Warum redet man so viel von Leitung, Führung, Management … ?

boss-556119_1280Ist das nicht übertrieben? Jetzt höre ich sogar in meinem Berufsstand (Pastoren) immer häufiger von Kollegen, dass sie heute mehr als Führungskräfte gefordert sind, als das in der Generation vor uns der Fall gewesen sein soll! Das Berufsbild wandle sich. Überhaupt scheint Führung deutlich mehr ein Thema in unserer Gesellschaft geworden zu sein! Oder wird einfach nur mehr darüber geredet und geschrieben? Ist Leitung tatsächlich mehr nötig, als in den Generationen zuvor? Oder ist es nur ein Steckenpferd von uns „Leitungsfuzzis“, wie mir neulich jemand sagte. Gute Frage! Denken wir das einmal etwas an:

Ist unsere Welt „leitungsintensiver“ geworden?

2000_11_GEISTLICH_LEITENDer Leitungskongress von Willow Creek findet seit 2000 in Deutschland statt und hat bisher 57.000 Besucher angezogen. Der nächste Kongress im Februar 2016 hat bereits über 9.000 Anmeldungen und der Willow Global Leadership Summit 2015 erreicht 260.000 Teilnehmer in 875 Städten, die in 120 Ländern liegen. Was ist der Grund für diese starke Resonanz auf das Thema Leitung? Man kommt an diesen Fakten nicht einfach vorbei! Wo gibt es in Deutschland Konferenzen zu Themen der christlichen Szene, die regelmäßig so viele Leute anziehen. Und das auch 15 Jahre nach dem ersten Kongress in Düsseldorf. Und heute mehr Teilnehmer, als noch zu Beginn! Man könnte doch meinen, das nun alles zum Thema gesagt und geschrieben ist. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein!

Willow ist nur ein Anbieter!
Willow’s Angebote sind nur eine Möglichkeit sich mit dem Thema zu beschäftigen! Viele weitere, hochkarätige Möglichkeiten sind in den letzten 20 Jahren entstanden. Kritiker stehen dieser Entwicklung skeptisch gegenüber. Alles also doch nur ein Hype?

Professor Maliks Antwort

Fredmund_malik_101B2Fredmund Malik ist ein Experte für Komplexitätsmanagement, Governance und Leadership. Er ist Wissenschaftler, Autor und Unternehmer. Als Professor hat er an der renommierten Universität St. Gallen von 1974 – 2004 Unternehmensführung gelehrt. Peter Drucker, der Vater des modernen Managements sagte über ihn: “Malik has become the leading analyst of, and expert on, management in Europe []. He is a commanding figure – in theory as well as in the practice of management”. US-Business Week nennt Malik “one of the most influential business thinkers in Europe …”. Malik war einer der Redner beim Leiterkongress von Willow 2010.

„Die grundlegenden Managementfähigkeiten sind für die Menschen des 21. Jahrhunderts ebenso bedeutend wie Lesen und Schreiben für die Menschen seit dem 18. Jahrhundert.“

Lebenstüchtigkeit! Beschäftigungsfähigkeit!

cover150x250Seine These zu diesem wachsenden Interesse und Bedarf an Führung (Malik spricht gerne von Management als Handwerk!) besagt, dass die Veränderungen in unserer Welt diese Führungsfähigkeit von uns verlangt, um lebenstüchtig zu sein: „Richtiges Management geht alle an. Es ist das Know-how für die persönliche Lebenstüchtigkeit. Jeder braucht es, der Chef ist, und jeder, der einen Chef hat. Managementwissen und Können sind heute die Voraussetzung dafür, beschäftigungsfähig zu sein. Die Grundlage dafür ist wirksames Selbstmanagement. Darauf stützt sich das Management von Chefinnen und Chefs, von Kolleginnen und Kollegen und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die grundlegenden Managementfähigkeiten sind für die Menschen des 21. Jahrhunderts ebenso bedeutend wie Lesen und Schreiben für die Menschen seit dem 18. Jahrhundert.“ (1)

„In wenigen Jahren wird fast alles neu und anders sein: was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun.“

Ist das wirklich so, muss man fragen? Oder geht hier der Gaul mit dem Herrn Professor durch, der in seinem Fachgebiet sich verlaufen hat? Ganz im Gegenteil. Malik ist ein nüchterner Professor, Denker, Stratege …, der das Thema viel unideologischer und professioneller angeht, wie es viele Autoren auf dem Feld zu tun pflegen. Er begründet seine These in der Einleitung zur Neuauflage seines Klassikers „Führen – Leisten – Leben“ so: „In erster Linie sind es die explodierende Komplexität der global immer dichter vernetzten Systeme, und die sich beschleunigende Dynamik des weltweiten Wandels und die daraus folgenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen.“ (2) Diese Rahmenbedingungen unserer Welt fordern uns alle heraus. Jeder Einzelne ganz persönlich, aber auch jede Organisation – auch die Kirche! Malik spricht von den „Geburtswehen“ der neuen Welt (nicht im biblischen Sinne! 🙂 ), die aus der „Schöpferischen Zerstörung“ der alten Welt herauswächst. Nichts funktioniert mehr so, wie wir es noch vor wenigen Jahrzehnten gewohnt waren! „Es ist die Entstehung einer grundlegend neuen Ordnung und eines neuen gesellschaftlichen Funktionierens –und eine gesellschaftliche Revolution einer neuen Art. In wenigen Jahren wird fast alles neu und anders sein: was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun –wie wir produzieren, transportieren, finanzieren und konsumieren, wie wir pflegen und heilen, erziehen, lernen, forschen und innovieren, wie wir informieren, kommunizieren und kooperieren, wie wir arbeiten und leben.“ (3)

Wir können uns nicht verweigern zu denken!

Wir kommen nicht umhin, diese Thesen zu bedenken! In einer späteren Reihe werde ich mich mit Fredmund Malik’s Inhalte aus Führen – Leisten – Leben beschäftigen und auch die Impulse aus der Arbeit von Peter Drucker vorstellen. Sie aus geistlicher u. pastoraler Leitungsperspektive reflektieren. Und ich werde die Promotion von Hartmut Knorr in seinen Kernaussagen hier vorstellen, in der er sich mit dem Leitbild und Wandel innerhalb der pastoralen Führungsaufgabe auseinandergesetzt hat. So ist dieser Beitrag ein erster Ball, den ich auf das Spielfeld schieße. Denn wir können uns nicht verweigern zu denken. Wir müssen nachdenken, durchdenken und vorausdenken, um der Aufgabe als geistlicher u. pastoraler Leiter gerecht zu werden.

(1) Malik, Führen Leisten Leben: Wirksames Management für eine neue Welt, Campus Verlag 2014, 27
(2) Malik, 12
(3) Malik, 20
Foto F. Malik: Malik Management Zentrum St. Gallen AG, Manuela Theobald, WIKIPEDIA

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