Die zweite Maus bekommt den Käse! Ein anderer Ansatz für Leitende!

Käse 2„Wie sollte sich ein Torhüter beim Elfmeter verhalten? Statistisch betrachtet, sollte er sich nicht nach links werfen und nicht nach rechts. Er sollte in der Mitte stehen bleiben. Warum aber macht kaum ein Torhüter das? Weil der Drang zum Handeln ihn davon abhält, ein Drang, der vor allem einer öffentlichen Erwartung entspringt: Wirft sich ein Torhüter in die falsche Ecke, sieht es aus, als hätte er Pech gehabt. Bleibt er stehen, sieht es aus, als sei er ein Trottel, der kapituliert hat. Kurzum: Wer als Torhüter beweisen möchte, dass er sein Geld wert ist, der bewegt sich. Auch wenn er seine Erfolgschancen damit schmälert.“ So fasst Tobias Becker auf Spiegel-Online eine Passage aus Holm Friebe’s neuem Buch „Die Stein-Strategie. Von der Kunst nicht zu handeln.“ zusammen. Friebe ist studierter Volkswirt, Dozent für Designtheorie und Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur in Berlin.

Könnte es sein, dass das gesellschaftliche Klima von Aktionismus auch christliche Führungskräfte leicht erfasst? Uns die vorherrschende Macher-Mentalität ansteckt, der Drang zum Handeln auch uns plagt? Autsch, denkt sich jetzt vielleicht so mancher Leser, manche Leserin. Ist das ein Beitrag gegen starke und aktive Führungskräfte? Keine Sorge, ich liebe starke, erfolgreiche und aktive Führungskräfte, die so leiten, dass sie Gott ehren. Ich finde sogar, wir sollten noch ein paar mehr davon im Land haben. Es ist nur so, dass ich gerne auch mal über meine gewohnten Perspektiven hinausdenke. Und dazu hat mich das Buch von Holm Friebe herausgefordert, auch wenn ich seine Thesen mit „Messer und Gabel“ lese. Das mache ich aber mit allen Büchern, auch und gerade mit christlichen. Also, sind wir Macher zur falschen Zeit?

Wer ist in der christlichen Szene angesagt?

Die Erfolgreichen! Sind es nicht sie, die wir auf Konferenzen hören wollen? Die uns beraten müssten? Von denen wir Bücher kaufen, und manchmal auch lesen? Leute, die was „zu sagen haben“, die „was erreicht haben“ oder christlicher formuliert: „die Gott gebraucht hat“? Und überhaupt: Ist das falsch? Wenn ja, was genau ist daran falsch? Denken wir mit Friebe weiter:

Wir sollen nicht passiv, gleichgültig, faul sein oder die Aufschieberitis haben. Am Ende seiner „Stein-Strategie“ steht nicht die Untätigkeit, sondern die angemessene Entscheidung zur Untätigkeit: „Das Unterlassen als Strategie setzt voraus, dass man immer auch handeln könnte und sich bewusst dagegen entscheidet – und nicht, dass man durch höhere Mächte, Antriebslosigkeit oder pathologische Disposition dazu gezwungen wird, in Untätigkeit zu verharren.“ Es gibt Gründe, warum wir handeln! Oder aber auch nicht! Gute Gründe. Das fordert uns als Leiterpersönlichkeiten heraus: „Abwarten und Ausharren erfordert ungleich mehr Selbstdisziplin, als sich Hals über Kopf in Handlungen zu stürzen, um nicht weiter nachdenken zu müssen.“ schreibt er! Und wir ergänzen: „Um unsere Ernsthaftigkeit, Willigkeit, Entschlossenheit, Fähigkeit, Hingabe, Stärke … unter Beweis zu stellen.“ Leiter sind aktiv! Das ist nicht die Frage. Frage ist vielmehr, wann, wo und womit die Aktivität beginnt!

Warten auf Gott – Hören auf Gott

Als Christ bin ich durch die Impulse Friebes an viele Hinweise der Bibel erinnert. Daran, dass es einen dynamischen Plan von Gott gibt, dass ich nichts ohne Gott tun kann, ich erst auf Gott hören muss, den Herrn zu suchen habe, mich in Geduld üben soll … bevor ich aktiv werde. Mein blinder Fleck: Ich weiß das alles, finde es auch richtig. Und ich denke, dass ich das auch beherzige. Oder nicht? Nicht immer! Schon vor 20 Jahren erschütterte mich an diesem Punkt Loren Cunningham, der Gründer und erste Präsident von Jugend mit einer Mission (JMEM):

Er sagte in meiner Zeit als Jugendpastor in Altensteig, dass JMEM wohl ungebremst weitermachen würde bis zur Wiederkunft von Jesus, auch wenn Gott ihnen heute den Auftrag entziehen würde. So aktivistisch wären sie mittlerweile … Uff!, dachte ich damals. Wirklich? Könnte das auch bei mir der Fall sein? Und setzt uns der Erfolg der „Marktbegleiter“, der Kollegen, der anderen Gemeinden … nicht auch immer wieder „unter Druck“? Oder motiviert mich das Vorbild zu falscher Betriebsamkeit, weil die Frucht des anderen immer nur Frucht seiner Berufung sein kann, nicht Frucht meiner Berufung?

