Wie finden wir motivierte Mitarbeiter | Teil 3

Ohne Zeit geht es nicht! Aber welcher Leiter hat die schon?

„… und er bestimmte zwölf, die er Apostel nannte. Sie sollten ständig bei ihm sein, und er wollte sie aussenden, damit sie seine Botschaft verkündeten und in seiner Vollmacht die Dämonen austrieben.“ Markus 3,14-15 NGÜ

In der Regel müssen Leiter motivierte Mitarbeiter selbst formen, wie es der Teil 2 der Serie besprochen hat. Um diese potentiellen Mitarbeiter zu finden und in einen Prozess zu führen, der sie zu motivierten Mitarbeitern reifen lässt, müssen Leiter Zeit investieren! Viel Zeit! Bevor Jesus seine Apostel aussendet, sind sie „ständig bei ihm“. Jesus formt seine Jünger, indem er Zeit investiert. Richtig viel Zeit! Dieser erste Schritt auf dem Weg schreckt viele Leiter schnell ab! Sie haben nicht die Zeit. Zu viele Aufgaben drängen. Eigentlich braucht man Leute an der Seite, die funktionieren. Wer selbst motivierte Mitarbeiter formen und fördern will, muss das Volumen, das er als Führungskraft bewegt, reduzieren. Man kann sich das nicht leisten – denkt man! Ich meine es ist genau umgekehrt: Wir können es uns als Führungskräfte nicht leisten, NICHT in potentielle zukünftige motivierte Mitarbeiter u. Leiter zu investieren.

Aber der Reihe nach.

Was mache ich konkret, wenn ich als Führungskraft zu dieser Schwerpunktverlagerung bereit bin und „ernst“ machen möchte? Fünf „Investments“ sind mir vor Augen, die ich in diesem und den nächsten Teilen der Serie vorstelle. Erst mit dem Investment Nr. 4 steige ich formal in einen Prozess ein, aktiv zu fördern. Die Schritte 1 – 3 sind dazu da herauszufinden, ob die Person bereit ist, die Voraussetzungen mitbringt und ich den Auftrag habe, sie zu entwickeln. Hier der Überblick zu den Punkte:

5 Investments, um motivierte Mitarbeiter zu formen

  1. Gemeinschaft
  2. Genau beobachten
  3. Beten
  4. Berufung aussprechen
  5. Zusammen dienen

1. Gemeinschaft …

Das ist die größte Hürde, wie in der Einleitung gesagt. Aber nicht nur Leiter haben eigentlich nicht die Zeit für dieses Investment. Auch potentielle Mitarbeiter empfinden das immer wieder so. Job, Schule, Studium, Familie, Freizeitaktivitäten, die wirtschaftlichen Möglichkeiten … Bill Hybels meinte neulich in einer Predigt, dass uns gerade die Dinge, die wir tun können (weil wir das Geld, die Bildung, die Möglichkeiten, die Mobilität, die Kontakte … haben)  besonders im Weg stehen, wenn wir Gottes Berufung folgen wollen. Ich will nicht „drumrumreden“, nichts beschönigen: Das ist ein richtig dicker Brocken!

Viele Leiter und mögliche Mitarbeiter winken ab. Aber ohne den Einsatz dieser überaus wertvollen Ressource „ZEIT“, geht es einfach nicht! Johannes Thönneßen, der Autor von „Macher oder Teammanager“ und ehemalige Trainer in der Bayer AG für Führungskräfte schreibt, dass Führung Zeit kostet, man bei den Leuten sein soll und diesen Einsatz bringen muss. 30% der Arbeitszeit soll die Führungskraft für die Führungsarbeit reservieren.

Im Bereich der Nachwuchsförderung bedeutet das, dass wir Zeit für Gemeinschaft frei räumen müssen. Und es fordert uns zu einem realistischen Ansatz heraus: Wie viele Leute, potentielle motivierte Mitarbeiter kann ich formen? Eine Person? Zwei Leute? Auf jeden Fall sind es nicht viele Personen. Bescheidenheit im Blick auf meine Möglichkeiten und Vertrauen in ein Schneeballsystem sind nötig! Wir wollen Mitarbeiter und Leiter formen, die dann selbst wieder Mitarbeiter und Leiter formen. Das ist die Idee!

