Richtig viele Kinder, die im christlichen Kontext durch ihre Eltern eine Zeit unterwegs sind, verlieren auf dem Weg den „Glaubensfaden“. So lange sie „mit müssen“ sind sie dabei. Später verabschieden sie sich auf „leisen Sohlen“. Das Lebens- und Glaubensmodell ist keine Perspektive für sie. Schade. Was können Kirchen und Gemeinden tun, um jungen Menschen eine andere Option zu öffnen?

Keine einfache Frage. Aber eines ist klar: ein inspirierender Kindergottesdienst mit engagierten und interessanten Mitarbeitenden, die mit Freude und Engagement bei der Sache sind, ist schon mal ein guter Startpunkt. Doch wie baut man so einen Kindergottesdienst auf, der nicht die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verbrennt, sondern inspiriert, Fragen zulässt und begeistert? Anke Kallauch ist mit diesen Fragen schon viele Jahre unterwegs. Jetzt hat sie ein Nachschlagewerk veröffentlicht, das in die Hand eines jeden Pastors, Ältesten, Diakon, von jedem Vater, jeder Mutter gehört. Und natürlich in die Hände der Verantwortlichen und Mitwirkenden des Kindergottesdienstes. Was macht das Buch so besonders?


Kindergottesdienst – ein Grundlagen- und Praxisbuch

Anke Kallauch ist mit ihrem Buch Kindergottesdienst ein wertvoller Wurf gelungen. Wieder einmal so ein Buch, wie ich es mir als Pastor schon lange gewünscht habe. Ich denke, dass auch Gemeindeleitungen es lesen und im Team besprechen sollten. Warum?

Der Nutzen

Anke hilft Leitungsteams, ein solides Verständnis für die Herausforderung des Kindergottesdienstes in unserer Zeit zu gewinnen. Als Grundlagen- und Praxisbuch ist es für es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Kids gedacht, nützt aber Leitungsteams in der Gesamtgemeinde sehr im Verständnis für die junge Gemeinde.

Im ersten Teil geht Anke Kallauch auf die Grundlagen der Kindergottesdienstarbeit ein. Viele wesentliche Fragen kommen zur Sprache. Knapp auf den Punkt, schnell zu lesen, aber nicht verkürzt.

Im zweite Teil geht es sozusagen um die Arbeit „am Team“, ergänzend zur Arbeit als Team! Mitarbeiter gewinnen, begleiten und entwickeln. Teenager mit einbinden. Teams bilden und leiten. Meetings gestalten und für Fortbildungen sorgen. Was machen wir mit „Störern“ in der Gruppe? Welche Elemente sind wichtig für Kindergottesdienste in unserer Zeit? Wo finde ich geeignetes Material.

Und schließlich greift sie auch die Frage auf, wie unsere Kindergottesdienste zu sicheren Orten für Kinder werden, zu denen Kinder und Mitarbeiter gerne kommen. Ein gelungenes Buch zur richtigen Zeit.

Konkret und knapp

Das ist eine große Stärke: Die Autorin kommt sehr konkret und ausreichend knapp auf den Punkt. Man mag ihr nicht in allen Einzelfragen folgen, aber ihre reflektierte Position, die in unterschiedliche Richtungen auch einmal weiterdenkt, gibt mir als Leiter genügend Stoff, um meine eigene Position zu überprüfen und zu finden. Doch es bleibt nicht bei diesen wichtigen Grundüberlegungen. Es wird …

… praktisch

Im zweiten Teil des Buches. Natürlich wird die Frage nach der Gestaltung von Kindergottesdiensten mit den verschiedenen Elementen, Ideen und einem guten Ablauf bearbeitet. Aber auch im Blick auf die Mitarbeiterschaft steigt sie konkret ein:

  • wie führt man das Team,
  • wie gestaltet man ein Treffen,
  • wie führt man neue Mitarbeiter in die Aufgaben ein,
  • wie begleitet man sie,
  • wie sollten Fortbildungen gedacht werden.

Da geht mir das Herz auf. Richtig gut und hilfreich!

Ein Wort an Verantwortliche in der Gesamtgemeinde:

Kirche und Kinder! Wir müssen das reflektieren! Das beginnt schon damit, dass es oft nicht so einfach ist, in unseren Gemeinden leidenschaftliche, fähige und begeisterte Menschen für die konstante Mitarbeit im Kindergottesdienst zu gewinnen. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass Verantwortliche dem Thema auch tatsächlich eine hohe Priorität einräumen. Manchmal bleibt ein „Lippenbekenntnis“, wie wichtig der Kindergottesdienstes ist, das einzige Wort. Man hat keine schlechte Absichten dabei, es passiert einfach, wenn man nicht genauer die Frage aufgreift, nachdenkt und hinschaut.

86/10/4 – eine wesentliche Zahl!

Es ist Zeit, einmal mehr innezuhalten und zu bedenken, welche Zukunft die Angebote für Kinder in unseren Kirchen und Gemeinden haben sollen. Mich beschäftigt seit drei Jahrzehnten diese Zahl: 86/10/4. Was bedeutet sie? 

  • 86% der Menschen in unserem Kulturraum, die im Glauben stehen, haben diese Weiche bis zum 15ten Lebensjahr gestellt. (Und von diesen 86% kommen 60% im Rahmen von Freizeiten zum Glauben. Was müsste das für unsere Strategie, Budgetplanung … bedeuten?!)
  • Weitere 10% klären das bis zum 30ten Lebensjahr.
  • Nur 4% der Menschen, die zum Glauben kamen, trafen diese Entscheidung zu einem Zeitpunkt, als sie älter als 30 Jahre waren.

In vielen Seminaren habe ich seither den Praxistest gemacht und die Teilnehmer aufzeigen lassen, in welchem Alter sie zum Glauben kamen. Der 86/10/4 Trend bestätigte sich überwältigend oft. Erst letzte Woche bei einem Studientag von geistlichen Leitern in Süddeutschland.

Wie kommt man nun von einer allgemeinen Betroffenheit und Zustimmung zu konkreten Schritten, um unseren Kindern in unseren Gemeinden eine einladende und angemessene Tür zum Glauben zu öffnen? Man könnte nun zu den Mitarbeitenden in der jungen Gemeinde schauen. Aber das greift zu kurz!

Es beginnt bei der Gemeindeleitung!

Dazu müssen wir uns als Gemeindeleitungen gründlich informieren, sorgfältig reflektieren und unsere Mitarbeiter in dem Bereich unterstützen. Das ist keine Kür, wenn es die Zeit erlaubt, sondern Pflicht, wenn wir den Auftrag von Jesus an seine Kirche ernst nehmen und Kinder wertschätzen und lieben. Wer sich auf diesen Weg aufbrechen will, findet im neuen Buch von Anke Kallauch eine gute Hilfe.

Hier geht es zum Buch!

Du willst einen Blick ins Buch werfen? Dann klicke auf das Cover.

Bilder: Daniel und Anke Kallauch, Johannes Krupinski, Unsplash
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Eine Antwort zu „Kinder und Kirche – (k)eine einfache Sache?“

  1. Avatar von Carsten Perl
    Carsten Perl

    Danke für den Tipp …. geprüft und bestellt