Update Mannheim: Ein dickes Brett bohren! (3)

»Und wie geht es jetzt weiter? Wie kommt man durch das „dickes Brett“, welches Du im zweiten Teil angesprochen hast? Wie gelingt der Prozess der Gemeindeerneuerung in Mannheim? Könnte er auch scheitern? Könntest du am Ende scheitern, obwohl du 30+ Jahre und 5 Prozesse eigener guter Erfahrung mitbringst?« Gute Fragen, die mich erreichen, das ist mal klar. Hier ein paar meiner Gedanken dazu:

Wie gelingt der Prozess der Gemeindeerneuerung?

Auf eine Art liegt das nicht in meiner Macht! Zwei Aspekte sind mir besonders vor Augen, wenn ich darüber nachdenke. Sie spielen eine entscheidende Rolle:

SEGEN: Wenn der Himmel den Segen nicht schenkt, wird es nichts. Es braucht den Rückenwind des Himmels und besondere Wirkungen von Gott. Sie machen einfach den Unterschied aus. Um diesen Segen kann und muss man beten! Aber machen kann man ihn nicht. Er ist umverfügbar und oft auch unerklärbar, wenn dieser Segen da ist.

Um diesen Segen kann und muss man beten, aber machen kann man ihn nicht.

Es ist immer sehr besonders, wenn Gottes Stunde für einen Ort, eine Kerngruppe oder eine Initiative geschenkt wird. Dann ist alles anders. Oft von „jetzt auf gleich“. Und ja, intensives Gebet begleitet so einen Prozess. Ist diese Gebetsbewegung die Folge des „offenen Himmels“ – Gott zieht ins Gebet? Oder ist der „offene Himmel“ die Folge des gemeinsamen Gebetes? Ich gehöre zu den Leuten die glauben, dass alles immer mit Gott beginnt.

MENSCHEN: Wann immer Gott ein Thema in der Welt angeht, beruft er sich Menschen: Abraham zum Beispiel, oder Mose, David. Ich denke auch an die Apostel, Martin Luther, oder Billy Graham … Ich teile die Überzeugung: „Gottes Methode sind Menschen.“ (Epheser 4,11 …)

Er sucht Menschen die inspirieren, denen er Vollmacht geben kann und die mutig den Weg vorangehen. Menschen, die sich selbst verleugnen, Verantwortung übernehmen und so zu dienenden Leitern werden. Wenn sie an der richtigen Stelle mitwirken und die natürlichen und geistlichen Gaben für die Aufgabe geschenkt bekommen haben, bewirken sie einen großen Unterschied! Das sind Menschen, deren „Früchte schließlich auf den Bäumen anderer wachsen“ und die eine Bewegung auslösen können. Beweger. (2. Chronik 16,9)

Gottes Methode sind Menschen.

Man trifft sie an allen Orten an, wo etwas in Bewegung gekommen ist. Ob das eine Gemeinde ist, die wieder zu neuem geistlichen Leben erwachte, oder ob es eine Gemeindegründung ist, die wunderbar aufblüht. Immer trifft man dort auf Menschen, deren Gesinnung, Fleiß und Mut den Unterschied ausmachen.

Und wenn sie selbst eine besondere Begabung mitbringen oder den Raum für andere schaffen, denen Gott diese Begabung gegeben hat, nimmt das „Schiff ordentlich Fahrt auf“. Allerdings ist zu beachten, dass dann die Charakterfrage in den Fokus rückt. Manche herausragende Entwicklung ist nämlich am Charakter der Verantwortlichen zerschellt.

Die Folge: Kulturveränderung

Eine Gemeinde, die unter dem „offenen Himmel“ mit solchen Menschen durchstartet, erlebt einen Kulturwandel. Wie die Dinge jetzt gesehen werden, was Wert hat und welche Prioritäten gesetzt werden, ändert sich sehr grundlegend.

