Andreas Rückert: Mut zur Beschränkung – Mut zur Schwäche

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Stärke ist eine immer wieder gelobte Leitungskompetenz. Vorbilder kommen fast immer stark rüber. Ein zentraler Leiter im Neuen Testament lobt eine ganz andere Stärke: Den Mut zur Schwäche. Er gibt den kosmopolitischen Gläubigen in Rom einen wichtigen Rat mit auf den Weg:

Überschätzt euch nicht, sondern bleibt bescheiden. Keiner von euch soll sich etwas anmaßen, was über die Kraft des Glaubens hinausgeht, die Gott ihm geschenkt hat. (Römer 12, 3)

Glauben – geschenkt

„Du musst mehr glauben!“ kaum eine Aussage widerspricht dem Spirit der Bibel, wie diese. Wir können keinen Glauben produzieren. Selbst der Glaube an Gott und die Erlösung durch Jesus Christus ist etwas, was der Heilige Geist in mich hineinlegt.

Glaube gehört Gott. Er hat einen riesigen Vorrat und er teilt jedem von uns daraus zu. Glauben ist keine Leistung, Glauben ist eine Zuteilung. Paulus macht deutlich, dass alle Glaubensbemühungen nicht etwas geistliches, sondern menschliche Selbstüberschätzung sind. Gottes Maß für uns ist unterschiedlich groß, aber es ist immer voll.

Glauben – ist beschränkt

Gott beschränkt uns bewusst. Als Menschen, als Christen, als Mitarbeiter und als Pastoren. Beschränkt sein, ist keine Behinderung oder Schwäche. Beschränkt sein ist Gnade. Gottes Einschränkungen schützt andere und mich selbst vor mir, weil wir für uns selbst oft kein Maß haben.

Wir erleben die Folgen heute als Volkskrankheit: Burnout oder Depressionen. Die Seele bricht unter der Last der Anforderungen zusammen. Seitdem bieten wir Seminare unter dem Titel: „Brennen ohne Auszubrennen an.“ und machen alles nur noch schlimmer.

Wie kann ein Leben, wie kann Dienst in der Gemeinde, wie kann ein Dienst als Leiter ohne Überforderung gelingen? Da wir Menschen zur Selbst- Ausbeutung neigen, geht eine Selbstüberforderung immer mit Verlust einher. Meist leiden nicht nur unsere Seele und unsere Gesundheit zuerst, sondern unsere Beziehungen, die Menschen um uns herum, unsere Familie und die Gemeinde.

Glauben – ergänzt

Da stellt sich uns die Frage, wie Gemeinde ohne die Selbstaufopferung einzelner überhaupt funktionieren kann?

Gemeinsam bilden wir alle den Leib Christi, und jeder Einzelne ist auf die anderen angewiesen. Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben geschenkt. (Römer 12, 5)

Hier haben wir wieder das Lieblingsbild von Paulus für die Gemeinde: Der menschliche Organismus. Hochspezialisierte Körperteile werden vom Gehirn – Jesus – zu einer leistungsfähigen Einheit vernetzt. Da gibt es Körperteile, die herausragend im Zentrum unserer Wahrnehmung stehen. Sie sind aber nicht wichtiger als die Bauspeicheldrüse, die noch niemand in einem Lied besungen hat.

Glauben – befähigt

In unserem Text beschreibt Paulus beispielhaft einige Lebensfunktionen des Körpers von Jesus:

  • vom Geist Gottes inspirierte Impulse weitergeben,
  • das Wort Gottes erklären,
  • andere ermutigen und trösten,
  • sich um Bedürftige kümmern,
  • die Aufgaben einer Gemeinde koordinieren
  •  Kranke und Alte besuchen und betreuen.

Habe ich gerade die Arbeitsbeschreibung unserer Pastoren zitiert? Oh, oh! Arme Gemeinde!

Ich habe in einer alten Ausgabe von „Lydia“ die Geschichte von Eva Maria Klingvall gelesen, die keine Arme hat. Sie malt wunderbar und gebraucht dazu ihre Füße. Sehr viele Gemeinden funktionieren so. Ihre Leiter, Mitarbeiter und Pastoren malen mit den Füßen und sind vielleicht sogar noch so berühmt dafür, dass sie darüber Bücher schreiben. Machen wir eine kurze Pause und denken mal darüber nach, was sie, bei diesem Potential, mit ihren Händen alles schaffen könnten.

  • Ich wünsche uns als Gemeinden Propheten, die Gottes Impulse und Vision in der Gemeinde lebendig machen.
  • Ich wünsche uns Lehrer, die euch mit der Fülle des Worte Gottes beschenken.
  • Ich  wünsche uns Seelsorger, die Menschen auf die Beine helfen.
  • Ich wünsche uns Diakone, die sich um Bedürftige kümmern, die Schwache, Alte und Kranke besuchen.
  • Ich wünsche uns Leiterpersönlichkeiten und Koordinatoren, die die Vielfalt zusammenfassen und in eine Richtig lenken.

Die gute Nachricht ist: Sie sind schon da!

Deswegen wünsche ich uns den Mut zur Beschränkung auf unser Maß des Glaubens, damit die Kraft des Leibes Jesu sichtbar wird. Ich wünsche uns als Leitern den Mut zur Schwäche. Den Mut zur Beschränkung auf unsere Gaben und das Maß unseres Glaubens. Das wird uns segnen, unsere Familien und unsere Gemeinden.

Gott schätzt nicht die Leistungsträger, sondern die, die den Mut zur Bescheidenheit in Bezug auf die eigene Kraft haben. Oder wie Paulus sagt:

Wenn ich schwach bin, entdecken alle den starken Gott. (2. Korinther 12, 9)

Andreas Rückert

Andreas Rückert ist 46 Jahre alt, Pastor der Elim-Gemeinde in Dresden und ein kreativer, aktiver, inspirierender Denker, Kommunikator und Entrepreneur. Seine „schwachen“ Spuren zu vielen Themen des Glaubens und Lebens sind hier nachzuvollziehen: www.elim-dresden.dewww.glaubenwissen.dewww.J-Transport.de

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Eine Antwort zu Andreas Rückert: Mut zur Beschränkung – Mut zur Schwäche

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