AUSBILDUNGSBERUF »FÜHRUNGSKRAFT« ???

Immer wieder beschäftigt uns auf dem LEITERBLOG die Frage, wie man zu einer guten Führungskraft werden kann. Meine Freikirche (BFP) fragt seit einiger Zeit, wie wir »pastorale Leiter« ausbilden können, die eine wachsende und multiplizierende Gemeinde leiten können? Wir brauchen Pastoren in unserem Land, die andere entdecken, fördern und freisetzen, damit der Auftrag wirksam umgesetzt werden kann. Leiter, die zu »Heldenmacher« werden. Verantwortliche, die es lieben, wenn ihre »Früchte auf den Bäumen anderer Leute wachsen«.

Wo liegt der Unterschied?

Armin Ruser hat sowohl eine klassische Berufsausbildung als auch ein Studium der Theologie durchlaufen. Er reflektiert im heutigen Blogpost seine beiden Ausbildungserfahrungen und greift dabei Thesen von John Maxwell auf:

Meister des Führungshandwerks werden

Meine erste Ausbildung absolvierte ich in einem Handwerksbetrieb. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich bestätigen: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. An dem einen Tag bei Eis und Schnee auf der Baustelle, am nächsten Tag zum Kabel verlegen in einem Schweinestall und immer wieder mittendrin in neuen, gefährlichen und herausfordernden Aufgaben. Meistens war jedoch ein Meister oder Geselle in der Nähe, den ich fragen konnte und zudem hatten wir regelmäßig Unterricht zum Erlernen der Theorie und mancher Techniken, die es im eigenen Betrieb nicht gab. Nach der Ausbildung fühlte ich mich gut gerüstet für die nächste Stelle als Handwerksgeselle.

Im Theologie-Studium erlebte ich dann einige Jahre später eine völlig andere Dynamik: Obwohl die Praxis meinen Dozenten wichtig war und fast jede Kursbeschreibung einen Praxis-Teil enthielt, bewegten wir uns während des ganzen Studiums weitgehend innerhalb der Komfortzone. Wir bekamen viel Wissen vermittelt, lasen viele Bücher und schrieben viele Hausarbeiten. Das Herausforderndste waren die Prüfungssituationen, in denen wir ein Blatt mit Fragen vorgelegt bekamen oder eine Präsentation halten mussten. Nach dem Studium hatte ich ein schönes Papier in der Hand, aber wirklich gerüstet für die Arbeit als geistliche Führungsperson fühlte ich mich nicht.

Erste Erfahrungen im Gemeindealltag

In meiner ersten Stelle wurde ich kalt von einer massiven Führungskrise erwischt. Damit verbunden waren Vertrauensprobleme und finanzielle Herausforderungen. War ich darauf vorbereitet? Wenn ich das mit der Handwerkslehre vergleiche, dann begann meine theologische Ausbildung erst nach dem Studium – einige Theorie-Einheiten wurden tatsächlich auch nützlich. Vor allem aus den Vorlesungen zu Ethik und Führung habe ich nachträglich sehr profitiert. In einem Führungs-Kurs habe ich unter anderem Leadership von John Maxwell gelesen. Das wurde mir jetzt zu einer guten Hilfe.
Vier Goldstücke aus dem Maxwell-Schatz will ich hier vorstellen:

Vier Goldstücke von Maxwell

Das Prinzip des Deckels

Führungsfähigkeit ist der Deckel, der die Wirksamkeit eines Menschen bestimmt.

Schlechte Führung deckelt die Wirksamkeit von Geführten. Gute Führung kann die Wirksamkeit vieler Menschen richtig zur Entfaltung bringen: Kreativität wird frei, wunderbare Produkte entstehen, Menschen wird geholfen, … – kaum etwas bleibt unmöglich. Wer bei diesem Gedanken keine Gänsehaut bekommt, der darf jetzt gerne aufhören zu lesen.

Des Prinzip der Entwicklung

Werden Führungspersönlichkeiten geboren? „Natürlich“, antwortet John Maxwell sinngemäß, „oder haben Sie schon mal eine Führungspersönlichkeit gesehen, die anders auf die Welt kam?“

Manche Menschen haben tatsächlich einen gewissen Vorsprung aufgrund ihres natürlichen Charismas oder wegen ihrer Intelligenz oder anderen Faktoren. Spannend jedoch ist, dass es oft gerade nicht diejenigen mit den besten Voraussetzung sind, die es später als Leiter am weitesten bringen. Vielmehr ist die konsequente Weiterentwicklung – Lernen, Üben, Lernen, Üben, … – auf Länge der Zeit gesehen oft der stärkere Faktor in der Gleichung.

