Klaus-Günter Pache | Olympisch für Leiter: Hop – Step – Jump

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Es gibt eine Olympische Disziplin, den Dreisprung. Wie beim Weitsprung hat der Sportler einen weiten Anlauf, springt ab, setzt auf, springt dann aber nochmal ab, setzt wieder auf, springt ab und landet. Der Weltrekord liegt bei 18,29 m. Unglaublich. Versuch’s mal. Anlauf, Absprung, Absprung, Absprung, Landung. Die Sportler nennen das: Hop – Step – Jump. Gibt es so etwas wie einen Dreisprung für geistliche Leiter?

Es gibt so etwas wie einen Dreisprung für geistlichen Leiter:

Hop – Step – Jump

Berufung – Treue – Gnade.

Hop: Gute Leiter wissen um ihre Berufung.

1974 habe ich als Vikar in Bremen angefangen, ganze 27 Jahre war ich alt, frisch aus dem Studium und gleich mit allen pastoralen Aufgaben betraut. Was hat mich bewahrt, mich nicht scheitern lassen? Zum einen: Ich wusste um meine Berufung. Die habe ich das erste Mal mit 12 Jahren sehr stark empfunden. Mit 17 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Pastor unserer Freikirche. Der wurde nach diesem Gespräch von dem damaligen Präses gefragt, ob er in mir eine Berufung für den geistlichen Dienst erkennen könne. Er muss das bejaht haben, denn ich bekam die Empfehlung für das Theologiestudium.

Zum anderen: Andere wussten um meine Berufung. Der Leiter der Paulusgemeinde hat mich in einer Zeit nach Bremen gerufen, in der die Gemeinde so klein war, dass sie eigentlich keinen hauptamtlichen Pastor bezahlen konnte. Er war ein Leiter, der mich jeden zweiten Tag angerufen hat, mit mir alles durchgesprochen hat und der unbedingt eins wollte: Mit dieser Gemeinde wieder bessere Tage sehen. Er wusste um meine Berufung und wollte mich unbedingt in Bremen haben. Als er mich in Basel anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könne nach Bremen zu kommen, habe ich irritiert gefragt: „Wie kommst du auf mich, du kennst mich doch gar nicht?“ Egal, er wusste es einfach.

Ich stelle fest: Leiter sein bedeutet den Blick für das Ganze haben. Leiter sein bedeutet Initiative entwickeln und sich mit dem Status quo nicht abfinden. Leiter sein bedeutet mit den Möglichkeiten Gottes rechnen. Obwohl ich noch so jung war, hat er mir vertraut. Nur dadurch konnten wir Veränderungen einleiten, die unsere Gemeindeentwicklung möglich gemacht haben.

In den vielen Jahren meiner Verantwortung habe ich festgestellt: Die echte Leitungsgabe braucht die Berufung von außen. Wer sich in eine Verantwortung drängt – so wie wir es aus Firmen und vor allem in der Politik so gut kennen – taugt in der Regel nicht für die leitende Verantwortung in einer Gemeinde.

Step: Gute Leiter dienen in Treue.

Wie viele Menschen habe ich in den vielen Jahren als Pastor kommen und gehen sehen. Damit meine ich jetzt nicht diejenigen, die aus familiären oder beruflichen Gründen ihren Wohnort gewechselt haben. Ich meine die, die für eine bestimmte Zeit ihre Heimat in unserer Gemeinde gesehen haben, um dann aber aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen dieselbe zu verlassen und sich woanders anzuschließen. Das kann jeder handhaben, wie er will, aber die Gemeinde lebt nicht von diesen Menschen. Sie lebt nicht von denen, die nur so von guten Ideen sprühen, aber weder Lust, noch Zeit, noch die Disziplin haben deren Umsetzung aktiv zu unterstützen. Sie lebt von denen, die in Treue aushalten und so nachhaltig Gemeindeentwicklung beeinflussen. Wir haben oft mit denen klarkommen müssen, die nicht so begabt waren, wie andere, aber sie waren da, sie waren verlässlich, sie waren hier zuhause.