Wäre ich als Leiter bereit JEDER Berufung, die Gott für mich hätte, zu folgen. Auch wenn sie nicht zu besonderem ERFOLG, Bekanntheit, Einfluss … führen würde. Ich dachte an Missionare, die kaum ERFOLG in ihrer Arbeit sahen. Der überaus erfolgreiche Afrikamissionar Reinhard Bonnke gab mir in einem Interview vor 25 Jahren schon zu Protokoll, dass er die Saat erntet, die diese Missionare vor ihm ausgesät hatten. Das hat meine Sicht auf die Berufung, in der ich stehe, beeinflusst. Und die Frage nach dem ERFOLG relativiert. Ich denke in zu kurzen Zeiträumen, zu einseitig, musste ich feststellen.

Meine Berufung leben …

Wie erfolgreich, aktiv, leistungsfähig … ich als Führungskraft werde, hängt von Gottes Berufung und Plan für mein Leben ab. Für mich gilt es deshalb zu lernen, dass mein Handeln eine Folge von Gottes Wirken und Plänen für mich ist. Ich habe zuerst auf Gott zu hören. Dieses „Hören auf Gott“ hängt eng mit dem „Warten auf Gott“ zusammen. Er lässt sich Zeit. Manchmal aufreizend viel Zeit! Oder? Uli Eggers hat in seinem Editorial in Aufatmen 3/2013 einen humorvollen und wertvollen Einblick in diese Spannung gegeben, die etwas Einblick auch in die Geschichte von Charismatikern und Evangelikalen in den 90er Jahren eröffnet.

Was mache ich, wenn also meine Situation unklar bleibt? Friebe legt wieder den Finger in die Wunde: „In unklaren Situationen verspüren wir den Impuls, etwas zu tun, irgendetwas – egal, ob es hilft oder nicht. Danach fühlen wir uns besser, selbst wenn sich nichts zum Besseren gewendet hat.“ Dieses Verhalten kostet die deutsche Wirtschaft Milliarden, meint er! Was kostet es die christliche Kirche? Auf jeden Fall weiß ich aus eigener Erfahrung, wovon er schreibt. Bin erinnert an Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus mit auf den Berg der Verklärung nimmt. (Matthäus 17) Eine phantastische Begegnung, von der Petrus noch in seinem Brief berichtet (2. Petrus 1,18). Und in dem heiligen Moment, wo Schweigen angesagt wäre, prescht Petrus an Johannes u. Jakobus vorbei und bietet Jesus seine Dienste an (warum eigentlich nicht mit den beiden Freunden zusammen? – Jeder von uns hat eben ein sehr großes Bedürfnis nach Bedeutung und Sicherheit in seinem Leben. Auch Petrus. Toll, wie Jesus reagiert!). Immer wieder frage ich mich, ob ich ausreichend auf den Heiligen Geist höre? Zeit der Stille, der Ruhe, des Wartens auf Gott habe? Und bin ich bereit, mir an Gottes Gnade genügen zu lassen, mich mit meinen Grenzen zu versöhnen und dann mit Leidenschaft, Hingabe und Fleiß meinen Weg zu gehen?! Und rechne ich in meinen Grenzen mit den überraschenden Wundern Gottes, den großartigen Entwicklungen, richtigen Erfolgen, die Gott schenken kann und will? Bin ich ein Vertrauender?

Gottes geniale Zukunft für uns: Der andere Weg

Wenn wir als Leitende auf Gott hören, dann kann das Überraschende geschehen. Nicht das, was Menschen von uns erwarten, oder was „sein“ sollte. Sondern Gottes andere Lösung für unsere Zeit und Generation. Friebe zitiert Henry Ford, der das Fließband erfand, um das Auto zum Massenartikel zu machen: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Aber nun haben wir das Auto. Irgendwie besser als „schnellere Pferde“, finde ich. Wenn Gott uns Leitern nun SEINE IDEEN für die Kirche, den Job, die Kultur, Gesellschaft, Alleinerziehenden, Drogensüchtigen, Vermögenden, Künstler … gibt, was kann dann in unserem Land losgehen?!

Die zweite Maus

Wenn ich bedenke, dass je nach Branche 70 – 80 % der Innovationen floppen, dann werde ich neu zum Lernenden. Die zweite Maus bekommt also den Käse, weil 70 – 80% der ersten Mäuse nicht mehr sind. Das reißt mich aus dem Individualismus unserer Kultur: Ich brauche den ANDEREN. Die Väter, mit denen Gott Geschichte geschrieben hat. Die Mitleitenden im Lande, die Gott gebraucht. Was haben sie von Gott gehört? Was hören wir gemeinsam? Was können wir voneinander lernen? Was bewährt sich? Was ist Gottes Reden für unsere Zeit? Ich will von Leuten lernen, die auf Gott warten und hinhören. Und selbst jemand werden, der diesen Lebensstil pflegt. Und Du?

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Zitate aus: Holm Friebe, Die Stein-Strategie: Von der Kunst, nicht zu handeln, (Carl Hanser Verlag, München, 2013)
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