OSCAR MURIU ZU WILLOW CREEK IN ZEITEN DES STURMS

Heather Larson, Lead Pastor der Willow Creek Community Church

Was sagt man einer Kirche, die durch Zeiten des Sturms geht, wie nie zuvor? Was sagt man über einen Leiter, der weltweit Verantwortliche begleitet hat, eine Segensspur hinterlässt wie wenige in seiner Generation, der aber am letzten Dienstag sich aus seinen offiziellen Rollen (tragisch) verabschiedet hat?! OSCAR MURIU, Pastor der Nairobi Chapel stand vor dieser Aufgabe am letzten Wochenende.

WILLOWS ERSTER GOTTESDIENST »NACH BILL«

Der erste Gottesdienst nach diesem Beben am Dienstag, der erste Gottesdienst nach dem Ausscheiden von Bill Hybels ist wieder zu einem großartigen Beispiel dafür geworden, wie eine Kirche auf so „schwere See“ reagieren kann. Welche Songs, welche Worte, welche Punkte werden gesetzt, um Orientierung, Raum für Trauer, Ärger, Enttäuschung … zu geben. Wird jemand verurteilt? Rechtfertigt man sich? Geht man schnell zum nächsten Punkt?

Seit über 25 Jahren beobachte und lerne ich an den Entwicklungen von Willow. Unzählige Predigten, Gesprächsrunden für Leiter (Defining Moments), Videos, Bücher, Audios, Konferenzen … habe ich in der Zeit mit Gewinn besucht, gelesen, gehört … Der LEITERBLOG hat hier einen wichtigen Anstoß und Ausgangspunkt bei Willow genommen. Nun also ein nächster, ganz besonderer Moment in der Geschichte dieser bemerkenswerten Kirche. Ich war gespannt. Und berührt!

OSCAR MURIU

Oscar Muriu ist ein bemerkenswerter Leiter. Er ist ein guter Freund von Dave Ferguson, der mir von ihm häufiger erzählt hat und ihn sehr empfiehlt. Muriu leitet eine dynamische Gemeinde, die Nairobi Chanel. Das ist eine wachsende Kirche mit Schwerpunkt auf Multiplikation, Jüngerschaft und Gemeindegründung. Er spricht oft auf den EXPONENTIAL Konferenzen und zu weiteren internationalen Gelegenheiten. 2013 gehörte er zu den Sprechern des »Global Leadership Summit« (GLS) in South Barrington. Er unterhält auch enge Verbindungen nach Deutschland und ist als ein Förderer für Leiter und Gemeindegründungen hierzulande aktiv.

Oscar Muriu war schon länger für diesen Sonntag eingeladen. Sicher unter anderen Voraussetzungen und nun diese spezielle Situation. Jetzt war es für mich spannend zu sehen, wie er reagieren würde! Was würde er zu Willow sagen? Was (über) zu Bill Hybels (der ja nun nicht mehr da war)? 

Er erzählte, dass ihre erste Reaktion auf die Nachrichten von Willow in der Nairobi Chapel diese war:

»Als wir zuerst in Kenia davon hörten war unsere spontane Reaktion die, dass wir den Karfreitag ausgesondert haben, um für Willow zu beten und zu fasten.«

6 spannende Minuten

Die Passage, in der Oscar Muriu Willow und Bill anspricht, ist von Minute 36:30 – 42:30 hier zu sehen. Er gibt darin ein wertvolles Beispiel, wie Verantwortliche mit dieser schwierigen Situation öffentlich umgehen können. Well done Oscar …!

Herausfordernde Zeiten für Willow

Richtig interessant fand ich auch den Blogbeitrag von Jodi Walle, die sieben Jahre als Assistentin für JOHN ORTBERG bei Willow tätig war. Ihr Beitrag wirft ein Licht auf den Hintergrund, der bei anderen Beiträgen unbedacht bleibt. Sie stellt John Fragen, die richtig kernig sind. Mehr hier (klick das Bild).

