
Hinweis: Der Text und das Video/Audio ergänzen sich, haben viele Schnittmengen, sind aber nicht ganz identisch. 😉
Stille Führung?
Sind Führungskräfte nicht Personen, die andere begeistern und mit ihren Bildern der Zukunft mitreißen, aktivieren und zu einem Team formen? Ja, das kann durchaus so sein. Nein, das muss nicht so sein. Wie jetzt?
Susan Cain hat eine Wirklichkeit in Ergänzung zu den gägingen Vorstellungen über Führungspersonen ins Spiel gebracht, die ein neues Spielfeld eröffnet hat. Und das ist gut so.
Peter Drucker, der Vater des modernen Managements hat schon länger darauf hingewiesen. Darum geht es in dieser Episode. Und die kann super spannend werden: Wer weiß, ob nicht so manches Führungstalent in unseren Reihen schlummert, das wir leicht übersehen hätten, wenn wir nicht von Quiet Leadership gehört hätten.
Persönlichkeiten, die den Unterschied deutlich machen
Ich weiß nicht, ob du dich in der Welt des Fußballs etwas auskennst. Vielleicht magst du den Sport gar nicht aber ich bitte dich, doch kurz bei mir zu bleiben. Zwei Namen, die du auch als nicht Fußball-Interessierter vielleicht schon einmal gehört hast sind
- Carlos Ancelotti
- Jürgen Klopp
Zwei sehr erfolgreiche Trainer, zwei wirklich sympathische Typen, die allerdings nicht unterschiedlicher sein könnten. Klopp: der Extrovertierte, der Laute, der Emotionale … Ancelotti: der Introvertierte, Stille, nach außen nicht so emotionale. Ancelotti hat seine Biografie Quiet Leadership genannt. Damit stellt er sich vor, so sieht er sich und sein Tun. Beide sehr effektive Führungspersonen, die ihre Fähigkeiten vielfach gezeigt haben und zu Beispielen für eine ganze Generation von Trainern wurden.
Susan Cain – STILL
Durch die Rednerliste des Global Leadership Summit bin ich dann auf Susan Cain gestoßen. Sie hat das Thema intensiv untersucht.Ihr Buch „Quiet“ hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Auf Deutsch ist ihr Buch unter dem Titel »Still – Die Kraft der Introvertierten« erschienen. Sie zeigt darin unter anderem auf, dass der Siegeszug der extrovertierten Führungsleute noch nicht so alt ist. Es ist keineswegs so, dass man als Führungsperson extrovertiert sein muss. Dale Carnegie ist eine der Ursachen, dass diese Idee so einen Zuspruch bekommen hat. Erst Anfang des 20. Jh. hat das alles begonnen.
»Bin ich also introvertiert, weil ich die Gene meiner Eltern geerbt habe oder weil ich ihre Gewohnheiten übernommen habe, oder beides?« | Susan Cain in »Still«
Peter Drucker bestätigt die Beobachtung!
- Susan Cain greift in ihren Ausführungen auch auf die Arbeiten von Peter Drucker zurück, dem Vater des modernen Managements. Das ist super spannend:
»Einige der effizientesten Führungspersönlichkeiten, mit denen ich im Laufe der letzten fünfzig Jahre zu tun hatte«, schreibt der Management-Guru Peter Drucker, »haben sich in ihrem Büro vergraben, während andere ultragesellig waren. Manche waren rasch und impulsiv, andere hingegen haben die Situation studiert und ewig gebraucht, um eine Entscheidung zu fällen … Das einzige Persönlichkeitsmerkmal, das die effizienten Leute, die ich kennengelernt habe, miteinander gemein hatten, war etwas, was ihnen fehlte: Sie hatten wenig oder kein ›Charisma‹ und konnten weder mit dem Begriff noch mit dem, was dahintersteckt, viel anfangen.« | Peter F. Drucker: The Leader of the Future 2. San Francisco 2006, S.
Ihnen fehlte: ›Charisma‹
Das ist in der Tat eine interessante Beobachtung von Drucker. Echt jetzt, mag man sich fragen? Kein Charisma bei Leuten, die über die Langstrecke erfolgreich geführt haben. Ich nehme das jetzt einfach mal so zur Kenntnis und halte für mich fest, dass Führungskräfte von ihrer Persönlichkeit her also sehr unterschiedlich sein können. Wenn sie authentisch ihren Weg gehen, werden sie zu Bewegern, die ihre Wirkung entfalten und dabei Erfolg haben. O.k., das nehme ich mit. Nun noch mal zu den introvertierten Führungsleuten.
