Inga Haase: Die Kraft der Demut

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Ich saß in einem Café und starrte auf mein vibrierendes Handy: Schon wieder eine SMS: „Morgen gehe ich zum Anwalt – ich mach euch platt!“ Es war schon die fünfte Nachricht dieser Art. Seit zwei Monaten bahnte sich ein Psychoterror an. Einschreiben, Anrufe, Mails, SMS. Kurt wollte Geld von uns als THS-Akademie und wir konnten die Rechnungen, die kamen, nicht nachvollziehen. Rechtfertigungen waren zwecklos.

Eph 4,2: „In aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe …“ Ich hielt mich an diesem Vers fest, wie jemand auf Wasserskiern an dem Seil, das an dem Motorboot befestigt ist. Lk 6,29: „Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.“

Ich wollte es einfach wissen – wie funktionieren diese intergalaktischen Verse aus der Bibel?

Sechs Wochen später saß ich mit Kurt im Büro, der auf 180 geladen war. Immer noch hielt ich am Strick fest: „Keine Rechtfertigung Inga! Sag freundliche Worte, sag, dass es dir leid tut, wie frustriert er ist. Sag, dass er wichtig und wertvoll ist!“. Meine Worte schienen wie trockenes Brot aus meinem Mund zu fallen. Doch plötzlich drehte sich etwas in dem Geist meines Gegenübers. Frieden kam. Wir unterhielten uns plötzlich über ganz normale Dinge – ohne Anklage. Das gleiche fand noch einmal zwei Wochen später statt – dieses Mal mit einem von meinen Mitarbeitern. Anfeindungen endeten in einer Umarmung.

Ich glaube, dass das Reich Gottes nur auf Demut wirklich groß und stark werden kann und wenn das Herz des Leiters weich und liebevoll bleibt.

So hörte ich von einem Pastor einer wachsenden Gemeinde, dass er in dem Pastorentreffen seiner Stadt sehr lange auf Skepsis und Ablehnung gestoßen ist. Seine „gigantische“ Gemeinde, die mittlerweile die Größte in der Stadt war, stellte eine Bedrohung da. Aber auch dieser Pastor hielt sich an dem Strick „Demut“ fest: „Ich besuchte jeden Pastor einzeln – jeden, auch den katholischen Priester. In den persönlichen Gesprächen fragte ich jeden einzelnen, was ihm in der Führung seiner Gemeinde wichtig ist. Ich wollte von jedem einzelnen dieser Pastoren lernen. Jeder einzelne von ihnen hatte und konnte etwas, was ich nicht hatte und nicht konnte. Und ich lernte so viel! Und nicht nur das – es entstand Liebe und Einheit zwischen uns!“

Was ist Demut?

  • Wenn ich heftige und ungerechtfertigte Anklagen für mich in erster Linie dafür da sind, mich in Freundlichkeit und Demut zu üben.
  • Wenn es für mich keine bösen Menschen gibt, sondern nur ein böser Geist, der sich eines Menschen bedient.
  • Wenn es in meinem Leben keine Konkurrenz gibt, sondern nur Menschen, die besser sind als ich und von denen ich lernen will.
  • Wenn Fehler, Kritik und Niederlagen für mich in erster Linie dafür da sind, damit ich lerne und wachse und ich keine Angst davor habe.
  • Wenn ich mich leicht entschuldigen kann, auch für Dinge, für die ich mich nicht „schuldig“ fühle.
  • Wenn es für mich keine Arbeit gibt, die zu „niedrig/gering“ für mich ist.
  • Wenn es mir leicht fällt, Verletzungen von ganzem Herzen zu vergeben (weil ich weiß, dass ich nicht besser bin)
  • Wenn ich Menschen helfe, weil ich sie und Jesus liebe und nicht, weil ich etwas von ihnen erwarte.

Sicherlich ist das nicht immer einfach, es ist sogar oft sehr schwer und schmerzhaft  und das Ergebnis nicht immer so schnell da. Aber die Kraft der Demut ist weit wirksamer und stärker, als wir westlich geprägten Menschen denken. Wir haben ihre Kraft noch lange nicht ergriffen – aber es werden sich noch viele Gelegenheiten bieten, in denen wir uns darin üben können, an dem Demut-Strick fest zu halten! 🙂

Inga Haase

Inga M. Haase, geb. 1967, verheiratet mit Tom Haase, drei Kinder: Raphael, Ricarda und Rahel. Ordinierte Pastorin in Foursquare Deutschland. Inga hat mit ihrem Mann Tom und ihrem Bruder Jan die enChristo-Gemeinde in Mainz (1995) gegründet und mit Tom zusammen die Christusgemeinde in Gau-Algesheim (2001). 2010 gründete sie die THS-Akademie für pastorale Führungskräfte e.V. in Bingen am Rhein, nachdem sie 5 Jahre vorher begonnen hatte, an einem optimalen Ausbildungskonzept für Pastoren zu arbeiten. Ihr Traum ist es, mit und durch die Gründung von neuen Kirchen, die eine neue Generation für Jesus gewinnt, Erweckung in Deutschland voran zu treiben.  „Wenn ein Mensch Jesus begegnet, während er das Evangelium hört und versteht – ob in einem Gottesdienst oder in einem Einzel-Gespräch – und man spürt, wie der Himmel in diesem Moment auf die Erde kommt und ein Herz von dieser herrlichen, intergalaktischen Liebe Gottes gepackt und umgekrempelt wird, dann ist das für mich alles, was ich zum Glück brauche!“

www.ths-akademie.de

Über Lothar Krauss

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