Über lotharkrauss

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13 Antworten zu OSCAR MURIU ZU WILLOW CREEK IN ZEITEN DES STURMS

  1. H. Richert schreibt:

    Also der Brief von Jodi Walle ist unterste Schublade. Wenn sie wirklich Vorwürfe hat, soll sie das machen, aber Ortberg seine Jokes (die sie zu dem Zeitpunkt natürlich mitgemacht hat) vorzuwerfen in dem Sinne „Ich könnte dich auch drankriegen“ ist richtig niveaulos. Zugleich macht sie bei der Willow-Schiene mit, Ortberg hier niedere Motive zu unterstellen. Wenn Ortbergs den Opfern nicht ihre Stimme verliehen hätten, wäre nie was passiert – jetzt müssen sie den Preis dafür zahlen, dass sie den Opfern geholfen haben

    • lotharkrauss schreibt:

      Woher weißt Du, dass die Opfer/Ankläger nicht die Täter sind? Meines Wissens ist das im Augenblick noch völlig ungeklärt.

      • Matze schreibt:

        Es gibt einige Hinweise darauf in den amerikanischen Medien, dass die Vorwürfe wahr sind, auch z.B. wenn 2 Buchprojekte gestoppt wurden, was in der obigen Aufstellung fehlt. Das macht man auch nicht ohne Grund. Und ausserdem: welche Substanz oder Besonderheit hat der Beitrag von Oscar, ausser dass er Willow lobt und seine und die Unterstützung vieler anderer Christen erklärt. Zu dem Problem bei Willow keine einzige substanzielle Aussage! Meinen Sie nicht dass Sie als Mitglied im Willow Creek Vorstand zu diesem Thema nicht auch voreingenommen sein könnten?

  2. U. Dewitz schreibt:

    Mir scheint an der Geschichte ist ja das Entscheidende, ob die Frauen gehört wurden, als sie etwas sagen wolten.
    Jodi Walle will ncihts sagen, also sind ihre vorhaltungen problematisch.
    Ob die anderen Frauen gehört werden wollten weiß ich nicht. Wenn Ortbergs sich zum Sprecher machten, ohne Auftrag, dann wirds ganz schwierig.
    Ortberg hat auf den breif nciht geantwortet..
    Aber scheinbar hat Bill auf die Anschuldigungen nicht angemessen/ nicht zufredenstellend reagiert.

  3. lotharkrauss schreibt:

    Nein, ich denke nicht das ich voreingenommen bin. Alle mir verfügbaren Quellen frei und offen zugänglich in den drei Beiträgen auf dem LEITERBLOG verfügbar zu machen, sozusagen sowohl den Ältesten … von Willow, als auch den Anklägern eine Stimme hier zu geben, verdeutlicht das.

    Die beiden gestoppten Buchprojekte sind im zweiten Beitrag zur Situation (Bill Hybels tritt zurück) aufgeführt. Welche Hinweise kennen Sie, die belegen, dass die Vorwürfe wahr sind?

    Bekannt sind bislang Vermutungen, Anschuldigungen, Unterstellungen, Meinungen … Und diese verwirren, machen traurig, belasten …, weil alle Personen, die darin beteiligt sind, hohe Wertschätzung bei vielen von uns genießen, auch bei mir.

    Deshalb wird in allen Beiträgen auf dem LEITERBLOG keine Aussage getroffen die besagt, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht. Das liegt außerhalb meines Vermögens! Und nicht nur als ein Mitglied im Vorstand von Willow Creek Deutschland, sondern auch als ein deutscher Staatsbürger, der die Rechtsstaatlichkeit schätzt, ist mir der Grundsatz teuer: »In dubio pro reo« (lat. »Im Zweifel für den Angeklagten«). Solange nicht die Schuld nachgewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Das wünsche ich für mich selbst und das möchte ich auch jedem anderen zugestehen.

    Besonders bei Oscar Muriu finde ich, dass er und die Gemeinde dort – als sie von der Situation bei Willow hörten – einen Fasten- u. Gebetstag ausgerufen haben. Das ist ein starker Punkt der die Frage an uns alle stellt, wie wir reagiert haben! Bemerkenswert finde ich auch, dass er – obschon die Situation so schmerzhaft für ALLE (!) ist doch nicht vergisst, wie viel GUTES durch Willow und Bill Hybels in vielen Teilen der Erde und für viele Menschen geschehen ist. Das besagt ja nicht, dass die Vorwürfe nicht stimmen könnten. Es besagt einfach, dass man alles sehen sollte und das GUTE behalten kann. Dass er weder Bill Hybels einen Freibrief ausstellt noch sonst Partei ergreift macht ihn zu einem Vorbild im Umgang für alle die, die keine wirklich letzte Kenntnis zu den Vorgängen haben. Und das dürften so gut wie alle sein. Das so zu sehen erfordert nicht, dass man im Vorstand von Willow Deutschland ist. Aber als Vorstand habe ich gute Gründe es genau so zu sehen, bis das Gegenteil bewiesen ist. Und wie gesagt, diese Beweise sind mir und uns im Vorstand zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Deshalb kann ich mich voll und ganz mit dem Statement unseres geschäftsführenden Vorstandes von Willow Creek Deutschland identifizieren, das so geht (Auszug):

