
Heute dürfen wir 14 Menschen taufen. 14 Freunde, die sich über Wochen mit ihren Taufbegleitern vorbereitet haben. 14 Menschen, im Alter zwischen 15 – 73 Jahren. Das ist so eine große Freude!
In den letzten Jahren durfte unsere VivaKirche wachsen. Dafür sind wir unglaublich dankbar.
Aber Wachstum hat eine Nebenwirkung.
Unsere App läuft über mit Informationen. Es gibt so viele Angebote, dass man manches gar nicht mehr mitbekommt. Neue Menschen finden ihren Platz, gleichzeitig wird Identifikation mit unserer Kirche nicht mehr einfach selbstverständlich. Und aus der VivaFamily erreichen mich aktuell 28 Wünsche, was wir unbedingt noch machen sollten.
- Neue Veranstaltungen.
- Zusätzliche Themen.
- Weitere Angebote.
- Andere Formate.
Und wisst ihr was?
Ich finde fast alle dieser Ideen richtig gut.
Genau deshalb ist es so schwierig.
Denn trotzdem können wir nicht alles machen.
Warum?
Weil ich glaube, dass wir gerade etwas erleben, das jede lebendige Bewegung früher oder später erlebt:
Einfachheit führt zu Wachstum. Wachstum führt zu Komplexität.
Am Anfang ist vieles leicht
Fast jede Kirche beginnt erstaunlich einfach.
Man kennt sich.
Man weiß, warum man da ist.
Entscheidungen fallen unkompliziert.
Die Vision ist klar.
Nicht die Organisation trägt die Bewegung.
Die Bewegung trägt die Organisation.
Und genau das macht Kirche attraktiv.
Menschen schließen sich nicht einer Bürokratie an.
Sie schließen sich einer lebendigen Vision an.
Dann wächst die Kirche
Mehr Menschen.
Mehr Gruppen.
Mehr Mitarbeitende.
Mehr Standorte.
Mehr Möglichkeiten.
Was für ein Geschenk!
Aber mit jedem Wachstum entstehen auch neue Fragen:
- Wer kümmert sich um die Finanzen?
- Wie begleiten wir Mitarbeitende gut?
- Wie kommunizieren wir?
- Wer entscheidet was?
- Wie behalten wir den Überblick?
Plötzlich entstehen:
- Teams
- Prozesse
- Budgets
- Kommunikationskanäle
- Leitungsstrukturen
- Absprachen
Nicht weil wir Organisation lieben.
Sondern weil wir Menschen lieben.
Komplexität ist nicht das Problem
Manchmal höre ich den Wunsch, Kirche müsse doch einfach organisch sein. Weniger Management. Weniger Struktur. Der Heilige Geist werde das schon regeln.
Ich verstehe diesen Gedanken.
Und gleichzeitig frage ich mich:
Hat der Heilige Geist jemals Chaos als Leitungsprinzip eingesetzt?
Schon im Neuen Testament finden wir Älteste, Diakone, Teams, Verantwortlichkeiten, Sammlungen, Reisepläne, Konfliktlösungen und klare Leitungsaufträge.
Der Heilige Geist ersetzt Leitung nicht.
Er prägt Leitung.
Die Alternative zu guter Leitung ist selten mehr Geistlichkeit.
Oft ist sie einfach Unklarheit.
Die eigentliche Herausforderung
Mit Wachstum kommt Komplexität.
Die Frage ist deshalb nicht:
Wie verhindern wir Komplexität?
Das werden wir nicht schaffen.
Die eigentliche Frage lautet:
Wie organisieren wir Komplexität so, dass Menschen trotzdem Einfachheit erleben?
Das ist für mich heute eine der wichtigsten Leitungsaufgaben.
Ein Kleingruppenleiter sollte nicht zuerst zehn Formulare brauchen.
Eine Familie sollte nicht erst fünf Kommunikationskanäle durchsuchen müssen.
Neue Menschen sollten nicht das Gefühl haben, zuerst unsere Organisationsstruktur verstehen zu müssen.
Je größer wir werden, desto mehr müssen wir hinter den Kulissen organisieren, damit Kirche vorne möglichst einfach bleibt.
