DIE LEITERFRAGE: MITTEL oder ZWECK?

Wer die Mittel mit dem Zweck vertauscht, wird keinen Volltreffer landen können! Hier ein paar Klassiker. Der (angeblich) größte Streitpunkt in den Ortsgemeinden der Kirche weltweit soll die Frage nach der richtigen Musik sein! Welcher Musikstil ist richtig? Choral, Klassik oder Pop? Oder doch eine Mischung aus Jazz und HipHop? Soll es die »Monokultur Worship« sein, oder doch eine Vielfalt der Lebenserfahrung und Glaubensthemen, die sich in der Musik spiegelt? 

Mittel oder Zweck?

Braucht es einen Chor, eine Band oder den Liturgen, der »a cappella« mit Anleihen von den Gregorianische Chorälen die Gemeinde anleitet? Sollen es Liederbücher, Folien vom Overhead-Projektor oder Präsentationen über den Beamer sein? Songs von Hillsong, Taizé oder aus dem »Gotteslob«? Man könnte das auf den Stil der Predigt, die Art des Gebäudes und die Bühnen- u./o. (Altarraum)gestaltung ausdehnen. Es wurde auch schon über die klassische Bibelstunde als bessere Alternative zu Kleingruppen – und umgekehrt – gestritten! Mega-Churches oder Hauskirchen? Liturgisch oder gechillt? … Wir stoßen damit zur tiefer liegenden Frage vor: MITTEL oder ZWECK?

WENN DAS MITTEL ZUM ZWECK WIRD!

Eine entscheidende Frage!!! Warum? Wenn das Mittel zum Zweck wird, nimmt das »Unheil« seinen Lauf! Viele Organisationen ringen mit dieser Dynamik. Dann wird das Produkt zum Beispiel wichtiger, als der Nutzen für den Kunden. Die Abläufe in der Behörde wichtiger, als der Umgang mit dem Kunden. Die perfekte Umsetzung der Unterrichtsstunde wichtiger, als der Lernerfolg des Schülers. Man könnte diese Liste endlos fortsetzen und auf alle Bereiche des Miteinanders übertragen. Ist der Machterhalt des Politikers wichtiger, als die guten Politik für den Bürger?

MITTEL SIND GUT. MITTEL SIND NICHT DER ZWECK!

Mittel sind Werkzeuge, die in einer bestimmten Situation einen wunderbaren Dienst leisten. Sie sind nie der Zweck. Die Bohrmaschine ist das Mittel, einen Arbeitsprozess leichter voranzubringen, um dem eigentlichen Zweck zu dienen. Wenn aber die Mittel in Wahrheit zum Zweck werden, haben wir »den Salat«!

Seit über 30 Jahren bin ich hauptberuflich in der Kirche aktiv. Dort stoße ich oft auf diese Spannung. Mittel oder Zweck? Gute Mittel, die der Kirche im geistlichen Gemeindeaufbau zur Verfügung stehen sind zum Beispiel: Gebetstreffen, Bibelstudium, Evangelisation, Diakonie, Gottesdienstformen, Stilfragen, Lautstärke, geistliche Übungen, Wege – Gott zu erfahren aber auch Gebäude, Strukturen, Führungsstile usw. Wie viel Streit, Spaltung und Enttäuschung sind in der Auseinandersetzung um die Wahl der Mittel entstanden?

Jedes Mittel, »in der Hand von Menschen«, kann als Zweck entfremdet werden. Da hat die Orgel oder die E-Gitarre eine überhöhte Bedeutung. Ein »Glaubenskampf« könnte entbrennen! Mittel sind wichtig. Unverzichtbar. Manchmal sogar spielentscheidend. Wenn sie aber zum »Zweck in sich selbst« werden, sind sie toxisch. Giftig. Zerstörend.

