KIRCHE IM WANDEL – VERÄNDERUNGSPROZESSE | 2

»Wie sollten wir vorgehen, wenn wir den Wandel in unserer Kirche einleiten und gut durchführen wollen?« Verantwortliche aus Kirchen stellen mir diese Frage immer wieder. Wann sollte der Wandel eingeleitet werden? Welche Schritte sind in welcher Reihenfolge sinnvoll?  

DER RICHTIGE ZEITPUNKT

In der FCG Gifhorn haben wir mit dem Prozess der Veränderung eigentlich zu spät begonnen. Das hat uns in eine schwierige Situation gebracht, wie ich es im ersten Teil angedeutet habe. Das ist natürlich nicht optimal! Denn wenn eine Gemeinde in eine beginnende Krisenphase gerät, wertvolle Mitarbeiter gehen und die Stimmung nicht mehr die Beste ist, hat man kaum noch Optionen! Unter Druck einen Weg zu finden ist immer herausfordernd. Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst, könnte bald Geschichte sein! Wirklich? Ein Besuch auf dem »Markenfriedhof« im Internet zeigt, dass wir dieser Tatsache besser ins Auge sehen sollten. Mir fallen Marken wie DUAL ein. Der Plattenspieler war in meiner Jugend das Maß der Dinge 😉 Fotografiert habe ich noch mit Filmen von Kodak. Der Atari 1040 STF war mein erster Computer. Was ist aus den Firmen geworden? Sie haben den Zeitpunkt verpasst und sind Geschichte!

   

Wenn wir als Kirchengemeinden den richtigen Zeitpunkt zur Veränderung und Erneuerung verpassen, kann es uns auf jeden Fall Jahre der wirksamen Gemeindeentwicklung kosten. Etliche Gemeinden und Gemeinschaften haben es am Ende nicht überlebt, sie sind ebenfalls Geschichte geworden. Die Kirche überlebt seit 2000 Jahren, sie wird es auch in Zukunft tun. Von der einzelnen Kirchengemeinde kann man das aber so nicht sagen. Welche der Gemeinden aus den Sendschreiben (Offenbarung 2) besteht noch? Wir sollten uns also nicht in einer falschen Sicherheit wiegen und einfach „weitermachen wie immer“! Deshalb die Frage: wann ist der richtige Zeitpunkt, um den Prozess des Wandels einzuleiten?

DAS WELLENMODELL

Um eine gute Antwort zu finden, kann das Wellenmodell von Kordes und Lynch, in dem Einsichten aus der Chaosforschung, der Gehirnforschung und der Managementforschung zusammenfließen, helfen. Ich mag es sehr. Es mit den weiteren Leitenden der Organisation, der Kirche zu studieren, kann ein erster Schritt sein.

Dabei halte ich es grundsätzlich so, dass ich alle Vorschläge aus Büchern, Studien, Erfahrungen anderer … mit „Messer und Gabel“ betrachte und offen frage, ob sie auf unsere Situation zutreffen, ob sie mit den Werten des Glaubens zusammenpassen und ob sie uns konkret helfen können. Kontext ist ein Schlüsselbegriff in dem Prozess! Das trifft auch auf den Umgang mit dem Wellenmodell, das Paul Kordis und Dudley Lynch in ihrem Buch DelphinStrategien vorgestellt haben, zu:

Quelle: Die sieben Irrtümer des Change Managements

Der richtige Zeitpunkt, um einen Veränderungsprozess einzuleiten ist demnach genau dann gekommen, wenn man kurz vor dem Höhepunkt der aktuellen Entwicklung steht. Es läuft gut in der Gemeinde, die Stimmung ist klasse, die Entwicklung geht beständig voran, alles nimmt einen guten Lauf. Jetzt heißt es nicht: »So weitermachen!« sondern: »Veränderung ins Auge fassen!« Das ist eine der wichtigen Aufgaben der Führungskraft, die nicht delegiert werden kann!


REFLEKTIERE: Wo ordne ich die Organisation (Gruppe, Team, Kirche …), die ich verantworte, in dem Wellenmodell ein? Vielleicht wäre das eine Frage, die das Team zusammen stellen könnte!


Den „Point of Change“ selbstbestimmt zu setzen, anstatt ihn diktiert zu bekommen, ist das erste Gebot der Veränderung 🙂 Mehr dazu bietet das Buch »Die sieben Irrtümer des Change Management«, das wir als Team gerade durcharbeiten.

DIE PROZESSSCHRITTE

Ich habe als Prozessverantwortlicher in der FCG mich an folgenden acht Prozessschritten orientiert, wie sie John P. Kotter in seinem Buch Wandel, Führung – Leading Change vorschlägt.

  1. Ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugen
  2. Die Führungskoalition aufbauen
  3. Vision und Strategie entwickeln
  4. Die Vision des Wandels kommunzieren
  5. Empowerment auf breiter Basis
  6. Kurzfristige Ziele ins Auge fassen
  7. Erfolge konsolidieren und weitere Veränderungen ableiten
  8. Neue Ansätze in der Kultur verankern

Diese 8 Prozessschritte werden wir in den nächsten Beiträgen der Serie auf dem LEITERBLOG bearbeiten und mit der Geschichte der FCG in Gifhorn illustrieren. Und wieder gilt: nicht kopieren! Sondern? Sich inspirieren lassen, was passt übernehmen; und wenn es nicht passt? Passende Lösungen im Blick auf den eigenen Kontext entwickeln.

 

TEIL 1

Über lotharkrauss

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