Wenn ich nur darüber nachdenke, wie es 90 Minuten vor dem Start des Gottesdienstes in einer Gemeinde zugeht, die aufbricht, kann ich den Unterschied schon sehen. Es ist ein himmelweiter Unterschied! Hier ein paar Stichworte:

  • Die Erwartung, was gleich passieren wird,
  • die Vorfreude auf den Gottesdienst,
  • das Miteinander und Füreinander der Mitgestalter
  • die Qualität, Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, wie alles vorbereitet wurde …
  • das intensive gemeinsame Gebet
  • die 30 Minuten vor dem Gottesdienst, wo alle Zeit haben und offen für die Ankommenden sind

Es bezieht sich aber nicht nur auf die Dinge, die auf der Hauptbühne passieren. Alles wird von dieser Kultur erfasst:

  • Die Angebote für die Kinder,
  • der Raum für die Mütter und Väter mit den Babys,
  • die praktische Wertschätzung im Umgang mit den Senioren,
  • wie Gäste wahrgenommen und begleitet werden,
  • die Sensibilität für VIP’s (Menschen die auf dem Weg zu Gott sind)
  • die Orientierung im Gebäude,
  • die Sauberkeit der WC’s,
  • die Deko im Gebäude,

Vom Parkplatz bis zur Bühne, und alles dazwischen, zeigt den Unterschied!

Und nun, Mannheim – klappt das?

Ganz einfach: Wenn der Segen geschenkt und Menschen sich berufen lassen, die Kulturveränderung voranschreitet … usw. Dann: ABER SICHER!

Wie sieht der nächste Schritt für euch aus?

Berufungscoaching

Menschen im Fokus

Wir haben ein Berufungscoaching begonnen. Die Absicht dabei ist, Leute der VM darin zu unterstützen, ihrer Berufung von Gott auf die Spur zu kommen. Wir wollen Berufungen verwirklichen, nicht offene Stellen besetzen. Denn wenn Menschen eine „Schlüsselkomponente“ in diesem Prozess sind, dann ist es entscheidend sie zu entdecken, zu ermutigen, zu fördern und schließlich zu fordern. Wie gehen wir das an?

Eigenarbeit: ICF Tool und Holland-Codes

Wir sprechen in der VM darüber und wir beten dafür. Wer Interesse signalisiert, den bitten wir eigenständig mit Hilfe des Tools vom ICF Zürich BEGEISTERT FÜR GOTT Gottes Idee für sein Leben auf die Spur kommen. Dann verweisen wir auch noch auf die Holland-Codes, die gerne in der beruflichen Beratung zum Einsatz kommen. Mit ihnen ist die Grundausrichtung einer Person gut auszumachen. Kostenlos ist der Check hier im Netz verfügbar.

Persönliches Coaching

Wer sich so vorbereitet, dem bieten wir ein persönliches Coaching an. 45 Minuten mit Heike und mir. Und wenn wir mehr Zeit brauchen, gibt es den Zuschlag. Kein Problem: Wir haben uns 70 Termine im Kalender dafür reserviert. Erste Leute nutzen das Angebot tatsächlich. Gerade haben wir im Bereich Haus und Hof, der ja ganz herausfordernd für uns ist, schöne Entwicklungen.

Könnte der Prozess scheitern?

Ja, das muss ich leider einräumen. Bis zu 2/3 der Kirchengemeinden – so manche Prognose – könnte das Schicksal des gemeindlichen Todes treffen. Viele Gemeinden und Gemeinschaften, die vor 30+ Jahren noch vital waren, sind verschwunden. Die westliche Welt kann ein trauriges Zeugnis davon ablegen. Da wollen wir nicht überheblich sein und denken: „Uns passiert das nicht!“

Könntest Du diesmal scheitern?

Scheitern? Ja, na klar! Diese Möglichkeit bestand an allen Orten. Auch in Mannheim ist das der Fall. Ehrlich gesagt will ich das aber gar nicht hören oder denken. 5 Prozesse haben geklappt. Viele weitere Prozesse habe ich als Berater begleitet. So oft wurde es gut. Warum sollte es jetzt in Mannheim nicht gelingen?!