    »Selbstverständlich wollen wir in keine der denkbaren Richtung Vor-Verurteilungen unterstützen, sind aber nach allem, was wir derzeit wissen, überzeugt, dass die Ältesten der Gemeinde die Situation von Anfang an in größtmöglicher Sorgfalt und Unabhängigkeit behandelt haben. Wir bitten deswegen auch von unserer Seite darum, diesen Konflikt mit Integrität zu begleiten und um Versöhnung und Heilung für alle Beteiligten zu beten.«

  4. Michael schreibt:

    Liebe Leute, als ob wir alles besser wüssten. Hier ist Fürbitte gefragt und keine Schuldverteilung, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Lasst uns aufhören, aus der Ferne Mutmaßungen anzustellen. Lasst uns vielmehr als Leiter beten.

  5. BMueller schreibt:

    Zunächst einmal sollten die sog. Unschuldsvermutung sowie der Begriff „in dubio pro reo“ klar auseinander gehalten werden, die mehrmalige fälschliche Vermischung macht diese nicht richtiger.

    Ich habe lange überlegt, ob ich mich zu dieser Thematik äußere. Nur leider habe ich den Eindruck, dass jegliche Äußerung, welche die Unschuld von B. Hybels in der Sache in Frage stellt, als unbegründet und unchristlich zurückgewiesen wird, während in ständiger Wiederholung beteuert wird, eine Vorverurteilung wäre falsch und unchristlich. Ebenso ist es aber falsch, die teilweise gut begründeten Vorwürfe als gelogen abzutun bzw. diese ständig anzuzweifeln, denn auch dies stellt eine Vorverurteilung der mutmaßlichen Opfer dar. Ausgewogene Berichterstattung ist das nicht. Dies würde mich gar nicht so stören wenn denn eingestanden würde, dass eben doch eine gewisse Parteilichkeit gegeben ist. Eine solche Parteilichkeit des Blogs ist sogar nachvollziehbar, ein Abstreiten derselben aus meiner Sicht weniger.

    Zum offenen Brief von Jodi Walle möchte ich mich dem ersten Kommentar anschließen und bekräftigen: Whataboutism und victim blaming. Wirklich schade und der Sache nicht zuträglich, aber leider auch Alltag im Umgehen mit mutmaßlichen Opfern.

    • lotharkrauss schreibt:

      Frage: An welcher Stelle wird in einem Beitrag des LEITERBLOGS die Frage einer Schuld von Bill Hybels als unchristliche oder unbegründet zurückgewiesen?

      • BMueller schreibt:

        Hallo Herr Krauss,

        danke für Ihre Antwort.

        „Einige »wissen es genau« und brechen den Stab über Hybels, Willow, diesen Ansatz von Gemeindebau! Was kann einen daran freuen? Andere verteidigen Bill und die Ältesten ebenso ohne Sachkenntnis. Das hilft auch nicht. Fragen sind zu stellen: Was sind genau die Gründe, die zum Rücktritt führten?“ (Veröffentlichung auf der-leiterblog.de vom 11. April 18, „Bill Hybels tritt zurück“).

        „Dass kein anderer Weg gefunden wurde, als nun über die Medien. Der Weg wurde von der Gruppe um John u. Nancy Ortberg gewählt, die ich sehr respektiere, was es für mich noch schwerer macht!
        Der Sache des Reiches Gottes ein weltweiter Schaden schon jetzt zugefügt wurde. […]
        … dass die Forderungen der „Gegner“ mich irritieren und ich sie auch inhaltlich nicht ganz nachvollziehen kann (mit meinem begrenzten Einblick!).
        … dass die „Beweislage“ sich doch auch sehr anders verstanden werden kann, als es die Presse darstellt.
        Ich überlege, wann Anliegen der christlichen Gemeinschaft in der Presse authentisch rübergekommen sind. Ich habe nicht viele gute Erinnerungen!!!
        Ist das hier wieder so, frage ich mich!
        Auch die Frage der Verhältnismäßigkeit beschäftigt mich.“ (Veröffentlichung auf der-leiterblog.de „Anschuldigungen gegen Bill Hybels“).

