BILL HYBELS tritt zurück!

Heute Nacht hat Bill Hybels bekanntgegeben, dass er mit sofortiger Wirkung als Senior Pastor der Willow Creek Community Church zurücktritt und nicht als Sprecher und Gastgeber beim Global Leadership Summit (GLS) 2018 dabei sein wird.

Ist das ein Schuldeingeständnis? War der persönliche Druck zu hoch? Wollte Bill den Druck, der durch die Anschuldigungen entsteht, von Willow wegnehmen? Wollte er Schaden von »seinem Lebenswerk« abwenden? Doch der Schaden, der durch die Entwicklung für die Willow-Kirche und die Association entstanden ist, ist schon jetzt groß!

Die Gemeinde wird ab sofort von Heather Larson und Steve Carter geleitet. Die Nachfolgeregelung, die im Oktober vollzogen werden sollte, ist vorgezogen worden. Tom De Vries leitet als Präsident das Team der Willow Creek Association (WCA). Dick DeVos ist der Vorsitzende des Board of Directors der WCA.

Gründe?

Nicht wenige sind verwirrt! Einige »wissen es genau« und brechen den Stab über Hybels, Willow, diesen Ansatz von Gemeindebau! Was kann einen daran freuen? Andere verteidigen Bill und die Ältesten ebenso ohne Sachkenntnis. Das hilft auch nicht. Fragen sind zu stellen: Was sind genau die Gründe, die zum Rücktritt führten? Was wurde gesagt, was vermissen Kritiker wie die langjährige Älteste von Willow, Betty Schmidt?

Überzeugend oder nicht?

In den sozialen Medien wird deutlich, dass die Stellungnahmen nicht alle überzeugen, sogar als flach und nicht hilfreich empfunden werden. Vieles bleibt offen, die Vorwürfe gegen Bill nehmen gleichzeitig zu (siehe Vonda Dyer Statement – am Ende des Posts). Andere fragen sich, weshalb es keinen anderen Weg zur Klärung gab, als den über die säkularen Medien? Sie verweisen auf 1. Korinther 6 dabei. Fragen bleiben offen und viele Verantwortliche wissen nicht, was sie mit der Situation machen und was sie denken sollen.

An dieser Stelle trage ich die Informationen zusammen, die dazu beitragen können, die Vorgänge besser zu verstehen. Der Beitrag wird immer dann ergänzt werden, wenn es dieser Fragestellung dient. Bisherige Berichte dazu habe ich hier veröffentlicht.

Der hohe Anspruch an Leiter

Einmal mehr wird deutlich, wie entscheidend es für uns Leiter ist, nicht nur mit Kompetenz, sondern auch mit Charakter und klaren Werten zu leiten. Das habe ich so oft von Bill Hybels gehört und mir den Punkt als Richtschnur genommen. Jetzt sieht es so aus, als ob es ihm nicht gelungen ist, sich daran zu halten. Zumindest werfen ihm das seine Kritiker vor. Wir bleiben in der jetzigen Phase bei diesem Grundsatz: »In dubio pro reo« (lat. »Im Zweifel für den Angeklagten«)

Was wirft Bill Hybels sich selbst vor?
Bevor wir hier seinen O-Ton hören, noch eine Überlegung: Wann reicht schon der Verdacht aus, um die Rolle des Leiters nicht mehr mit vollem Vertrauen wahrnehmen zu können? Selbst Situationen, die Interpretationsspielraum lassen, scheinen schlimme Folgen nach sich ziehen zu können. Was bedeutet das für Verantwortliche? Mehr dazu in späteren Beiträgen auf dem LEITERBLOG. Jetzt zur Sache als solches:

Auszug aus der Stellungnahme von Bill Hybels

Die Erklärung die auf der Gemeindeversammlung gegeben wurde, ist HIER zu lesen. (Die deutsche Übersetzung der Erklärung ist hier zu lesen):

Ein Auszug aus der Erklärung von Bill, die sich auf seine Fehler bezieht, poste ich direkt hier:

»Lasst mich jedoch in aller Demut drei Dinge anerkennen, die ich getan habe:

Erstens: Meine erste Reaktion auf einige dieser jüngsten Anschuldigungen war Zorn. Ich bekenne, dass ich mich in den letzten Wochen sehr geärgert habe, als ich zusehen musste, wie zu Unrecht erhobene verletzende Anschuldigungen die Runde machten. Ich fühlte mich angegriffen und wusste, dass meine Lieben und diese Gemeindefamilie davon betroffen sein würden. Ich wünsche mir aufrichtig, meine erste Reaktion wäre vom Zuhören und demütigen Reflektieren geprägt gewesen. Wenn ich noch einmal zurückgehen könnte, würde ich zuerst zuhören und danach versuchen wollen zu lernen und zu verstehen. Ich entschuldige mich für eine Reaktion, die verteidigend war, anstatt einer Reaktion, die zum Gespräch und zum Lernen einlud.

