Wie wichtig ist die „Chemie“ im Team?

Wie stellt man sein Team gut zusammen? Was für Typen braucht es? Wer kann mit wem? Was sollte vermieden werden? Führungskräfte zerbrechen sich den Kopf über diese Fragen und viel Energie geht verloren, wenn es nicht gelingt und die Reibung zu stark wird.

Vorbemerkung 1: Der Buchtipp …

Seit vielen Jahren profitiere ich von einem kleinen Büchlein, dass Prof. Dr. Wolfgang Krüger im Haufe Verlag veröffentlicht hat: „Teams führen“. Als eBook schon für 3,99 €, als Taschenbuch für 6,90 €. Sehr praktisch, viele Checklisten, Tests und Anregungen für den Teamleiter. Krüger lehrt Unternehmensführung, Selbstmanagement und Selbstmarketing an der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) in Bielefeld und ist als Managementberater tätig.

Vorbemerkung 2: Charakter ist Trumpf!

Charakter, Kompetenz und Chemie gelten als die Top 3 Eigenschaften, die passen müssen. Wobei Charakter Trumpf ist. Ein prominentes Beispiel um einen bekannten Politiker bringt es aktuell auf den Punkt. Wenn der Charakter eine Schlagseite aufweist, hebelt das auf Dauer vieles aus. Ganz gleich, wie kompetent die Person ist und wie gut die vordergründigen Ergebnisse sind, die sie erzielt! Ich habe das schon einige Male bitter buchstabieren müssen.

Spannend ist festzustellen, dass Führungskräfte dem Charakter theoretisch diesen hohen Stellenwert geben, aber häufiger als vermutet die Kompetenz unter dem Strich sticht. Warum ist das so? Weil kurzfristig Kompetenz schneller zum Ergebnis, zum vordergründigen Erfolg, zum Ziel führt. Der Schaden wird erst auf der Langstrecke sichtbar. Also: Vorsicht!

Und nun zur Frage: Stimmt die Chemie?

Die Chemie im Team wird immer wieder unterschätzt und/oder falsch verstanden. 

A) UNTERSCHÄTZT. Wir sind ein Arbeitsteam. Wir müssen uns eben zusammenraufen. Das Persönliche lassen wir bewusst außen vor. In Kirchengemeinden wird die Führungsmannschaft „zusammengewählt“. Spannungen beleben das Gremium und führen zu besseren Resultaten, denkt man. Einwand: wenn man viel Zeit miteinander verbringen soll und auf den anderen angewiesen ist, dann darf der Reibungsverlust nicht im zwischenmenschlichen Bereich stattfinden.

Aber genau das ist eine der Hauptquellen reduzierter Wirksamkeit von Teams. Man hat Mühe im Miteinander. So macht das keinen Spaß! Der Andere wird zum Konkurrenten. Man hält wesentliche Informationen zurück. Gerät in einen Machtkampf. Fühlt sich nicht ausreichend wertgeschätzt und geht dann in die Defensive … Um nur mal ein paar Dynamiken zu nennen, was geschieht, wenn das Miteinander leidet. So wird man kein Hochleistungsteam, an dem alle Spaß haben. Bücher dazu füllen die Regale. Die Arbeiten von Patrick Lencioni sind sehr nützlich.

B) FALSCH VERSTANDEN. Man kann die Sache mit der Chemie auch falsch verstehen. Anstatt kluge und kreative Köpfe in die Runde zu bringen, sitzen „Ja-Sager“ am Tisch. Oder Platzhalter, die alles abnicken, weil sie im Grund nur mit ihrem „Silo“ beschäftigt sind: »Hauptsache mein Bereich läuft, dann ist für mich die Welt in Ordnung!«

Sich gut zu verstehen bedeutet nicht, dass man immer einer Ansicht sein muss. Genau das Gegenteil trifft zu. Ein Ringen auf Augenhöhe, kompetent und wertschätzend für die anderen Personen des Teams, führt zu guten Resultaten.

Chemie meint eben gerade nicht, dass nur die „Buddy’s“ oder „Fans“ vom Leiter am Start sind. Die immer alles „feiern“ und keine konstruktiv-kritischen Gedanken äußern, weil das nicht der Kultur entspricht.

Ein weiterer klassischer Fehler: „Schlecht gewählt!“

In hauptsächlich ehrenamtlichen und demokratisch gewählten Gremien, Teams, Leitungskreisen kann es durchaus mühsam werden, mit diesem Spannungsfeld umzugehen. Wenn die Teams per Wahl zusammengestellt werden, können auch richtig unfruchtbare Konstellationen dabei herauskommen. Das gilt auch für Leitungskreise im kirchlichen Kontext.