        Das sind zwei Zitate, in denen ich genau dies lese, was ich in meinem ersten Post beschrieb.
        Wie gesagt, ich habe grundsätzlich mit einer Disposition zu einer der beiden „Seiten“, auch hinsichtlich Ihres persönlichen Hintergrundes, gar kein Problem. Dies ist Ihre website und keine neutrale Instanz, von daher aus meiner Sicht alles im grünen Bereich.

        Nichts desto trotz hätte ich mir von Anfang an mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung gewünscht. Diese kam langsam aber sicher durch die Veröffentlichung auch der „anderen Seite“.
        Auch in heutigen Zeiten ist es selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft für Opfer von Sexualdelikten immer noch sehr schwer, an die Öffentlichkeit zu gehen. Dies liegt u.a. auch an unserer (ich nehme mich da nicht aus!) Reaktion, vor allem auch oder gerade deshalb, in christlichen Kreisen, sofort mit Beschwichtigungen, Vergebungsreflexen und -aufforderungen u.ä. zu argumentieren. Aufrichtigkeit und Vergebung haben natürlich für uns Christen einen wichtigen Platz auch in solchen stürmischen Zeiten, aber ein ständiges Verweisen darauf nimmt Opfern sehr schnell jeglichen Mut und drängt sie zurück in die Isolation.

        Den offenen Brief von Jodie Walle, den ich im zweiten Teil meines ersten Kommentars anspreche, ebenso wie die Äußerungen anderer Dritter, rechne ich Ihnen auch gar nicht als Ihre Meinung an, das ist hoffentlich deutlich geworden.

  6. lotharkrauss schreibt:

    Hallo Herr/Frau BMueller! Lieben Dank, dass Sie sich die Zeit zur Konkretion genommen haben. Allerdings kann ich in Ihren Zitaten nicht erkennen, wo ich die (berechtigte!) Frage einer Schuld von Bill Hybels als unchristlich oder unbegründet zurückgewiesen habe?

    • BMueller schreibt:

      Wenn Sie dies damit nicht ausdrücken wollten, nehme ich dies so an und möchte mir dennoch den Hinweis erlauben, dass man diese Formulierungen durchaus als Vorwurf der unbegründeten Anschuldigung und damit der Unehrlichkeit verstehen konnte. Wenn Sie dies so nicht implizieren wollten, dann glaube ich Ihnen natürlich und korrigiere mich dahingehend.

      Leider wurden einige der Blog- und Facebook – Kommentare von Dritten schon deutlicher. Aus meiner Sicht bei aller persönlichen Enttäuschung leider keine gute Diskussionskultur.

      • lotharkrauss schreibt:

        Danke.

        Mir geht es wie eigentlich allen, die nicht wirklich Einblick haben: Ich bin irritiert, weiß nicht wirklich was ich denken soll, kann mir (und will mir) nicht vorstellen, dass die Ortbergs, Nancy Beach … vorsätzlich die Unwahrheit sagen, kann (und will) mir das bei Bill Hybels und den Ältesten auch nicht vorstellen! Aber was heißt das schon.

        Unabhängig davon bin ich auch nicht in der Lage, überhaupt dazu ein abschließendes Urteil zu fällen. Auszuschließen, dass sich alles noch ganz anders darstellen kann, als es im Moment scheint (so oder so!), wäre sicher nicht sinnvoll. Außer man will, dass es sich so oder so verhält. Nun gut, nicht meine Grundeinstellung.

        Mich wundert daher, dass sich manche in der einen oder anderen Richtung so sicher sind und ein festes Urteil bereits fällen. Dass das Ganze nun über die Medien veröffentlicht wurde, bekomme ich auch nicht (wie viele andere) mit 1. Korinther 6 nicht zusammen. Der Schaden ist riesig, für alle Seiten.

        Dass Oscar Muriu und seine Kirche direkt einen Fasten- u. Gebetstag angesetzt haben ist eine Reaktion, die wohl eher selten ist. Vorbildlich ist sie – aus meiner Sicht – allemal.

        Aus diesen Überlegungen finde ich es gut, wie sich der geschäftsführende Vorstand von Willow Deutschland dazu gestellt hat (sie oben). Die weiteren Vorstandsmitglieder, zu denen ich auch gehöre, teile diese Sicht in vollem Umfang. So ist der Stand heute. Bei neuen Fakten wird alles noch einmal neu bedacht. Diese Spannung müssen wir wohl alle, die betroffen und traurig über die Entwicklung sind, jetzt aushalten.

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