Für uns Verantwortliche in den christlichen Gemeinden bedeutet das möglicherweise, dass wir die Art, wie wir Dinge tun, verändern müssen. Insgesamt wohl weniger anpacken, als gedacht, als es uns „möglich“ ist. Es beginnt immer mit uns Leitern! Was müssen wir überlegen, verändern, wagen? Wo könnten wir ansetzen? Was konkret tun? Hier einige Vorschläge:

Ansatzpunkte für Führungskräfte

  • Zeit bei der Planung der Prioritäten und Termine frei räumen, um sich mit Leuten (im Café, Biergarten, Starbucks, Bäcker, Strand, Park …) treffen zu können: 2 – 3 Stunden in einer Woche.
  • Was ist das Thema dieser Treffen? Der ANDERE!!! Seine Geschichte kennen lernen. An seinem Alltag teilnehmen, an seinen Freuden und Mühen. (In meiner Zeit als Pastor in Oldenburg gab mir die Gemeinde ein Budget von 120,- DM, damit ich die jungen Leute bei diesen Treffen einladen konnte … Coole Gemeinde!) Kennen lernen!!! Nicht zu schnell zu viel in die Person hineininterpretieren! Was sind seine Themen, seine Biografie, seine Leidenschaften, seine Kämpfe, seine Hoffnungen, seine Träume, seine Erfahrungen … 
  • Zusammen aktiv werden: Sport treiben, Konzerte besuchen, ins Stadion gehen, Spieleabende organisieren, Filme anschauen (und darüber reden!), handwerklich arbeiten, bei sozialen Aktionen zusammen helfen … Die Person in anderen Kontexten erleben. Auch im Umgang mit anderen Leuten. Und die Reaktion anderer Leute auf ihn wahrnehmen! Das kann mich vor einer „Leiter-Romantik“ bewahren.
  • Zusammen essen: 21 Mahlzeiten (ohne Zwischenmahlzeiten) warten jede Woche auf uns. Wie viele Mahlzeiten könntest Du mit anderen Leuten gezielt haben (Leute die du fördern willst, Nichtchristen mit denen du bewusst dich treffen willst …)
  • Werde kreativ: Was musst du sowieso machen, wo jemand aber auch dabei sein könnte: Bügeln, kochen, einkaufen, Hobbys, Fortbildung … Nimm die Person in dein Leben mit hinein. In das was du tust, dich bewegt, deine Leidenschaft ist … Wie reagiert er? Wie hilft er mit? Wir geht er mit Hindernissen um, mit Misserfolg …

Der Effekt: Wir lernen Leute tatsächlich kennen. Bevor wir sie mit unseren Visionen für ihr Leben bekanntmachen, sollten wir mit ihrem Leben, ihren Visionen … bekannt sein. Für uns Leiter stellt sich die Frage, wie wir Platz in unserem Leben schaffen, dass andere Menschen unkompliziert bei uns sein können, wir sie kennen lernen, entdecken und später sie vielleicht fördern können.

Was will ich beobachten? Ich möchte sehen, ob die Grundvoraussetzungen in der Person vorhanden sind und in wie weit die gewünschten Voraussetzungen sich im Leben des Menschen entwickeln.

FRAGE: Ist dieser Raum für Leute in DEINEM Leben vorhanden? Was müsstest DU tun, um diesen Platz zu schaffen lieber Leiter? Vielleicht ist das eine Frage, die DU mit deinem Coach, Mentor, Förderer einmal beraten solltest. Vielleicht ist ein Prozess nötig, damit du in 12 Monaten diesen Platz schaffen kannst.

Fazit

Diese Anfangshürde nehmen wir als Leiter nur, wenn wir es wirklich wollen. Und es gelingt auch nur dann, wenn es die Leute, die wir gerne fördern würden, auch wirklich wollen. Es liegt nur zum Teil in unserer Hand. Mancher Frust wartet hier auf uns, leider! Wenn jemand schon nicht diese Zeit bereit ist zu geben, dann fördere ihn nicht. Jesus lädt die Jünger in die Nachfolge ein. Sie müssen einen Preis bezahlen. Wer das nicht will, ist nicht in der Nähe von Jesus, wird nicht von ihm geprägt und macht nicht die geniale Erfahrung mit IHM die Welt zu verändern.

VORSICHT! Leiter machen hier immer wieder Kompromisse, die sich nicht auszahlen. Wer diesen Einsatz jetzt (noch) nicht bringen will, für den ist es vielleicht auch noch nicht dran. Auf alle Fälle ist die Aussicht auf Erfolg gering!

Vorschau auf TEIL 4: Investment Nr. 2: Genau beobachten? Was meint das? Ist das legitim? Was kann man schon früh sehen, was muss sich erst entwickeln?
 
Serie “Motivierte Mitarbeiter”: Teil 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
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