(M)EIN GEHEIMNIS: WIE ES GELINGEN KANN, AUCH JAHRZEHNTE DRAN ZU BLEIBEN

Seit über 30 Jahren stehe ich in Leitungsverantwortung! Häufiger werde ich gefragt, was die verborgenen Lebensmuster sind, die mich in den Jahrzehnten durchgetragen haben. Eines will ich hier vorstellen: Verbindliche Rechenschaft. Seit 34 Jahren gibt es 2 Männer, mit denen ich das lebe. Humorvoll nennen wir das auch unseren »TÜV«. Was ist damit gemeint? Was machen wir genau? Um welche Themen geht es?

Wie alles begann

Im Herbst 1979 lernten wir uns nach und nach kennen. Beide Männer (Gerhard & Andreas) sind 4 Jahre älter als ich, waren schon früher Christen geworden und trugen bereits Verantwortung. Ich war erst im Mai 1979 zum Glauben gekommen. In unserer Heimatstadt Alzey gab es eine WG von jungen Frauen, deren Wohnzimmer zum Treffpunkt von weiteren jungen Christen geworden war. Dort beginnt unsere Geschichte. Also grob gesagt.

Das WG Wohnzimmer …

Was das Interesse füreinander weckte

Was uns von Anfang an interessant füreinander machte, war die Leidenschaft, mit der wir unseren Dingen nachgingen. Die Themen, die uns beschäftigten und die Träume, die wir träumten. Diese inhaltliche Nähe eröffnete eine Gesprächsebene, die uns oft stundenlang in intensivsten Austausch führte. Einmal dämmerte schon der neue Tag, nachdem mich ein Freund nur mit dem Auto nach Hause bringen wollte, wir noch kurz ein Thema angingen und das Gespräch seinen Lauf nahm … Stunden über Stunden. Wir hatten uns etwas zu erzählen, interessierten uns für die Sicht des anderen … Bis heute ist das noch so. Stunden vergehen wie im Flug. Die Sicht des Freundes ist immer noch super wertvoll!!!

Freunde

Und dann war über Zeit auf einmal klar, wir waren Freunde geworden! Obwohl ich eben als jüngster nicht unbedingt gepasst habe, hat es doch super gepasst. Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Weg verlaufen wäre, ohne diese beiden Freunde.

Peinlichkeiten gehören zur Freundschaft … 🙂

Verbindliche Gemeinschaft

An einem Jugendtreffen im Frühjahr 1984 wagte Gerhard den Vorstoß: »Wollen wir uns nicht regelmäßig treffen und uns intensiv und offen austauschen?« Diese Frage wurde zur Geburtsstunde unserer verbindlichen Gemeinschaft. Alle 14 Tage trafen wir uns nun. Andreas studierte damals noch Medizin in Homburg, während Gerhard jeden Tag nach Mainz fuhr, um seinem Studium der sozialen Arbeit nachzukommen. Ich erlernte gerade einen handwerklichen Beruf. Wir ließen uns die Gemeinschaft also etwas kosten, reisten, nahmen Geld in die Hand, setzten Prioritäten und übten uns in Verbindlichkeit und Offenheit. Zuerst tasteten wir uns vorsichtig heran, dann wurden wir immer wagemutiger.

Nach 7 Jahren …

Die Pflanze gedeiht

Unsere beruflichen Wege führten dazu, dass wir nach 2 Jahren nicht mehr diese Frequenz halten konnten. Telefonate, monatliche Treffen und intensive Begegnungen »zwischendurch« entstanden. Kein Problem, nachdem die Grundlage solide gelegt war. Wir wurden immer offener. Kaum ein Thema, das ausgespart blieb. Und die wachsende Offenheit, sehr persönlich nachzufragen. In allen Themen unseres Lebens und Glaubens, unserer Beziehungen, Freundschaften und der Ehe. Bis in die Finanzen (oft noch schwieriger als Sex), Verdienst, Ausgabegewohnheiten und Investitionen. Mit jeder Runde wuchs unsere Kostbarkeit »verbindliche Gemeinschaft«.

