JOHN ORTBERG LEGT SEIN AMT NIEDER

Der auch in Deutschland sehr bekannte Pastor und Autor John Ortberg, seit 17 Jahren Pastor der Menlo Church im Silicon Valley, legt sein Amt zum 2. August nieder. Seine Kündigung hat mit einem fatalen Fehler als Leiter zu tun, wie jetzt bekannt wurde.

Falsche Einschätzung?

So wirkte es zunächst. Im Juli 2018 wurde John Ortberg darüber ins Bild gesetzt, dass ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kirche, die mit Kindern arbeitete, eine Anziehung zu ihnen offenbarte. Ortberg unternahm nichts, informierte nicht die Kollegen, die Ältesten sondern versuchte mit einem guten Rat zu unterstützen und betete für ihn. Der Mitarbeiter konnte weiter ungehindert Zugang zu den Kindern nutzen. Mehr dazu hier.

Im November 2019 schrieb ein Kind von John Ortberg der Leitung der Megagemeinde und brachte den Vorgang ans Licht. Aus Sorge um die Kinder. Julie Roys berichtet:

»Concerned about the safety of children in the church and Johnny’s well-being, one of the elder Ortberg’s children, Daniel Lavery*, who identifies as a transgender man, revealed Ortberg’s actions in an email to Menlo Church leaders in November 2019 and also made public a break with Lavery’s parents. At that point, Lavery chose to keep the reasons for the break confidential.«

Im Zuge der Kontroverse kam heraus, dass der ehrenamtliche Mitarbeiter, der sich von Kindern angezogen fühlt und dennoch in dem Bereich weiter mitarbeiten konnte, ein Sohn von Ortbergs ist.

Damit war ein großer Vertrauensbruch in der Leitung der Megagemeinde und der Gemeinde geschehen. Und da Vertrauen die Währung des Leiters ist, war die Grundlage zerbrochen, auf der das Miteinander viele Jahre geschah.

»Vertrauen ist die Währung des Leiters.« | Lothar Krauss

Die Leitung von Menlo hat eine Erklärung veröffentlicht. Sie ist hier zu lesen (klicke auf Statements …). Dort findet sich auch eine Erklärung von John Ortberg, der auch noch einmal zur Kirche sprechen wird.

Wieder einmal sehen wir, wie schnell Vertrauen verspielt ist, auch wenn es über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Kein Erfolg kann daran etwas ändern. Vergebung kann bei aufrichtiger Umkehr immer eine Tür öffnen; der Weg geht weiter durch die Gnade. Aber ein Miteinander ist oft erst nach langer Zeit und sehr vorsichtig möglich. So wie das in allen Beziehungen zu beobachten ist.

Pikant ist auf alle Fälle, dass John Ortberg einer der Leiter ist, der den Skandal um Bill Hybels ausgelöst hat, die zu seiner Ablösung bei Willow geführt haben. Ortberg selbst war einige Jahre Teaching-Pastor bei Willow und Sprecher auf dem Summit, der jedes Jahr Anfang August stattfindet.

Die ganze Geschichte ist hier zu lesen.

Zur ganz aktuellen Situation kann man sich hier informieren.

Die Abschiedspredigt von John Ortberg ist hier zu sehen (ab Minute 23:25):

Über Lothar Krauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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2 Antworten zu JOHN ORTBERG LEGT SEIN AMT NIEDER

  1. Reinhold Scharnowski schreibt:

    John Ortberg ist ein absolut integrer Mann, dessen einziger Fehler es war, zu weichherzig zu sein. Kein Vergehen ist passiert, keine Person wurde verletzt – und jetzt lässt die Kirche den Mann gehen, der so im Segen gewirkt hat. Man kann nicht umhin, das Ganze als Rachefeldzug des Transgender-„Sohnes“ einzuschätzen, der schon seit einigen Jahren mit der Familie auf Kriegsfuss stand.

    • Lothar Krauss schreibt:

      Lieber Reinhold, ich sehe John grundsätzlich auch so und profitiere von seinen Büchern seit ca. 1997 sehr. Also richtig lange schon. Dennoch: er hat in klinischer Psychologie seinen Doktor gemacht! Er hätte aus seiner fachlichen Expertise und seiner langjährigen pastoralen Erfahrung – nicht zuletzt seiner Rolle um Bill Hybels – wissen müssen, dass er das so nicht regeln kann. Er hätte wissen müssen, dass er andere Leiter zu konsultieren hat. In Fragen, in denen Mitglieder der Familie betroffen sind, gleich zweimal. Und dann, als die Untersuchung einsetze, er beurlaubt war, hätte er den Namen des jüngsten Kindes einbringen müssen. Dass sein Sohn nicht einmal befragt wurde in der Untersuchung, ist schon ein Ding. Aus der Perspektive von John mag das nachvollziehbar sein. Aus der Perspektive der Mitleiter, der Eltern, die ihre Kids in den Gruppen hatten … geht das gar nicht. Dass dabei das Vertrauen flöten geht und mit einem „Sorry“ nicht eben wieder installiert werden kann, ist aus meiner Sicht keine Böswilligkeit, Verletztheit und Rache. Es ist – aus meiner Sicht – eine gesunde Reaktion. Alle Seiten haben nun ihre Themen zu bearbeiten. Seine letzte Predigt, die ich nun ebenfalls eingebunden habe, fand ich hilfreich. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.

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