Zweitens: Mir wird jetzt klar, dass ich in der Vergangenheit in bestimmten Situationen und unter bestimmten Umständen manches kommuniziert habe, das auf eine Art ankam, die ich nicht beabsichtigt hatte und die einigen Leuten bisweilen unangenehm war. Ich war viel zu lange blind für diese Dynamik. Das tut mir sehr leid.

Drittens: Ich habe mich zu oft in Situationen gebracht, die zu vermeiden weitaus klüger gewesen wäre. Ich war manchmal naiv, was die Dynamik angeht, die diese Situationen hervorbrachten. Es tut mir leid, dass mir da die Weisheit fehlte. Ich verpflichte mich dazu, mich in Zukunft nie wieder in eine ähnliche Situation zu bringen.

Außerdem möchte ich anerkennen, dass solche Anschuldigungen jederzeit mit großer Demut und Ernsthaftigkeit entgegengenommen werden müssen. Ich bekräftige Ihnen gegenüber, dass ich diese Anschuldigungen sehr ernst genommen habe, ebenso wie die Ältesten unserer Gemeinde. Während einige der Geschichten, die über mich erzählt wurden, irreführend und andere völlig falsch sind, und während die Untersuchungen zu keinen Hinweisen auf Fehlverhalten geführt haben, wurde ich durch diese Anschuldigungen ernüchtert, und wie ich bereits sagte, habe ich den Rat von weisen Ratgebern, Freunden und Familienmitgliedern gesucht, die mir dabei helfen, mich in einem Prozess der demütigen Reflexion zu unterziehen.«

Am Ende des Abends …

… wird Hybels mit seiner Familie vorerst verabschiedet. Das haben sich sicher alle anders vorgestellt. Was für ein trauriger Moment. Für Lynne u. Bill Hybels nach 42 Jahren Willow, für die Kinder, die ganze Gemeinde.

RESONANZ in den MEDIEN

Christliche u. säkulare Medien reagieren auf den Rücktritt. Hier eine Auswahl:

Tom De Vries – Reaktion gegenüber Christianity Today

Tom De Vries

Tom De Vries ist der Präsident der Willow Creek Association (WCA). Gegenüber Christianity Today sagte er:

A week earlier, he said, the pastor had voluntarily stepped from the WCA board at a regular board meeting. “He came into the conversation and was burdened by all the things that were going on and how the controversy was affecting the Global Leadership Summit,” said De Vries.

Some of the simulcast sites were concerned about Hybels continuing on as host, and didn’t know if they could promote the event if he remained part of it. For now, it’s not clear who will host the summit this year. Several speakers from the past have called and offered to help out.

De Vries said that Hybels could return to the WCA and the leadership summit in the future—after a time away. In order to return, he said, Hybels and his counselors would have to come up with specific outcomes—and show proof that those outcomes had been met.

De Vries said he’s seen some contrition with Hybels behind the scenes. More is likely needed, he said. That’s something he hopes Hybels’s counselors and advisers will work on. Hybels would also need to make amends—where needed—to anyone he has hurt.

“We hope there will be a mending of the wrongs that have been done,” he told CT. Der ganze Beitrag ist hier zu lesen.

JODI WALLE, EXECUTIVE ASSISTANT TO JOHN ORTBERG …

… FOR 7 YEARS schreibt einen offenen Brief an John Ortberg, der einen wichtigen Kontext aufzeigt! SEHR LESENSWERT! (Ein Klick auf das Bild führt zum Brief)

Es ist die Frage aufgetaucht, ob die Quelle authentisch ist, Jodi Walle tatsächlich Assistentin von John Ortberg war. Hier die Quelle dazu. Auch die Frage, ob der Text tatsächlich von Jodi Walle stammt, konnte über direkte Kontakte als zuverlässig geklärt werden.

Kritische Reaktionen auf den Rücktritt

Nancy Ortberg schildert ihre eigenen Erfahrungen mit Bill Hybels die sie dazu bewegt haben, die Anschuldigungen nicht fallen zu lassen. Sie berichtet davon, wie sie die Anschuldigungen zu den Ältesten gebracht hat und was dann geschah. Mehr hier.

Foto: Twitter Account von Nancy Ortberg

Nancy Beach reflektiert den Abend und das Statement von Bill Hybels kritisch. Hier ihre Gedanken als eine Frau, die schon zur Jugendgruppe von Bill gehörte. Sie meint: »Man kann nicht einfach weitermachen!« 

Foto: Webseite www.nancylbeach.com

Betty Schmidt, eine Älteste von Willow für über 30 Jahre (sie war auch schon in Deutschland zu Willow Events) sieht den Vorgang kritisch. Sie vermisst:

  • Konkrete Punkte im Statement von Bill. Für sie ist alles zu allgemein: keine konkreten Situationen wurden angesprochen, keine konkrete Entschuldigung bei Menschen, die betroffen seien, ausgesprochen.
  • Sie vermisst Reue bei Bill, das Bekenntnis von Schuld und die Bitte um Vergebung bei den Betroffenen.
  • Auch sagt sie, dass das Statement von Willow auf der Webseite unter Punkt 5, der auch sie als ehemalige Älteste betrifft, nicht zutrifft.