Nicht alles Gute ist jetzt dran
Die vielleicht schwierigste Aufgabe von Leitung ist nicht, gute Ideen zu finden.
Sondern guten Ideen auch einmal freundlich zu widersprechen.
Die 28 Wünsche aus unserer VivaFamily zeigen vor allem eines:
Diese Kirche lebt.
Menschen denken mit.
Menschen übernehmen Verantwortung.
Menschen wünschen sich mehr.
Das liebe ich.
Und trotzdem müssen wir auswählen.
Denn jedes neue Angebot kostet Aufmerksamkeit.
Jede neue Veranstaltung braucht Mitarbeitende.
Jedes zusätzliche Thema konkurriert mit anderen wichtigen Themen.
Wenn alles Priorität hat, hat am Ende nichts mehr Priorität.
Manchmal dient ein bewusstes Nein dem größeren Ja.
Leitung ist kein Selbstzweck
Dabei geht es nie darum, Kontrolle auszuüben.
Leitung in der Kirche ist etwas völlig anderes als Herrschaft.
Petrus beschreibt sie so:
„Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, Gott gemäß; auch nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig; nicht als solche, die über ihren Bereich herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet. Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1. Petrus 5,2–4)
Was für ein Leitbild.
Leitung bedeutet dienen.
Orientierung geben.
Zuhören.
Vorangehen.
Nicht die eigene Agenda durchsetzen.
Sondern gemeinsam auf den Oberhirten hören.
Jesus dirigiert
Vielleicht ist das mein Lieblingsbild.
Eine Kirche ist wie ein großes Orchester.
Da gibt es Streicher und Bläser.
Rhythmus und Melodie.
Leise Stimmen und kraftvolle Soli.
Nicht jeder spielt dasselbe.
Und genau das ist gut.
Aber aus vielen großartigen Musikerinnen und Musikern entsteht noch keine Symphonie.
Es braucht jemanden, auf den alle gleichzeitig schauen.
Wenn jeder nur seinem eigenen Takt folgt, entsteht Lärm.
Wenn alle auf den Dirigenten hören, entsteht Musik.
Jesus ist dieser Dirigent.
Der Heilige Geist hilft uns, auf ihn zu hören.
Und Leitung hat die Aufgabe, immer wieder den Blick auf ihn zu lenken.
Nicht auf sich selbst.
Nicht auf Strukturen.
Nicht auf Programme.
Auf Jesus.
Deshalb glaube ich:
Einfachheit führt zu Wachstum. Wachstum führt zu Komplexität.
Diesen Satz erleben wir gerade ganz praktisch.
Und ehrlich gesagt: Wir haben darauf noch nicht alle Antworten.
Wir sind als Leitung selbst am Lernen. Wir probieren Dinge aus. Wir merken, wo Kommunikation zu viel wird. Wo Angebote helfen. Wo weniger vielleicht mehr wäre. Wo Strukturen Menschen dienen – und wo sie beginnen, sich selbst zu dienen.
Ich glaube, genau darin liegt unsere gemeinsame Aufgabe als VivaFamily.
Nicht jede gute Idee sofort umzusetzen.
Sondern gemeinsam herauszufinden, was Jesus jetzt von uns möchte.
Denn Kirche wächst nicht dadurch, dass sie immer mehr macht.
Sie wächst dort, wo Menschen gemeinsam auf Jesus hören.
Deshalb bleiben wir unterwegs.
Suchend.
Lernend.
Manchmal auch ringend.
Aber mit einer tiefen Zuversicht:
Wenn Jesus den Ton angibt und wir – auf allen Ebenen unserer VivaFamily – gemeinsam auf seine Stimme hören, geleitet vom Heiligen Geist, dann wird aus vielen unterschiedlichen Stimmen eine Melodie, die Gott ehrt und Menschen zum Leben führt.
Ein super inspirierendes Video, dass uns zu einem Miteinander in Vielfalt mit dienender Leitung inspiriert, poste ich hier. Es lohnt sich, bis zum Ende dabei zu bleiben. Du wirst es nicht bereuen.

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