Wachsen oder reproduzieren? Eine „Gretchenfrage“! | 1

Wachstum ...Dave Ferguson hat mit den beiden EXPONENTIAL Konferenzen eine „Gretchenfrage“ aufgeworfen: wachsen oder reproduzieren? Diese Frage gründlich zu reflektieren ist aus meiner Sicht entscheidend für die Zukunft der Kirche. Denn sie ist eine Frage des Auftrages, der Identität und der Perspektive. In dieser kleinen Reihe auf dem Blog will ich mich etwas in die Herausforderung, die Dave uns gegeben hat, hineindenken. Fangen wir einmal mit der Frage nach dem Gemeindewachstum an:

Keine neue Frage!

apple-978644_640Bob Logan hat die Frage Anfang der 90er Jahre schon gestellt. Und vor ihm sicher viele, viele andere Leiter. Logan fragte, was die wirkliche Frucht eines Apfelbaumes ist: Äpfel? Nein! Sondern? Neue Apfelbäume! Diese Antwort wurde in etlichen Freikirchen und freien Netzwerken zu einem Schrittmacher für Gemeindegründung. Viele Hunderte neuer Gemeinden sind seit den 90er Jahren in Deutschland entstanden. Und auch wieder eingegangen. Berechtigt wurde auch immer wieder die Frage gestellt, ob durch die vielen neuen Gemeindegründungen auch tatsächlich viele Menschen Christen geworden sind? Oder ob es im Grunde eine „gigantische Umverteilung“ von Christen aus der Gemeinde A in die neue Gemeinde B war? Wie immer die Antwort ausfallen mag; die Frage bleibt! „Wachstum – Reproduktion“ ist das ein Unterschied? Macht die Antwort einen wesentlichen Unterschied?

Der Auftrag

Jesus gibt in Matthäus 28,19 den Auftrag, seine guten Nachrichten bis an die Enden der Erde zu tragen. Allerdings nicht im Sinne der Information, sondern der Transformation. Die, die dem Evangelium glauben schenken, sollen zu Jüngern „gemacht“ werden.

Die Strategie dazu?
2. Timotheus 2,2. Persönliche Weitergabe und Prägung als Nachfolger Jesu. Jüngerschaft. Über Azubis läuft es also, um es in der Sprache von Dave Ferguson zu sagen. Und genau da krankt die Kirche von Jesus seit langer Zeit. Christen werden zu Besuchern, Teilnehmern, Mitarbeitern, Spendern, Konferenzbesuchern, Konzertteilnehmer, begeisterten Fans … Aber zu Followers? Zu Nachfolgern? Checken wir aber zunächst einmal das Potential, das im Wachstum von Gemeinden liegt.

Praxischeck: Wachsende Gemeinden …
Denken wir uns nun eine Kirche, die sich mit richtig guten Motiven und vom Evangelium ausgehend auf Wachstum ausrichtet. Immer mehr Menschen kommen in ihre Gottesdienste, Kleingruppen, Angebote für die Generationen … Wird sie ihre Gegend durchdringen können? Denken wir konkreter:

Sagen wir, sie erreicht am Wochenende

  • 1000 Menschen aus einem Einzugsgebiet von 150.000 Leuten.
  • Objektiv würden viele Gemeindeleiter von den 1000 Leuten beeindruckt sein.
  • Die Gottesdiensterfahrung wäre sicher klasse. (Ich liebe große Gemeinden!)
  • Das Potential dieser Kirche würde bei weitem die Möglichkeiten einer durchschnittlichen deutschen Kirche übersteigen.
  • Und wenn sie dann noch mit jedem Jahr um 20% wachsen würde, also 200+ Leute dazugewinnt, die zuvor keinen Kontakt zur Kirche und zu Glauben hatten …
  • Sie würde damit weit über dem deutschen Schnitt liegen! Sie würde zu den Marktführern aufschließen!!!

Das würde die aktuelle Realität deutscher Kirchen sehr auf den Kopf stellen

Reicht das?

