Ich studiere im Sommer gerade sehr intensiv die Briefe des Petrus. Grundlagenarbeit für eine Predigtreihe, die ich dann 2027 in der VivaKirche halten möchte. Dabei bin ich auf ein Wort an Ehefrauen bei Petrus gestoßen, das mich zu diesem Beitrag für die Ehefrauen in der VivaFamily inspiriert hat.

Ihr lieben Ehefrauen in der VivaFamily,

bei meinen Studien zu den Petrusbriefen für unsere Predigtreihe 2027 bin ich nicht nur an einer ziemlich klaren Ansage für uns Ehemänner hängen geblieben. Unmittelbar davor spricht Petrus ausführlich zu den Ehefrauen. Und auch hier geht es um etwas, das für eine Ehe entscheidend sein kann: Wie begegne ich meinem Mann? Versuche ich, ihn zu verändern, zu steuern oder nach meinen Vorstellungen zu formen? Oder entsteht zwischen uns eine Beziehung, in der Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung wachsen können?

Petrus verwendet dabei Begriffe, die heute zunächst Widerstand auslösen können. Vor allem sein Reden von „Unterordnung“ braucht Erklärung. Wer darunter versteht, dass eine Frau weniger wert wäre, keine eigene Stimme haben sollte oder sich einem dominierenden Mann einfach zu fügen hätte, liest an einem entscheidenden Punkt vorbei. Dieselbe Bibel fordert den Mann unmittelbar danach auf, seine Frau zu ehren und sie als gleichwertige Miterbin der Gnade des Lebens zu behandeln (1. Petrus 3,7).

Deshalb möchte ich auch diese Einsichten aus meiner Vorarbeit mit euch teilen. Vielleicht nehmt ihr euch einmal in Ruhe Zeit für 1. Petrus 3,1–6 und fragt euch, was darin für eure eigene Ehe stecken könnte.

Wie das praktisch aussehen kann, haben Heike und ich in unserem achtteiligen Podcast „Durch Dick und Dünn“ aus unserer eigenen Ehe heraus beschrieben. Auch hier gilt: Es war unser unperfekter Versuch, miteinander zu lernen und zu wachsen.

Jetzt aber erst einmal zu Petrus – und zu seiner herausfordernden Aufforderung an Ehefrauen.

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„Ebenso ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter, damit auch, wenn einige dem Wort nicht gehorchen, sie ohne Wort durch den Wandel der Frauen gewonnen werden, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben! Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist. Denn so schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren eigenen Männern unterordneten, wie Sara dem Abraham gehorchte und ihn Herr nannte, deren Kinder ihr geworden seid, indem ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.“ – 1. Petrus 3,1–6

Nicht: Wie bekomme ich meinen Mann verändert?

Petrus hat zunächst eine besondere Situation vor Augen. Einige christliche Frauen waren mit Männern verheiratet, die ihren Glauben nicht teilten. In der antiken Welt konnte das für eine Frau erheblich schwieriger sein als für uns heute. Und natürlich lag die Frage nahe: Wie bekomme ich meinen Mann dazu, ebenfalls zu glauben? Wie überzeuge ich ihn?

Petrus gibt darauf eine überraschende Antwort: nicht durch Druck. Nicht durch immer neue Argumente. Nicht dadurch, dass sie ihren Mann permanent korrigiert und ihm vor Augen führt, was bei ihm alles anders werden müsste. Er soll etwas an ihrem Leben sehen.

Darin steckt ein Gedanke, der weit über die damalige Situation hinausgeht. Eine der großen Versuchungen in einer Ehe besteht darin, den anderen zum eigenen Projekt zu machen. Wenn er nur endlich … Wenn er doch etwas mehr … Warum versteht er nicht …? Natürlich dürfen Ehepartner miteinander reden, Wünsche äußern, Grenzen setzen und Konflikte austragen. Aber Liebe beginnt zu leiden, wenn der andere ständig das Gefühl bekommt: So, wie du bist, genügst du mir noch nicht.