Ich gebe mein Bestes, bin mit ganzem Herzen dabei. Aber es braucht eben diesen Segen von oben und Menschen, die zu einem Team werden, das sich entzünden lässt und mitzieht. Ein einzelnes Ehepaar wird das auf Dauer nicht alleine schaffen können. Da sind wir realistisch.

Diese Faktoren sollten wir mitbedenken!

Ich weiß von manchen Leitern, die auf diesem Weg gescheitert sind. Heike und ich möchten euch ermutigen! Wenn ihr euer Bestes gegeben habt und der Berufung treu geblieben seid, dann macht euch keine Vorwürfe. Verurteilt euch nicht und seht euch nicht als Versager. Es gibt so viele Situationen im Lande, wo eben kein Team dazukommt, das Feuer nicht entfacht wird und nicht viele Christen aus anderen Settings dazukommen.

In manchen Regionen unseres Landes ziehen viele fähige Leute weg, anstatt zu. Auch diese Wirklichkeit muss mitbedacht werden. Oder es sind richtig dynamische Kirchen im unmittelbaren Umfeld, die eine enorme Anziehungskraft ausüben. Alles das und viel mehr spielt auch noch eine Rolle auf dem Weg der Gemeindeerneuerung. Es liegt nicht immer an den Leitenden. Jesus erwartet von uns nicht den Erfolg, sondern die Treue! (1. Korinther 4,2). Aus dieser Überzeugung haben Heike und ich folgende Rolle in den Prozessen für uns geklärt. Wir sind:

„Diener mit Trainerlizenz!“

Wir sind gespannt, wie alles weitergeht. Bei Gelegenheit werden wir wieder etwas davon hier berichten. So long …

Danke für alle Kommentare, Ermutigung und Unterstützung. Gemeindeerneuerung ist Mannschaftssport. Gut, dass wir mit vielen im Lande verbunden sind, die in der gleichen Aufgabe stehen. Und so gut für uns alle zu wissen: Jesus baut seine Kirche!

Über Lothar Krauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
Dieser Beitrag wurde unter Die Person des Leiters, Gemeindebau abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Update Mannheim: Ein dickes Brett bohren! (3)

  1. schubertcorinna schreibt:

    Lieber Lothar,

    vielen Dank für Deine Offenheit, Deine Reflexionsarbeit, Dein kontinuierliches Teilen, Deine Treue! Deine Newsletter gehören zu den wenigen, die ich jedesmal lese. Da steckt so viel drin.

    Vielleicht ist der größte Dienst im Moment wirklich der Dienst an kämpfenden, verzagten KollegInnen – musste ich gerade denken.

    In herzlicher Verbundenheit, Corinna

  2. Kalle schreibt:

    Wow, Lothar, wieder ein starker und interessanter Beitrag. Und ein Scheitern ist für mich bei weiten nicht in Sicht.

  3. Christian Borchert schreibt:

    Das ist sehr schön, wie transparent du/ihr die Entwickelungen in der VM-mannheim und zuvor in Gifhorn mit der interessierten Öffentlichkeit teilt – DANKE.
    Immer noch nach mehr als 20Jahren deines Wirkens in unserer Gemeinde, lerne ich neue Aspekte, wie der Himmel die Erde berühren kann durch Menschen, die sich von Gott in seine Arbeit und auf seinen Weg einlassen! – Und es ist aktuell gemeindlich für uns persönlich gerade nicht leicht.

  4. Bernd Krebs schreibt:

    Hey Heike uns Lothar, Das sind richtig gute Gedanken. Ich wünsche euch beiden wirklich gutes Gelingen gerade wo viele Schwierigkeiten sind, kann ein besonderer Segen geschenkt werden. Natürlich sind meine Gebete ganz oft bei euch und dem Team! Herzliche Grüße von Rosi und Bernd

Kommentare sind geschlossen.