»Vertrauen ist die Währung der Führungskraft!«

IN DER FCG GIFHORN

In der FCG haben wir zum Beispiel diese Grundüberzeugung: Wir benutzen Veranstaltungen, Projekte und Strukturen, um Menschen zu entwickeln, damit sie Jesus widerspiegeln (Römer 8,29). Alternativ könnte man aber auch Menschen benutzen, um Veranstaltungen, Projekte und Strukturen zu entwickeln. Auf diesem Weg würden sich Menschen dann benutzt, nicht gebraucht erleben! Das würde unser Vertrauen zueinander belasten, Misstrauen fördern und schließlich das Vertrauen zerstören. Vertrauen ist aber die Währung der Führungskraft, ganz gleich auf welcher Ebene.

Ist das Vertrauen verbraucht, kann keine Führung im biblischen Sinne mehr geschehen. Und wenn man es genau nimmt, trifft das auch auf jeden weiteren Kontext zu, in dem Führung benötigt wird. Mitarbeiter »kündigen dann innerlich«, machen »Dienst nach Vorschrift« und sabotieren still und leise die Vision und Mission des Unternehmens, der Organisation, der Behörde. Manchmal einfach nur dadurch, dass sie bewusst passiv sind.

DIE RICHTIGE WAHL DER MITTEL

Die entscheidende Frage lautet: »Welches Mittel ist geeignet, um den Zweck gemäß dem Auftrag am wirkungsvollsten zu verfolgen?« Das ist die Frage jedes Erneuerungsprozesses, jeder Veränderung. Eine entscheidende Frage wenn es nicht darum geht, den Wünschen einer »Interessengruppe« nachzukommen, sondern wenn man »auftragstreu« agieren will. Um eine solide Antwort auf diese Frage zu erhalten, verwende ich seit vielen Jahren für mich ein Schaubild, mit dem ich im letzten Beitrag das Thema eröffnet habe.

Alles eine Frage des Kontextes!

Wichtige Kontextfragen: Was ist unsere Geschichte? Welche Menschen gehören zu uns als Kirche? Welche Talente sind in unserer Mitte? Wer sind wir? Was mögen wir? Wen sollen wir ansprechen? Wer lebt in unserem Umfeld? Welche Kommunikationsformen und Wege sind in unserem Kontext eingeführt? Welche Sprache spricht unser Umfeld? Welche Kunstformen sind prägend? Welche Themen bestimmen die öffentliche Meinung? Was beschäftigt unser Umfeld? Wie ist die Arbeitssituation? Wie der Bildungsstand? Welche Vorbehalte, Gedanken, Einwände – im Blick auf den Glauben und die Kirche – bestehen? …

Die Auftrag ist klar. Der Zweck, den die Kirche verfolgen soll, wird aus dem Auftrag abgeleitet. Die Antworten auf diese (und viele weiterer) Kontextfragen hilft uns, kontextualisiert dem Auftrag in unserem Umfeld zu verfolgen. Das bringt uns dann zur Frage der Mittel:

Welche Mittel sind geeignet? Welche Mittel stehen uns zur Verfügung? Mit welchen Mitteln können wir umgehen? Was ist Stimmig für und mit uns? Welche Mittel können wir uns erarbeiten? Kirchlich gefragt: Ist die klassische Liturgie unsere Stärke, die auch zum Kontext passt und mit der wir den Zweck bestens verfolgen können, den uns der Auftrag vorgibt? Oder wählen wir die Mittel der ICF Bewegung, weil sie zu uns und unserem Umfeld passen? Weil diese Mittel letztlich »unsere Mittel« sind, mit denen wir umgehen können und die für uns und unseren Kontext geeignet sind?

STANDORTBESTIMMUNG

  • Haben wir eine klares Verständnis unseres Auftrages als Organisation?
  • Verstehen wir unseren Kontext?
  • Haben wir unsere Prozessgeschwindigkeit gefunden?
  • Welche Mittel stehen uns zur Verfügung – welche werden gebraucht?
  • Wo sind Mittel für uns zum Zweck geworden?
  • Von welchen Mitteln müssten wir uns verabschieden?

MEIN SCHAUBILD

Über Lothar Krauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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