Quiet Leadership
Quiet Leadership ist ein Führungsansatz, der sich auf zurückhaltende Methoden konzentriert, um Einfluss auszuüben und Teams zu leiten. Anstatt lautstark und dominant zu sein, legen leise Führungskräfte Wert auf Zuhören, Empathie und das Fördern der Stärken anderer. Hier sind einige der Hauptmerkmale und Vorteile von Quiet Leadership:
Merkmale von Quiet Leadership
Aktives Zuhören:
- Quiet Leaders sind hervorragende Zuhörer. Sie nehmen sich die Zeit, die Bedürfnisse, Anliegen und Ideen ihrer Teammitglieder zu verstehen und zu berücksichtigen .
Empathie:
- Sie zeigen Einfühlungsvermögen und Verständnis, indem sie sich in die Lage ihrer Mitarbeiter versetzen und deren Perspektiven berücksichtigen .
Förderung von Talenten:
- Quiet Leaders erkennen und fördern die individuellen Stärken ihrer Teammitglieder. Sie schaffen eine Umgebung, in der Mitarbeiter wachsen und ihr volles Potenzial entfalten können .
Bescheidenheit:
- Diese Führungskräfte sind oft bescheiden und legen keinen großen Wert darauf, im Rampenlicht zu stehen. Sie sind zufrieden damit, andere zu ermutigen und die Erfolge des Teams in den Vordergrund zu stellen .
Konsistenz und Stabilität:
- Quiet Leaders bieten durch ihre ruhige und beständige Art ein stabiles Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeiter sicher fühlen .
Vorteile von Quiet Leadership
Erhöhte Teamzufriedenheit:
- Da Quiet Leaders auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen, fühlen sich diese wertgeschätzt und respektiert, was zu höherer Zufriedenheit und Motivation führt .
Bessere Entscheidungsfindung:
- Durch aktives Zuhören und Einbeziehung verschiedener Perspektiven treffen Quiet Leaders oft fundiertere und ausgewogenere Entscheidungen .
Stärkere Teamdynamik:
- Teams, die von leisen Führungskräften geleitet werden, tendieren dazu, stärker zusammenzuarbeiten und offene Kommunikation zu fördern .
Langfristiger Erfolg:
- Quiet Leadership kann zu nachhaltigem Erfolg führen, da es sich auf den Aufbau von Vertrauen und stabilen Beziehungen konzentriert, die auch in schwierigen Zeiten Bestand haben .
Ein paar Namen noch als weitere Beispiele
Quiet Leadership wird in vielen erfolgreichen Organisationen gelebt. Es ist besonders relevant in Organisationen, die Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit fördern möchten. Bekannte Persönlichkeiten sind neben Carlos Ancelotti auch Personen wie Tim Cook, CEO von Apple, und Satya Nadella, CEO von Microsoft. Sie sind nur einige Beispiele für leise Führungskräfte, die durch ihre ruhige und überlegte Art erfolgreich sind.
Spannend wäre auch zu untersuchen, wie dieser Führungsansatz im Raum der Kirchen gelebt wird, welche Chancen sich mit ihm verbinden und wo seine Grenzen liegen. Wäre er im Vorteil gegenüber der „charismatischen Führungsperson“?
Fazit
Quiet Leadership stellt einen wertvollen Kontrast zu traditionelleren, lauteren Führungsstilen dar. Durch den Fokus auf Empathie, Zuhören und die Förderung anderer schafft es eine positive und produktive Arbeitsumgebung, die langfristigen Erfolg ermöglicht. Dieser Ansatz ist besonders effektiv in komplexen und dynamischen Umfeldern, in denen Vielfalt und Kreativität gefragt sind.
Ergänzung: Was bedeutet Introversion und Extraversion?
Was bedeutet es eigentlich, extrovertiert zu sein? Und wann ist jemand eher introvertiert? In der Psychologie ist die Extraversion eine von fünf Grunddimensionen der menschlichen Persönlichkeit.
