EMOTIONAL GESUND LEITEN!

Pete Scazzero kennt die Gedanken, Ängste und Sorgen von Verantwortlichen! Am eigenen Leib hat er erlebt, wie erfüllend, aber auch erschöpfend, frustrierend und entmutigend Führungsverantwortung sein kann! Diese bittere Erfahrungen haben ihn zum Thema seines Lebens gelenkt: »Emotional gesund glauben und leben«. Was meint das für Verantwortliche? Wie geht das, »Emotional gesund leiten«? In wenigen Tagen wird die deutsche Übersetzung von The »Emotionally Healthy Leader« im Brunnen Verlag erscheinen. Der LEITERBLOG bringt mit diesem Post einen Auszug als exklusiven Vorabdruck aus dem Buch:

DIE GESUNDE KULTUR

»Jakob? Oh, bei dem muss man wirklich aufpassen, was man sagt. Er ist so empfindlich. Und der leiseste Hauch von Kritik an seiner Jungschararbeit könnte bedeuten, dass er alles hinschmeißt. Und dann hätten wir ein noch größeres Problem, weil es keinen Ersatz für ihn gibt …«

Welche Führungskraft hat nicht diese Gedanken im Umgang mit wichtigen Mitarbeitern schon durchlebt. Im Beruf, Verein, der Kirche oder Familie. Wo immer Menschen zusammenarbeiten kommt das vor! Leitende kann das sehr belasten, sogar krank machen. Wie sieht im Gegensatz dazu eine gesunde Kultur aus?

In unserem Auszug gibt Scazzero Anstöße auf dem Hintergrund seiner Erfahrung: der kirchlichen Teamarbeit. Er beginnt im Buch mit einer Fabel von Tieren im Wald (die wir hier auslassen). Sie sollen eine gute Kultur aufbauen – ohne es zu ahnen. Das ist also das Bild mit er einsteigt und fährt dann so fort:

Kennzeichen einer emotional gesunden Gemeindekultur und Teamentwicklung

»Was unsere Gemeindekultur und den Aufbau unseres Teams angeht, habe ich viel zu lange so agiert wie die Tiere im Wald der Freundlichen Tiere. Sie ahnen nicht einmal, dass es ihre Aufgabe ist, eine gute Kultur des Miteinanders und ein funktionsfähiges Team aufzubauen. Ich ahnte es ebenso wenig. Sie sind konfliktscheu. Ich war es auch. Sie sind kurzsichtig und denken nicht an die mittel- und langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen. Ich ebenso – viel zu oft.

Ich habe mir kaum Gedanken darüber gemacht, welche Art von Gemeindekultur ich eigentlich gestalten wollte, und wenn doch, dann habe ich nicht genug Kraft investiert, damit diese Vorstellung auch Wirklichkeit werden konnte. In unserem Team haben wir nicht über die Gemeindekultur gesprochen – nicht, weil wir es bewusst nicht wollten, sondern weil wir gar nicht wussten, dass es so etwas wie eine Gemeindekultur überhaupt gibt. Natürlich, wenn jemand sich offensichtlich danebenbenahm (rassistische Bemerkungen, in einer Sitzung laut oder beleidigend werden, fragwürdiger Lebensstil u. Ä.), haben wir entsprechende Maßnahmen er- griffen. Aber ansonsten waren wir absolut fixiert darauf, die Ziele zu erreichen, die wir uns gesetzt hatten. Die Chemie im Team war wichtig, aber nur als Mittel zu dem Zweck, maximale Effizienz zu erreichen.

Aber eines muss uns klar sein: Die Möglichkeiten, durch eine emotional gesunde Gemeindekultur und eine gute Teamatmosphäre das Leben von Menschen nachhaltig im Sinne Jesu zu beeinflussen und zu verändern, sind kaum zu unterschätzen. Gemeindekul- tur und Teamatmosphäre gehören daher zu den wichtigsten Instrumenten, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen. Und das gilt im christlichen wie im säkularen Bereich gleichermaßen.

Vier Kennzeichen einer emotional gesunden Gemeindekultur und Teamentwicklung sind mir im Lauf der Zeit besonders wichtig geworden. Für eine Organisation mit einem gesunden Team und einer gesunden Kultur gilt:

  • Berufliche Leistung und persönliches Glaubenswachstum sind untrennbar.
  • „Elefanten im Raum“ werden erkannt und angesprochen.
  • Es wird Zeit und Kraft in die persönliche geistliche Entwicklung der Mitarbeiter investiert.
  • Die Qualität der Ehen bzw. des Singlelebens der Teammitglieder
    ist ein wesentlicher Faktor im Gemeindeklima.

Berufliche Leistung und persönliches Glaubenswachstum sind untrennbar.

Wie unsere Mitarbeiter ihren Aufgaben nachkommen, ist wichtig. Ob haupt- oder ehrenamtlich, jeder steht an seinem Platz, um eine Aufgabe zu erfüllen, und zwar so gut wie nur irgend möglich. In einer emotional gesunden Gemeindekultur wird man über ent- sprechende Erwartungen offen sprechen und Vereinbarungen treffen. In Mitarbeitergesprächen, in denen es auch darum geht, wie gut jemand die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt, reden wir offen, respektvoll und direkt miteinander. Aber das ist noch nicht genug.

