Trifft Gott die Schuld?

Die Frage nach Gott ist von Anfang an von der quälende Frage zum Leid dieser Welt begleitet. Bosheit, Ungerechtigkeit, Gewalt, Katastrophen, sinnlose bittere Erfahrungen … Realitäten, die herausfordern. Auch Führungskräfte, die als Christen Verantwortung tragen!

»Wie kann es sein, dass Gott das Böse in der Welt zulässt? Kann er das Leid nicht beseitigen? Oder will er nicht?« 

Fragen, die wie eine Operation am offenen Herzen des Christentums sind. Unausweichlich, aber eben auch wirklich sehr herausfordernd! Wegducken gilt nicht.

Gregory A. Boyd, Professor und Pastor hat sich nicht weggeguckt und ein bemerkenswertes und wie ich finde, sehr empfehlenswertes Buch geschrieben. Jetzt ist es auf Deutsch erschienen. Hier eine kurze Vorstellung.

Trifft Gott die Schuld?

Boyd greift klug, umfassend und vielschichtig die sogenannte »Theodizee Frage« (1) auf. Wie ist das mit dem Leid in der Welt? Christen sprechen gerne davon, dass Gott ein Gott der Liebe ist! Allmächtig sei er, und richtig gut! Wie passt das mit dem Leid der Welt zusammen?

Boyd schreibt als Professor und als Pastor. Das bedeutet, dass in „Trifft Gott … “ sowohl anspruchsvoll theoretisch-philosophisch-geistlich reflektiert wird, als auch seelsorgerlich und nah an der Erfahrung von Menschen gedacht und geschrieben wird. Das ist definitiv schon mal die erste Stärke des Buches und begründet seine Qualität.

Ausgangspunkt: Unzureichende Standarderklärungen!

Boyd ist als Pastor persönlich betroffen. Standarderklärungen für das Leid dieser Welt – so gut sie auch von der christlichen Blase gemeint sein mögen – reichen ihm nicht. Das kann man verstehen. Manchmal sind die schnellen Antworten der christlichen Community einfach nur ungenügend, zuweilen oberflächlich und immer wieder sehr verletzend! Dem muss man sich stellen! Boyd tut es: 

„Warum kommt das eine Baby krank und missgestaltet zur Welt, während das andere völlig gesund geboren wird? Warum wird eine Familie immer wieder von tragischen Ereignissen heimgesucht, während eine andere unbehelligt und friedlich leben kann? Warum erstickt das auf an ein Wunder erinnernde Weise empfangene Kind einer gläubigen, liebevollen Frau wie Melanie bei der Geburt, während andere, abgestumpfte Frauen gesunde Kinder bekommen? Kurz gesagt: Warum ist die Welt so willkürlich und ungerecht?

Diese scheinbare Willkür gilt auch für Gebetserhörungen. Die meisten Menschen, die regelmäßig beten, erzählen von Situationen, in denen ihre Gebete auf wundersame Weise erhört wurden, gestehen aber, dass es keinen ersichtlichen Grund gibt, warum manche Gebete erhört werden und andere nicht. Ein schnell dahergesagtes Gebet um die Heilung eines verstauchten Knöchels scheint etwas bewirkt zu haben, während viele beharrliche, innige Gebete um Heilung von Krebs im Endstadium keinerlei erkennbare Resultate zeigen. Ein wohlhabendes Paar erzählt, wie Gott ihnen geholfen habe, ihr Traumhaus zu finden, während das verzweifelte Gebet einer Mutter um Essen für ihre Kinder unbeantwortet bleibt.

Eine Person dankt Gott, dass sie am 11. September auf wundersame Weise aufgehalten wurde und nicht im World Trade Center ankam und Gott ihr damit das Leben gerettet hat, während Hunderte anderer sich fragen, warum er an jenem Morgen ihre Gebete um Bewahrung ihrer Lieben ignoriert zu haben scheint. Melanies Gebet, ein Kind zu bekommen, schien auf wundersame Weise erhört worden zu sein, aber ihr Gebet um eine glückliche Geburt blieb scheinbar unbeachtet.“

Wie passt das zusammen? Alles ist vielschichtiger, komplexer, unübersichtlicher! Sowohl auf der Frageseite als auch im Bemühen um Erklärungen. Wird er dieser Wirklichkeit gerecht? Ich finde schon!

Die Stärke des Buches

Denn genau an dieser Komplexität setzt Boyd mit „Trifft Gott die Schuld“ an. Herausgekommen ist dabei ein ausgewogenes, geistliches und konkretes Buch. Er bietet kluge Anstöße zur Frage, eröffnet überraschende und komplexere Perspektiven und fordert den Leser zur eigenen Reflexion auf.  

Nie vereinfacht er das Thema. Kein Quick-Fix! Das ist natürlich herausfordernd, aber – wie ich finde – der Frage unbedingt angemessen. Am Ende des Buches denke ich, dass diese etwa 200 Seiten mit die besten Anstöße zur „Theodizee – Frage“ mir gegeben haben, die ich in den letzten Jahrzehnten bekommen habe.

Sicher, vieles war mir schon durch anderen Autoren bekannt. Doch die Zusammenstellung und Zusammenführung mit ihrer gelungen Gewichtung zueinander sind sehr gelungen. Großartig!

Für wen eignet sich das Buch?

Wer sollte sich das Buch besorgen und lesen?

  1. Verantwortlichen in Kirchen und Gemeinden, die Menschen seriös und gut in der Frage begleiten möchten, ohne oberflächlich zu bleiben.
  2. Christen, die mit der Frage ringen. Die keine schnellen Antworten suchen, sondern reflektieren und selber denken möchten. Ob persönlich oder weil sie in der Begegnung mit Freunden Rede und Antwort stehen möchten.
  3. Interessierte Zweifler, Fragende, Suchende …, die tiefer graben wollen.

Wie komme ich an das Buch?

Es ist schon besonders, dass David Schäfer mit seinem Movement Verlag sich an das Buch gewagt hat. Es sei ein Herzensanliegen für ihn gewesen, das ihn über längere Zeit bewegt hat. Noch ist er nicht sicher, ob er mit diesem Projekt in die schwarzen Zahlen kommt. Man kann das Buch über den Buchhandel, Amazon … bekommen.

15,00 € inkl. Versand bei Bestellung direkt!

Der Verlag hat aber den besten Ertrag, wenn man es direkt bestellt. Hier ein Link dazu.

Eine Leseprobe steht hier zur Verfügung!

(1) Der Begriff Theodizee wurde erstmals 1697 von Gottfried Wilhelm Leibniz in einem Brief erwähnt und 1710 in seinem Werk „Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l’homme et l’origine du mal“ ausgearbeitet.[1] Das von ihm geprägte französische Wort théodicée → fr[2] wurde nach altgriechisch θεός (theós) → grcGott[3] und δίκη (díkē) → grcGerechtigkeit[4] neugebildet und ins Deutscheübernommen.[5][6]

Über Lothar Krauss

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