Leiter brauchen Ermutigung

Als Pastor und Leiter habe in bald 40 Jahren Dienst immer wieder diesen Satz von Leuten aus der Gemeinde gehört, die sich eigentlich (geistlich) selbst versorgen können sollten. Die andere voranbringen müssten, inspirierende Vorbilder sein sollten …: wir brauchen endlich „Schwarzbrot“, „tiefe Lehre“! Hier kann man nicht geistlich wachsen … Und ich bin keine Ausnahme in meinem Berufsstand. Viele Kollegen berichten ähnliches.

Das tut uns Verantwortlichen natürlich weh. Man denkt dann schnell: Hey, du leuchtender Christ – wenn du mal umsetzen würdest, was hier in den letzten Monaten in der Predigt zur Sprache kam, dann ginge es uns allen, auch dir, deutlich besser. Und unserem Ort, den Suchenden und auch deinen Mitchristen deutlich besser. O.k., sagen sollte man das vielleicht nicht, wenn man nicht noch mehr Stress haben will. Im Austeilen sind manche Christen ja richtig gut – im Umgang mit Entgegnungen nicht immer. Aber das ist ein anderes Thema. Also, was könnte man zur Frage von geistlichem Wachstum, Reife im Glauben sagen?

Ich habe mich damit dann irgendwann noch intensiver beschäftigt. Hier mein Ertrag – vielleicht hilft es Verantwortlichen in Kirchen und Gemeinde zur Selbstreflexion, in Gesprächen mit Leuten der Kirche …

Geistliches Wachstum

Geistlich wachsen – was meint das?
Geistlich zu wachsen, im Glauben reif zu werden, zur „vollen Mannesreife“ zu gelangen oder im Glauben erwachsen zu werden – wie man es auch ausdrücken möchte – ist eine zentrale Frage des christlichen Lebens.

Denn wir sollen nicht in den Kinderschuhen stecken bleiben und dauerhaft nur mit „Milch“ versorgt werden, mahnt der Autor des Hebräerbriefes. In seiner Ermahnung findet er deutliche Worte:

Im Glauben erwachsen werden

11 Darüber haben wir noch viel zu sagen; allerdings wird es schwierig sein, euch diese Dinge zu erklären, weil ihr in letzter Zeit so wenig Interesse daran zeigt; es ist geradezu, als wärt ihr schwerhörig geworden. 12 Eigentlich müsstet ihr längst in der Lage sein, andere zu unterrichten; stattdessen braucht ihr selbst wieder jemand, der euch die grundlegenden Wahrheiten der Botschaft Gottes lehrt. Ihr habt sozusagen wieder Milch nötig statt fester Nahrung. 13 Wer nur Milch verträgt, ist ein Kind und hat noch nicht die nötige Erfahrung, um sein Leben so zu gestalten, wie es nach Gottes Wort richtig ist. 14 Feste Nahrung hingegen ist für Erwachsene, für reife Menschen also, deren Urteilsfähigkeit aufgrund ihrer Erfahrung so geschult ist, dass sie imstande sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. | Hebr 5,11–14

Erfahrung
Faszinierend ist, dass der Weg zur geistlichen Reife hier mit Erfahrung und Urteilsfähigkeit verbunden wird. Man könnte bei dieser Frage schnell zuerst an Wissen, Alter oder Titel denken. Doch der Hebräerbrief spricht von Gewöhnung, Übung und Training in Verbindung mit Wissen und Verständnis. Verarbeitetes und im Leben bewährtes Wissen: Weisheit 😉. Hier die Passage in der Elberfelder Übersetzung:

13 Denn jeder, der noch Milch genießt, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger; 14 die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen. | Hebr 5,13–14

Ein geistlich reifer Mensch ist jemand, der sich in seinem Leben daran orientiert, wie Jesus ist, was Jesus tut und worauf Jesus ausgerichtet lebt. Die Passage aus dem Römerbrief stellt unsere Berufung genau in diesen Zusammenhang:

