Gemeindeerneuerung: Gebet

Glaub mir, eine Kirche die nicht betet, ist tot! | C.H. Spurgeon Ein klares Statement, was?! Und so treffend.

Jesus liefert den Grund: »Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.« | Matt. 7,7-8

Viele Christen würden direkt zustimmen, das Problem aber ist: es wird nicht so umgesetzt! Und das ist im Prozess der Gemeindeerneuerung fatal.

Gifhorner Wirklichkeit

Der Apostel Jakobus treibt es auf die Spitze!

»Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.« | Jakobus 4:2-3

Gebetslosigkeit und falsche Motive, nämlich selbstsüchtige Motive sind das Problem. Das sind wirklich klare Worte. Über die Motive kann ich nicht urteilen, da ist Gottes Wort auch ganz klar. Aber ob eine Kirche viel betet, bekommt man als neuer Pastor schon mit. So war das auch im November 2014 für mich.

Leitung und Gebet?

Die Interimsleitung traf sich regelmäßig, am Anfang die obligatorische Gebetsrunde der Teilnehmer, wobei sich nicht immer jeder beteiligte. Gebetsdynamik, aufeinander hören, vom Heiligen Geist inspiriert im Gebet geleitet werden … Fehlanzeige. Kurzer Start, dann die Tagesordnung. Die Leute der Leitung – alles feine Leute. Alles Leute, denen Jesus zentral und die Kirche am Herzen lag. Menschen, die sich einsetzten, mit Hingabe dabei waren und bis heute sind!!! YES – Ich feier euch; was sind wir für einen Weg zusammen gegangen! 😁👊

Aber Gebetsleidenschaft, anhaltend beten, im Heiligen Geist beten … – Fehlanzeige. Und die Kirche als Gemeinschaft? Im Gottesdienst beteten ein paar – oft die gleichen Personen. Und in den Kleingruppen? Wir hatten nur 3 – 4 Gruppen. Aber da waren noch die Gebetskreise. Auch 2 – 3 Kreise, von einer Handvoll FCG’lern besucht. Die große Mehrheit betete nicht zusammen, hatte kein Verlangen, war nicht ergriffen, suchte keine Wege, um die Leidenschaft für das Gebet zu finden.

Das ist eine unangenehme Bilanz, oder? Ich vermute, dass sie nicht »gifhornspezifisch« ist, sondern auf eine größere Anzahl von Kirchen, die schon länger am Start sind, zutreffen würde. »Fakten sind Freunde!« Es muss ja nicht so bleiben!

Time Out

Wie geht es euch mit dem Gebet? Manche rufen nach Lobpreisabenden, Worship-Nights usw. Ich liebe Worship, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Aber wird dort intensiv gebetet, gedankt, Gott gesucht, Fürbitte geleistet …? Immer wieder, ja. Aber mancher sagte mir schon: »Ohne Musik, nur beten … neeee …« 

Was tun?

Ich stand also im November 2014 vor einem echten Problem. »Der Fisch stinkt vom Kopf«, sagt man in Norddeutschland. Das war der Ansatzpunkt. Ich machte die Sache zum Thema und dann »übten« wir. Mal klappte es richtig gut, mal war es so schleppend. Mal war ich zuversichtlich, mal seeehr unsicher, ob es noch wird. Aber einmal mehr wurde diese Wahrheit bestätigt: Man überschätzt, was in Kürze passiert. Aber man unterschätzt, was über einen Zeitraum entsteht, wenn man beharrlich dran bleibt. So war das auch.

Zum Thema machen

Im zweiten Schritt machten wir dann im Rahmen unseres Gemeindeforums das Gebet ebenfalls zum Thema: »Beten ist irgendwie keine Stärke der Gemeinde!« sagte ich. Betretene, überraschte, verärgerte … Gesichter schauten mich an. »Hat der das jetzt wirklich gesagt?« Ja, hatte ich. Und den Plan gleich nachgeschoben: Wir beten zusammen. Jede Woche 30 Minuten. Von 17.45 – 18.15 Uhr. Nach der Arbeit kommt ihr am Donnerstag vorbei und dann, nach 30 Minuten geht es weiter.

