Der geheime Schmerz eines Pastors (2)

PeterDrucker-innovation

Jeder Beruf und jede Berufung hat ihre Tücken. Der pastorale Beruf auch, meint Peter Drucker, die Führungslegende. Ganz besonders schwer sei diese Aufgabe sogar. Hier „jammert“ kein Vertreter des Berufsstandes, sondern eine anerkannte Autorität in Sachen „Leitung“ spricht Klartext! Was sind also die „geheimen Schmerzen“, an denen Pastoren leiden?

Im ersten Teil hat Philip Wagner den Blick auf die Schmerzen KRITIK und ABLEHNUNG geworfen. Heute kommt der zweite Teil mit den Schmerzen VERRAT und EINSAMKEIT. Um den Umfang dieses Beitrages zu begrenzen habe ich mich dazu entschlossen, die letzten beiden Stichworte in einem dritten Teil zu behandeln.

Hier also Philip Wagners Hinweise zu VERRAT und EINSAMKEIT, mit einigen weiterführenden persönlichen Anmerkungen von mir.

VERRAT

  • ZUERST: Menschen in der Gemeinde zu vertrauen kann auch nach „hinten los gehen“. Das sollte keine Führungskraft überraschen, auch nicht Pastoren. Das bedeutet nicht, dass Pastoren nicht vertrauen sollten, sondern dass sie sich dieses Faktes immer neu bewusst werden müssen!
  • Die Weltgeschichte ist nämlich auch eine Geschichte von Intrigen und Verrat.
  • So kann es vorkommen, dass Vertraute persönliche Dinge das Pastors an andere weitergeben.
  • Enge Mitarbeiter (haupt- u. ehrenamtlich) können Störungen auslösen, die letztlich das Vertrauen zum Pastor beschädigen und sogar zerstören.
    • Eigene Ambitionen des engen Mitarbeiters, verletzter Stolz, unbearbeitete Verletzungen, fehlende Integrität, Minderwertigkeit, Machtgelüste … können Gründe für dieses Verhalten sein.
    • Gerade bei engagierten Mitarbeitern täuscht sich der Pastor schnell, da der fleißige „Mittuer“ im ehrenamtlichen System so viel Rückenwind bekommt.
    • Wenn es hauptamtliche Kollegen betrifft, kann es zu einer „Allianz“ im Hauptamtlichenkreis kommen, die die Gemeinde als Gegenüber (Gegner!) wahrnimmt.
    • Dabei führen offene Hintergrundgespräche, ein gemeinsames Reflektieren und Gebetszeiten zu einem vertrauensvollem Austausch, der später „Munition“ für einen Verrat liefert!
  • Es kann so weit kommen, dass ehemals engagierte und vertrauensvolle Mitarbeiter sich gegen den Pastor stellen und schließlich die Gemeinde verlassen, vielleicht sogar noch andere mitnehmen.
  • Der Pastor vertraut Menschen, indem er ihnen Einfluss, Bühne und Titel gibt. Vertraute Mitarbeiter missbrauchen dieses Vertrauen und richten Schaden an.
  • Der Pastor erlebt diesen Verrat wie einen Judas-Kuss.
  • Hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche rufen den Verrat hervor. Ein Pastor mag denken: „Wir bezahlen dich dafür, dass du Probleme löst und nicht Probleme erzeugst. Ich kann Probleme kostenlos bekommen! Wir müssen niemanden dafür bezahlen, dass er oder sie Probleme erzeugt!“

Einige interessante Daten:

  • 40% der Pastoren berichten, dass sie wenigstens 1x im Monat einen Konflikt mit einem Mitglied der Kirche erleben.
  • 85% der Pastoren sagen, dass ihr größtes Problem ihre Müdigkeit im Umgang mit „Problem-Leuten“ ist, die mitarbeiten: Älteste, Diakone, Lobpreisleiter, Lobpreis-Teams, Gemeindeleitungsleute, Kollegen in der Kirche …
  • Der NR. 1 Grund, warum Pastoren ihre Kirche in den USA verlassen besteht darin, dass die Gemeinde nicht willig ist in die gleiche Richtung zu gehen, sich zu verändern.
  • 40% der Pastoren gaben an in den letzten 3 Monaten darüber nachgedacht zu haben, ihre Stelle aufzugeben und die Gemeinde zu verlassen.

Herausforderung für pastorale Leiter:

Wir Pastoren müssen Wege finden, mit Gottes Gnade Menschen so zu lieben, als ob sie uns nie verletzt hätten, meint Wagner. Ein richtiges Verständnis des Evangeliums bietet dafür die entscheidende Grundlage!

Alternative zum Verrat: Bewährten Mitarbeitern vertrauen!