Das Prinzip des Lenkens

Ich frage mich, ob es bei diesem Prinzip nicht mehr um das Denken, als um das Lenken geht. Jedoch liegen für Führungskräfte diese beiden Begriffe so eng beieinander, dass wir uns diese Diskussion vielleicht auch sparen können. Strategisch zu denken und verantwortlich voraus zu planen, gehört zu den Kernaufgaben eines jeden Menschen, der Verantwortung für andere übernimmt. Maxwell fasst das in folgendem Akronym wunderbar zusammen:

PLANE VORAUS

Prioritäten definieren
Leitende Mitarbeiter informieren
Aktionsplan bestimmen
Navigationsziel darlegen
Ergebnis kontrollieren

Verliere nicht den Mut
Orientiere dich am großen Ganzen
Räume genug Zeit ein, dich daran zu gewöhnen
Aktiviere alle Kräfte
Ueberprüfe täglich den Arbeitsplan
Schaue und feiere Erfolge

Während ich das schreibe, bin ich gerade selbst wieder herausgefordert, diese Punkte konsequent umzusetzen. Würde es in unseren Teams, Gemeinden und Unternehmen nicht viel besser aussehen, wenn wir nur diese Schritte konsequent umsetzen würden?

Das Prinzip der Bevollmächtigung

Als ich das Kapitel zum Prinzip der Bevollmächtigung las, fühlte ich mich zu einem ehrlichen Blick in den Führungsspiegel herausgefordert. Gerne stelle ich die Fragen, mit denen ich mich reflektiert habe zu deiner eigenen Verwendung zur Verfügung:

Wie sicher stehe ich selbst?

  • Fühle ich mich bedroht, wenn andere um mich herum besser werden? Oder fange ich an, innerlich zu jubeln? Wer von der Angst um seine Position gesteuert wird, kann seiner Organisation massiven Schaden zufügen.

Gebe ich anderen einen sicheren Rahmen?

  • Hier geht es weniger um die eigenen Ängste als um die der Mitarbeiter. Das Thema ist aber genauso ernst. Mitarbeiter sollen sich entfalten können und in unserer Zeit meistens kreative Leistungen erbringen.
  • Wenn sie durch Unsicherheiten in der Organisation oder in Beziehungen verunsichert sind, können sie jedoch nicht die beste Version ihrer selbst sein. Unsere Aufgabe als Leiter ist es, diese Unsicherheiten zu beseitigen.

Bin ich ein wirklicher Diener?

  • Beim Leiten geht es nicht um den Leiter, sondern um die Mission, für die er arbeitet und um die Menschen, die er führt. Diese dienende Grundhaltung macht vieles möglich.
  • Nimm dir einen Moment Zeit und male dir vor Augen, welche Zukunft möglich sein kann, wenn die Menschen, die uns anvertraut sind, zur besten Version ihrer selbst werden. Und dann: An die Arbeit!

“It is amazing what you can accomplish if you do not care who gets the credit.” | Harry Truman

Armin Ruser hat seine Reflexionen zu den Impulsen von Maxwell auf seinem Blog in einer Serie verarbeitet. Sie ist hier nachzulesen.

STELLENANGEBOT:

Armin Ruser sucht als Leiter der G5 Meine Kirche einen Nachfolger.

© Foto Knut Burmeister www.alltagmedia.de
Armin Ruser lebt in Süddeutschland und setzt sich in unterschiedlichen Wirkungsfeldern dafür ein, dass Menschen zur besten Version ihrer selbst werden. Sein jüngstes Unternehmen leistet mit T-Shirts, die von befreiten Sklaven in Kolkata (Indien) hergestellt werden, einen Beitrag für mehr Freiheit und Würde. Für AHA!Erlebnisse sorgt seine AHA Factory und als Leiter von G5 Meine Kirche sucht er gerade einen Nachfolger.

Über lotharkrauss

Ehemann | Vater | Pastor | Blogger | Netzwerker
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