KI in der Gemeindearbeit? | 3

Künstlichen Intelligenz (KI) | 3

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Gesellschaft der Zukunft wird voraussichtlich sowohl umfassend als auch vielschichtig sein. Wo liegen die Chancen für Leitende in der Kirche? Für Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften?

Mit diesem Beitrag schließt die kleine Serie von Sem Dietterle, einem KI Experten aus der kirchlichen Szene, auf dem Leiterblog.

Zusätzlich findet ihr am Ende ein umfassendes PDF Dokument zur »KI-Frage« im kirchlichen Raum, das Martin Frische, der ehemalige Leiter der Stadtmission in Southern Africa zusammengestellt und für die Leser des Blogs zur Verfügung gestellt hat.

Im letzten Teil geht Sam auf ethische Fragen im Umgang mit der KI ein. Als werteorientierte Führungspersonen bewegt uns diese Frage.

Hier noch einmal die Gesamtübersicht der Serie

  1. Sollte ich als christlicher Leiter KI nutzen?
  2. Wozu sollte ich die KI nutzen?
  3. Hilft mir die KI in der Vorbereitung von Inhalten meines Berufes, der Gemeindearbeit?
    • Grenzen der KI
    • Chancen der KI
  4. Welche Tools gibt es im Netz?
  5. Welche ethischen Fragen sollte ich bei der Nutzung bedenken?
  6. Welche kritische Distanz sollte ich wahren?
  7. Gibt es eine Sammlung von Tools, die mir helfen?

SEM DIETTERLE

Sem ist Jugend- und Social-Media Pastor in München

Welche ethischen Fragestellungen sollte ich beim Einsatz von KI bedenken

Ethische Fragen sind in unserer modernen Welt allgegenwärtig, und insbesondere Kirchen sollten eine führende Rolle in diesen Diskussionen einnehmen. Die Herausforderungen, die durch technologische Fortschritte auf uns zukommen, sind groß:

  • Was ist der Mensch, wenn Technik intelligenter wird als er selbst?
  • Wie gehen wir damit um, wenn KI-Tools Entscheidungen für uns treffen?
  • Welche Auswirkungen hat es auf unsere Gesellschaft, wenn Algorithmen der Künstlichen Intelligenz bei der Partnerwahl helfen?
  • Wie reagieren wir darauf, wenn uns KI, ähnlich wie Social Media, abhängig macht?

Diese und viele weitere Fragen bedürfen einer fundierten ethischen Auseinandersetzung.

Ein zentrales Thema im Bereich der Sprachmodelle ist das sogenannte „Alignment“, also die Werteausrichtung, die jedem Modell zugrunde liegt. Die Betreiber solcher Modelle müssen den Systemen ein bestimmtes Wertesystem vorgeben. Wenn wir ChatGPT beispielsweise fragen, wie wir uns an unserem Chef rächen können, erhalten wir eine Antwort, die erklärt, warum Rache keine gute Lösung ist. Stattdessen wird angeregt, alternative Wege zu finden, um mit den eigenen Gefühlen umzugehen, und professionelle Beratung in Betracht zu ziehen.

Dies zeigt, dass ChatGPT den Wert vermittelt, dass Rache negativ ist. Während dies ein positives Beispiel darstellt, müssen wir uns bewusst sein, dass jedem Sprachmodell ein spezifisches Wertesystem einprogrammiert ist, über das die Anbieter nur begrenzt Einblick gibt. Die Sprachmodelle kommunizieren ihre Werte oft auf allgemeine Weise, die grundsätzlich positiv wirkt.

Ein Aspekt, der jedoch kritisch betrachtet werden sollte, ist die mögliche Programmierung von Modellen dahingehend, die Nutzer nicht zu eigenständig zu machen, um ihre eigene Nützlichkeit nicht zu untergraben.

Es ist entscheidend, dass wir als Gesellschaft diese ethischen Fragen diskutieren und Lösungen entwickeln, die mit unseren Werten im Einklang stehen.

Welche kritische Distanz ist angeraten?

Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Wir wissen oft nicht, was mit den eingegebenen Daten passiert. Daher empfehle ich, datenschutzsichere Modelle in Betracht zu ziehen, diese zu testen und bei Bedarf zu nutzen. Beispielsweise gibt es Nele.ai, ein deutsches Unternehmen, oder Langdock.com, das sich für größere Organisationen oder Vereine eignet.

Ich nutze sowohl Nele.ai als auch andere Sprachmodelle wie ChatGPT und Claude, da jedes Modell unterschiedliche Vorteile bietet. Dabei wähle ich jedoch bewusst aus, welche Daten ich in welches Modell eingebe.

Trotz aller Chancen gibt es erhebliche Risiken, die auf uns zukommen könnten. Ähnlich wie bei Social Media werden wir erst in 10 bis 20 Jahren nach der Einführung erkennen, welche Nebenwirkungen solche Technologien auf unsere Gesellschaft haben.

Themen wie die Abhängigkeit von KI oder eine noch größere Einsamkeit könnten auftreten, da wir von Robotern und KI-Systemen umgeben sind und jeder Mensch sich bewusst entscheiden muss, tatsächlich unter Menschen zu gehen. Dies erfordert Fähigkeiten, die viele erst noch lernen müssen.

Sprachmodellen und KI-Tools fehlt es im Grunde an Tiefe. Damit meine ich, dass wir Menschen von unserem Schöpfer besondere Fähigkeiten erhalten haben, Dinge ganzheitlich zu erkennen, so wie er sie sieht. KI-Tools berechnen alles. Wir empfinden die Dinge, haben ein Gespür für den richtigen Moment und sind daher verpflichtet, KI-Tools nicht zu überschätzen.

Ich bin noch ganz orientierungslos: was könnte mir helfen, mich zu orientieren …

Zu Beginn kann man sich bei einem Sprachmodell anmelden und es einfach ausprobieren. Es gibt nichts, das kaputtgehen oder falsch gemacht werden kann. Ein häufiger Fehler, den viele begehen, ist, dass sie nach einer enttäuschenden ersten Erfahrung mit einem Sprachmodell aufgeben. Stattdessen sollte man dranbleiben, um die Vorteile eines Sprachmodells wirklich kennenzulernen und seine Fähigkeiten effektiv für sich nutzbar zu machen.

Gibt es eine Tool-Sammlung, die mir hilft?

Eine Umfangreiche Liste für Non-Profit Organisationen:

https://publish.obsidian.md/meid-media/Ressourcen/Areas/KI/KI+Tool+Liste+für+gemeinnützige+Organisationen.


Soweit die kleine Serie Sem Dietterle. DANKE SEM!!!

PDF Dokument zur Künstlichen Intelligenz von Martin Frische

Martin ist ein Kollege, der im südlichen Afrika lebt. Er hat sich einmal die Mühe gemacht, viele wesentliche Punkte zur Frage der Anwendung von KI im kirchlichen Kontext in einer PDF zusammen zu stellen. Sie heißt:

„Working with Artificial Intelligence (AI) as Pastor, Bible Teacher, or for personal study.“

Gerne stellt er seine Arbeit den Lesern des LEITERBLOGs zur Verfügung. Hier ist sie – DANKE MARTIN!

Und hier geht es zu den anderen Teilen der Serie:

Teil 1 | 2 | 3

Ergänzung

Mein Freund Rainer Wälde hat in einem Beitrag Emma vorgestellt. Weltweit macht sie auf Deutschland aufmerksam, die KI-Lady. Ein Blick in die Zukunft?