Wer die späten Briefe des Paulus liest wird unangenehm berührt sein über die bitteren Töne, die der Apostel anschlägt. Die Untreue leitender Mitarbeiter muss ihm mit am meisten zu schaffen gemacht haben, mehr als Verleumdung und Verfolgung durch die Feinde des Evangeliums.

Jump: Leiter, die Gnade erlebt haben, sind gnädige Leiter.

Es gibt so etwas wie den ‚Pastoren-Alptraum‘. Gespräche mit Kollegen haben mir gezeigt, dass er in unzähligen Varianten geistliche Leiter heimsucht. Bei mir stellt er sich ungefähr so da: Erst einmal schaffe ich es irgendwie nicht pünktlich zum Gottesdienst zu erscheinen. Ich bin noch im Schlafanzug, finde meinen Anzug nicht und komme völlig geschafft in der Kirche an. Ich fange an zu predigen, aber die Leute interessiert das überhaupt nicht. Sie reden miteinander, sind offensichtlich gelangweilt und verlassen schließlich einer nach dem andern die Kirche, und ich stehe auf der Kanzel und schaue dem Treiben hilflos zu.

Über eins war ich mir in all den Jahren immer im Klaren – und das zeigt vielleicht unbewusst dieser Traum: Ich habe es nicht in der Hand. Ich kann mir noch so viel Mühe geben, noch so begabt sein, noch so eindrücklich predigen, in kürzester Zeit kann alles vorbei sein.

Die Gemeinde ist ein sehr zerbrechliches Gefäß. Streiten sich die Verantwortlichen, schadet das der Gemeinde. Verliert die Gemeindeleitung das Vertrauen der Gemeindemitglieder, zerbricht eine Gemeinde. Vor einiger Zeit erhielt ich einen Anruf von einem völlig verunsicherten Bekannten. Seine Gemeinde hat 150 Mitglieder, es gibt viel Streit unter den Mitgliedern und das Rechnungsjahr wurde mit 60.000 Euro minus abgeschlossen. Seit Wochen ruft der Pastor die Gemeinde dazu auf mehr Geld zu spenden. Die Gemeindeleitung will zurücktreten, die Gemeinde den Pastor loswerden.

Das erinnert mich an meinen Traum – der mit dem Schlafanzug und der sich leerenden Kirche. Das es in unserer Gemeinde bis auf den heutigen Tag so nicht passiert ist, ist pure Gnade Gottes. Deshalb, Leiter, die Gnade erlebt haben, sind gnädige Leiter und darum gilt Folgendes: Ein Leiter muss vorgeben wo es lang geht, sonst ist er kein Leiter. Aber wie er das macht, in welchem Ton er was sagt, wie er korrigiert, wie ermutigt – das macht den Unterschied zwischen Scheitern und Gelingen aus.   Leb Gnade!

Hop – Step – Jump, Berufung – Treue – Gnade. Drei unverzichtbare Werte für unseren Dienst als geistliche Leiter.

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Klaus-Günter Pache überaus glückliche verheiratet, Vater von fünf verheirateten Kindern, Großvater von neun Enkelkindern. Seit 35 Jahren leitender Pastor der Paulusgemeinde in Bremen. www.paulusgemeinde.de | www.muelheimer-verband.de
Klaus-Günter Pache ist im November auf der STEPCON 14 als Sprecher mit dabei. Er wird am Samstagvormittag zu hören sein.

Stepcon

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Eine Antwort zu Klaus-Günter Pache | Olympisch für Leiter: Hop – Step – Jump

  1. Andreas Timm schreibt:

    Danke Klaus-Günter… als alter Athlet in meiner Schulzeit in Indien war der Dreisprung einer meiner Hauptdisziplinen! Mein Trainer hat mit mir alle drei Phasen dieses Sprungs geübt… und wichtig war die Ausgewogenheit in allen drei Phasen, denn wenn eine zu stark/schnell (oder zu schwach) ist, dann leidet die nächste Phase… Berufung mit wenig Treue führt zu einer verkürzten Sicht der Gnade usw. Tolles Bild…

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