27 Und Gott, der alles durchforscht, was im Herzen des Menschen vorgeht, weiß, was der Geist ´mit seinem Flehen und Seufzen sagen` will; denn der Geist tritt für die, die zu Gott gehören, so ein, wie es vor Gott richtig ist. 28 Eines aber wissen wir: Alles trägt zum Besten derer bei, die Gott lieben; sie sind ja in Übereinstimmung mit seinem Plan berufen. 29 Schon vor aller Zeit hat Gott die Entscheidung getroffen, dass sie ihm gehören sollen.Darum hat er auch von Anfang an vorgesehen, dass ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass sie seinem Sohn gleich sind. Er ist das Bild, dem sie ähnlich werden sollen, denn er soll der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein.30 Und weil Gott sie für dieses Ziel bestimmt hat, hat er sie auch berufen. Und weil er sie berufen hat, hat er sie auch für gerecht erklärt. Und weil er sie für gerecht erklärt hat, hat er ihnen auch Anteil an seiner Herrlichkeit gegeben. | Röm 8,27–30

Wie Jesus
Leben wie Jesus – ihn ehren und ihm ähnlicher werden. In allem, was wir sind und tun. Das ist geistliche Reife. Sie drückt sich in einem Lebensstil aus, der davon geprägt ist, Gottes Willen zu tun.

Jesu Berufung macht deutlich, worum es auch bei uns gehen soll, wenn wir geistlich reif werden:

Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, Gott, zu tun.« | Hebr 10,7

Deshalb sind wir gelehrt zu beten:

9 Ihr sollt so beten:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt,
10 dein Reich komme,
dein Wille geschehe auf der Erde, wie er im Himmel geschieht.
 | Mt 6,9–10

Gottes Wille zeigt sich in seiner Güte und Gerechtigkeit, in Liebe und Wahrheit, in Rettung und Gericht. In der NGÜ wird das häufig mit einer Formulierung übersetzt, die ich sehr liebe: „zu tun, was gut und richtig ist“.

Ein reifer Christ, der geistlich wächst, verfolgt mit seinem Leben das Ziel, Gott in allem zu ehren, die Geschwister im Glauben und die Welt, für die Jesus sein Leben gab (Joh 3,16), zu lieben, indem er oder sie tut, was gut und richtig ist.

Geistliche Reife zeigt sich im Charakter – etwa in den Eigenschaften, die wir im Epheserbrief, Kapitel 4,1-32 betrachten können (Demut, Sanftmut, Langmut …), oder in der Frucht des Geistes, die uns der Galaterbrief vor Augen führt (Gal 5,22). Und an so vielen weiteren Stellen im NT. Die Bibel beschreibt geistliche Reife als einen Lebensstil, der sich in einem verwandelten Charakter ausdrückt. Hauptmerkmal: Liebe. 🫶🏻

Genau darauf zielt auch jede gesunde Lehre ab:

Das Ziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. | 1. Tim 1,5

Die Lehre, die Erwachsene im Glauben als feste Speise empfangen, soll also dazu führen, dass Christen anders leben. Ob die Lehre diese Wirkung in unserem Leben entfalten kann, hängt jedoch auch an uns: ob wir dem Wort Gottes den nötigen Raum und die nötige Priorität geben.

Dabei geschieht diese Veränderung nicht isoliert, sondern im Kontext von Gemeinschaft – in der Gemeinde. Gemeinde kann wunderbar sein, aber auch herausfordernd. Manchmal so herausfordernd, dass man sich ihr entziehen oder lieber eine andere Gemeinschaft suchen möchte, in der alles einfacher scheint. Doch nach kurzer Zeit – wenn der Honeymoon vorbei ist – steht man oft wieder am selben Punkt.

Warum? Weil geistliches Wachstum nur dort stattfindet, wo echte Gemeinschaft geschieht mit allen Höhen und Tiefen geschieht. Sie ist sozusagen der Boden, den die Pflanze braucht, um aufzuwachsen: dort also, wo das Wort Gottes Wirkung und Werkzeug wird (Saatgut: Lukas 8,4-15; Werkzeug: Hebräer 4,12), der Heilige Geist wirkt und unser Charakter bereit ist, sich diesen Prozessen zu stellen.

Menschen, die tun, was gut und richtig ist
Darin zeigt sich letztlich geistliche Reife. Das ist das Zielbild, an dem wir geistliches Wachstum erkennen können.

Und noch das: Tiefe Lehre, Schwarzbrot … Begriffe, die ich im NT jetzt nicht finde. Stattdessen: gesunde Lehre, Irrlehre, feste Speise …

Was sind deine Erfahrungen und Gedanken dazu?