Petrus weist auf einen anderen Weg. Das eigene Leben kann manchmal überzeugender sprechen als viele Worte.

Was bedeutet dann „Unterordnung“?

An diesem Wort kommen wir nicht vorbei. Petrus benutzt es, Paulus ebenfalls (Epheser 5,22; Kolosser 3,18). Aber wir sollten hören, was die Texte damit sagen – und was sie nicht sagen.

Unterordnung bedeutet nicht Minderwertigkeit. Wenige Verse später nennt Petrus die Frau ausdrücklich Miterbin der Gnade des Lebens (1. Petrus 3,7). Vor Gott stehen Mann und Frau auf derselben Ebene. Beide leben aus derselben Gnade und gehören demselben Christus.

Auch Epheser 5 beginnt diesen Abschnitt bemerkenswert: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ (Epheser 5,21). Christliche Ehe beginnt also nicht mit der Frage: Wer darf über wen bestimmen? Sie beginnt damit, dass zwei Menschen lernen, ihre eigenen Interessen nicht zum Maßstab für alles zu machen.

Für die Frau bekommt das bei Paulus und Petrus eine besondere Gestalt: Sie respektiert ihren Mann und gibt ihm Raum, Verantwortung zu übernehmen. Sie muss nicht alles kontrollieren, nicht jede Entscheidung an sich ziehen und nicht dafür sorgen, dass alles nach ihren Vorstellungen geschieht. Das ist keine Schwäche. Es braucht sogar eine beträchtliche innere Stärke, einem anderen Menschen Freiheit zu lassen.

Respekt kann einen Menschen wachsen lassen

Paulus fasst seinen großen Abschnitt über die Ehe mit einem bemerkenswerten Satz zusammen: Der Mann soll seine Frau lieben, und die Frau soll ihren Mann achten (Epheser 5,33).

Offenbar berühren Liebe und Respekt etwas Tiefes in einer Beziehung. So wie eine Frau unter der selbstlosen Liebe ihres Mannes aufblühen kann, kann ein Mann unter der ehrlichen Wertschätzung seiner Frau wachsen.

Das bedeutet nicht, alles gutzuheißen. Respekt ist keine Blindheit. Eine Frau darf widersprechen, eine eigene Meinung haben und sehr klar sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Sara, die Petrus als Beispiel nennt, war übrigens keineswegs eine Frau ohne eigene Stimme. Wer ihre Geschichte in 1. Mose liest, begegnet einer durchaus eigenständigen Persönlichkeit.

Aber es macht einen Unterschied, wie ich meinem Partner begegne. Kritik kann helfen – oder einen Menschen auf Dauer klein machen. Ironie kann verletzen. Verachtung kann eine Beziehung von innen zerstören. Und ständige Korrektur kann einem Menschen irgendwann vermitteln: Du kannst es ohnehin nicht richtig machen.

Wertschätzung dagegen sieht das Gute und spricht es aus. Sie nimmt wahr, wo der andere Verantwortung übernimmt, sich investiert, etwas wagt oder sich entwickelt. Ein Mann, der erlebt, dass seine Frau an ihn glaubt, wird dadurch nicht automatisch ein anderer Mensch. Aber er bekommt einen Raum, in dem er wachsen kann.

Schönheit, die tiefer reicht

Dann spricht Petrus über Schönheit. Haare, Schmuck und Kleidung waren schon damals Möglichkeiten, Wirkung zu erzeugen. Petrus verbietet nicht einfach gepflegtes Aussehen. Sein Punkt liegt tiefer: Die entscheidende Schönheit eines Menschen entsteht nicht an seiner Oberfläche.

