WORAN GEMEINDEERNEUERUNG SCHEITERT | TEIL 5

Vision. Genauer: Eine Gemeindeerneuerung wird scheitern, wenn »meine Vision« zur Grundlage des Prozesses wird.

Einwand: Braucht es für diesen Prozess nicht die visionäre Führungskraft, um ihn voranzubringen? Gemeinden und Organisationen verkümmern doch, wenn ihnen dieser Input fehlt, oder?

»Vision = ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft weckt.«

»Ich, mir, meiner, mich«, hilft bei den Prozessen nicht!

»Helft mir, meine Vision zu erfüllen!«, sagte ein Kollege im Gottesdienst, an dem ich teilnahm. »Gott redet zu mir, ich sage es euch dann weiter!« machte ein anderer Kollege seinen Mitarbeitern klar und forderte die Gefolgschaft. Der noch: »Ihr seid Teil meiner Vision«, predigte ein bekannter Leiter einer großen Zuhörerschaft in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, zu der ich auch gehörte.

Wo liegt das Problem? Was könnte falsch an diesen Aussagen sein? Braucht es nicht eine Vision, um auf den Weg der Erneuerung zu kommen?

Eine Vision ist gut. Punkt.

So ein inspirierendes Bild der Zukunft vor Augen zu haben, ist natürlich absolut nötig, wenn es zu einer Erneuerung in der Organisation kommen soll. Gemeindeerneuerung ohne Vision bleibt eine Illusion! Aber in nicht wenigen regt sich schon allein am Begriff »Vision« der Widerwille.

Selbst die Gegner der Vokabel »Vision« haben ein Bild vor Augen, dem sie folgen! Zum Stichwort »Vision« findet sich deshalb hier auch einiges auf dem Leiterblog. Was also ist das Problem mit der Vision?

»Gemeindeerneuerung ohne Vision bleibt eine Illusion!«

Wessen Vision?

Problematisch wird es, wenn es »meine Vision« ist, die den Prozess der Gemeindeerneuerung lenkt. Es ist unabdingbar, dass wir als Kirche »seiner Vision« folgen. Also dem Bild, das Jesus im Herzen hat, wenn er an seine Kirche in der Welt denkt. Den Prozess, den ich dazu sehe, habe ich hier aufgeschrieben.

Wir haben also ein inhaltliches Problem! Es geht nicht um uns Leiter, um unsere Ideen und unsere Träume. Auch geht es nicht um die »Bilder der Zukunft« einzelner Personen und Gruppen der Gemeinde!!! Eine christliche Gemeinde entwickelt sich nur dann gesund, wenn sie »christozentrisch« aufgebaut ist. Christus im Zentrum. In der Mitte. Er ist der Auftraggeber, wir die Auftragnehmer. Deshalb ist »meine Vision« ein Killer.

Gottes Idee: Uns alle mit »seiner Vision« anstecken, inspirieren und uns zu seinem Volk machen. Gemeinsam sollen wir seine Größe, Schönheit und Liebe in der Welt zeigen (1. Petrus 2,9). Wir alle, nicht nur ein paar Leiter …

Unser aller Job: Selbstverleugnung und Nachfolge. (Matthäus 16,24). Klingt heftig, oder? Aber die Wirklichkeit ist, dass wir alle jemandem oder etwas folgen. Und Jesus zu folgen bedeutet, dass wir Freiheit finden und unsere Bestimmung entdecken. (Matthäus 11,28; Johannes 8,36). Das trifft unsere tiefste Sehnsucht! Jesus zu folgen ist der Weg dahin! (Johannes 14,6)

Anteilseigner

Jeder soll zum Anteilseigner der Vision werden. Entzündet werden wir vom größeren Bild Gottes für die Zukunft. Diese Vision ist – wie gesagt – nicht exklusiv für Leiter! Sie gilt allen, die nachfolgen. Im Evangelium ist es ausführlich dargelegt. Ohne die Identifikation vieler Leute der Gemeinde, ohne das viele zu Anteilseignern werden, bleibt am Ende nur ein Batt Papier in der Schublade, ein Satz an der Wand im Foyer, eine Grafik auf der Homepage … vom Prozess der Erneuerung!