Ihr Statement zu den Ereignissen hat sie hier gepostet. 

Vonda Dyer gab ein Statement zu den Vorfällen vor bald 20 Jahren ab und ergänzte es mit etlichen weiteren konkreten Situationen. Es ist hier zu lesen.

Foto: http://worshipvoice.com

 

 

Steve Carter schreibt der Willow Gemeinde

Nun geht es weiter bei Willow. Wie greift Steve, der neue leitende Pastor für Predigt und Lehre die Situation auf und wie versucht er, der Gemeinde durch diese Zeit zu helfen. Hier ein Auszug aus seiner Mail an Willow:

Foto: www.willowcreek.org

 

»Dear Willow,

This has been a difficult week with the news of Bill’s early retirement. The marching orders I’ve heard in my chair time over the past few weeks have been to simply honor Christ and pastor our congregation. So that’s what we’re going to do. We will learn from this, we will grow closer to Christ through this, and we will continue to address any concerns head-on. Let’s keep gathering together to rally around Christ through worship and the Scriptures at our weekend services. …«

Buchverlage reagieren!

Zwei Buchverlage reagieren: Tyndale House Publishers stoppt das Buchprojekt »Everyone Wins When a Leader Gets Better«, das im August 2018 zum GLS hätte erscheinen sollen, InterVarsity Press gab bekannt, dass sie das Buch »Who You Are When No One’s Looking« nicht mehr nachdrucken, da es sich bei diesem Titel gerade auch um Fragen moralischer Integrität dreht. Zondervan wartet noch ab und beobachtet, wie sich die Sache weiter entwickelt. Mehr Infos dazu bringt die Chicago Tribune hier und The Christian Post.

Foto Titel: © Claudia Börner/Willow Creek
Weitere Fotos: Bildschirmfotos Family Meeting at Willow, Willow Creek Association oder mit direkter Quellenangabe

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5 Antworten zu BILL HYBELS tritt zurück!

  1. Matze schreibt:

    Meine Meinung dazu
    Dieses Beispiel zeigt doch wie im Brennglas unabhängig der Schuld oder Unschuld von Bill Hybels
    in welcher großen Krise in fromme Bewegung und auch vor allem damit auch die Leiterschaft gerade auch durch Lehren von Bill Hybels steckt:
    – Es geht nicht um starke Leiterpersönlichkeiten, sondern um Leiter, die einen starken Herrn verkündigen, dann aber demütig rechtzeitig zu ihren Fehlern und Schwächen stehen und zu ihrer Begrenzheit stehen und nicht die Helden mimen.
    – Es ist nicht „die Gemeinde die Hoffung der Welt“ Wenn das so wäre, wäre es mir Angst und Bange, sondern es ist Jesus. Es geht nicht um die Werke. Wie schreibt in den Staaten jemand zu diesem Thema so schön: Gemeinde ist zum Geschäft geworden und damit ist die Moral auf der Strecke geblieben.
    – Wo ist die kritische Auseinandersetzung in Gemeinden und unter Leitern zu extremen Auswüchsen in Gemeinden weltweit wie sexueller Mißbrauch, Soaking, Sarantos trinkende und grasfressende Christen usw.? Wer das kritisiert ist doch nur Nestbeschmutzer. Nein es muß darüber geredet werden und Dinge auch kontrovers angesprochen werden dürfen
    – ein weiteres Problem ist das große theologische Auseinander-Difundieren. Es ist im evangelikalen Bereich so gut wie alles in der Moral und in der Gemeindepraxis anerkannt. Die Leiter sollen versuchen alles möglichst mit an Bord zu halten und das funktioniert nicht. Es muß deshalb eine klare Hinwendung zu einer bibeltreuen Gemeindepraxis stattfinden bis hin zur Gemeindezucht.

    Wir brauchen für die Erneuerung unserer Gemeinden wieder eine Bußbewegung resultierend aus 2.Chr. 7,14. Wenn das daraus folgen würde wäre das ein gutes Resultat

  2. H. Richert schreibt:

    Die Frage ist auch nicht, ob Leiter fallen/Fehler machen – jeder Mensch macht Fehler und wird Fehler machen. Die entscheidende Frage ist, wie wir als Christen damit umgehen, und da muss ich dem obigen Kommentator recht geben, dass wir das bisher noch nicht gelernt haben. Es kann nicht sein, dass die Opfer zusätzlich noch durch die Gemeinde durch ein Extrafeuer gehen müssen (siehe als Beispiele Rachel Denhollander oder Jules Woodsen, bei der der Täter von der ganzen Gemeinde Applaus bekommt).

  3. AlexX schreibt:

    …es wird alles erschüttert werden was erschüttert werden kann. Nur ein Reich kann nicht erschüttert werden. Das Königreich von Jesus Christus!

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