Leiter in der Falle: Übertragungen | Teil 3

(c) Nadine Jung

(c) Nadine Jung

Übertragungen sind die unsichtbare Beziehungsfalle, in die Führungskräfte tappen können. Im ersten Teil hat Dr. Christl R. Vonholdt die Übertragung erklärt, im zweiten Teil die Auswirkungen einer Übertragung auf Führungskräfte erläutert und im abschließenden Teil geht es um die Frage was jeder tun kann, um andere nicht mit seinen Übertragungen zu belasten.

Wie kann Heilung geschehen?

Der erste Schritt besteht darin, aus der Verleugnung herauszukommen, sich der Wahrheit über sich selbst zu stellen: Es geht nicht um einen Konflikt zwischen mir und dem anderen, sondern zuallererst um einen Konflikt in mir. Je früher Übertragung erkannt wird, desto besser für alle.

Am hilfreichsten ist es, wenn wir uns schon in der Idealisierungsphase der Wahrheit stellen können: Ich habe einen Menschen „vergöttert“, ich habe ihm einen Platz in meinem Leben eingeräumt, der ihm weder zusteht, nochdem er jemals gerecht werden kann.

Oder wir kommen uns in dem Moment auf die Spur, wenn wir eine irrationale, unangemessene Wut in uns bemerken, wenn wir spüren, dass Misstrauen, Kritiksucht und Unterstellungen in uns auftauchen.

Da Übertragung ihrer Natur nach weitgehend unbewusst verläuft, braucht man meist einen guten Freund, eine Seelsorgerin oder einen erfahrenen Mitarbeiter, der auf die Möglichkeit einer Übertragung aufmerksam macht. Es ist schon ein Zeichen von Reife, wenn man seinen Rat annehmen und zugeben kann, dass die Art, wie man Beziehungen in der Gegenwart gestaltet, noch von unangemessen kindlichen Erwartungen und Reaktionen gekennzeichnet ist. Zugeben, dass man in einigen Bereichen des Lebens noch unreif ist, braucht Mut und echte Demut. Es braucht auch Mut, die Schwächen der eigenen Familie ehrlich anzuschauen, sich abzuwenden von der Idealisierung von Menschen und sich immer wieder Gott zuzuwenden, der letztlich allein die tiefsten Bedürfnisse stillen kann. Nicht selten ist es notwendig, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sich den ungeheilten Bereichen der eigenen Seele wirklich stellen zu können.

Auch derjenige, auf den übertragen wird, braucht oft Hilfe. Mit zuverlässigen Freunden gilt es zu unterscheiden, ob es sich bei einer Kritik um angebrachte Kritik oder um Übertragung handelt; was an einem Vorwurf berechtigt ist und was gegebenenfalls in einer Übertragung wurzelt.

Die Wahrheit macht frei

Als Menschen brauchen wir das beständige Gebet um Wahrheit, um Licht, um die Gegenwart der Liebe Gottes und die Bereitschaft, sich der erkannten eigenen Wirklichkeit zu stellen – im Wissen darum, dass Heilung nur durch den Schmerz hindurch möglich ist.

Im Schutzraum der Liebe Gottes kann aber der Mut wachsen, die eigene Geschichte anzuschauen und auch Schuld und Versagen — eigenes und das anderer — wahr sein zu lassen. Im Licht der Wahrheit können wir Vergebung in Anspruch nehmen und gewahren. In der bergenden Liebe Gottes können wir unser Leben und unsere Geschichte annehmen, ohne uns oder andere zu verachten. Jetzt dürfen auch unsere ungestillten Bedürfnisse wahr sein; notwendige, heilsame Antworten können gesucht werden. Das alles braucht Zeit. Doch es lohnt sich. Unerkannte Übertragungen im Alltag zerstören Beziehungen. Wo wir uns aber unserer eigenen Wirklichkeit stellen, können Beziehungen wachsen.

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vonholdt
Dr. Christl Ruth Vonholdt ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie leitet das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft in Reichelsheim

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch: „Besser streiten“, Dr. Dominik Klenk (Hg.), Brunnen Verlag Gießen, S. 99 – 107. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Hier steht der gesamte Text der drei Teile als PDF zum Download bereit: 140630 Übertragungen – DIE UNSICHTBARE BEZIEHUNGSFALLE

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