WORAN GEMEINDEERNEUERUNG SCHEITERT | TEIL 1

Alles ist im Wandel! Die drei Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung fordern uns alle heraus, auch die Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften. Gefühlt ändert sich alles: Die Weltordnung, die Arbeitswelt und die Art, wie wir unsere Beziehungen gestalten. Viele Gemeinden sehen zwar Bedarf für einen Veränderungsprozess, aber sie scheitern auf dem Weg dahin. Woran liegt das? Welche Ursachen wiederholen sich? Was sollten Verantwortliche von Veränderungsprozessen bedenken? Hier der erste Teil einer kleine Serie:

Mein Background: Wertvolle Erfahrungen

Vorab: Veränderungsprozesse sind mein »Leib- und Magenthema«. 5 Prozesse habe ich aus 1. Hand seit 1988 miterlebt und geleitet. Viele weitere Prozesse als Gemeindeberater begleitet.

Nutzen der Serie
Man kann die Texte zur kritischen Diskussion in Leitungskreisen zur Hand nehmen. Sie eignen sich, um sich darüber aufzuregen, sie abzulehnen oder auch als Ausgangspunkt für offene Gespräche zu nutzen. Jeder wie er mag. Vielleicht werden sie hier und da ein nützlicher Anstoß. Denn viele, viele Kirchengemeinden stehen mittelfristig vor dem Aus, wenn sie nicht in einen Prozess der Erneuerung eintreten, bevor es zu spät ist.

Über Veränderungsprozesse habe ich auf dem Leiterblog schon häufiger geschrieben. Keine Serie ist dabei erschöpfend und vollständig. Das ist gut so! Warum? Weil Veränderungsprozesse eben Prozesse sind. Sie brauchen Zeit, entwickeln sich in der Interaktion mit dem Kontext und tragen ihre Frucht über Zeit. Starten wir mit dem ersten Impuls:

FRÜHER – HEUTE – MORGEN

»Das haben wir schon immer so gemacht!« sind bekanntlich die letzten Worte einer sterbenden Gemeinde. Oder einer Organisation, eines Betriebes, Konzerns … Und damit sind es gefährliche Worte. Aber auch emotionale Worte. Mit Früher verbindet sich eine Geschichte, gute Erfahrungen und wertvolle Erinnerungen. Das gilt es zu verstehen und zu würdigen, ohne in eine Rückwärtsbewegung zu geraten.

Alles hat seine Zeit, steht im Buch der Sprüche im Alten Testament. Und so wertvoll die Erfahrungen der Vergangenheit sind, sie lassen sich so nicht wiederholen. Neues kündigt sich an. Deshalb gilt: nicht zu lange beim Alten stehen bleiben. Auch wenn es »wunderbar« war. Das ist die Ermahnung, die Gott durch den Propheten Jesaja seinem Volk mit auf den Weg gibt. Wir können diese Aufforderung auch auf unsere Kirchengemeinden beziehen:

»Doch hängt nicht wehmütig diesen Wundern nach! Bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen! Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon begonnen, habt ihr es noch nicht gemerkt? Durch die Wüste will ich eine Straße bauen, Flüsse sollen in der öden Gegend fließen.« | Jesaja 43:18-19 (HOF)

Schauen wir in die Zukunft oder in die Vergangenheit?

Mit Wehmut an den Wundern der Vergangenheit hängen, kann verhängnisvoll sein. Sich zurücksehnen und deshalb die Vergangenheit reanimieren wollen, ist der sichere Weg in die Sackgasse. Was wäre eine Alternative? Das NEUE, das von Gott kommt suchen, erwarten und zulassen. Es ist Wüstenzeit. Straßen sind verfallen, Flüsse vertrocknet. Die Gegend ist öde geworden. Ja, so kann man vielleicht manche Situation unserer Kirchen beschreiben. Doch Gott macht durch den Propheten deutlich, dass das nicht das letzte Wort ist. Er ist dabei den Zustand zu verändern. »Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun!« Was für eine großartige Perspektive Gott seinen Leuten gibt. Damit fängt alles an. Vertrauen, dass Gott ein neues Kapitel aufschlägt. Dass ER etwas tut, nicht wir! Unser Blick geht in diese Zukunft. Deshalb lautet unsere Kernfrage am Anfang eines Prozesses:


»Schauen wir in die Zukunft oder in die Vergangenheit?«


Ein Kernteam mit dieser Einstellung
Das ist nicht nur eine rhetorische Frage, sondern eine Einstellung, die im Kern der Gemeinde bestehen muss, um durchstarten zu können. Einheit über diese Einschätzung ist wie ein Turbolader: Trauen wir Gott bei uns etwas zu? Alle, die das tun, sollten im Kernteam der Erneuerung zusammenkommen, beten, glauben, sich gegenseitig ermutigen und zusammen loslegen. Das Kernteam besteht aus Leuten, die Einfluss haben und die Entscheidungen herbeiführen können. Idealerweise das Leitungsteam, ergänzt mit weiteren »Influencern«.

FRAGEN, DIE WEHTUN KÖNNEN

Das Kernteam beginnt mit einer Standortbestimmung. Wie bei einem Navi, das zuerst den Standort klärt, bevor es die Route vorschlägt. Diese und weitere Fragen können bei der Standortbestimmung helfen.

Hier ein paar Fragen …

  1. Trauen wir Gott zu, dass er in unserer Wüste etwas NEUES anbrechen lassen will?
  2. Wollen wir im Grunde die »gute alte Zeit« wiederbeleben, oder darf uns Gott mit seinem NEUEN überraschen?
  3. Ist der Maßstab, der an den Erneuerungsprozess angelegt wird, die Wunder unserer Geschichte oder die Wunder der Zukunft?
  4. Woran würde bei uns deutlich werden, ob das NEUE von Gott oder die Reanimierung der Vergangenheit im Zentrum steht?
  5. Welche Personen mit Einfluss hängen an der Vergangenheit und blockieren das NEUE von Gott für uns? Gibt es diese Leute in unserem Kreis?*
  6. Was ist unser wichtigster, nächster, konkreter Schritt, der uns auf den Weg der Erneuerung bringt?

(Einen Begleiter, der unangenehme Fragen stellt? Ein intensives Bibelstudium zum Auftrag der Kirche? Eine Unzufriedenheit mit dem Status Quo? Gespräche im kleinen Kreis mit den einflussreichen Leuten der Gemeinde? Gebetstreffen? Eine Studienreise? …)

*Hier sollte – so das der Fall ist – der Mut aufgebracht werden, einander die letzten 10% zu sagen. Das, was alle denken, aber niemand auszusprechen wagt, wegen des Familiennamens, der guten Freundschaft, den Verdiensten, den Spenden, der spitzen Zunge, der fleißigen Mitarbeit … Nach dem Motto: Wenn wir den verärgern, dann bekommen wir richtig Probleme!


THESE 1: Wenn wir im Rückwärtsgang den Prozess der Veränderung angehen, werden wir scheitern!


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Über Lothar Krauss

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