleichen joh. Tradition stehende Stelle 1 Joh 3, 8: „Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel ab, weil der Teufel von Anfang an sündigt“. Durch das Tun des Bösen erweisen sich Menschen als Kinder des Teufels, nicht von Natur aus, sondern durch ihr Verhalten. Den ersten Menschen hat der Teufel durch Lüge und List das ihnen von Gott zugedachte ewige Leben geraubt und damit über alle Menschen den Tod gebracht (vgl. Weish 2, 24). In diesem Sinn war und ist er ein ἀνθρωποκτόνος (vgl. 1 Joh 3, 15). Das aber wurde er, weil er „nicht in der Wahrheit stand“ oder „steht“. Für die Erklärung macht es wenig aus, ob man bei der unsicheren Lesart ein Präteritum annimmt, das den Rückblick auf die Versuchung im Paradies (entsprechend ἦν) festhält, oder ins Präsens übergeht. Der Teufel hat seine Begierden seither beibehalten (vgl. 1 Joh 3, 8) und wirkt auch weiterhin der Wahrheit Gottes entgegen. Das „Stehen“ bezeichnet das Verweilen in einem Bereich; Joh benutzt gern räumliche Begriffe, um den Existenzraum (vgl. zu 5, 24) oder die Einflußsphäre (vgl. 8, 31. 37; vom „Bösen“ 1 Joh 5, 19) auszudrücken. Die „Wahrheit“ meint dementsprechend den „Raum“ Gottes, der seinem Wesen nach Wahrheit ist, lauterstes Licht (vgl. 1 Joh 1, 5), und alles, was „Lüge“ ist, von sich verbannt. Die Fortsetzung bestätigt und begründet das: Im Teufel gibt es nicht Wahrheit. Seiner inneren Art nach ist er vom göttlichen Bereich geschieden, vermag darum auch keinen „Stand“ im Raum von Gottes Wahrheit zu finden und wird beständig zu widergöttlichem Tun, zur „Lüge“ getrieben. „Wahrheit“ ist für Joh ein existentieller Begriff, der allerdings das moralische Verhalten (Wahrhaftigkeit, Treue) mitumschließt (vgl. auch 1 Joh 1, 8; 2, 4).

Schnackenburg, R. (1975–1984) Das Johannesevangelium. Sonderausgabe. Herausgegeben von J. Gnilka und L. Oberlinner. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder (Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament), S. 287–288.

Über Lothar Krauss

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