Dr. Bernhard Olpen: Öffentlich Gottesdienst feiern – warum und wie?

(c) Lothar Krauss

(c) Lothar Krauss

Wenn man eine Gemeinde in einem Erneuerungsprozess anleitet, muss man über kurz oder lang an den Gottesdienst ran. Das kann heikel werden. Fragen tauchen auf: Müssen wir jetzt eine Show machen, um anziehend zu sein? Verkommt der Gottesdienst nicht zu einer oberflächlichen Unterhaltungsstunde? Verlieren wir die Tiefe (so wir sie auch hatten)?

Dr. Bernhard Olpen leitet zur Zeit im CZD in Düsseldorf so einen Veränderungsprozess. Jetzt ist der Gottesdienst dran. Dieser Tage hat er seiner Gemeinde erläutert, was, wie, warum und mit welchem Ziel für den Gottesdienst neu gedacht werden sollte. Ich fand das bemerkenswert und bat Bernhard seinen Beitrag hier posten zu dürfen. Mit freundlicher Erlaubnis nun ein O-Ton einer normalen Gemeinde, die sich ganz neu auf den Weg macht …

Was ist ein „öffentlicher Gottesdienst“?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „öffentlicher Gottesdienst“? Ist das nur ein anderes Wort für einen Gästegottesdienst a la Willow Creek? Ganz und gar nicht! Ein Gästegottesdienst hat immer den Beigeschmack nicht der „richtige“ Gottesdienst der Gemeinde zu sein. Man verbindet damit schnell den Gedanken der Oberflächlichkeit oder doch zumindest einer Schmalspurkost, bei der es in erster Linie um eine evangelistische, sehr einfache Botschaft geht. Leute, die zur Gemeinde gehören, kommen hier nicht auf ihre Kosten. Genau das streben wir nicht an im CZD. Mit „öffentlicher Gottesdienst“ meinen wir etwas anderes. Das, was wir hier machen, sind absolut wir, das ist keine Verstellung oder gar eine Show. Wir machen keine Abstriche bei der Verkündigung, wir predigen nach wie vor den ganzen Ratschluss Gottes, wir geben starke Nahrung, durch die man wächst und tiefer hineinfindet in die Gemeinschaft mit Christus. Was ändert sich dann? In erster Linie sollte sich unser Bewusstsein ändern. Wir sind nicht nur unter uns, sondern wenden uns gemeinsam an die Öffentlichkeit.

Was heißt das konkret?

  1. Wir wählen einen Stil und eine Sprache, die modern und zeitgemäß ist und die Lebenskultur der uns umgebenden Gesellschaft ernst nimmt.
  2. Der Gottesdienst ist ein Erlebnis. Er ist unterhaltsam, lehrreich, relevant und macht den Besuchern Freude.
  3. Wir geben unser Bestes! Der Gottesdienst ist kein Übungsfeld. Jeder, der etwas beiträgt hat sich gut vorbereitet, hat geübt und ist schon so weit, bei einer öffentlichen Veranstaltung das Programm mitzugestalten.
  4. Interne Elemente halten wir so kurz wie möglich und suchen vorzugsweise andere Foren, um den gemeindeinternen Informationsfluss aufrecht zu erhalten.
  5. Der Musikstil ist mehr proklamativ und lebendig. Das Lobpreisteam will die Gemeinde aktiv mitnehmen und einbinden.
  6. Beiträge wie Zeugnisse oder Eindrücke werden moderiert weitergegeben. Es entsteht eine Atmosphäre der Sicherheit, die das Einladen von Freunden und Bekannten erleichtert.
  7. Wir laden Menschen zur Entscheidung ein und geben die Möglichkeit zum Feedback.
  8. Der Gottesdienst ist ein Gesamtkunstwerk. Er beginnt auf dem Parkplatz und endet mit der letzten Tasse Kaffee.Wir leben eine Willkommenskultur und stellen uns auf Gäste ein. We are here to serve.

Spontan ist geistlich! Oder?

Ein öffentlicher Gottesdienst braucht gute Vorbereitung. Planung und Überlegung sind dabei nicht einfach Menschenwerk, sondern geschehen unter Gebet und geistlicher Leitung. Spontan heißt nicht automatisch geistlicher und geplant nicht automatisch menschengesteuerter. Das große Ziel dieses Gottesdienstes ist es, einen geschützten und verlässlichen Raum zu bieten, der Gott in seiner ganzen Größe und Menschenliebe darstellt und es Menschen leicht macht, sich in Gott zu verlieben. Wir wollen sehen, dass mehr Menschen zu Christus finden und wir wollen eine Gemeinde sein, der man sich gerne anschließt, weil unsere Lebensart, unsere Art des Glaubens und unser Umgang miteinander anziehend ist.

Ist das alles neu? Keinesfalls.

Wir wollen nicht alles anders machen, aber vieles besser. Wir starten hier keine Revolution, sondern gehen den nächsten Schritt zu einer gesunden und dynamischen Weiterentwicklung der Gemeinde. Das CZD bleibt das CZD, unsere Art und unser Stil sind lediglich ein Update. CZD 2.0.

Bernhard Olpen

Dr. Bernhard Olpen, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Seit dem 1.5.2014 Pastor des CZD Düsseldorf (www.czd.de). Bis September noch Regionalleiter des BFP in Bayern Nord und darüber hinaus mit Leidenschaft Dozent für Neuere Kirchengeschichte am Theologischen Seminar Beröa (www.beroea.de).

Wer über die Gestaltung von Gottesdiensten vertieft nachdenken möchte, dem seien die Praxisbücher von Detlev Reich ans Herz gelegt. Hier haben wir sie vorgestellt.

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