BONUS: NGÜ Texte: Tun, was GUT und RICHTIG ist.

Ich liebe diese Redewendung in der NGÜ! 😊

Gottes Güte und Gerechtigkeit – GUT und RICHTIG!

❤️‍🔥 TUN, WAS GUT UND RICHTIG IST!

Hier eine Übersicht aus der NGÜ, die diese Redewendung aufgreift – zur Vertiefung im jeweiligen Kontext:

Apostelgeschichte 10,35: „Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist.“

Apostelgeschichte 13,10: „sagte er zu ihm: »Du Sohn des Teufels, hinterhältig und durchtrieben bist du, ein Feind von allem, was gut und richtig ist! Wann hörst du endlich auf, dich dem Herrn in den Weg zu stellen, um seine guten Pläne zu durchkreuzen?“

Römer 15,14: „Im Übrigen bin ich persönlich davon überzeugt, liebe Geschwister, dass ihr durchaus selbst in der Lage seid, all das zu tun, was gut und richtig ist; es fehlt euch in keiner Weise an der ´nötigen` Erkenntnis, und ihr seid daher auch fähig, einander mit seelsorgerlichem Rat zu helfen.“

1. Korinther 7,35: „Ich sage das in eurem eigenen Interesse und nicht, um euch in eurer Freiheit einzuschränken. Vielmehr will ich euch helfen, das zu tun, was gut und richtig ist, und dem Herrn unbeirrt und mit ungeteilter Hingabe zu dienen.“

2. Korinther 13,7: „Im Übrigen beten wir zu Gott, dass ihr euch nichts zuschulden kommen lasst und wir nicht – wie angekündigt – streng durchgreifen müssen. Wir hätten dann zwar nicht bewiesen, dass wir glaubwürdig sind, aber darum geht es uns auch gar nicht. Worum es uns geht, ist, dass ihr tut, was gut und richtig ist – selbst wenn es dann so aussieht, als wären wir den Nachweis unserer Glaubwürdigkeit schuldig geblieben.“

Galater 6,9: „Lasst uns daher nicht müde werden, das zu tun, was gut und richtig ist. Denn wenn wir nicht aufgeben, werden wir zu der ´von Gott` bestimmten Zeit die Ernte einbringen.“

Epheser 2,10: „Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.“

Epheser 6,1: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So möchte es der Herr, dem ihr gehört; so ist es gut und richtig.“

Philipper 1,11: „Durch ihn, Jesus Christus, wird euer Tun von dem geprägt sein, was gut und richtig ist – zum Ruhm und zur Ehre Gottes.“

Kolosser 1,10: „Dann könnt ihr ein Leben führen, durch das der Herr geehrt wird und das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande sein, stets das zu tun, was gut und richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und werdet Gott immer besser kennen lernen.“

2. Thessalonicher 3,13: „Ihr anderen aber, liebe Geschwister: Werdet nicht müde, das zu tun, was gut und richtig ist!“

2. Timotheus 3,17: „So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.“
Hebräer 13,18: „Betet für uns! Ihr dürft dabei sicher sein, dass wir ein reines Gewissen haben und in jeder Hinsicht so zu leben versuchen, wie es gut und richtig ist.“

Jakobus 2,8: „Nun, wenn ihr euch wirklich nach dem königlichen Gesetz richtet, wie es in der Schrift niedergelegt ist: »Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!«, dann handelt ihr gut und richtig.“

Jakobus 4,17: „Denkt also daran: Wenn jemand weiß, was gut und richtig ist, und es doch nicht tut, macht er sich schuldig.“

1. Petrus 2,14: „als auch den Gouverneuren, die von ihm eingesetzt sind und deren Auftrag es ist, die Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen und denen die Anerkennung auszusprechen, die tun, was gut und richtig ist.“

1. Petrus 3,6: „Sara zum Beispiel nannte Abraham, ihren Mann, »Herr« und brachte damit ihre Bereitschaft zum Ausdruck, ihm zu gehorchen. Ihr erweist euch als Saras Töchter, wenn ihr tut, was gut und richtig ist, und euch durch keinerlei Drohung Angst machen lasst.“