Wichtig ist auch, wie unsere Mitarbeiter für ihr geistliches Leben sorgen. Die Frage hier lautet: Wie wichtig ist das? In einem emotional gesunden Team heißt die Antwort: Sehr wichtig! Denn ein gesundes, sich vertiefendes geistliches Leben ist untrennbar verbun- den mit der beruflichen bzw. ehrenamtlichen Leistung. In vielen Gemeinden ist man sich zwar einig, welche Grenzen nicht überschritten werden dürfen (Stehlen, Lügen, Streitsucht, fragwürdige persönliche Lebensführung usw.). Leider bleiben die Erwartungen und die Standards für geistliche Reife dagegen meist oberflächlich und unklar. Vielleicht kommt Ihnen manches in den folgenden Beispielen bekannt vor, wie Gruppen- oder Teamleiter auf schwierige Situationen reagieren:

„Jakob? Oh, bei dem muss man wirklich aufpassen, was man sagt. Er ist so empfindlich. Und der leiseste Hauch von Kritik an seiner Jungschararbeit könnte bedeuten, dass er alles hinschmeißt. Und dann hätten wir ein noch größeres Problem, weil es keinen Ersatz für ihn gibt …“

„Mia ist jung, persönlich noch recht unreif und manchmal ziem- lich schroff. Ich hab hier und da mal versucht, sie darauf aufmerksam zu machen, aber jetzt habe ich’s aufgegeben. Immer wieder verliert sie Leute aus ihrem Team – sie behauptet, weil die nicht wirklich engagiert seien. Ich kann nur hoffen, dass sie mit der Zeit ein wenig nachsichtiger wird, diplomatischer. Jedenfalls habe ich zurzeit anderes um die Ohren, als mich um dieses Problem zu kümmern. Und was sie online für uns macht, könnte sonst keiner so gut wie sie.“

„Kai – ein fantastischer Jugendleiter. Bloß nicht, wenn es Konflikte gibt. Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, kann ich das immer nur an seiner Körpersprache erahnen. Selbst wenn ich ihn ganz direkt frage, rückt er nicht damit heraus, was das Problem ist. Ich werde also weiter zwischen den Zeilen lesen müssen …“

Haben Sie auch Menschen wie Jakob, Mia und Kai in Ihrem Team? Jemanden mit Ecken und Kanten, der immer wieder Probleme macht oder Dinge verkompliziert? Und den sie entweder ertragen oder immer wieder viel Zeit investieren müssen, um die Scherben zu kitten?

Ich kenne solche Menschen. Und wie die meisten Pastoren hatte ich selten die Zeit, mich um diese geschätzten Zeitgenossen so zu kümmern, dass sie selbst in der Lage waren, die ungelösten Selbstwahrnehmungsprobleme oder Familientraumata eigenständig zu bearbeiten, die sich negativ auf unser ganzes Team auswirkten. Kein Wunder – zu Anfang meiner Tätigkeit als Hauptpastor hatte ich das ja selbst auch noch nicht getan. Das Beste, was ich anbieten konnte, waren ein paar rasch hingeworfene Ratschläge: „Versuch bitte, nicht so empfindlich zu sein.“ – „Ich hab da ein sehr gutes Buch über Konfliktfähigkeit; willst du’s vielleicht mal lesen?“ – „Du kannst ruhig etwas selbstbewusster sein. Was du sagst, ist wirklich wichtig.“

Sie können sich vorstellen, wie hilfreich solche Bemerkungen waren: Sie haben kein einziges Problem gelöst. Ich hatte damals selbst noch nichts in der Hand, um problematischen Mitarbeitern eine Hilfestellung geben zu können, aus emotional unreifem Verhalten oder einer verzerrten Selbstwahrnehmung herauszuwachsen. Und das war ein großes Problem.

Leiter, die selbst kaum emotionale und geistliche Reife aufweisen, werden immer Teams aufbauen, für die und deren Arbeit dasselbe gilt. Das gilt auch dann, wenn die Zahlen wachsen und die Angebote exzellent sind. Wie könnte es auch anders sein? Wie sollen wir die Welt für Christus verändern, wenn wir selbst nicht verändert worden sind? Nein, wenn wir je mit unreifen oder problematischen Mitarbeitern angemessen umgehen wollen, müssen wir uns zuerst einmal um unser eigenes geistliches Wachstum und unsere persönliche Reife kümmern.

Persönliches geistliches Wachstum

Wenn wir für unsere Gemeinde New Life neue Mitarbeiter suchen, lautet die erste Voraussetzung in der Stellenausschreibung immer: „Persönlicher geistlicher Wachstumsweg“.

Wir beginnen bei uns selbst. Warum? Weil wir nur dann deutlich machen können, dass berufliche Leistung und persönliches geist- liches Wachstum zusammengehören, wenn wir es vorleben. Indem wir unserem eigenen Glaubens- und Persönlichkeitswachstum Priorität zumessen, und zwar Priorität für unsere Leitungsaufgabe, etablieren wir das als Wert in unserer Gemeindekultur und in unse- rem Team.

