KIRCHEN, DIE VOLLTREFFER LANDEN!

Wie wird eine Kirche auf den Weg der Erneuerung geleitet, damit sie relevant ist? Relevant für Gott, der seiner Kirche überhaupt erst eine Existenzbegründung gibt und relevant für die Menschen, die durch die Kirche erreicht werden sollen. Was ist nötig, damit sie Volltreffer landet, und nicht nur »stets bemüht« ist? Keine einfache Frage, die auf der anderen Seite viele Emotionen weckt: »Haben wir bisher alles falsch gemacht? Denkt ihr, dass ihr es besser könnt? Die wachsen nur, weil sie unsere Leute anlocken …« Welche Faktoren sind zu bedenken, wenn man eine Kirche auf den Weg der Erneuerung führt?

REFLEKTIERTE PRAXIS

Wenn ich zu diesem Thema schreibe ist es vielleicht wichtig zu wissen, dass ich seit über 30 Jahren aktiv in der Erneuerung von Kirchen vollzeitig tätig bin. Darüber hinaus als Gründer der Gemeindeberatung des BFP mit meinem Team mehr als 700 Beratungen in 8 Jahren begleitet habe. »Tonnen« von Bücher habe ich zum Thema verschlungen, unzählige Gespräche geführt. Aktuell leite ich selbst den 5 Prozess in einer Kirche. Diesmal in der FCG Gifhorn. Mehr zur aktuellen Erfahrung habe ich hier geschrieben.

»Ich will meine Gemeinde bauen.« | Matthäus 16,18

WER BAUT – WER ERNEUERT?

Die Grundlage, auf der – für mich – jeder Prozess der Erneuerung, Neugründung, Wiederbelebung … steht, ist diese Absichtserklärung Gottes: »Ich will meine Gemeinde bauen.« | Matthäus 16,18. Ich verstehe mich damit per Definition »unter höherem Befehl«, in besonderer Beauftragung, als ein Mitarbeiter vom Baumeister der Kirche. Das macht mir Mut, aber auch gelassen und immer erwartungsvoll. Was kann geschehen, wenn ER die Hände im Spiel hat?

DIE WESENTLICHEN KOMPONENTEN

Wenn ich an Gemeindeerneuerung denke, habe ich direkt einige Basiskomponenten im Sinn, die ich für mich selbst – und in der Kirche, in der ich tätig bin – klar bekommen muss.

Die Begriffe der ersten Reihe sind:


AUFTRAG – KONTEXT – PROZESS – MITTEL – ZWECK – VISION


Die Begriffe der zweiten Reihe lauten:


STRATEGIE – STRUKTUR – LEITUNG – MITARBEIT – GABEN – GESCHICHTE – STILE – KONFLIKTE – FAMILIEN – IDEALE


Aus Gründen der Denkklarheit grenze ich diese Begriffe voneinander ab, in der Realität hängen sie zum Teil enger zusammen, als es auf den ersten Blick scheint. Sie nehmen aufeinander Einfluss, manchmal mehr als einem lieb ist.

MEIN SCHAUBILD

In den letzten 30 Jahren habe ich die reflektierte Praxiserfahrung für mich in einem  Schaubild greifbar gemacht, das vielleicht auch anderen helfen kann. Hier ist es:

DIE BEGRIFFE

In diesem Beitrag erkläre ich nun – kurz! –mein Verständnis der Begriffe, wie ich sie verwende. In den nachfolgenden Teilen der Serie vertiefe ich das und gehe auf die Wechselwirkung im System »Kirchengemeinde« ein. Weiter will ich aufzeigen, wo die Brandherde einer Gemeindeerneuerung schwelen, die einen auftragsorientierten Gemeindebau behindern.

VISION
Eine Vision ist das Bild der Zukunft, das begeistert. Um auftragsorientiert Kirche zu bauen, braucht es ein »integriertes Bild«. Ein Bild, das den Auftrag in einer Umsetzung sieht, die zum Kontext passt, prozessorientiert verläuft und die Mittel wählt, die wirksam den Zweck fördern und realisieren. Eine reife Vision bietet dieses Bild.