1. Petrus 3,13: „Wenn ihr also mit unermüdlichem Eifer das tut, was gut und richtig ist, kann euch dann überhaupt jemand etwas Böses antun?“

1. Petrus 4,19: „Darum sollen die, die nach dem Willen Gottes zu leiden haben, ihr Leben ihm anvertrauen, dem treuen Schöpfer, und sich nicht davon abbringen lassen, das zu tun, was gut und richtig ist.“

3. Johannes 6: „Die Geschwister, die mich besuchen kamen, haben hier vor der ganzen Gemeinde berichtet, mit welcher Liebe du ihnen begegnet bist. ´Wenn sie nun erneut zu euch kommen,` dann versorge sie mit allem, was sie für ihre Weiterreise benötigen; damit ehrst du Gott und handelst so, wie es gut und richtig ist.“

Ich wünsche euch allen einen gut Tag noch! 😊

Der Text ist auch mit dem geschrieben, auf das unsere VivaFamily, in der ich als Pastor tätig bin, zu einer geistlichen reifen Gemeinschaft wird, in der es Babys im Glauben, Kinder, junge Leute und Erwachsene, die zur Reife gekommen sind, gibt. Das wär doch was, oder?!

4 Antworten zu „Geistlich reif werden – im Glauben wachsen“

  1. !!! hinter ( fast) jedes Wort deines Beitrages. Eine rhethorische bzw. theologische Frage hätte ich: Gilt das auch für Frauen, Schwestern? Macht die Bibel bzgl. des Themas Wachstum, geistliche Reife einen Unterschied zwischen Mann und Frau?

    “ volle Mannesreife“, “ der Erstgeborene unter vielen Brüdern“

    Viele Bibelzitate sind ansonsten an alle gerichtet: „Erwachsene“, “ indem er oder sie tut..“

    Liebe Grüsse Martina

    1. Die Wahl des männlichen Ausdrucks ist nicht primär geschlechtsspezifisch gemeint, sondern nutzt die kulturelle Bildsprache der Reife und Vollständigkeit.

      Hier etwas mehr Kontext:

      „Zur vollen Mannesreife“ – Was meint Paulus damit?

      In Epheser 4,13 spricht der Apostel Paulus davon, dass Christen zur „vollen Mannesreife“ gelangen sollen. Für heutige Leser klingt diese Formulierung schnell problematisch oder zumindest ungewohnt. Warum spricht Paulus von einem „Mann“? Geht es um eine Abwertung von Frauen? Oder steckt dahinter ein kulturelles Bild, das wir heute leicht missverstehen?

      Ein Blick in Sprache und Kultur der Antike hilft dabei, den Ausdruck besser einzuordnen.

      Der griechische Ausdruck: „der vollkommene Mann“

      Im griechischen Text steht:

      eis andra teleion
„zum vollkommenen/reifen Mann“

      Das Wort anēr bedeutet tatsächlich „Mann“ – nicht allgemein „Mensch“. Dennoch richtet sich Paulus hier nicht ausschließlich an Männer. Im Zusammenhang wird deutlich, dass er die gesamte Gemeinde meint: Frauen und Männer gemeinsam.

      Direkt davor schreibt er:

      „bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes …“

      Und unmittelbar danach folgt der Gegensatz:
      „damit wir nicht mehr unmündige Kinder seien“

      Der eigentliche Kontrast lautet also nicht „Mann gegen Frau“, sondern „reifer Erwachsener gegen unmündiges Kind“.

      Das antike Ideal der Reife

      In der griechisch-römischen Welt war der „reife Mann“ ein kulturelles Idealbild. Damit verband man nicht einfach biologisches Alter, sondern gesellschaftliche Mündigkeit und Verantwortungsfähigkeit.

      Ein erwachsener Mann galt als jemand, der:

      * urteilsfähig ist,
      * Verantwortung übernimmt,
      * sich selbst beherrschen kann,
      * standhaft bleibt,
      * vernünftig handelt,
      * seine Pflichten erkennt und erfüllt.

      Kinder dagegen galten als unfertig, leicht beeinflussbar und instabil. Genau dieses Bild greift Paulus auf.

      Die geistlich reife Gemeinde soll nicht mehr „hin und her geworfen“ werden von Meinungen, Irrlehren oder äußeren Einflüssen. Reife zeigt sich vielmehr in Glaubensfestigkeit, Unterscheidungsvermögen und verantwortlichem Handeln.