Am besten ist der schmale Pfad zu meistern, wenn die entscheidenden Führungspersönlichkeiten mit Reife, Charakter, Charisma und Sachverstand das Feld bestellen. Die Mannschaftsaufstellung von Jesus ist ein besonderes Lehrbeispiel der Geschichte. Sie war genial! Der Erfolg gibt ihm recht. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

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Das „Team Jesus“ – Mannschaftsaufstellung beim Chef!

Und hier noch ein Buchauszug dazu aus dem »must read« des Jahres: Jesus – Eine Weltgeschichte, von Markus Spieker. Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages. 

Markus bringt in seinem genialen Stil eine frische und lebendige Beschreibung des Teams, mit dem Jesus die Welt begann auf den Kopf zu stellen, auf den Punkt:

Höchst unterschiedlich waren die Persönlichkeitsstrukturen der Zwölf.

„Simon hat ein vulkanisches Temperament. Er laviert ständig zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit. Dass Jesus ausgerechnet diesem volatilen Mann den Beinamen «Stein» oder «Fels» gibt (aramäisch: Kephas, lateinisch: Petrus), dürfte in seinen Ohren und denen der anderen Jünger zunächst wie Ironie geklungen haben. Johannes und Jakobus werden von Jesus wegen ihrer cholerischen Art oder wegen ihres imposanten Auftretens als «Donnersöhne» bezeichnet. Der Zelot Simon war eine Kämpfernatur, der Ex-Zöllner Levi ein gewiefter Dealmaker, Thomas ein wohl zur Melancholie neigender Skeptiker, Nathanael ein gradliniger Patriot, Andreas und Philippus, den kurzen Beschreibungen zufolge, eher vermittelnde Persönlichkeiten.

Es ist bezeichnend, dass sich unter den Jüngern kein einziger Politiker und Philosoph findet. Und kein einziger Religionsexperte. In unseren heutigen Zeiten, in denen die Kirchengeschäfte überwiegend in professionellen Händen liegen, sollte man sich immer wieder die Tatsache vergegenwärtigen: Jesus war kein Theologe, und er umgab sich nicht mit Intellektuellen. Jesus berief keinen Priester in den engsten Kreis, keinen Rabbi, auch keinen Philosophen. Er suchte Leute, deren geistliche Festplatte noch formbar war, keine Experten, die lediglich eine Horizonterweiterung anstrebten.

Im harten Kern der Zwölf gab es noch eine Untergruppe: die drei Jünger Simon Petrus, Johannes und Jakobus. Zu ihnen baute Jesus ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis auf. Es ist vermutlich Johannes, der später von einem besonderen Freundschaftsverhältnis schreibt, das ihn mit Jesus verband. «Der Jünger, den Jesus liebte», so wird er sich nennen. 

Es gibt noch einen erweiterten Jüngerkreis, der ungefähr siebzig Personen umfasst. Auch die «70» ist eine Zahl mit großer symbolischer Bedeutung: So viele Mitglieder hatte das oberste jüdische Rechtsgremium, der Sanhedrin (in vielen Bibeln übersetzt als «Hoher Rat»), Bezug nehmend auf die siebzig Ältesten, die Mose zur Verwaltung des Volkes Israel eingesetzt hatte. Siebzig – so viele Männer übersetzten die hebräische Bibel ins Griechische. Auf siebzig wurde damals auch die Gesamtzahl der Erdvölker und der Weltsprachen geschätzt.“

Die Gesamtzahl der Menschen, die mit Jesus durch die Täler und über die Hügel Galiläas zogen, schwankte zwischen zwölf und 120. Diese Zahl bleibt bis nach der Auferstehung Jesu stabil. Nach der Himmelfahrt Jesu kommen wiederum 120 zusammen, um zu beratschlagen, wie es weitergehen soll.

Interessant daran ist, dass aus Sicht von Sozialpsychologen hundertfünfzig die Obergrenze für eine in sich geschlossene Gruppe ist. Bei bis zu 150 Gruppenmitgliedern können alle einander persönlich und sogar namentlich kennen, also konkrete Beziehungen zueinander unterhalten. Darüber verliert eine Gruppe an innerem Zusammenhalt. Jesus wählte also die optimale Zahl von Menschen aus, um die Welt mit einer sozialen Epidemie zu infizieren: einer Bewegung, die sich rasch ausbreitet.“

Auszug aus: Spieker, Markus. „Jesus. Eine Weltgeschichte.“ Fontis-Verlag 

Über Lothar Krauss

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Eine Antwort zu Wie wichtig ist die „Chemie“ im Team?

  1. David Schäfer schreibt:

    Sehr gut, kurz und knapp mit guten Lesetipps, gleich mal bestellt.
    Lieben Dank und liebe Grüße!

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