Extraversion und Introversion sind zwei entgegengesetzte Ausprägungen eines Persönlichkeitsmerkmals, das unser Verhalten im sozialen Umfeld bestimmt. Beide Wörter haben ihren Ursprung im Lateinischen. Extraversion setzt sich aus den lateinischen Wörtern „extra“ (außen) und „vertere“ (wenden) zusammen, Introversion aus „intro“ (hinein) und „vertere“ (wenden).
Diese Wortbedeutungen lassen erahnen, dass tendenziell introvertierte und extrovertierte Menschen unterschiedliche Verhaltensweisen und Eigenschaften haben.
Extraversion oder Extroversion?
Wie heißt es eigentlich richtig: Extraversion oder Extroversion? Klare Antwort: Laut Duden ist nur Extraversion richtig – entsprechend der Herkunft des Worts. Aber aufgepasst: Neben extravertiert kennt der Duden auch extrovertiert. Und diese Form hat sich umgangssprachlich sogar durchgesetzt. Einfacher sieht es bei Introversion und introvertiert aus: Der Duden listet nur diese beiden Wörter auf, keine anderen Schreibweisen.
Bist du introvertiert, oder eher extrovertiert?
Hier ein kleiner Test für eine erste Selbsteinschätzung. Klicke hier. Mit dem Arbeitsblatt hier als PDF kannst du tiefer einsteigen.
Und hier eine weitere kleine PDF zum Thema Stille Führung. Für deine Selbstreflexion, für euer Team.

BIG FIVE
Big Five – Persönlichkeitsmodell mit dem kostenlosen Online-Profil. Der Big-Five-Persönlichkeitstest gilt als das am meisten wissenschaftlich validierte und zuverlässigste Modell zur Persönlichkeitsmessung. Hier kannst Du es kennenlernen, es kostenfrei nutzen und mit Freunden teilen. Genial, oder.
Hier geht es zum Video & Audio der Episode 16.

8 Antworten zu „16_Einfach leiten! | Quiet Leadership – Stille Führung“
Hallo, vielen Dank für diese laute Stimme für unsere exzellenten leisen Leiter! Soo wichtig grad im kirchlichen Kontext!
Gleichzeitig fehlt mir bei der Extro/Introversion die Ergänzung der extrovertierten Hochsensiblen, die erst seit kürzerer Zeit entdeckt sind. Seit ich diese mögliche Kombination kenne, verstehe ich mich und mein Leben endlich! 🤣
Man findet da mittlerweile eigentlich einige ganz brauchbaren Artikel online und wenn man davon betroffen ist, braucht eh man nicht viel lesen, damit man sich ENDLICH verstanden fühlt und besser zurecht kommt.
Und schließlich: Bei mir hat der Link im PDF unten zum Test nicht funktioniert.
Weiter so, ich warte immer schon gespannt auf Montag und die neue Episode!
Danke!
Danke Veronika!
Zu den „extrovertierten Hochsensiblen“ habe ich bisher nicht gearbeitet. Daher kann ich dazu nichts sagen. Wenn Du gute Beiträge kennst, kannst Du sie hier gerne bei den Kommentaren verlinken, damit auch andere Leser davon profitieren.
Den Link, der in der PDF aktuell nicht klappt, habe ich jetzt unten im Beitrag ergänzt. Lieben Dank auch für den Hinweis!
Hab‘ einen guten Tag. Bis zum kommenden Montag 🔥😇.
Lothar
Nun, so einfach ist es dann doch nicht, links zu finden, die ich uneingeschränkt empfehlen kann…:-)
Diese hier breschreiben das Phänomen ganz gut, der Rest der Seiten passt sonst nicht 100%in mein Werte-&Glaubenssystem:
https://www.genki.vision/fuehlen/hochsensibel-und-extrovertiert-wie-geht-das/
https://www.zart-stark.de/2016/04/04/wenn-hochsensible-extrovertiert-sind/
Danke für deine Mühe dennoch. Das ist auf alle Fälle ein Mehrwert!
Lieber Lothar,
Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Diese stillen Leiter, zu denen ich mich auch zählen würde, sind häufig zur Rechtfertigung ihrer Art und Weise gezwungen. Auch und gerade im christlichen Kontext. Umso schöner, dass du diesem Führungsstil hier so viel Wertschätzung gibst. Jesus hatte ja durchaus auch seine introvertierten Seiten und hat aus der Ruhe heraus sehr kraftvoll geführt.