Aber im Blick auf die 150.000 Menschen, die im Umfeld dieser wachsenden Kirche leben, wäre das tolle Wachstum leider nicht ausreichend. Dieses starke Wachstum könnte in mancher Hinsicht sogar die Kirche schnell an ihre Grenzen führen. (Ich habe 5 Jahre in so einer wachsenden Kirche hauptamtlich mitgemacht. Kenne also die „Innenansicht“!) Ihre Größe könnte ab einem Punkt sogar zum Problem werden! Das ist aber nicht das eigentliche Problem!!!!

Der Knackpunkt!
Der Knackpunkt liegt darin, dass auch so eine starke Gemeinde nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf ihre Umgebung hätte, vergleichsweise wenig Leute von den 150.000 tatsächlich erreicht! (o.k., christliche Magazine würden sie hypen, sie wäre in Deutschland bekannt, ihre Leiter wären gefragte Konferenzredner usw. – Aber ist es das, was wir wollen? Ich jedenfalls nicht!).

Wachstum ist leider nicht die Antwort …

… obwohl ich wachsende Gemeinden liebe. Als wachsende Gemeinde können wir den Auftrag von Jesus an seine Kirche leider nicht angemessen nachkommen! Wir müssen offenbar umdenken. Wie? Hier setzt der Gedanke der Reproduktion ein!

Wie wäre eine Kirche, die sich auf allen Ebenen beständig reproduziert und auf die Größe anwächst, die ihrem gesunden Potential entspricht, während sie sich beständig und konstant weiter reproduziert?

Wachstum als „Nebenprodukt“

Dann wäre das Wachstum einer Gemeinde quasi das „Nebenprodukt“. Natürlich, sinnvoll, hilfreich und gesund. Ich bin also für eine wachsende Gemeinde, aber noch mehr für eine sich reproduzierende Gemeinde. Bevor ich für heute Schluß mache noch ein Punkt. Immer wieder werde ich mit der These konfrontiert die so geht:

Wachsende Gemeinden sind egoistisch!

Sie wollen ihre besten Musiker behalten. Ihr besten Leiter. Ihr besten Administratoren, Künstler, Organisatoren, Praktiker … Und wenn sie ihre hoffnungsvollen Leute zur Ausbildung auf ein Theologisches Seminar schicken, dann sollen sie am besten jedes Wochenende kommen, ihre Praktika in der Heimatgemeinde absolvieren und auch für ihr Vikariat steht schon ein Platz bereit. Das Wachstum braucht sie! Und: Wer will schon als zukünftiger Leiter in eine kleine Gemeinde gehen, die wenig Vision, Strategie, Leidenschaft, Dynamik …, wenn er so begabt ist, solche Chancen hat? Zuerst: Wachsende, große Gemeinden dienen auf unzähligen Wegen ihren Gemeindebünden, Netzwerken, Kirchenverbänden! Sie stellen ihre Mitarbeiter für viele übergemeindliche Aufgaben frei und investieren auf vielen Wegen direkt u. indirekt in das Reich Gottes! Das übersehen kleinere Gemeinden manchmal! Dann: Das Wachstum fordert sein Tribut. Das Wachstum könnte in der Tat seine Kinder „fressen“. Wenn Wachstum im Zentrum steht, könnte an den Vorwürfen doch etwas dran sein. Wenn Reproduktion im Zentrum steht, eine „Reich-Gottes-Mentalität“ prägend ist, könnte aber alles anders sein. Reproduzierende Gemeinden, die wachsen und dazu auch noch groß sind, können zu „Spielentscheidern“ der nächsten Runde im Reich Gottes in Deutschland werden.

160126 Studie Logo 1Ein Netzwerk knüpft sich in diesen Tagen, das den Ansatz der Reproduktion für den deutschen Kontext aufgreifen und dauerhaft verfolgen will. Wir brauchen ein Heer von sich auf allen Ebenen reproduzierenden Gemeinden. Infos hier.

Zwischenzeitlich kann die Frage mit dem Buch EXPONENTIAL vertieft werden, das man am besten mit anderen Leitern und Mitarbeitern gemeinsam liest, reflektiert und gemeinsam umsetzt. „Die Umsetzung könnte großartiges auslösen.“ schreibt Friedhelm Holthuis von der CGW. YES! Die zweite Auflage ist hier zu bestellen.

Bis zum nächsten Beitrag …

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