Das, was in uns passiert, während wir im Prozess unterwegs sind, ist entscheidend! Warum? Weil es die Grundlage und Quelle dafür ist, was durch uns als Einzelne und ganze Kirche entsteht. Von innen nach außen. Das ist die Stoßrichtung!

Wir werden zu Teilhabern! Im Hebräerbrief ist zu lesen: »Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung …« | Hebräer 3,1 ELB Wir sind alle dazu bestimmt, TEILHABER zu sein. Diese Berufung und Bestimmung, die alle Christen haben, verbindet uns. Sie stellt uns alle auf das gleiche Level! Aus Teilhabern werden dann Teilnehmer!

Teilhaber – Teilnehmer!

Jede Person hat in der Kirche dann eine Rolle im Zusammenhang mit der himmlischen Berufung! (1. Korintherbrief 12-14; Epheser 4,11ff, 1. Petrus 4,10 …) Das aktiviert uns als Nachfolger von Jesus. Aus Teilhabern (Identität, Erben …) werden Teilnehmer. Gott handelt durch uns. Wir sind gemeinsam »sein Leib«.

Für den Prozess der Gemeindeerneuerung bedeutet das, dass einige eine besondere Begabung haben, das Bild der Zukunft, das im Herzen Gottes für die Kirche und diese Welt ist, zu kommunizieren. Sie können etwas in den Mitarbeitern und Mitleitern anzünden, was andere so nicht können. Wenn das in der Gesinnung eines Dieners geschieht, ist das genial! (Matthäus 23,11; Johannes 13,1-17).

Das ist der »Jesus-Style«. Dieser Style würde jeder Kirche, jedem Konzern, Handwerksbetrieb, aber auch jeder Behörde, dem Einzelhandel, Großhandel, der Beratungsindustrie … gut tun!

Nebeneffekt: Teilhaber – Teilnehmer

Die Identifikation ist viel größer und schafft eine Einheit. Leiter im Prozess der Gemeindeerneuerung investieren deshalb alles, damit ganz viele Gemeindeleute zu Anteilseignern werden. Zu Leuten, die den Sinn der Sache für sich ergreifen und es zu »ihrer Sache« machen. Ein Zukunftstrend sind „Purpose-driven companies“, „sinngetriebene Unternehmen“ schreibt Markus Väth auf seinem Blog. Und genau da setzt eine Stärke einer Ortsgemeinde an, die den Weg der Erneuerung so geht.

Nun ist es nicht mehr die Sache von Einzelnen. Nun ist es unsere Sache. Was würde das in unseren Kirchen, Städten, Landkreisen … verändern, wenn wir als Church so zusammen mit der Vision des Reiches Gottes am Start wären?

Stell‘ Dir vor was passiert, wenn wir als Kirche in Einheit, als Teilhaber, Anteilseigner unser Bestes geben, erfüllt mit dem Heiligen Geist in der Gesinnung einer Dieners durchstarten? Wenn es darum in der Erneuerung und Veränderung unserer Gemeinden gehen könnte. Spürst Du was? Träumst Du schon mit?


Fragen zur Selbstreflexion

  • MEINE Vision oder SEINE Vision?
  • Werden die Menschen, denen ich diene, zu Anteilseignern und Teilhabern oder zu meinen Fans?
  • Entwickeln die Leute unserer Church ein eigenes Brennen, das wir als Leiter anzünden konnten, oder sind sie eine Zeit in unserem Licht begeistert? (vgl. Johannes 5,35)

THESE 5: »Meine Vision« wird zur Illusion und führt das Projekt Gemeindeerneuerung zum Scheitern!

Seine Vision entzündet uns als Gemeinschaft, führt uns zur Einheit und gibt uns eine große Kraft. Christus im Zentrum, diese Welt umarmen, so wie Christus es uns gezeigt hat. Wir haben die Wahl!


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Hier geht es zur Seite »Veränderungsprozesse« auf dem Leiterblog.

Über Lothar Krauss

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