Bewährung. Natürlich kann man keine Garantie erhalten, dass es nicht zu einem Verrat kommt. Auch Jesus hatte einen Judas im engsten 12er Kreis! Aber 1. Timotheus 3 gibt gute Kriterien an die Hand, die vorbeugend helfen. Besonders der Vers 10 mahnt zu einem weisen und verantwortlichen Umgang mit Mitarbeitern: „Im Übrigen sollen auch sie zuerst einer Prüfung unterzogen werden, und nur wenn nichts an ihnen auszusetzen ist, dürfen sie zum Dienst in der Gemeinde zugelassen werden.“ Willigkeit allein reicht nicht aus! Manchmal treibt uns die Not, dass wir Menschen in Aufgaben zulassen, obwohl wir „Bauchschmerzen“ haben. Und auch bei aller Ermutigung: Menschen müssen sich bewähren! Das gilt auch für uns Pastoren!

EINSAMKEIT

  • Wer ist mein Freund?
  • Wem kann ich vertrauen?
  • Wenn ich als Pastor von meinen Herausforderungen und Problemen berichte, werde ich dann:
    • Kritisiert? 
    • Oder wird das „die Runde“ machen?
    • Oder werde ich „anders“ behandelt werden?
  • 70% der US-Pastoren haben niemanden, den sie als „engen Freund“ bezeichnen.
  • Sind meine Freunde echte Freunde?
  • Oder Leute der Gemeinde, die nur vorübergehend eine Freundschaft zu mir leben.

Sind das nur Herausforderungen für unsere Kollegen „über dem Teich“? In der Artikelreihe „Der Leiter ist anders! Und einsam!“ gehe ich dem Gedanken nach. Am Anfang des vollzeitlichen Dienstes sind viele Pastoren der Ansicht, dass das unkompliziert in einer Gemeinde möglich ist. Ein Pastor kann vertraute Freundschaften in der Gemeinde pflegen, selbstverständlich! Und es gibt tatsächlich viele gute Erfahrungen dazu. Allerdings nimmt die Gruppe der Kollegen mit den Jahren der Berufserfahrung deutlich ab! Erfahrungen desillusionieren. Neulich sagte mir ein Kollege: „In der Krise, im Konflikt wirst du ernüchtert. Am Ende kannst du dich nur auf deine Familie verlassen. Du bist überrascht, wie enge Weggefährten schweigen, oder sogar die Seite wechseln.“

Philip Wagner kommt nun zum Schluss, dass gesunde Freundschaften aber enorm wichtig für ein erfülltes Leben des Pastors sind. Schwierige Erfahrungen dürfen ihn oder sie nicht davon abhalten, solche Freundschaften zu bauen und zu pflegen.

Persönliche Reflexion

Nach 30 Jahren in Leitungsrollen – über 25 Jahre als Pastor – habe ich sehr enge und engere Beziehungen zu Menschen aufbauen können, die heute meine Freunde sind. Sie stehen zu mir, auch wenn ich nicht mehr in „Amt und Würden“ bin und begleiten mich in den Höhen und Tiefen des Lebens. Das hat sich jetzt schon mehrfach im Test bewiesen. Meine Frau, mein engster Freund! Dann 3 – 4 weitere richtig nahe Freunde und nochmals 8 – 10 Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Sie sind bundesweit verteilt und doch nur eine eMail, einen Anruf oder einen Besuch weit entfernt.

Meine intensive berufliche Einbindung verführt mich immer wieder dazu, diese Beziehungen zu vernachlässigen. Tolle neue Kontakte könnten diese Freundschaften in den Hintergrund drängen, wenn ich nicht beständig dagegen angehen würde. Für mein letztes Dienstdrittel habe ich mich dazu entschieden diese Freundschaften mehr zu pflegen, als ich das in den frühen Jahren getan habe. Und mir ist klar: Ich muss das auf Kosten beruflicher Möglichkeiten, eigener Ambitionen und wachsenden Aufgaben tun. Denn das wird alles bald Geschichte sein.

Beziehungen werden die Vergänglichkeit überdauern. Bei wem solltest DU DICH HEUTE MELDEN? 😉

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Über lotharkrauss

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5 Antworten zu Der geheime Schmerz eines Pastors (2)

  1. basti schreibt:

    Ein sehr ehrlicher Artikel, auch wenn voller Schmerz. Der Aussage „Am Ende kannst du dich nur auf deine Familie verlassen. Du bist überrascht, wie enge Weggefährten schweigen, oder sogar die Seite wechseln.” – kann ich nur zustimmen.
    Auch stimme ich der Aussage zu:“ Und mir ist klar: Ich muss das auf Kosten beruflicher Möglichkeiten, eigener Ambitionen und wachsenden Aufgaben tun. Denn das wird alles bald Geschichte sein.“
    Denn es ist meine Aufgabe als Leiter, meine Kraftquellen zu schützen und auszubauen, damit ich nicht vertrockne.
    In der Bibel heißt es „Sei gesegnet und sein ein Segen für andere!“ Segen für andere sein ist unsere Berufung. Selbst gesegnet zu werden, ist der Teil der Arbeit den wir nicht vernachlässigen oder aus den Augen verlieren dürfen. Eben indem wir trotz Dienst starke Beziehungen zu unseren Ehepartnern, Familie, Verwandtschaft pflegen und daraus immer wieder Kraft schöpfen, egal wo wir gerade auf der Welt unseren „Dienst tun!“

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