Leiten lernt man durch leiten!

Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Auch für Führungskräfte ist Wissen wichtig. In der Entwicklung effektiver Führungskräfte kann das schlichte Wissen aber zu einer Gefahr werden. Warum?

1. Leiten hat mit SEIN zu tun!

“Because  leading is a reflection of who you are, you lead from the inside out.” Der Satz von Dave Kraft aus seinem Buch „Leaders who last“ (der Verlag hat mich am Wochenende darüber informiert, dass das Buch Ende des Jahres auch auf Deutsch erscheinen wird!) bringt es auf den Punkt. Es geht in erster Linie darum wer ich als Person werde! Auf diese Perspektive der Leiterentwicklung bin ich schon etwas in meinem Post Worauf es ankommt …“ eingegangen

2. Leiten lerne ich durch leiten!

Es ist eine Sache die Theorie zu kennen. Aber eine ganz andere Sache, sie zu leben, umzusetzen. Beispiel: Wertschätzende Kommunikation ist in der Begleitung von Mitarbeitern wesentlich. Das kann man wissen. Darüber kann man einen Workshop halten. Beispiele aus der Wirtschaft untersuchen. Aber es ist eine ganz andere Herausforderung unter „Alltagsbedingungen“ selbst wertschätzend mit Mitarbeitern umzugehen! Ein anderes Beispiel – Teambildung: Die Theorie der Teambildung wird in der Literatur wunderbar dargestellt. Aber ein Team mit echten Menschen in echten Organisationen (Beruf, Gemeinde, Verein …) zu bilden, ist eine ganz andere Aufgabe!

Wer die unterschiedlichen Aufgaben einer Führungskraft in echten Situationen erfolgreich umsetzt, übt, verbessert und bewältigt ist auf dem Weg ein guter Leiter zu werden. Und nebenbei: Jeder Mitarbeiter (ehrenamtlich oder hauptamtlich, im Beruf oder in der Familie) bekommt ganz schnell mit, ob hier einer nur „angelesenes Wissen“ hat, oder ob einer führen kann!  Welche Konsequenzen muss das für das Training von Leiter haben?

3. Effektives Training für Leiter

Die Rolle des Trainings muss sich ändern! Es geht nicht so sehr darum was ich weiß, sondern was ich umsetzen kann!  Selbstreflexion, Feedback von anderen, Projekte an denen ich übe und zeitnahes aufrichtiges und kompetentes Feedback dazu sind wesentlich! Vielleicht müsste häufiger sogar zuerst die Praxis, dann die theoretische Reflexion kommen? Ein Bild dazu: Das Leitertraining führt mich in den Umgang mit dem Werkzeug ein, dann muss aber unmittelbar der Umgang mit dem Werkzeug am Werkstück eingeübt werden. Ohne diese Übung mit dem Werkzeug am Werkstück bleiben wir im Theorieraum sitzen, bauen Wissen auf, das wir im Ernstfall kaum anwenden können.

Ich meine, dass an dieser „Theoriefixierung“ häufiger die Ausbildung von Führungskräften in der Gemeinde, an theologischen Seminaren aber auch in der Wirtschaft krankt. Sicher, nach Alternativen wird gesucht. Das ist auch gut so. Denn es ist ja keine Frage von „entweder – oder“, sondern von „sowohl – als auch“. Ich denke, dass der Theorieteil für die Grundlagen der Führung aber sehr überschätzt wird, der Praxisteil gleichzeitig sehr vernachlässigt ist!

Woran liegt das? Daran, dass es leichter ist im „Klassenraum“ Führung zu lehren, als der zeitintensiven Praxisausbildung nachzugehen. Am Ende hat man zwar die Zertifikate in der Hand, aber kaum Erfahrung in der Praxis. Das ist für Führungskräfte fatal!

4. Ausbilder gesucht

Ausbilder, die praxiserprobt und theoretisch reflektiert sind, werden gesucht. Aber Fakt ist, wo immer ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre: Fähige Chefs sind Mangelware!. Kaum Vorgesetzte, Führungskräfte, Leiter, Pastoren … die ihre Sache richtig gut machen. Das ist nicht nur die subjektive Wahrnehmung von Privatpersonen. Fachleute beklagen immer wieder, dass Führungskräfte zu wenig führen, sondern in Meetings feststecken oder sich hinter ihren Bildschirmen verkriechen. Führung ist aber eine Aufgabe, die richtig Zeit braucht. Das ist völlig unterschätzt! Und wenn es an Ausbildung geht, braucht es noch mehr Zeit: VORMACHEN – ZUSAMMEN MACHEN – DEN AZUBI MACHEN LASSEN UND BEOBACHTEN – MACHEN LASSEN (und ermutigen!). Die Management-Legende Jack Welch und der ehemalige Führungskräftecoach der Bayer AG Johannes Thönneßen betonen das z.B. sehr! Jack Welch hat einen richtig großen Teil seiner Zeit dafür investiert!

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2 Antworten zu Leiten lernt man durch leiten!

  1. Das kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen. Während meiner Ausbildungen waren die Abteilungen die besten, die einem nicht nur erklärt haben was sie machen sondern unter Anleitung die Chance gegeben haben es selber auszuprobieren.

    Im Gemeindlichen ehrenamtlichen Kontext gibt es leider aber auch oft die umgekehrte Version: In Situationen von Mitarbeiter Mangel werden Ehrenamtliche in zum Beispiel Teamleitungs-Verantwortung gesteckt mit wenig oder ohne theoretische Vor-/Nachbereitung.

    Das man so leitet wie man ist erlebe ich auch. Gerade in stressigen (zeitlich, menschlich) Situationen greift man auf den Grundmodus zurück und hat keine Zeit seine (un)bekannten „Macken“ vorher zu überdenken oder zu überspielen.

    Das aus Zeitgründen Mitarbeiter/Führungsschulung nicht gut gemacht wird ist aus meiner Sicht zu kurzfristig gedacht. Ja im nächsten Moment habe ich einen „geschulten Leiter“ aber auf lange Sicht verliere ich ihn wieder oder muss große Anschluss-Investitionen tätigen um ihn vor Burnout/Überforderung und Stress zu bewahren.

    Dies mal meine Gedanken dazu.

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