FCG Gebet

Da war es also geboren, das neue Kind der Kirche: das FCG Gebet. 10 – 15 Leute waren am Start. O.k., auch noch nicht die Welt, aber besser als nichts. Manchmal auch unter 10 Leuten. Einige treue Beter, gelegentliche Beter und Einmalbeter 🤭. Ich brauchte ein richtig dickes Fell. Man, es war (und ist) ein dickes Brett, das gebohrt werden muss. Die Langbeter musste ich bremsen, die Nichtbeter ermutigen, die Formen variieren, die Anliegen eingrenzen. Wir beten für die FCG, heute Kirche im Brauhaus. Für einen Aufbruch, für die Mitarbeiter und dafür, dass der Sonntag zum Kreissaal wird und geistliche Babys das Licht der Welt erblicken.

Später haben wir das Gebet auf Mittwochs gelegt, unseren »Trainingstag«. Dazu in einem anderen Beitrag mehr. Wir beten von 18.45 – 19.15 Uhr, um 19.30 Uhr schließen sich andere Veranstaltungen an. Das war ganz praktisch. In Spitzenzeiten kommen über 30 Leute, manchmal sogar noch mehr. Dann fällt es wieder unter 20 Personen, es ist zuweilen mühsam, das will ich auch ehrlich einfügen. Die Gründe, warum man nicht zum Gebet geht, sind vielfältig. Unlust ist auch dabei. Gebet ist ein Kampf, das ist mal klar. Christen vom beten abhalten, eine schlaue Strategie. Und doch halte ich daran fest, weil es »unter dem Strich« genau richtig und sehr lohnend ist!

Die Rolle im Prozess der Gemeindeerneuerung?

Es ist so faszinierend, wie einfache, schlichte und unscheinbare Gebete erhört werden. Und dadurch Dinge möglich werden, die zuvor nicht gelingen wollten. Als Beter fragt man sich von Zeit zu Zeit, ob es das wirklich bringt. Soll das echt der Schlüssel sein? Man braucht schon DEMUT, um dran zu bleiben. Also beteten wir zum Beispiel dafür, dass Menschen zu Jesus kommen. Nichts passierte zu Beginn. Wir blieben dran. Immer wieder. Ganz ehrlich: man kommt sich schon manchmal doof vor, immer neu das Gleiche zu beten, oder?! Also ich als Kopfmensch schon …

Aber wenn dann Leute beginnen zu Jesus zu kommen, in den Gottesdiensten, bei CYOU, in Kleingruppen …, dann ist man doch schon erstaunt. Auch ich als Kopfmensch. Wie kann das sein? Es ist ein Geheimnis, mit dem Gott uns gebraucht, zu History Makern macht und die Ewigkeit von Menschen für immer verändert. Als Beter brauche ich Ausdauer, Vertrauen in Gott (nicht die Kraft meiner Gebete, Methoden, Prinzipien), seine Liebe, sein Plan, seine Zeit …

Viele Gebete sind in der Zwischenzeit erhört, unser ganzer Weg in Gifhorn ist davon gepflastert. Oft unspektakulär, unscheinbar, einfach. Ich liebe einfache Gebete. Dennoch: Jeder Mittwoch ist neu ein Kampf, auch das ist wahr. Seit über 4 Jahren beten wir nun, jede Woche – außer in den Ferien. Der großen Durchbruch, dass viel mehr Leute kommen und das Gebet noch intensiver wird, ein loderndes Feuer, ein rauschendes Fest … haben wir nicht. Noch nicht. Aber – ihr könnt es euch denken – wir beten dafür!

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Und hier der Beitrag als Leiterpodcast, locker erzählt mit ein paar weiteren Hintergrundinfos zum Prozess …

Über Lothar Krauss

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Eine Antwort zu Gemeindeerneuerung: Gebet

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