Den Vogel abgeschossen …

Irgendwann wurde der Vogel abgeschossen: »Wir vereinbaren, dass unsere Frauen die jeweils anderen anrufen und informieren könnten, wenn wir schlecht drauf wären, komische Entscheidungen treffen oder uns innerlich verschließen und entziehen würden …, oder was auch immer.« Heroisch klingt das. Super. Man wird bewundert, dass man das abmacht. Bis zum ersten Anruf eines Freundes: »Du, deine Frau hat angerufen und gesagt, dass Du gerade neben der Spur läufst! Was ist los? … Keine Ausflüchte, Klartext!« Das ist der Moment, an dem man überlegt, auf was man sich da eingelassen hat. Krass … Gut ist es allemal, besonders im Nachhinein. Und keiner darf dann seinem Ehepartner eine Szene machen. Wir haben es nicht anders gewollt …

Und heute?

Heute leben wir zum Teil schon recht weit voneinander entfernt. Wir telefonieren, schreiben uns Mails, nutzen auch WhatsApp und weitere Wege, um am Ball zu bleiben. Dann besuchen wir uns, treffen uns zu den sich ergebenden Anlässen und schaffen ein Highlight: Unseren TÜV. Jedes Jahr von Sonntag – Mittwoch. Jeder ist dann einen Tag dran, erzählt, öffnet sich und lässt sich reflektieren. Gemeinsam wird gebetet, jeder wird gesegnet und mit einem offenen Ohr zum Heiligen Geist dienen wir einander mit den Charismen, wie sie uns geschenkt wurden. Unser Rahmenprogramm: Lecker essen, guten Wein trinken, lachen, hören, lernen, erzählen … Wie früher. Nur eben 3 Jahrzehnte später.

Man macht sich nichts mehr vor – man schweigt in Liebe

Spannend, was man nach all den Jahren vom anderen weiß. Höhen und Tiefen. Stärken und Schwächen. Man kennt sich, mag sich, (er)trägt sich und glaubt an den anderen. So gut, so gut. Wir müssen uns nichts mehr vormachen. Die anderen durchschauen einen doch recht schnell. Und wir stehen nicht deshalb zueinander, weil wir so tolle Hechte sind. Sondern weil wir sind. Weil wir wertvoll füreinander sind. Mit wem könnten wir heute noch einmal beginnen, 34 Jahre investieren, um so zu dieser verbindlichen Gemeinschaft zu werden? Also lassen wir’s, entdecken immer neu den Wert der Gemeinschaft und schauen großzügig über unsere Macken hinweg, die im Alter deutlicher hervortreten. Was soll ich sagen, ich bin ja noch 4 Jahre jünger 😀

Was für Themen?

Was arbeitet ihr in eurem Austausch so durch? Oft wird auch diese Frage gestellt. Diese MindMap (von mir, also als Reflexion meiner Lebensthemen) gibt etwas Aufschluss. Unsere Reflexionsthemen bearbeiten Themenfelder wie: »Persönlich, Familie, Träume, Beruf, Kirche, weitere Rollen«. Uns dient das als eine Checkliste, der wir aber nicht starr folgen, sondern sie mehr als Stichworte für unsere Berichte und Nachfragen verwenden.

Wir wäre es?

Gibt es Leute in DEINEM Umfeld, mit denen Du DEINEN Weg verbindlicher Gemeinschaft bauen könntest? Gerade wenn Du noch jung bist, ist das eine geniale Chance. Lass sie nicht verstreichen. Die »Fans« vergangener Tage haben uns schon lange vergessen. Die Wegbegleiter sind aber immer noch an unserer Seite. Das ist doch was!

Wie baut man eine tiefe Freundschaft?

Darüber habe ich im Februar 2018 gesprochen. Die Predigt ist hier nachzuhören. 😉

Über Lothar Krauss

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