Sehr kostbar diese Serie!
Danke Sebastian,
stark, dass du meinen Herzschlag, der mich zu der Serie bewegt, so würdigst. Und ja, das ganze Thema muss immer neu differenziert betrachtet werden.
Dabei mache ich unterschiedliche Erfahrungen, die mich zu diesen Zeilen bringen:
STILLE FÜHRUNG
Stille Führung. Ich bin davon überzeugt, dass Leute, die Einfluss haben, Beweger sind. Sie bewegen etwas.
RÜCKFRAGEN und EINWÄNDE
Immer wieder werde ich gefragt, ob das nun die Extrovertierten, Lauten, Bühnenleute … sind. Meine Antwort, die aber oft nicht gehört wird 🙄 lautet: NEEEEEEE … Beweger sind Leute, die etwas bewegen, weil sie bewegt sind.
MUSS ICH EIN BEWEGER SEIN, WENN ICH LEITEN MÖCHTE?
Wer nicht von etwas bewegt ist, was ihn selbst bewegt, wird wenig in Bewegung bringen. Man brennt dafür, hat Eifer, Leidenschaft … Und die Frage ist offen: Warum möchte ich überhaupt leiten, wenn ich nichts bewegen will?
LEIDENSCHAFT
Dieser Tage meinte eine christliche Führungsperson, dass man auch eine Leidenschaft haben kann, ohne dass das sichtbar wird! Da bin ich mir nicht sicher.
Jeder Mensch, der für etwas Leidenschaft hat, wird irgendwann darüber sprechen, das wird in seinem Leben auf irgendeine Art sichtbar werden, weil es ihn oder sie beeinflusst, weshalb er oder sie andere beeinflusst! Oder?
LAUT ODER LEISE?
Ob das nun sehr emotional, laut, plakativ … sichtbar wird, oder still, unscheinbar und leise, ist eine andere Frage. Eine Leserin des heutigen Beitrags sprach von „extrovertierten Hochsensiblen“. Darüber habe ich bislang nicht gearbeitet, aber ich finde das sehr interessant. Beweger zeichnen sich dadurch aus, dass sie etwas bewegen. Punkt.
BEWEGER!
Mein Credo in der Serie »Einfach leiten!«: Leitungspersonen sind Beweger. Sie sind bewegt, haben eine Leidenschaft, die sie bewegt. Darüber entfalten sie Einfluss (kürzeste Definition von Leitung). Mit diesem Einfluss bewegen sie andere. Denn führen bedeutet immer: Menschen führen!
Ob sie das auf stille, unscheinbare Art tun, was immer einen zweiten Blick braucht, oder charismatisch, bühnentauglich und begeisternd (wie z.B. ein Jürgen Klopp) ist mehr eine Frage der Persönlichkeit, als der Leidenschaft und des Einflusses.
Soweit mal …
Lothar
Danke für diese Kostbaren Beiträge,
auch ich bin ein Stiller Leiter der zuerst in der Wirtschaft leitete jetzt auch im Nonprofit von Gemeinde aber auch Sport.
Mit dem Fehlenden Charizma kann ich nicht mitgehen – das mag oft so sein aber nicht immer, als z.B. Bassist einer Rockband ist man Automatisch nicht im Fokus aber was ich immer wieder Fesstellen durfte das Charizma eines Rockstars hatte ich da mich bei Festivals nie die Security nach einem Pass fragte den Sänger unserer Band dagegen gleich nach mir schon – er sagte dann immer ich gehöre zu dem da ;-).
Was ich eigentlich sagen wollte – hintder dem PDF Arbeitsblatt ist der Link zum Arbeitsblatt von Kapitell 15 noch im Moment hinterlegt. Würdest du das bitte Tauschen?
Liebe Grüße
Kornelije
Danke für die Anmerkung!
Das Arbeitsblatt trägt tatsächlich die Z. 15, ist aber das Arbeitsblatt zur Episode 16. Also: richtiges Arbeitsblatt, falscher Titel. Ich werde das auf jeden Fall ändern. Vielen Dank für die Anmerkung.
Herzliche Grüße und vielen Dank für die Nutzung des LEITERBLOG‘s. 🤩