Geri und ich nehmen das sehr ernst. Wir haben Coaches und Mentoren. Wir besuchen Seminare, Workshops und Kongresse. Wir lesen unersättlich. Wir bemühen uns, über unseren eigenen Tellerrand (die nordamerikanische Kultur und die evangelikale Subkul- tur) hinauszuschauen und nehmen gern neue Perspektiven oder Praktiken auf, die uns persönlich und beruflich voranbringen. In unseren fast dreißig Jahren als Gemeindeleiter haben wir dreimal eine Sabbatzeit genommen, eine Auszeit, um uns fortzubilden, per- sönlich zu wachsen und Gott an den brüchigen Stellen in unserem Leben und in unserem Dienst arbeiten zu lassen. Was wir von Gott hören und erkennen, geben wir gern weiter – in Predigten, Mitarbeiterbesprechungen, privaten Gesprächen oder im Hauskreis. Alles zusammen vermittelt auch anderen den grundlegenden Wert: Du kannst nur als der führen, der du bist. Es ist also kein Egoismus, wenn wir Zeit, Geld und Kraft in unsere persönliche Entwicklung investieren, sondern genau genommen ein Akt des liebevollen Dienstes für unsere Mitarbeiter und unsere Gemeinde.

Geistliches Wachstum der Teammitglieder

Erst wenn wir unsere Arbeit auf der persönlichen Ebene getan haben und tun, können wir uns gezielt auch um offensichtliche Defizite unserer Teammitglieder kümmern. Und das ist kein „Extra“ für einen christlichen Leiter, nichts, das man „auch noch“ tun könnte, wenn die eigentliche Arbeit erledigt ist. Es gehört zum Kerngeschäft, wenn wir dienende Leiter im Namen Jesu sein wollen.

Ein Beispiel aus der Geschichte von New Life: Phil war seit etwa sechs Monaten bei uns im Team als Leiter der Kleingruppenarbeit. Und eins war bereits deutlich geworden: Phil war konfliktscheu. Das wurde u. a. an folgender Begebenheit deutlich: Ostern hatte bei uns ein großer Taufgottesdienst stattgefunden. Phils Assistentin Myrna war dafür zuständig, die Listen mit den Täuflingen zu schreiben und den Ablauf zu organisieren. Am Ostersamstag erhielt Phil eine Mail von seinem Supervisor: Emily, eine Jugendliche, sollte getauft werden, stand aber nicht auf der Liste und war irgend- wie in die Vorbereitungen nicht einbezogen worden. Sie selbst freute sich sehr auf ihre Taufe und hatte auch schon die Familie von weiter her eingeladen. Der Supervisor bat Phil, die Sache in Ordnung zu bringen, damit Emily zu Ostern getauft werden könnte. „Klar, kein Problem“, gab Phil zur Antwort.

Aber es war ein Problem. Jener Samstag war nicht nur Phils Sabbattag, sondern zugleich sein erster Hochzeitstag. Phil brauchte fünf Stunden, um alles zu organisieren. Der Sabbat war für ihn ebenso ruiniert wie sein Hochzeitstag. Und für seine Frau auch. Myrna anzurufen, die schließlich für den Fehler verantwortlich gewesen war, kam Phil nicht in den Sinn. Er kümmerte sich selbst um alles. Ostern entschuldigte Myrna sich bei Phil. Der lächelte und sagte: „Schon okay. War ja keine große Sache.“

Weil Geri und ich die ganze Angelegenheit mitbekommen hat- ten, sprachen wir Phil darauf an. Wir machten ihm den Vorschlag, er könne sich bei einer anstehenden Konferenz über emotional gesunde Spiritualität als Fallbeispiel zur Verfügung stellen. Phil war gern einverstanden. Dann arbeiteten wir mit Phil ein Stufenmodell zur Wahrhaftigkeit durch, das ihm helfen könnte, in Zukunft ähnliche Situationen anders zu handhaben.«

Exklusiver Auszug mit freundlicher Genehmigung des BRUNNEN VERLAG. EMOTIONAL GESUND LEITEN, PETE SCAZZERO, Seiten 200 – 206.

Das Buch Emotional gesund leiten von Pete Scazzero erscheint Ende September/Anfang Oktober 2017 im Brunnen Verlag als Print u. eBook.

Den vertiefenden Begleitkurs zum Buch gibt es kostenlos:

Der Begleitkurs steht unter  www.glaubensriesen.de zur Verfügung: Gehe auf www.glaubensriesen.de, klicke auf „Für Leiter“, scrolle zu den Downloads. Dort findest Du den verlinkten Begleitkurs.

Pete Scazzero live!

Pete Scazzero spricht vom 7. – 9. November auf der Konferenz für Führungskräfte in Basel. Den Konferenzflyer kann man hier laden. Weitere Infos unter www.geistlich-emotional-reifen.ch

Peter Scazzero
Emotional gesund leiten
288 Seiten, gebunden
€ 22,- (D) € 22,70 (A)
ISBN 978-3-7655-0981-0
Brunnen Verlag, 2017

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