Er spricht vom „verborgenen Menschen des Herzens“ und von einem „sanften und stillen Geist“. Das klingt zunächst vielleicht nach einer Frau, die möglichst leise ist und nicht auffällt. Aber darum geht es kaum. Petrus beschreibt eine innere Haltung: einen Menschen, der nicht ständig kämpfen, sich behaupten oder seine Bedeutung beweisen muss.

Warum nicht? Weil seine Sicherheit an einer anderen Stelle liegt.

Ihre Hoffnung liegt auf Gott

Das ist vielleicht der Schlüssel des ganzen Abschnitts. Petrus beschreibt die Frauen, von denen er spricht, als solche, „die ihre Hoffnung auf Gott setzten“.

Damit bekommt alles Vorherige eine andere Farbe. Diese Frau kann ihrem Mann Freiheit geben, weil nicht alles von ihm abhängt. Sie muss ihn nicht kontrollieren, damit ihr Leben gelingt. Sie muss ihre Identität nicht aus seiner Anerkennung beziehen. Und sie muss auch keine Angst davor haben, dass sie bedeutungslos wird, wenn sie nicht ständig ihre eigenen Interessen durchsetzt.

Ihre tiefste Sicherheit liegt bei Gott.

Vielleicht erklärt das auch den bemerkenswerten letzten Satz: Sie tut Gutes und lässt sich „durch keinerlei Schrecken einschüchtern“. Petrus beschreibt keine ängstliche, geduckte Frau. Im Gegenteil: Er beschreibt eine Frau mit innerer Freiheit. Sie kann sanft sein, gerade weil sie nicht schwach sein muss. Sie kann loslassen, weil sie weiß, wer sie hält.

Aus Liebe und Respekt entsteht ein Wir

Wenn man 1. Petrus 3 und Epheser 5 nebeneinanderlegt, entsteht deshalb ein schönes Zusammenspiel. Der Mann soll seine Frau mit einer selbstlosen Liebe lieben, die sie groß macht. Er soll seine Stärke zu ihrem Wohl einsetzen, sie verstehen, ehren und fördern. Die Frau begegnet ihrem Mann mit Respekt, traut ihm Verantwortung zu und widersteht der Versuchung, ihn kontrollieren oder nach ihrem Bild formen zu wollen.

Beide Bewegungen führen weg vom eigenen Ich.

Der Mann fragt nicht mehr zuerst: Wie bekomme ich meine Bedürfnisse erfüllt? Die Frau fragt nicht mehr zuerst: Wie bekomme ich ihn dazu, so zu werden, wie ich ihn gerne hätte? Beide lernen, den anderen anzusehen und zu fragen: Was braucht unsere gemeinsame Einheit, damit wir beide wachsen können?

Das ist keine mathematische Rollenverteilung und schon gar kein Machtkampf. Es ist der Versuch zweier gleichwertiger Menschen, ein Wir zu bauen, in dem Liebe und Respekt, Hingabe und Vertrauen immer mehr Raum bekommen.

Darin liegt eines der Geheimnisse einer Ehe, die mit den Jahren tiefer wird: Ich muss den Menschen an meiner Seite nicht klein machen, damit ich selbst groß sein kann. Ich kann dazu beitragen, dass er wächst – und darauf vertrauen, dass Gott auch an ihm arbeitet.

So wie Petrus den Männern eine anspruchsvolle Aufgabe gibt, gibt er sie auch den Frauen: Achte deinen Mann. Versuche nicht, ihn zu kontrollieren. Sieh und benenne das Gute in ihm. Gib ihm Raum, Verantwortung zu übernehmen. Bewahre dabei deine eigene Stimme und setze deine tiefste Hoffnung nicht auf ihn, sondern auf Gott.

Dann kann aus zwei sehr unterschiedlichen Menschen mit den Jahren tatsächlich etwas entstehen, das keiner von beiden allein hätte schaffen können: eine tiefe Herzensverbindung, in der beide einander helfen, zu den Menschen zu werden, die Gott in ihnen sieht.

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