VISION – ich gebe zu: Manche sind schon von der Vokabel genervt. Ich mag sie, ehrlich gesagt. Vision – SEHEN. Was sehe ich? Gerne werde ich als Leiter nach »meiner Vision« für die Gemeinde gefragt. Diese Frage ist genau genommen uninteressant! Warum? Weil es nicht um »meine Vision« geht. Nicht das, was ich sehe, ist entscheidend sondern das, was Gott sieht! Seine Sicht für seine Kirche, für die Menschen unserer Region, für diese Welt. Es dreht sich alles um »SEINE VISION« und um die Frage, ob unsere »Visionen« (oft nur unsere eigenen Sichtweisen!) sich der Sichtweise von Gott anpassen oder nicht. 

Kommen wir damit zu den Begriffen, die eine große Rolle im Bau und in der Erneuerung von Kirchengemeinden spielen:

AUFTRAG
Der Auftrag bildet die Grundlage des Gemeindebaus. Er klärt die Idee von Gemeinde. Auftraggeber ist Jesus Christus. Er (be)ruft sich Menschen, die er mit konkreten Aufgaben in Rollen und Verantwortungen in seine Kirche stellt. Der Auftrag gibt vor, welchen Zweck (s)eine Kirche erfüllen soll, vorausgesetzt sie will »auftragstreu« handeln. Das ist der Ausgangspunkt, der nicht verhandelbar ist. Wer diesem Auftrag nicht folgen will, ist nicht beteiligt am Bau der Gemeinde von Jesus.

KONTEXT
Der Kontext ist der Zusammenhang, das Umfeld, die Situation, die kulturelle Voraussetzung …, in der eine Kirche ihren Auftrag von Gott umgesetzt. Der Kontext nimmt starken Einfluss auf das WIE der Umsetzung, nicht auf das WAS des Auftrages! Der variierende Kontext ist mit verantwortlich dafür, dass die Kirche von Jesus so vielfältige Ausdrucksformen (gleichzeitig) findet und in der Geschichte gefunden hat. Der Kontext ist sehr vielschichtig und betrifft viele Themen und Fragen. Kontextualisiert zu denken und zu arbeiten ermöglicht es der Kirche, weltweit und zu allen Zeiten relevante Brücken für die unveränderbaren Inhalte zu finden. Sehr cool ist das, finde ich …

PROZESS
Gottes Art ist wird in Prozessen sichtbar. Er schenkt uns vieles in »Saatgutgröße« mit dem Potential, über einen geordneten Wachstumspfad zur Blüte und Reife zu kommen. Das ist besonders für die ungeduldigen Leiter unter uns wichtig zu bedenken. Alles hat seine Zeit und braucht seine Zeit. Auch die Erneuerung einer Gemeinde und ihre Entwicklung profitiert davon, wenn Verantwortliche in Prozessen denken können. Wann ist das Tempo anzuziehen, wann gelassen abzuwarten? Wann spielt das Gebet die entscheidende Rolle, wann Lehre oder Leitung? In Prozessen unterwegs zu sein ist super wichtig. In Prozessen zu denken hat einen Einfluss, der mit dem der Kontextualisierung vergleichbar ist. Manche Gemeindeerneuerung scheitert an diesem Punkt!

MITTEL
Mit den »Mitteln« kommen wir zu einem der richtig schwierigen Punkte. Sozusagen dem Klassiker im Erneuerungsprozess. Mittel und Zweck wird gerne verwechselt, führt zu »Glaubenskämpfen« und zu großem Frust auf allen Seiten. Mittel sind sehr wichtig, weil sie den Auftrag (im Zusammenspiel mit dem Kontext und dem Prozessdesign) so wirksam machen, dass der Zweck erfüllt wird. Mehr in Kürze …

ZWECK
Darum geht es! Fragt man, worin der Zweck eine Kirche besteht, wird man Antworten antreffen können, die nicht grundlegend falsch sind, aber eben oft am Kern der Kirche vorbeigehen. Das Gute ist bekanntlich der Feind vom Besten. Und zuweilen ist es sogar so, dass die Mittel, mit denen man den Zweck verfolgt, zum Zweck selbst werden. Also, was ist der Zweck eurer Kirchengemeinde? In einem Satz. 🙂 Man kann die Frage selbstverständlich auch für jede weitere Organisation, Firma, Unternehmung, Verein … anwenden. Je konkreter dieses Frage (von einer großen Gruppe der Organisation) beantwortet werden kann, je wirksamer ist die Gemeinde (…) unterwegs!

Im nächsten Teil schauen wir die »Trittfallen« an, die einem auf dem Weg der Gemeindeerneuerung begegnen.


Mehr zur Theorie und Praxis von Erneuerungsprozessen findet sich HIER auf dem LEITERBLOG.


 

Über Lothar Krauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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