      Reife als gemeinschaftlicher Prozess
      Interessant ist außerdem, dass Paulus die Singularform benutzt: „der reife Mann“. Gemeint ist nicht der einzelne Held des Glaubens, sondern die Gemeinde als gemeinsamer Leib Christi.

      Das passt zu einem zentralen Bild des Epheserbriefes: Die Kirche bildet „einen neuen Menschen“ in Christus. Geistliche Reife ist daher nicht nur individuelles Wachstum, sondern ein gemeinschaftlicher Prozess.

      Paulus verbindet dabei mehrere Gedanken:

      * die Einheit des Glaubens,
      * die Erkenntnis Christi,
      * das Wachstum zur geistlichen Mündigkeit,
      * und die volle Entfaltung des Lebens in Christus.

      Deshalb endet der Vers mit den Worten:
      „zum Maß der vollen Größe Christi“
      Die eigentliche Norm ist also nicht „Männlichkeit“, sondern Christus selbst.

      Geistliche Reife statt biologisches Alter

      Für Paulus bedeutet Reife vor allem:
      * die eigene Situation mit Verstand zu erfassen,
      * Wahrheit von Irrtum unterscheiden zu können,
      * Verantwortung zu übernehmen,
      * und im Glauben stabil zu werden.

      Es geht nicht um äußere Stärke oder männliche Dominanz, sondern um geistliche Urteilskraft und innere Festigkeit.

      Die „volle Mannesreife“ beschreibt daher einen Zustand geistlicher Mündigkeit. Das antike Bild des erwachsenen Mannes dient Paulus als kulturell verständliche Metapher für verantwortungsvolle Reife.

      Warum die Formulierung heute fremd wirkt
      Heute hören wir Sprache sensibler als in der Antike. Weil „Mann“ inzwischen stärker biologisch oder geschlechtlich verstanden wird, wirkt die Formulierung schnell ausschließend.

      In der antiken Welt war der „erwachsene Mann“ jedoch oft ein Symbol für gesellschaftliche Vollreife und Verantwortung. Paulus übernimmt dieses kulturelle Bild, ohne damit ausdrücklich Frauen abzuwerten.

      Natürlich bleibt der historische Kontext patriarchal geprägt. Die antike Gesellschaft verband „Männlichkeit“ häufig mit Vernunft, Autorität und Öffentlichkeit. Trotzdem liegt der Schwerpunkt des Textes nicht auf Geschlechterrollen, sondern auf geistlicher Entwicklung.

      Fazit

      Wenn Paulus von der „vollen Mannesreife“ spricht, meint er vor allem geistliche Mündigkeit. Das Bild stammt aus einer Kultur, in der der erwachsene Mann als Symbol für Verantwortungsfähigkeit und Stabilität galt.

      Der Gegensatz lautet daher:

      * nicht Mann gegen Frau,
      * sondern Reife gegen Unreife,
      * Standfestigkeit gegen Unmündigkeit,
      * geistliche Urteilskraft gegen Orientierungslosigkeit.

      Die Gemeinde soll gemeinsam in Christus wachsen — bis sie die „volle Größe“ erreicht, die Paulus als Ziel christlicher Reife beschreibt.

  2. Ja, ja, das Schwarzbrot. Nach einer Predigtreihe zur „Macht der Zunge“ wurde mir das auch mal gesagt: „Ich habe auch mit anderen darüber geredet: wir brauchen mehr Schwarzbrot…“ 😀 Lachen oder weinen – ich wusste es nicht.

    Ich habe zurück gefragt, was Schwarzbrot sein soll. Die Antwort war: „Einmal auf einer Gemeindefreizeit, da haben wir das Buch XY Vers für Vers durchgenommen. Das war richtig anstrengend, ein bisschen langweilig und ich erinnere mich auch an nichts mehr. Aber das war richtig Schwarzbrot.

    Mein Fazit: Wenn Lehre nicht ins Leben zielt und erwartet, dass Gott durch Lehre Leben verändert, dann gibt es, egal bei welcher Kost, nur geistliche Verstopfung.
    Danke für Deinen Beitrag!

    Liebe Grüße

    Daniel

  3. Verstanden. Danke für die schnelle, verständliche und umfassende Antwort.

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